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Jason Kidd und Steve Nash: Gegen den Strom

Als Jason Kidd und Steve Nash in die NBA kamen, waren sie Sonderlinge, die teilweise sogar belächelt wurden. Zwei Jahrzehnte später gelten sie als Visionäre und werden völlig verdient in die Hall of Fame aufgenommen.

Text: Ben Golliver

Als Jason Kidd und Steve Nash zum ersten Mal die Bühne der NBA betraten, es war Mitte der 90er Jahre, ähnelten sie dem besten Basketballer aller Zeiten in keiner Weise. Der „nächste Michael Jordan“ zu werden, war eine Bürde, mit der sich ein gewisser Kobe Bryant plagen durfte. Kidd und Nash waren Point Guards, gesegnet mit Brillanz und darauf gepolt, ihre Mitspieler mit dem richtigen Spielzug zu finden. Ihre persönlichen Stärken standen in krassem Gegensatz zu Jordans gnadenloser Mentalität und ihre Schwächen machten den Graben nur noch tiefer. Kein Gegner wagte es jemals, Jordan einen Wurf zu überlassen oder es mit ihm in der Defensive aufzunehmen. Kidd hingegen wurde spöttisch „Ason“ genannt, da er in seinen ersten Jahren keinen Jumper besaß, während Nashs schmächtige Erscheinung ihn zur Sollbruchstelle in der Verteidigung machte.

Abseits des Prismas Jordan überkamen Kidd und Nash die für ihre Position klassischen Wesenszüge. Kidd war groß, kräftig und in der Lage, kleinere Gegenspieler physisch zu dominieren. Er verteidigte über seine Karriere hinweg auf All-Defense-Team-Niveau und startete Fast Breaks gewöhnlich selbst, dank seiner überragenden Reboundarbeit. Seine Vielseitigkeit erinnerte viele an Magic Johnson, doch fehlte es Kidd an Charisma und Körpergröße. Nash erinnerte an John Stockton: klein, unermüdlich und unendlich selbstlos. Nash spielte seine Pässe mit einer einzigartigen Intuition, und einer Spontaneität, die an einen Spielmacher im Fußball erinnerte, und ihn klar von Stocktons roboterhaftem Stil abgrenzte.

Kidd und Nash schwammen zu Beginn ihrer Karriere gegen den Strom in einer Liga, die von Big Men wie Shaquille O’Neal und Tim Duncan beherrscht wurde. Kidd brachte die New Jersey Nets in den Jahren 2002 und 2003 im Alleingang in die Finals, nur um dort von den Lakers und Spurs, angeführt von Shaq und Duncan, besiegt zu werden. Drüben im Westen kam Nash nie ins Finale. Immer wieder blieb er mit Dallas und später mit Phoenix an Los Angeles oder San Antonio hängen.

Selbst von ihren eigenen Teams wurden die beiden Aufbauspieler bisweilen missverstanden und nicht ausreichend wertgeschätzt. Im Alter von 30 Jahren hatte Kidd Wechsel von den Mavericks zu den Suns und den Nets erlebt, während Nash von Phoenix nach Dallas und wieder zurück transferiert worden war. Kidd wurde insgesamt drei Mal in seiner Karriere abgegeben, stets für weniger talentierte Spieler wie Sam Cassell und Stephon Marbury. Nash hingegen wurde erst im dritten Jahr zu einem Starter. In der Hochzeit seiner Karriere beging Dallas einen fatalen Fehler, ließ den Kanadier in der Free Agency ziehen und zerstörte so die einzigartige Partnerschaft zwischen Nash und Dirk Nowitzki.

Diese häufigen Wechsel wären heute undenkbar, sind Franchise-Point-Guards in der NBA doch mittlerweile ein Luxusgut geworden. Wären beide zehn Jahre später in die Liga gekommen, sie wären behutsam aufgebaut, ausreichend entlohnt und von ihren Teams augapfelgleich beschützt worden. Wie Russell Westbrook, Stephen Curry und Damian Lillard. Stattdessen sammelten Kidd und Nash Siege und Assist-Kronen (beide je fünf), während sie darauf warteten, dass die NBA-Intelligentsia entdecken würde, wie sie am besten einzusetzen seien.

Nash fand sein Glück Mitte der 2000er mit zwei MVP-Titeln, als er die „Seven Seconds or Less“-Suns bis tief in die Postseason führte. Headcoach Mike D’Antoni erkannte, dass es schlauer sei, ein System um Nash herum zu bauen – schnell zu spielen, seine magischen Qualitäten als Spielmacher zu fördern und Schützen um den Point Guard herum zu positionieren. Nash mit Konventionen zu behaften, war erfolglos. Und während die Phoenix Suns ihre Gegner überrannten, wuchs Nash zu einem bedeutenden Gegenpol zu den Jordans, Bryants und Allen Iversons der Welt heran. Die Message: Team-Basketball, der alle Beteiligten einbezog, konnte genauso produktiv sein wie die besten Isolation-Scorer der Liga und dabei sogar effizienter. Das Gesicht dieser Philosophie war Nash, der mit einem der makellosesten Sprungwürfe der NBA-Geschichte regelmäßig 50/40/90-Saisons auflegte und trotzdem stets den Pass zum freien Mitspieler bevorzugte.

Über Jahre hinweg schien es so, als würde Jason Kidds Karriere daran scheitern, dass er allein gelassen wurde. Er schaffte es in All-NBA-Teams und genoss individuellen Erfolg, fand jedoch nie einen kongenialen Partner, wie ihn Magic in Kareem Abdul-Jabbar hatte und Stockton in Karl Malone. Mit Mitte 30 kehrte Kidd zurück nach Dallas. Er war ein anderer Spieler, langsamer und besser aufgehoben, aus der zweiten Reihe zu dirigieren. Allerdings war sein Jumper mittlerweile zuverlässig und er selbst mit mehr Wissen gesegnet. In dieser Zeit fand Kidd, wonach Nash bis an sein Karriereende suchte – eine Meisterschaft. Mit 38 Jahren hatte Kidd erhebliche Spielanteile bei den Mavericks, fütterte Nowitzki, versenkte offene Dreier und trickste LeBron James in den Schlüsselsituationen der Finals 2011 aus.

Obwohl Steve Nash und Mike D’Antoni nie den Titel gewannen, um ihre Revolution zu vollenden, war die Niederlage der Suns gegen die Spurs in den Playoffs 2007 ein markanter Wendepunkt in der Geschichte der Liga. San Antonio malträtierte Nash. Im ersten Spiel der Serie verpassten ihm die Spurs eine blutige Nase, in Spiel 4 kam es zu Robert Horrys berüchtigtem Check mit der Hüfte. San Antonio überstand die Serie und gewann anschließend ohne weitere Niederlage die Meisterschaft. Doch der Suns-Stil, geprägt von Spielwitz, Ballbewegung, Small Ball und vielen Dreiern begann sich in der Liga zu manifestieren und schlussendlich durchzusetzen.

San Antonio gewann 2007 den Kampf, Jahre später ergaben sie sich im Krieg der Philosophien. Als die Spurs 2013 erneut in den Finals standen, spielten sie wunderschönen Team-Basketball und keinen „Bully-Ball“ mehr. Der folgende Aufstieg der Golden State Warriors, die Pace-and-Space zelebrieren, hat das Erbe von Steve Nash manifestiert.

Gemessen an den Normen Mitte der 1990er wirkten Kidd und Nash wie Sonderlinge, als sie in die Liga kamen. 20 Jahre später gingen sie als Vorreiter und Visionäre. Kidd verabschiedete sich 2013 in den Ruhestand, jeweils als Zweitplatzierter in der Ewigen Rangliste für Assists (hinter Stockton) und Triple-Doubles (hinter Magic). Nash verabschiedete sich ein Jahr später als drittbester Vorlagengeber der NBA-Geschichte und dem unglaublichen Verdienst, neun Jahre in Folge der Dirigent einer revolutionären Offensive gewesen zu sein.

All diese Rekorde sind nur teilweise dafür verantwortlich, dass Kidd und Nash in diesem Sommer in die Hall of Fame aufgenommen werden. Mit seinen herausragenden Fähigkeiten in allen Bereichen des Spiels wurde Kidd zur Blaupause für Russell Westbrook und all die anderen Allrounder wie Giannis Antetokounmpo und Ben Simmons. Nash revolutionierte das Tempo, das Layout und die Strategie der modernen NBA-Offensive und bereitete damit die Bühne für Stephen Curry und James Harden, zwei herausragende Talente, die D’Antonis Philosophie mit ihren eigenen Stilmitteln erweiterten.

Gemeinsam haben Jason Kidd und Steve Nash für eine Neuorientierung des Spiels gesorgt. In ihre Fußstapfen tritt eine ganze Generation von unangepassten Spielmachern, die Normen auseinanderbrechen und die NBA in eine fruchtbare Zukunft tragen.

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LeBron James: Nur ein Kind aus Akron

Es gibt viele Wege, nach Hause zurückzukehren. LeBron James machte es – welch Überraschung – auf spektakuläre Art und Weise. Bruce Arthur sah sich das ganze aus dem Norden an.

Autor: Bruce Arthur

Erster Akt

Das letzte Basketball-Match in Cleveland, bevor LeBron James ihnen vom Himmel geschickt wurde, war offen gestanden eine jämmerliche Angelegenheit. Die heimischen Cavaliers hatten 16 Siege zu verzeichnen, einen weniger als die bedauernswerten Denver Nuggets. Die Toronto Raptors waren ebenfalls miserabel, und in der NBA miserabel zu sein, ist eine Art Währung. Je schlechter man ist, desto besser stehen die Chancen bei der Draft-Lottery. Und alle wussten, dass LeBron James, der in Akron geborene künftige König, der Hauptgewinn sein würde.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #04

Zufällig hatten die Cavaliers in jener Nacht Glück, und Cleveland war ein denkbar lausiger Ort. Eine Stadt mit einer desolaten Wirtschaft, mit hoffnungslosen Sportklubs, ein Ort, den man sich mühelos als Geisterstadt vorstellen könnte. Cleveland, Ohio.

Aber sie gewannen die Lottery, und LeBron wurde in seine Heimatstadt geschickt, oder nahe genug heran. Geboren wurde er im 63 Kilometer südlich gelegenen Akron. Er wuchs bei seiner Mutter auf, lebte in armseligen Wohnungen, und wunderte sich immer wieder, wohin es sie als nächstes verschlagen würde. Er und seine Mutter zogen in sechs Jahren zehn Mal um und mussten sich oft auf die Güte von anderen Menschen verlassen. Der Sport war seine Rettung. Mit gerade mal siebzehn Jahren war er einer der besten Basketballspieler in den USA. Mit achtzehn stand er bei dem Draft an Position eins. Er baute sich ein Haus in Akron, die Nachbarschaft war schick, aber nicht übertrieben. Er war zu Hause.

Aber Rettung ist keine einfache Angelegenheit.

In den Finals 2007 wurden die Cavaliers von den Spurs weggefegt, und in den Playoffs 2010 gegen das erbitterte Team der Celtics sah es beinahe so aus, als würde LeBron … aufhören. In Spiel 5 stand er herum und behauptete später, er habe sich am Ellbogen verletzt. In Spiel 6 tat er jede Menge für seine Erfolgsstatistik: 27 Punkte, 19 Rebounds, 10 Assists – doch am Ende entschied er sich für die falschen Spielzüge. Dafür ist er doch eigentlich viel zu pfiffig, dachte man beim Zuschauen. Was macht er denn? Ich fragte den Coach der Celtics, Doc Rivers, ein paar Jahre später und er erzählte, er habe einen Spieler gesehen, der erkannt habe, dass er nicht gewinnen könne und nicht wusste, was er tun sollte. Etwa zur selben Zeit fragte ich jemanden, der LeBron gut kannte, ob er Cleveland verlassen könnte. Vorsichtig antwortete er: Er ist FÄHIG dazu.

Am Tag, an dem LeBron Cleveland, eine der ärmsten Großstädte der USA, verließ, saß er in einem Boys & Girls Club in Greenwich, Connecticut, eine der reichsten Postleitzahlen des Landes. Neunzehn Fragen stellte ihm Sportkommentator Jim Gray in einem Live Interview auf ESPN, bis die große Frage kam. „In diesem Herbst … man, das ist echt hart“, antwortete LeBron, „in diesem Herbst werde ich meine Talente nach South Beach tragen und mich den Miami Heat anschließen.“

In jener Nacht verbrannten Fans LeBron-Trikots auf den Clevelander Straßen. LeBron stammte nicht aus Cleveland, nicht ganz. Aber er überließ seine Heimat ihrem Schicksal, und das vor den Augen aller. Es war niederschmetternd.

Zweiter Akt

LeBrons Zeit in Miami war ein Triumph. Die Heat gewannen zwar nicht jeden versprochenen Titel, aber gemeinsam mit Dwyane Wade und Chris Bosh erreichten sie vier NBA Finals in Folge, von denen sie zwei gewannen. Währenddessen wurde aus dem Lokalhelden LeBron der Verräter LeBron, und nach seiner ersten Finalniederlage gegen Dallas, nachdem er bereits in den letzten vier Spielen geschwächelt hatte, war es deutlich zu erkennen: Es machte ihm zu schaffen, nicht geliebt zu werden.

„All die Leute, die mich anfeuerten, ich solle versagen, nun, am Ende des Tages werden sie morgen früh aufwachen und dasselbe Leben haben, das sie hatten, bevor sie heute aufgewacht sind“, sagte LeBron, nachdem Dallas Spiel 6 gewonnen hatte. „Sie werden dieselben privaten Probleme haben wie heute. Ich werde so weiterleben, wie ich es möchte, und ich werde weiterhin die Dinge tun, die ich für mich und meine Familie tun möchte und damit glücklich sein. Sie können sich ein paar Tage oder Monate oder wie lange auch immer darüber freuen, dass nicht nur ich, sondern auch die Miami Heat ihr Ziel nicht erreicht haben. Aber irgendwann müssen sie in die reale Welt zurückkehren.“

Als jemand, der mit siebzehn das Titelbild der Sports Illustrated zierte, hatte LeBron James ein Leben unter ständiger Beobachtung und frei von Fehltritten geführt. Aber im Augenblick des öffentlichen Versagens, nach einem Jahr öffentlicher Verbitterung, prügelte er auf die kleinen Leute, die weniger Glücklichen ein. Eine Unmenge solcher Leute lebte in Cleveland.

Und dann gewann er einen Titel, und einen zweiten, in einem der größten NBA Finals, das man je gesehen hatte. Er war auf dem Gipfel angekommen. Er war der King des Basketballs, spielte mit seinen Freunden, tat eben genau
das, was er schon tun wollte, als er gerade mal dieser Viertklässler war, der mit seiner Mutter von Wohnung zu Wohnung hüpfte. Nach dem zweiten Titel sagte er: „Ich bin LeBron James aus dem Stadtzentrum von Akron, Ohio. Ich sollte nicht einmal hier sein. Das genügt. Jede Nacht gehe ich in die Umkleide und sehe ein Trikot mit der Nummer 6 und James auf dem Rücken. Ich bin gesegnet. Was sie alle über mich außerhalb des Spielfelds reden, ist egal.“

In jenem Augenblick schien LeBron James alles zu haben, was er sich je wünschen könnte.

Dritter Akt

Niemand erwartete, dass er nach Hause gehen würde, nicht einmal nach der Finalniederlage der Heat 2014 gegen die Spurs. Miami erwartete es nicht. Cleveland erwartete es nicht. Das Wetter in Florida im Winter, ein Dach über dem Kopf – manchmal fuhr er mit dem Fahrrad zu den Spielen. Er hätte dort weiter siegen können. Die gesamte Liga wartete auf ihn, genauso wie im Jahr 2010.

Seine Rückkehr nach Cleveland verkündete er durch eine gemeinsam mit Lee Jenkins verfasste Meldung in der Sports Illustrated. Hier ein Auszug aus der Erklärung:

„Ich spüre, dass meine Berufung über den Basketball hinausgeht. Ich habe Verantwortung zu tragen, in mehr als nur einer Hinsicht, und das nehme ich sehr ernst. Meine Anwesenheit kann in Miami etwas bewirken, aber ich glaube, dass es dort, wo ich herkomme, viel mehr bedeutet. Ich möchte, dass die Kinder im Nordosten Ohios, wie viele Hunderte Drittklässler aus Akron, die ich mit meiner Stiftung fördere, erkennen, dass es zum Aufwachsen keinen besseren Ort gibt. Vielleicht kommen einige von ihnen nach dem College zurück und gründen eine Familie oder eröffnen ein Geschäft. Das würde mich zum Lächeln bringen. Unsere Community, die so sehr gekämpft hat, braucht jedes Talent, das sie bekommen kann … In Nordost-Ohio kriegst du nichts geschenkt. Alles muss man sich verdienen. Du arbeitest für das, was du hast. Ich bin bereit, die Herausforderung anzunehmen. Ich komme nach Hause.“

Cleveland verlor im ersten Jahr in den Finals, mit LeBron, der versuchte, das auf seinen Schultern zu tragen, was von seinen gesunden Teamkameraden noch übrig war. 2016 widmete er dem Versuch, seine Teamkameraden anzutreiben, mitzuziehen, zu zwingen und zu unterrichten, denn sie begriffen die Gepflogenheiten des Siegens noch nicht. Er baute ein neues Haus. Nach einem Rückstand von 1:3 gegen Golden State, die den Rekord von 73 Siegen hielten, gelangen LeBron James drei der besten Back-to-back-to- back-Spiele in der Basketballgeschichte. In Spiel 7, bei dem es hin und her ging, legte er seinen höchsten Gang ein; er wuchs über sich hinaus und stellte einen Rekord auf – „The Block“.

Er war der erste Spieler in der Finals-Geschichte, der beide Teams in Punkten, Rebounds, Assists, Steals und Blocks anführte. Das war es, worauf es ankam. Als es vorüber war, weinte er und fiel auf die Knie, hämmerte mit der Faust auf den Boden und bedeckte seine Augen. LeBron weinte, tausende Meilen weg von zu Hause, in Oakland.

„Ich kam nicht ohne Grund zurück“, sagte er, als er sich wieder gefasst hatte. Man fragte ihn nach jenen in Ohio, die glücklich seien, jenen, die sich nie über seinen Weggang geärgert hätten. Er biss nicht an. „Das spielt keine Rolle. Das ist Schnee von gestern. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand für das Gestern interessiert. Morgen werden sie erfahren, dass ich nach Hause komme. Ich komme nach Hause mit dem, was ich versprochen hatte.“

Sie führten seinen Teamkollegen, den Veteranen Richard Jefferson, ans Podium, und er sagte – die Worte schossen förmlich aus ihm heraus: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Mann gesehen, der einem ganzen Staat sagt: ‚Steig mir auf den Rücken, und ich halte dich. Steig mir auf den Rücken, und ich werde dich tragen, und es ist mir egal, ob wir scheitern. Ich werde am nächsten Morgen aufwachen und mit der Vorbereitung fürs nächste Jahr beginnen. Mir ist egal, was die Leute sagen, es ist mir vollkommen wurscht.‘ Nennen Sie mir eine Person in der Geschichte, die es mit einem ganzen Staat aufnehmen würde. Er hat nicht zurückkommen müssen. Er hätte in Miami bleiben oder woanders hingehen können. Er sagte: ‚Weißt du was? Ich gehe zurück nach Hause, weil ich ihnen versprochen habe, dass ich etwas tun kann.‘ Und er hat uns auf dem ganzen Weg unterstützt.“

Schluss

Mein Bild von LeBron James sah stets so aus: Sein Talent ist atemberaubender als alles, was wir bisher gesehen haben. Er ist so groß, so stark, so schnell, so wendig. Es gibt niemanden mit einem solchen Körper. Niemanden, der bei dieser Größe mit solcher Schnelligkeit über das Feld sprinten könnte, der imstande ist, den Sprung zu timen und dann zu fliegen, um diesen Wurf zu blocken.

Und es gibt niemanden, der, mit einem solchen Körper ausgestattet, so am Gegner vorbeiziehen kann wie er, der sehen kann, was er sieht. Wenn er auf dem Feld nach vorne zieht, tänzeln seine weit aufgerissenen Augen vor und zurück, denn er überblickt den gesamten Court. Dwyane Wade erzählte mir einmal, LeBron würde mitten im Lauf das Spiel ändern, um einem Mitspieler zu helfen, der den Ball berühren muss. Der Basketballspieler LeBron zu sein, ist so ähnlich wie der reichste Mann der Welt zu sein: Auf dem Platz kann er beinahe so ziemlich alles machen, was er will.

Außerhalb des Spielfelds war es genau dasselbe. Damals konnte er Cleveland verlassen, denn wer hätte ihn aufhalten können? Er hätte im tropischen Miami bleiben, die strahlenden Lichter von LA jagen, oder nach Houston, Phoenix, Chicago, oder wohin auch immer gehen können. Er hatte zwei Titel. Er hatte alles. LeBron James hätte alles tun können, was er wollte.

Er ging nach Hause.

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Becky Hammon & J.R. Holden: Identitätszeichen

In ihrer Heimat fanden Becky Hammon und J.R. Holden keine Beachtung. Beide gingen ihre eigenen Wege und trafen sich dann doch. Die Geschichte von zwei Wegen und einem Schicksal.

Autor: Cem Pekdoğru

Becky Hammon

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #13

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #13

Madison Square Garden, New York. Die San Antonio Spurs spielen das vierte Spiel der neuen Saison im Big Apple. Die Mannschaft sieht im dritten Viertel nicht so gut aus, verliert zeitweise ihren Angriffsrhythmus gänzlich. Die Spieler der Spurs spielen schon so lange um die Meisterschaft mit, dass sie sich bewusst sind, dass sie selbst in der am unwichtigsten erscheinenden Etappe ihres 82 Spiele langen Kalenders auf etwas stoßen können, das die ganze Saison bestimmen könnte. Die sechsköpfige Assistentengruppe hat sich vor dem letzten Viertel neben Headcoach Gregg Popovich aufgestellt und ist ganz Ohr. Sie sehen genauso ernst aus wie Ärzte, die eine Operation am offenen Herz durchführen.

Für einen der Assistenten ist das hier nicht irgendeine Karriereetappe. Nachdem sie Colorado State, eine Universität, die im Frauenbasketball immer durchschnittlich abgeschnitten hatte, zu Respekt verholfen hatte, durfte Becky Hammon 1999 am WNBA Draft teilnehmen, gehörte allerdings nicht zu den fünfzig Spielerinnen, deren Namen verkündet wurden. Der Grund war einfach zu verstehen: Kein Vereinsvorstand war dazu bereit, von seinem wertvollen Erstrunden-Pick für eine 1,68 Meter große, langsame Spielerin Gebrauch zu machen. Sie konnten ihre Spielintelligenz, Ballbeherrschung und ihr ausgezeichnetes Wurftalent nicht sehen. Sie waren sich sicher, dass niemand sie fragen würde, warum sie Becky Hammon ausgelassen hatten. Am Ende war es New York Liberty, die ihr eine Chance zu bieten wagte und sie ins Pre-Season-Trainingslager einlud. Ich glaube nicht, dass zu den 100 unvergesslichsten Abenden im MSG ein Liberty-Spiel gehört. Andererseits bin ich mir aber auch ziemlich sicher, dass in den acht Saisons, die Hammon bei Liberty verbrachte, einige Spiele als unvergessliche Abende in die persönliche Geschichte vieler Zuschauer eingingen.

Hammon war in South Dakota und in einer Familie aufgewachsen, die ihre Tage – wie dort üblich – mit Jagen, Fischen und Republikanertum verbrachte. Nun sieht sie allerdings so aus, als gehöre sie genau da hin, wo sie ist: wie eine echte New Yorkerin. Ich verliere mich zwischen dem Lächeln in ihrem Gesicht und ihren Falten. Ich kann nicht ausmachen, ob dieses Gesicht einem Mädchen oder einer Oma gehört. In historischen Momenten kann es laut John Berger vorkommen, dass manchmal zwei, drei, sogar vier Generationen in eine Stunde hineinpassen und gleichzeitig existieren.

Seit der Finalserie 1999 durfte kaum ein Zuschauer bei einem Knicks-Spurs-Spiel gedacht haben, dass er einem historischen Moment beiwohnen würde. Aber das hier ist definitiv ein historischer Moment. Und das werden viel mehr Leute begreifen, wenn Becky Hammon in ein paar Jahren die erste Frau sein wird, die jemals als Cheftrainerin einer NBA-Mannschaft auf dem Parkett stand.

Hammon hat nicht erst gestern Abend angefangen, Geschichte zu schreiben, und ihre Taten werden weit über morgen früh hinaus Auswirkungen haben. Einer dieser historischen Momente war im Sommer 2008. Nachdem sie 2003 den Durchbruch geschafft hatte, wurde Hammon in fünf Saisons vier Mal ins All-Star-Team gewählt, wurde aber trotzdem von ihrer Mannschaft zu den San Antonio Silver Stars geschickt. In ihrer ersten Saison in ihrem neuen Zuhause ging sie noch einen Schritt weiter und belegte den zweiten Platz bei der MVP-Wahl. Wenn man bedenkt, dass der Preis an eine Australierin ging, könnte man behaupten, dass sie die beste Amerikanerin war, die damals Basketball spielte. Jedoch teilten nicht alle diese Meinung: Sie wurde nicht in den 23-köpfigen Kader der US-amerikanischen Nationalmannschaft für Peking 2008 gewählt.

Im Zeitalter der Menschen, die ihre Tage mit Klagen darüber verbringen, sie würden nicht die Anerkennung bekommen, die ihnen gebührt, hätte auch Becky Hammon sich damit abfinden können. Gründe hatte sie ja genug. Stattdessen tat sie das, was sie in ihrer gesamten Karriere getan hatte, indem sie die intelligenteste Person in einem Raum war, den sie zielbewusst betreten hatte. Sie akzeptierte das Angebot Russlands, um ihren Traum von Olympia zu verwirklichen.

J.R. Holden

J.R. Holdens Jugend war voller dummer Fehler gewesen. Als er sich mit dem Klapperkasten, den er von seiner Großmutter geerbt hatte, auf den Weg zu einer zwei Stunden entfernten College-Party machte oder als er im Patriot-League-Halbfinale durch zwei aufeinanderfolgende technische Fouls seine letzte Chance, am NCAA-Turnier teilzunehmen, verspielte, war er eindeutig nicht die intelligenteste Person im Raum. Er hatte schon immer Basketball spielen wollen und hatte es geschafft, einige Agenten von seinem Talent zu überzeugen. Allerdings reichte das nicht aus, denn Holden musste auch noch einen Trainer überzeugen, dass er auf dem Spielfeld Verantwortung übernehmen und richtige Entscheidungen treffen könnte.

Holden schrieb in seiner 2011 erschienenen Autobiographie Blessed Footsteps: „Einen Monat nach meinem Uniabschluss saß ich zu Hause und dachte darüber nach, was ich nach dem Sommer tun sollte. Ein Agent rief mich an und sagte, dass er eine ungarische Mannschaft gefunden hatte und ich im Monat 1.200 Dollar verdienen würde. Ich hatte BWL studiert und hätte sicher viel mehr verdienen können, indem ich von 9 bis 17 Uhr arbeitete.“

Beinahe hätte er seine Hoffnung verloren, als er an seinem 22. Geburtstag einen Anruf aus dem alten Kontinent erhielt. Eine lettische Mannschaft namens Brocēni wäre bereit, jährlich 30.000 Dollar zu zahlen, falls er in einer einwöchigen Probezeit den Trainer beeindrucken sollte. Er konnte mit Trainer Valdis Valters nur über einen Dolmetscher kommunizieren und hatte das Gefühl, dass bei der Übersetzung immer etwas verlorenging. Hinzu kam, dass der 16-jährige Sohn des Trainers, Kristaps, der ebenfalls Spielmacher war, bereits mit einem Selbstbewusstsein spielte, das zeigte, dass er auf das Basketballfeld gehörte. Holden ließ seinen Koffer unweit der Tür stehen. Trainer Valters brauchte vier Tage, um sich von Holden beeindrucken zu lassen, und gab das komplette Transferbudget der Mannschaft für einen Rookie aus. Holden hatte den Trainer, den er brauchte, in Riga gefunden.

Ein paar Monate später nahmen sie an einem privaten Turnier in Dubai teil. Holden verbrachte die ersten Weihnachtsfeiertage seiner professionellen Karriere weit entfernt von Zuhause. Die bedeutendste Lektion für seine Karriere erhielt er in derselben Saison von einer europäischen Legende. Er trumpfte gegen Ariel McDonald, den Point Guard der slowenischen Nationalmannschaft, auf, bekam aber nicht nur Lob zu hören: „Du hast gut gespielt, es war eine großartige Show. Aber du hast verloren. Wenn du in Europa wirklich als ein großer Spieler anerkannt werden willst, musst auch noch lernen, zu gewinnen.“ 

Am Ende seiner Rookie-Saison war – professionell gesehen – alles in Ordnung. Andererseits hatte er seit sechs Monaten seine Familie nicht mehr gesehen. Er war sich fast sicher, der einzige Schwarze zu sein, der in Riga lebte. In einem Auswärtsspiel hatte er den äußersten Grad an Rassismus erlebt. Vor seinem Haus stand ein Auto, das er nicht fahren konnte, weil er die manuelle Schaltung nicht beherrschte, und er scheute sich selbst davor, nachts in den Supermarkt um die Ecke zu gehen. Es gab in Europa bessere Orte zum Leben. Nein, er würde niemals in diese Gegend, in die kleine Hölle kleiner Menschen zurückkehren…

Dennoch kehrte er nach drei Saisons in Belgien und Griechenland wieder in jene Gegend zurück. Er hatte eineinhalb Millionen Gründe, um dort zu sein. Neben diesem saftigen Vertrag hatte ZSKA Moskau ihm auch eine traumhafte Wohnung in der Hauptstadt gemietet. Es schien in seinem Leben nichts zu geben, was die Erinnerungen an Riga wachrufen würde. Aber seine Meinung sollte sich ein paar Monate später ändern. Er erlebte für jemanden, der sich als „einen stolzen schwarzen Amerikaner“ bezeichnet, nicht auszuhaltende Belästigungen. Wenn er Zweifel spürte, kamen ihm McDonalds Worte in den Sinn. In Europa würde er keine bessere Chance als ZSKA erhalten, um ein „Winner“ zu werden.

Während seines ersten Engagements bei ZSKA spielte er drei Mal beim Final Four mit. Bei seinen ersten beiden Versuchen hielt er es für sein Pech, dass sie im Halbfinale gegen die Gastgeber antreten mussten, und fühlte, dass er nah dran am großen Sieg war. Der dritte Versuch war in Moskau und dieses Mal waren sie es, die alle für die Favoriten hielten. Aber sie schieden erneut im Halbfinale aus.

Präsident Sergej Kuschtschenko war einer der größten Fans von Holden in Russland. Eines Tages lud er Holden dazu ein, einem Spiel der russischen Nationalmannschaft zuzuschauen. Ein Jahr später war er der erste schwarze Amerikaner, der mit Putins Einwilligung die russische Staatsbürgerschaft erhielt. 2007 erreichte er bei der Europameisterschaft das Finale gegen Spanien. Vor dem Sprungball sah er am Rande des Spielfelds seinen besten Freund Darius. Darius stand auf und streckte seine rechte Faust hoch. J.R. antwortete auf die gleiche Art. Als das Spiel zu Ende war, hatte er den Gastgebern die Party vermiest – er hatte tatsächlich gewonnen. Ein weiteres Jahr später war er für die Olympischen Spiele auf dem Weg nach Peking. Der amerikanische Journalist am Telefon sagte, dass er ihn interviewen wollte.

„Warum rufen Sie mich an? Spricht Becky nicht?“

Peking

Becky sprach. Aber sie war nicht die einzige, die sprach. Die Trainerin der US-amerikanischen Nationalmannschaft, Anne Donovan, sagte zum Beispiel: „Wenn du in diesem Land spielst und im Herzen des Landes aufwächst und ein russisches Trikot anziehst, dann bist du keine Patriotin.“

Ihr Kollege Mike Krzyzewski, der die Männernationalmannschaft trainiert, nahm Holdens Trainer David Blatt ins Fadenkreuz. Er sagte über Blatt, der erzählte, dass er als ein Mensch, der sich das Finale 1972 mit Tränen in den Augen im Radio angehört hatte, das Ergebnis jetzt gerecht finde: „Er ist nun ein Russe. Er trainiert die russische Mannschaft und nimmt jetzt wahrscheinlich ihre Sichtweise ein. Seine Augen dürften jetzt klarer sehen, seine Tränen müssten getrocknet sein.“

Besser wäre es gewesen, wenn nur Becky gesprochen hätte. Sie fragte, was Olympia bedeute. Sie war die Einzige, die den Mut hatte, diese Frage, die viel häufiger gestellt werden sollte, jenen Sommer in die amerikanische Öffentlichkeit zu bringen: „Aus meiner Perspektive sollte es bei Olympia um Solidarität und Freundschaft, um das Zusammenkommen der besten Sportler auf dem Planeten gehen, und nicht darum, sich damit zu brüsten, wie man andere Länder dominiert.“

Es gibt einen weiteren Begriff, der zu den fundamentalen Prinzipien der Olympischen Idee zählt: Freude am körperlichen Einsatz. Becky Hammon und J.R. Holden führen Leben, die um diese Freude herum aufgebaut sind. Und genau aus diesem Grund verdienen sie einen Platz in der olympischen Geschichte.

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Hank Gathers: Der König der Löwen

1990 ist Basketball-Guru Paul Westhead mit seinem College-Team von der LMU auf dem Weg zum Titel – bis Superstar Hank Gathers auf dem Spielfeld zusammenbricht und stirbt. Eine Tragödie mit vielen Helden.

Autor: Alex Raack

Manchmal würde man das Leben gerne anhalten wie eine DVD oder die nächste Netflix-Folge. Um das, was unweigerlich folgen wird, noch eine Weile hinauszuzögern. Weil der Moment zu schön ist und es unerträglich ist, wenn etwas so Schönes plötzlich zerstört wird. Man drückte also einen Knopf auf der Fernbedienung und könnte das Schicksal stoppen. Einfach so. Aber das Leben hat keine Fernbedienung, das Schicksal kennt keine Stopptaste. Und der Tod keine Schönheit. Wenn er kommt, kann ihn niemand aufhalten. Nicht einmal der stärkste Mann Amerikas.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #17

Diese unglaubliche Geschichte, die kein Happy End hat, und trotzdem so viel Freude beinhaltet, beginnt 1987. Da suchen zwei der talentiertesten College-Basketballer des Landes eine neue Uni. Forward Hank Gathers und Shooting Guard Bo Kimble kommen beide aus den Projects in Philadelphia, sie haben ihre Kindheit und Jugend auf den Basketballplätzen von Philly verbracht und dort jedem, der es mit ihnen aufnahm, den Hintern versohlt. Jetzt sind sie blutjunge College-Athleten, hungrig und voller Energie, zwei Rohdiamanten, die nur den richtigen Schliff benötigen. Coach George Raveling von der USC scheint dazu nicht in der Lage gewesen zu sein, er hat sich mit ihnen verkracht. Aber es gibt da einen, der genau nach solchen Spielern gesucht hat.

Paul Westhead, ebenfalls in Philadelphia geboren, Jahrgang 1939, ist seit 1985 an der LMU. 1979 wurde er Assistent bei den Los Angeles Lakers und als sich kurz darauf Headcoach Jack McKinney bei einem Fahrradunfall schwer verletzte, übernahm er die Mannschaft um Basketball-Legende Kareem Abdul-Jabbar und Rookie Magic Johnson, gewann 60 Spiele in der regulären Saison und führte die Lakers sensationell zum Titel. Nur um knapp zwei Jahre später entlassen zu werden, weil insbesondere Superstar Johnson keine Lust mehr hatte, so Basketball zu spielen, wie sich das sein eigenwilliger Trainer vorstellte. Längst ist da der studierte Lehrer der englischen Literatur der „verrückte Professor“ des US-Basketballs, der in der Kabine Shakespeare zitiert und sich voll und ganz einer Taktik verschrieben hat, die nur Vollgas kennt. „Wenn ich dich richtig verstehe“, hatte Magic Johnson Westhead nach einem weiteren Shakespeare-Zitat gefragt, „soll ich zum Korb laufen und punkten, richtig?“

Gathers nennt sich selbst den "stärksten Mann Amerikas"

Richtig. Aber Westheads Idee vom Basketball ist so radikal offensiv, dass Zauberer Magic rebellierte. Als Westhead auch bei den Chicago Bulls nicht glücklich wurde, nahm er 1985 das Angebot der LMU an. Die Uni erschien ihm da als richtiger Ort für seine Idee. Die sieht so aus: Hat seine Mannschaft den Ball, stürmt sie sofort zum gegnerischen Korb, um in weniger als sieben Sekunden zum Abschluss zu kommen. Verliert sie den Ball, presst sie ihn sofort. Run and gun, nennen seine Landsleute dieses System, rennen und schießen. „The more you take, the more you make“, nennt das Westhead selbst. Bedingungslose Offensive ist das, voller Risiko, atemloses Hin-und-Her-Spektakel, scheinbar losgelöst von taktischen Zwängen, Streetball für die Halle. Die Medien nennen es: „The System“, das System.

Als Westhead hört, dass Gathers und Kimble zu haben sind, zeigt er ihnen Videos mit den besten Spielzügen seines Systems. Ob er die Vorspultaste gedrückt habe, fragt Gathers. Nein, antwortet Westhead. Bo Kimble sagt: „Coach, wenn sie uns tatsächlich so Basketball spielen lassen, sind wir dabei.“ Die „Löwen“ der LMU haben neue Mitglieder im Rudel.

Westheads Basketball mag auf den ersten Blick wie anarchisches Parkett-Ping-Pong erscheinen, aber das System ist Ergebnis klarer taktischer Vorgaben und vor allem einer außerordentlichen Physis. Kein anderer Trainer bekommt seine Spieler so fit wie der verrückte Professor. Symbol seiner Trainingsmethodik wird ein 100 Meter hoher Hügel aus weichem Sand, den die Basketballer im Vollsprint erklimmen müssen. Spätestens in der Saison 1988/89 hat die Auswahl der bis dato eher mittelklassigen LMU das System so verinnerlicht, ist so fit, dass Westhead Basketball spielen lässt, wie er sich das wünscht. Im allerersten Match dieser Spielzeit gewinnt LMU 164:138 gegen Azusa Pacific. LMU besiegt seine Gegner nicht, es ist wie ein mächtiger Orkan, der einen irgendwann zur Aufgabe zwingt. „Im letzten Viertel des Spiels“, fasst es Hank Gathers zusammen, „haben die anderen nicht mal mehr Energie für Trashtalk.“

Vor allem der 2,01 Meter große Gathers beeindruckt mit seiner unglaublichen Physis und vereint die kreative Power von der Straße mit der Hingabe eines Profis. Über seinem Bett hängt ein Schild: „Hast du heute wirklich Dein Bestes gegeben?“ Sein Weg als künftiger Superstar scheint vorgezeichnet, in dieser Saison, die LMU bis in die erste Runde der nationalen Hochschulmeisterschaften führt (wo das Team gegen Arkansas verliert), wirft er sagenhafte 32,7 Punkte und pflückt 13,7 Rebounds. Werte, die vor ihm erst ein College-Spieler geschafft hat. Sein kantiges Gesicht schmückt die Titelblätter der Sportpresse und weil er den Medien einen Gefallen tun will und weil das vielleicht auch einfach die Wahrheit ist, nennt er sich vor laufenden Kameras selbst den „stärksten Mann Amerikas“. Ein Superman. Schier unbesiegbar. Sein Kryptonit sind Freiwürfe. Die Quote ist so schlecht, dass er, der Rechtshänder, irgendwann einfach beginnt, mit links von der Linie zu werfen.

Fast Break – Run! – Alley-Oop- Pass zu Gathers – Gun! – ein herrlicher Dunk

In der Saison 1989/90 trifft er trotzdem, wie er will. Und wenn er es nicht tut, dann Bo Kimble (der mit 35,3 Punkten bester Werfer wird). Oder Dreipunkte-Spezi Jeff Fryer („Fryer is on fire!“). Oder Universaltalent Terrell Lowery (der sich später gegen die NBA entscheiden wird – um Baseball-Profi zu werden). Oder wen auch immer Paul Westhead für sein Offensivfeuerwerk in die gegnerische Hälfte schießt. Run. And gun. Am Ende der Saison werden die Löwen 122,4 Punkte im Schnitt erzielt haben, erst im Februar 2016 wird dieser Rekord gebrochen. Coach Westhead notiert in seinem Tagebuch: „Das System begann zu greifen. Bei dieser Mannschaft war es, als ob ich Öl ins Feuer gegossen hätte.“

Dann passiert etwas. Beim Spiel gegen UC Santa Barbara verfehlt Hank Gathers mal wieder einen Freiwurf – und klappt
danach zusammen. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass Gathers unter hypertropher Kardiomyopathie, kurz: HCM, leidet, einer Erbkrankheit, die die Muskulatur der linken Herzkammer verdickt. HCM ist nicht heilbar, aber wird sie frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt, hat der Patient eine normale Lebenserwartung. Aber Hank Gathers ist nicht normal. Nach drei Tagen steigt er zum Belastungstest aufs Laufband, rennt es fast kaputt, bekommt ein Medikament verschrieben und kann gehen. Kurz darauf ist er wieder beim Training und behauptet kühn, die Herzprobleme einfach „wegzutrainieren“. Zwei Spiele setzt er aus, dann steht er wieder in der Starting Five. Ausgerechnet gegen St. Joseph aus seiner Heimat Philadelphia spielt er wie auf Droge. Was er faktisch auch ist: Das starke Medikament macht den starken Hank müde und träge. Er ist der stärkste Mann Amerikas und dieses Medikament saugt ihm die Energie aus den Muskeln wie ein Blasebalg die Luft aus dem Schlauchboot. Auf sein Drängen hin schrauben die Ärzte die verordnete Dosis deutlich runter. Als LMU am 3. Februar 1990 in einem furiosen Spiel Louisiana State mit 141:148 in der Verlängerung unterliegt, kann auch ein junger 2,16-Meter-Center namens Shaquille O’Neal nicht verhindern, dass Gathers 48 Punkte erzielt und 17 Rebounds holt.

Am 4. März 1990 empfängt LMU Portland im heimischen Gersten Pavilion. Gathers’ Familie ist da. Es steht 23:13 für LMU, als der König der Löwen die letzten Punkte seines Lebens macht. Ballgewinn, Fast Break – Run! – Alley-Oop- Pass zu Gathers – Gun! – ein herrlicher Dunk.

Stopp. Anhalten, dieses Leben. Da steht er, eingefroren in der Luft, 201 Zentimeter pure Energie, pure Lebensfreude, die ihre Umwelt mit jugendlicher Unbesiegbarkeit überfluten. Wie an diesem 4. März 1990, um 17:46 Uhr. Ein paar Meter weiter sein Schulfreund Bo, Begleiter auf dieser ur-amerikanischen Traumreise in die NBA. An der Seitenlinie Paul Westhead, dieser hagere Basketball-Rebell. Die Teamkollegen, die Cheerleader, die Fans, Mama und Tante. Die Welt, die ihm zu gehören scheint.

"Wir spielten nicht einfach für Hank, wir spielten wie Hank"

Doch diese Stopp-Taste gibt es nun mal nicht. Das Leben läuft weiter, aber nicht lange, denn Gathers bricht Sekunden nach seinem Dunk zusammen, und als ihm sein Teamarzt befiehlt, liegen zu bleiben, spricht er die letzten Worte seines Lebens, die ja irgendwie auch alles zusammenfassen, was dieses Leben vorangetrieben hat: „I don’t want to lay down!“ – Ich will mich nicht hinlegen. Um 18:55 Uhr wird Hank Gathers im Daniel Freeman Marina Hospital für tot erklärt. Sein krankes Herz hat für immer aufgehört zu schlagen.

Basketball-Fans im ganzen Land sehen die Bilder, wie sich Gathers’ Mutter mitten auf dem Spielfeld schreiend zu Boden wirft und mit den Fäusten aufs Parkett trommelt. Wie ihr Sohn regungslos aus der Halle getragen wird. Und nie mehr wiederkommt. „Vielleicht funktioniert das System nur einmal im Leben“, schreibt Paul Westhead in sein Tagebuch, „und es wurde beendet, als Hank seinen letzten Dunk versenkte.“

Diese Geschichte kann kein Happy End haben. Aber sie geht weiter. Und so schlecht ist sie nicht.

Beim ersten Training nach der Beerdigung ihres Königs stehen die Löwen in der Halle zusammen und wissen, dass sie weitermachen müssen. Für Hank. In der ersten Runde der nationalen NCAA-Hochschulmeisterschaften hat New Mexico State keine Chance. „Wir spielten nicht einfach für Hank“, sagt Bo Kimble, „wir spielten wie Hank.“ Er selbst hat in diesem Spiel den größten Moment seines Lebens, als er an der Freiwurflinie auf einmal von rechts nach links wechselt. „Hank’s Here“, steht auf den Plakaten der Fans. Hank ist hier. Rechtshänder Bo Kimble nimmt den Ball und wirft mit links. Trifft. Die Halle explodiert vor Emotionen. Und LMU gewinnt mit 111:92. Der Außenseiter demoliert in der Folge Titelverteidiger Michigan mit 149:115, schafft ein knappes 62:60 gegen die Defensiv-Bremser aus Alabama und scheidet schließlich erst in den „Elite Eight“ gegen den späteren Hochschulmeister UNLV aus.

Nachtrag

Paul Westhead beendete nach der Saison seine Zeit als Coach an der LMU und fand erst nach sieben Stationen wieder sein Glück: Die Damen der Phoenix Mercury wurden mit seinem System 2007 WNBA-Champion. Er ist damit der einzige Coach, der sowohl in der NBA als auch in der WNBA einen Titel gewann.

Bo Kimble warf über den restlichen Verlauf der College-Saison jeden ersten Freiwurf in einem Spiel mit links. Im selben Jahr schaffte er den Sprung in die NBA. Nach zwei Jahren bei den L.A. Clippers und einer Saison bei den New York Knicks beendete er seine Karriere. Angeblich auch aufgrund psychischer Probleme, die auf den Tod seines Freundes zurückzuführen sind. Später gründete er eine Hilfsorganisation, die heute kostenlose Herzuntersuchungen für Kinder anbietet.

Hank Gathers’ Leben endete am 4. März 1990. Seine Familie verklagte Coach Westhead, die behandelnden Ärzte und die LMU auf Schadensersatz, die LMU zahlte schließlich 1,4 Million Dollar, der verantwortliche Kardiologe eine Million. 2005 hängte man Gathers’ Nummer 44 unter die Decke im Gersten Pavilion. Auf dem Campus der LMU gibt es einen Aufenthaltsraum, der meist von den Sportlern genutzt wird. Die Studenten haben einen schönen Namen dafür gefunden: Hank’s House. Hanks Haus. Auf dass sie dort weiterlebe, die Geschichte vom König der Löwen.

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Kobe Bryant: Der große Abschied

Kann man 20 Jahre Glanz in 48 Minuten pressen? Zum Beispiel im letzten Karrierespiel? Wenn sie Kobe Bryant heißen, ist alles möglich. US-Autor Roland Lazenby erinnert sich für Socrates an Kobes letztes Spiel.

Quin Snyder, Trainer der Utah Jazz, war schon als Mike Browns Assistenztrainer bei den L.A. Lakers beeindruckt von Kobe Bryant. Auch wenn Browns kurze Zeit bei den Lakers ein Reinfall war, hatte Snyder dort immerhin die Gelegenheit, Kobe Bryant etwas näher kennen zu lernen. Dieser war unnahbar, in seinen gesamten 20 Jahren bei den Lakers hielt er alle Mannschaftskollegen, mit denen er spielte, auf Abstand. Der ehemalige Lakers-Trainer Mike D’Antoni sagte einmal über ihn: „Wollen Sie die Wahrheit hören? Kobe ist ein großes Arschloch.“

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Es war also nicht gerade wahrscheinlich, dass Kobe sich für einen Assistenztrainer wie Snyder besonders interessieren würde. Aber es lag etwas zu Snyders Gunsten vor – er hatte College-Basketball an der Duke Universität bei Mike Krzyzewski gespielt. Für Bryant war Krzyzewski der Trainer schlechthin, seit er in der High School davon träumte, an der Duke zu spielen. Dazu kam es nicht, denn Bryants Familie konnte sich das nicht leisten und brauchte dringend Geld. Also nahm er ein heimliches Angebot von Adidas an und ging nicht zum College, sondern direkt in die NBA. Diese Entscheidung bereute er lange. Aber Duke hatte er immer toll gefunden – das ließ auch seine Leistung im Team USA bei den Olympischen Spielen 2008, trainiert von Krzyzewski, erkennen.

Der Artikel erschien in der 3. Ausgabe von Socrates im Dezember 2016

Der Artikel erschien in der 3. Ausgabe von Socrates im Dezember 2016

Kobe Bryant war nicht mehr in Form

Bryant und Snyder freundeten sich schließlich an, worauf Snyder sehr stolz war. Aber nun gab es ein Problem – Snyders Team, Utah Jazz, sollte die letzte Mannschaft sein, gegen die Bryant in seiner NBA-Karriere spielen würde. Kobe Bryant war durch seine vielen Verletzungen in den letzten Jahren und das exzessive Training nicht mehr in Form. Fast seine ganze 20. Saison über spielte er so schlecht, dass Lakers-Spiele praktisch eine Zumutung für die Zuschauer wurden. Aber er trainierte für eine letzte große Überraschung bei seinem Abschiedsspiel. Das wollte er auf keinen Fall verpatzen, sondern es sollte eine letzte große Show werden, die in Erinnerung bleiben würde.

Während der Saison hatte er zwar wegen seines Alters schon ziemlich kämpfen müssen, aber wer weiß, vielleicht würde er ja sogar 30 oder 40 Punkte schaffen – in seinem 1346. Profispiel! Warum nicht? Früher war noch Michael Jordan sein Referenzpunkt, an dem er sich maß. Seine letzte Saison war zwar im Ergebnis nicht besonders erfolgreich, aber wenn er nun bei seinem letzten Spiel noch einmal an seine früheren Leistungen anknüpfen könnte, dann würde er den eigentlichen Endgegner aller Sportler besiegen: das Alter.

„Ich kann es nicht fassen“

„Ehrlich gesagt kann ich es nicht fassen“, sagte er nach dem Spiel. Auch Snyder und die Jazz konnten es nicht fassen: „Viele von uns standen unter Schock“, meinte Gordon Hayward von den Jazz später. Bryant hatte in seiner letzten Ansprache vor dem Spiel nur eine Forderung an seine jüngeren Team-Kollegen gehabt: „Ihr müsst alles geben. Das ist mir wichtig.“ So kam es aber nicht. Die Lakers lagen das ganze Spiel über zurück, bis zum letzten Viertel, in das sie mit einem 14-Punkte-Rückstand gingen. Doch dann drehte Bryant auf und lieferte ein nicht für möglich gehaltenes 60-Punkte-Spiel ab. Und das mit 37 Jahren. Das Beste: Sein letztes Abtauchen in „The Zone“ bescherte den Lakers einen 101:96-Comeback- Sieg, der die Fans im Freudentaumel toben ließ.

Die Zahlen des Spiels sprechen für sich. Im Schlussviertel drehte Bryant allein die Partie zugunsten der Lakers und erzielte 23 Punkte – die Jazz nur 21. Mit 17 Punkten in Folge führte er die Aufholjagd an. Obwohl die Saison 2015/16 eine mit vielen High-Scores gewesen war, hatte kein anderer NBA-Spieler ein 60-Punkte-Spiel geschafft. Davon gab es überhaupt nur 31 in der NBA seit 1963, wie der Journalist Howard Beck anmerkte. In den letzten elf Saisons gab es acht, und fünf davon schaffte Kobe Bryant.

„Wirf, wirf, wirf!“

Wilt Chamberlain war 1969 einst mit 32 Jahren der älteste Spieler, der je 60 Punkte in einem Spiel erreicht hatte (genauer gesagt 66), aber diesen Rang hat Bryant ihm nun mit 37 Jahren in seinem letzten Spiel abgelaufen. Bryant verwandelte 22 seiner 50 Wurfversuche (Karriere-Bestwert); von seinen 21 Dreier-Versuchen traf er allerdings nur sechs. Sogar er selbst wunderte sich über den eigenartigen Verlauf des Spiels: „Meine Mitspieler haben mich die ganze Zeit ermutigt und meinten immer: Wirf, wirf, wirf! Das war wie eine verkehrte Welt. Ich war auf einmal nicht mehr der Blöde, sondern der Held und es hieß nicht mehr Pass!, sondern Wirf! Das war echt merkwürdig.“

In derselben Nacht beschlossen die Golden State Warriors in Oakland ihre historische Saison mit 73 Siegen, den meisten in einer Saison überhaupt, besser als die 72 Siege der Chicago Bulls mit Michael Jordan 1996. Aber irgendwie schaffte es Bryant, den Warriors die Show zu stehlen.

An jenem Abend nutzte er seine letzte Gelegenheit, die Lakers-Fans daran zu erinnern, wofür sie ihn jahrelang so verehrt hatten. Aber das war nichts verglichen mit China, wo 110 Millionen das letzte Spiel des Mannes eingeschaltet hatten, den sie verehren wie Elvis. „Ich kann nicht glauben, dass 20 Jahre vergangen sind“, sagte er nach dem Spiel zu den Fans im Staples Center. Er hat seinen Traum wahrgemacht. Nachdem er angekündigt hatte, dass er nach seinem Ausstieg Autor und Produzent werden würde, hat er sich nun selbst einen Bilderbuch-Abschied geschrieben. „Was Besseres als das kann man sich nicht ausdenken“, sagte er. Dann hob er die Arme zum Publikum und sagte: „Mamba out.“ Schon kurz danach standen T-Shirts mit diesem Spruch auf seiner Webseite zum Verkauf.

„Er hat bestimmt noch mehr vor“

Snyders hatte vor dem vorletzten Spiel gegen die Lakers mit Bryant gesagt: „Wir haben uns im Sommer ab und zu geschrieben.“ Bezüglich des letzten Spiels meinte er: „Auch wenn wir verloren haben, war es toll, bei dem Spiel dabei gewesen zu sein, besonders für mich als sein Freund. Man will natürlich immer gewinnen. Aber ihn zu sehen… Ich habe das Video von den letzten vier Minuten mehrmals angeschaut, wo er elf Punkte in Folge macht. Das werde ich nie vergessen. Und wenn ich es vergessen sollte, wird er mich wahrscheinlich eh daran erinnern…“ Ein bisschen Rumblödeln gehört für beide dazu.

„Ich war sehr aufgeregt darüber, dass er sein Unternehmen gegründet und die Glocke geläutet hat“, sagte Snyder in Bezug auf Bryants Börsengang, „er hat bestimmt noch mehr vor.“

Kobe Bryant meinte vor kurzem, dass er es bis jetzt noch nicht vermisst hätte, in der NBA zu spielen. Das liegt bestimmt daran, dass er immer noch in Dauerschleife sein letztes Spiel anschaut.

Roland Lazenby