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Axel Kromer: Die neue Generation ist jetzt

Der deutsche Handball steht im Umbruch – für DHB-Sportvorstand Axel Kromer bedeutet das viel Arbeit, aber ihm ist nicht Bange. Mit SOCRATES spricht er über die neuen Strukturen.

Autor: Björn Pazen

Herr Kromer, der DHB hat Anfang Januar die Bundestrainer im männlichen Nachwuchsbereich ausgetauscht. Der bisherige Juniorentrainer Erik Wudtke ist nun für die Jugend verantwortlich, André Haber, interimsweise Cheftrainer beim SC DHfK Leipzig, hat die Junioren übernommen. Was wird mit der Neustrukturierung kurzfristig und langfristig angepeilt?

Das Interview erschien in Ausgabe #17

André Haber und Erik Wudtke arbeiten an Schlüsselpositionen des Nachwuchsleistungssports. Beide sind herausragende Experten, die perfekt in unsere neuen Strukturen passen. Höchste Qualität in der Arbeit mit den heutigen Top-Talenten ist die Grundlage für den künftigen Erfolg unserer Nationalmannschaften. Von Andrés Erfahrungsschatz aus der Bundesliga können wir im DHB sehr profitieren. Erik kennt aus zahlreichen Perspektiven den Weg, den unsere Top-Talente für eine ideale Entwicklung nehmen sollen.

Das Trainerteam des DHB ist ziemlich jung: Wudtke ist 45, Männer-Bundestrainer Christian Prokop 39 und André Haber 37 Jahre alt. Können Sie uns diese neue Mentalität beziehungsweise Neustrukturierung des DHB erklären?

Es gibt keine neue Mentalität im Nachwuchsbereich, dort hatten wir schon immer junge Trainer. Als Markus Baur, Christian Schwarzer oder Jochen Beppler diese Posten übernahmen, waren sie auch sehr junge Trainer. Was auffällt, ist, dass unser Männer-A-Trainer Christian Prokop ein U40-Trainer ist. Das ist ungewöhnlich, aber nicht einmalig. Der Isländer Kristján Andrésson hat als 37-Jähriger Schweden gerade zur Silbermedaille bei der Europameisterschaft geführt. Er ist aber auch schon acht Jahre als Erstligatrainer erfolgreich gewesen. Generell gilt für unseren Trainerbereich dasselbe wie bei den Spielern: Es gibt nicht jung oder alt, sondern nur gut oder nicht gut. Wir legen bei der Besetzung unserer Posten nicht Wert aufs Alter, sondern auf das Profil. Eines ist aber offenkundig: Durch die Professionalisierung der Nachwuchsbereiche in der Männer-Bundesliga gibt es jetzt eine neue Generation von jungen Trainern, die schon viel Erfahrung in diesem Bereich mitbringen. Aus diesem Pool stammt Christian Prokop, der ja schon 14 Jahre Trainer war, bevor er Bundestrainer wurde. Auch unser neuer Juniorentrainer André Haber wurde im Nachwuchsbereich von Bundesligisten aufgebaut, oder Jochen Beppler, der in Wetzlar seine ersten Sporen verdiente.

Ist das ein Trend wie im Fußball mit Nagelsmann oder Tedesco?

Erfahrungen aus einer eigenen Karriere sind natürlich sehr wertvoll, aber sie sind kein Ersatz für die Kenntnisse und Fähigkeiten, die man sich in Bereichen wie Teamführung oder Inhaltsvermittlung akribisch angeeignet haben muss.

Kromer: Der Verjüngungsprozess ist stetig im Gange

Innerhalb weniger Monate wurden die Posten bei A-Nationalmannschaft, Junioren und Jugend ausgetauscht. Kann man sagen, dass die Übergangsphase langsam zu Ende geht?

Ich denke nicht, dass es viele Trainerwechsel gab, es wurden lediglich Positionen geändert. Viele dieser Verantwortlichen haben auf Honorarbasis als Co-Trainer angefangen und sich dann für höhere Aufgaben empfohlen. Das war bei mir genauso der Fall wie bei unserem neuen Chefbundestrainer Nachwuchs, Jochen Beppler, oder jetzt bei Erik Wudtke, der vom Co-Trainer Junioren zum Cheftrainer Junioren wurde und nun hauptamtlich als Jugend-Bundestrainer fungiert. André Haber war zunächst Co-Trainer in der Jugend und ist jetzt für die Junioren verantwortlich. Alle haben ihren Einstieg als Sprungbrett genutzt, deswegen kann man definitiv nicht von einer Übergangsphase mit vielen Wechseln sprechen.

Stimmen Sie zu, dass es ein Grund für zuletzt fehlende Titel im männlichen Nachwuchsbereich ist, dass junge Spieler frühzeitig bei den Männern zum Einsatz kamen, damit die Nationalmannschaft verjüngt werden konnte?

Ich sehe nicht, dass wir im Nachwuchsbereich nicht erfolgreich sind. In meiner Zeit als Co-Trainer der Junioren wurden wir 2014 Europameister und gewannen 2015 WM-Bronze – und das ohne die drei großen Stars des Teams, Paul Drux, Fabian Wiede und Jannik Kohlbacher. Der Grund – und da haben Sie recht – ist, dass diese drei bereits den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft hatten. Wiede und Kohlbacher wurden ein halbes Jahr später Männer-Europameister, Drux, in Polen leider verletzt, stand sogar schon bei der WM 2015 in Katar im Kader. Und auch in der Folge waren wir im Nachwuchsbereich erfolgreich, haben 2016 EM-Silber bei den Junioren und EM-Bronze bei der Jugend gewonnen und ein Jahr später mit viel Pech eine Medaille bei der Junioren-WM verpasst.

Und wo steht die nächste Generation?

Wenn ich mir den aktuellen Kader der A-Nationalmannschaft anschaue, stehen dort mit Tim Suton und Marian Michalczik zwei dieser Junioren bereits im Kader. Unser Ziel ist es, aus jedem Doppel-Jahrgang der Junioren zwei Spieler in die A-Nationalmannschaft zu führen. Und wenn ich mir die aktuelle Juniorenmannschaft anschaue, sehe ich dort viele Spieler, die mittelfristig ihre Chance in der A-Nationalmannschaft bekommen werden. Der Verjüngungsprozess ist also stetig im Gange. Und wenn man sich unsere aktuelle A-Nationalmannschaft anschaut, ist dort niemand, der altersbedingt bis Olympia 2020 aufhören muss, sie können alle noch in Tokio spielen. Uns ist aber wichtig, dass die nachrückenden Spieler die Qualität haben, für Konkurrenz zu sorgen. Es werden junge Leute dazukommen, da bin ich mir sicher.

Kromer: Wir haben mit Henk Groener einen erfahrenen Mann verpflichten können

Die deutschen Handballerinnen haben zuletzt 2007 eine Medaille gewonnen, seit 2011 wurde der Bundestrainer vier Mal gewechselt. Gibt es nun mit dem Niederländer Henk Groener einen Neuanfang?

Nach der skandinavischen Variante mit Heine Jensen und Jakob Vestergaard, die beide vorzeitig gehen mussten, hatten wir mit Michael Biegler einen Projekttrainer. Wir haben hart um ihn gekämpft, aber es war von Beginn an klar, dass er diesen Posten nur bis zum Ende der Heim-EM 2017 übernehmen würde. Jetzt haben wir mit Henk Groener einen erfahrenen Mann mit langfristiger Ausrichtung verpflichten können. Daher hatte diese Trainer-Fluktuation nachvollziehbare Gründe, nun geht es um Langfristigkeit. Im weiblichen Nachwuchsbereich hängt dies auch mit der noch ausbaufähigen Hauptamtlichkeit zusammen. Wir haben weitere Mittel beim Bundesministerium für Inneres beantragt, um neue Stellen zu schaffen. Weil aber noch keine neue Regierung im Amt ist, hängen wir dort – wie viele andere Sportverbände – derzeit noch in der Luft.

In den letzten drei Jahren hat es kein deutscher Verein ins CL-Finale geschafft. Auch dieses Jahr scheinen die Bundesligisten schwächer als vermutet zu sein, andere Klubs scheinen auch wirtschaftlich stärker. Wie kann sich die Neustrukturi rung im Nachwuchsbereich auf deutsche Vereine langfristig auswirken?

Es ist für den ganzen deutschen Handball erschreckend, dass 2017 erstmals keine deutsche Mannschaft beim Finalturnier in Köln dabei war, nachdem zuvor teilweise sogar zwei Bundesligisten am Start waren. Man muss aber Folgendes betrachten: 2016/17 standen in 13 Monaten drei großen Turniere inklusive Olympia an, in denen die Spieler gefordert waren. Hinzu kommt die große Dichte in der Bundesliga, wo jedem Spieler an jedem Wochenende alles abverlangt wird. Wenn man sich die Konkurrenten anschaut, haben sie diesen Druck in ihren Ligen nicht, sie können sich vielmehr auf ihre Einsätze in der Champions League konzentrieren. Das beste Beispiel waren die Rhein-Neckar Löwen, die innerhalb von 20 Stunden in Leipzig und in Barcelona spielen mussten. Der Gegner, der in der spanischen Liga konkurrenzlos ist, konnte sich taktisch über eine Woche lang gezielt vorbereiten. Was die Chancen für junge deutsche Spieler betrifft: Jeder muss eine gewisse Erfahrung mitbringen, aber die Qualität, die im absoluten Spitzenbereich verlangt wird, ist da.

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Christian Prokop: Der klare Weg

Christian Prokop musste eine schwierige Entscheidung treffen: Für die Erfüllung des eigenen Traums. Heute ist er Deutschlands Handballhoffnung. Socrates traf ihn.

Autor: Fabian Held

An einem herbstlich grauen Tag schlendert Christian Prokop zu einem Café am Leipziger Marktplatz. Im hektischen Treiben zwischen Gemüse-Ständen und dem Außensitz des Cafés wird die Anwesenheit des Handball-Bundestrainers nicht besonders gewürdigt. Heute habe er noch keine Autogramme schreiben müssen, erzählt der 38-Jährige lachend.

In Leipzig ist die Familie Prokop heimisch geworden. Vielleicht auch, weil das Familienoberhaupt entspannt durch die Stadt laufen kann, ohne überall aufzufallen. RB Leipzig spielt in diesen Tagen das erste Mal in der Champions League. Deren Trainer Ralph Hasenhüttl zieht sich die Schirmmütze tief ins Gesicht, wenn er mit dem Fahrrad vom Trainingsgelände nach Hause fährt, um nicht alle paar Meter ein Autogramm geben zu müssen.

So unterschiedlich ist die Wahrnehmung. Alle Augen auf den Fußball, der Handball fällt da manchmal hinten runter. Dabei ist die Leistung von Prokop als Trainer nicht gering zu schätzen. Es gibt gute Gründe, warum er nun Deutschlands sportlicher Vordenker im Handball ist. Trotz seines Alters und obwohl er bislang noch nicht auf dem allerhöchsten Level gecoached hat.

Leidenschaftlich spricht Prokop über den Sport, den er liebt, nach dem er auch ein bisschen verrückt ist, wie er selbst eingesteht. „Aktives Verteidigen“, „attraktiver Handball“, „Begeisterung“, „Emotionalität“, sind Schlagworte, die immer wieder fallen. Prokop hat einen klaren Plan, einen klaren Weg, den er beschreitet. Davon lässt er sich nicht so leicht abbringen. Das mag stur, vielleicht auch etwas eigenbrötlerisch wirken, doch der Erfolg gab ihm bislang Recht. Jetzt holt er aus, für den ganz großen Wurf.

Die entscheidende Wendung passierte 2013

Um die Beziehung zwischen Prokop und dem Handball zu verstehen, eignet sich eine Anekdote. Im Frühjahr 1999 ist der linke Rückraumspieler Christian Prokop ein aufstrebendes Talent in der zweiten Liga. Bei einem Länderspiel der B-Nationalmannschaft verletzt er sich schwer am linken Knie. Die Ärzte sind der Ansicht, dass dies das Ende für Prokop im Profisport bedeutet. Doch der will weiter Handballspielen. Also schult er sich selbst um. Statt mit seiner stärkeren rechten Hand, wirft er fortan mit der schwächeren linken, um so das lädierte Knie zu entlasten. Er kämpft sich noch mal heran, doch muss sich eingestehen, dass es für die ganz große Karriere nicht reichen wird.

Kurz spielt er noch für seinen Heimatverein, die HG 85 Köthen, in seinem Geburtsort in Sachsen-Anhalt. Er erwirbt die A-Trainer-Lizenz und studiert Realschullehramt mit den Fächern Sport und Wirtschaft. Nebenher trainiert er Mannschaften in den unteren Ligen, tastet sich Stück für Stück nach oben. Von der dritten in die zweite, in die erste Spielklasse.

Die vielleicht entscheidende Wendung in der Karriere passiert 2013, als Prokop von TUSEM Essen zum SC DHfK nach Leipzig wechselte. In Leipzig und Umgebung gab es zwar eine gewisse Handballhistorie, doch wie in vielen anderen Sportarten auch, ging nach der Wende viel kaputt.

Karsten Günther machte sich als Geschäftsführer nun auf den Weg, das zu ändern. Und holte mit Prokop den richtigen Trainer. Prokop durfte nach seinen Wünschen ein junges Team formen. Der Aufsichtsrat um Handball-Legende Stefan Kretzschmar und Günther ließen ihn machen. Prokop schaffte den Aufstieg in die Bundesliga, den Klassenerhalt, den Einzug ins Final Four des DHB-Pokals, etablierte Leipzig als Handballstandort auf der Bundesligalandkarte.

Er musste viele Strukturen erst schaffen

„Es war vom ersten Gespräch an eine große Vertrauensbasis beider Seiten da“, beschreibt es Prokop, „alle waren geerdet und realistisch. Ich konnte in Ruhe eine Mannschaft aufbauen, die taktisch intelligent spielt und auf fast jede Situation vorbereitet war.“ Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit wuchs auch das Vertrauen der Spieler in ihren Chef. „Ich habe immer gedacht, dass ich mal ein halber Drittligaspieler werde und jetzt stehe ich im Final Four“, sagte zum Beispiel Leipzigs Kapitän Lukas Binder nach der Qualifikation zur Endrunde des DHB-Pokals.

Als Vereinstrainer hat sich Prokop beweisen können. Platz elf und acht in der Bundesliga sind für die Leipziger ein großer Erfolg. Dabei musste er viele Strukturen erst schaffen. Krafträume, Trainingshallen, Übernachtungen in Hotels – das alles fehlte. Günther ist dabei das perfekte Gegenstück zu Prokop. Rührselig schüttelte er im VIP-Bereich so lange Hände, bis das nötige Geld da war. Entsprechend war es für den Geschäftsführer ein großer Schock, als der Deutsche Handballbund (DHB) auf den Plan trat und Prokop als Nachfolger von Dagur Sigurðsson abwerben wollte. Der Isländer hatten den deutschen Handball aus dem Tal der Tränen gehievt, entsprechend groß sind seine Fußstapfen.

Die Verhandlungen zogen sich. Auch weil Prokop selbst zögerte. „Wenn man die Chance bekommt, als Nationaltrainer zu arbeiten, werden das nur wenige ablehnen, weil es mit viel Identifikation und viel Nationalstolz verbunden ist“, sagt er. Auf der anderen Seite fühlt er sich sehr wohl beim SC DHfK.

Christian Prokop will erfolgreich sein

Als die Verhandlungen öffentlich werden, versuchen die Fans, Prokop umzustimmen. Bei einem Heimspiel halten sie Schilder mit den Initialen „CP“ hoch. Der Trainer ist der Star der Mannschaft, wird gefeiert. „Dass es zwischenzeitlich gehakt hatte, lag an einer menschlichen Reaktion. Ich konnte das Kapitel Leipzig nicht einfach so beenden. Ich habe zwischenzeitlich mit mir zu kämpfen gehabt“, gesteht der 38-Jährige.

 Dieser Artikel erschien in Ausgabe #13

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Am Ende geht er doch. 500.000 Euro soll der DHB gezahlt haben. Auch wenn die Zahl nie bestätigt wurde, hat man sie ebenso wenig dementiert. Für Handballverhältnisse ist das eine Rekordsumme. An Prokop ist ein klarer Auftrag formuliert: Gold bei der WM 2019 und den Olympischen Spielen 2020 soll es bitte werden.

Die Frage nach dem Druck lächelt Prokop weg. Entspannt lässt er sich in den Stuhl fallen, die wachen Augen funkeln freundlich. „Aktuell empfinde ich noch keinen Druck“, sagt er. Die EM ist noch einige Monate entfernt. Dabei ist er jetzt nicht mehr nur für sich und seine Mannschaft verantwortlich, sondern für den Handball in Deutschland insgesamt. Denn wenn die Nationalmannschaft erfolgreich ist, steigt das Medieninteresse. Spielt die DHB-Auswahl schlecht, erlischt das Interesse der Deutschen am Treiben auf der Platte.

Doch Prokop will erfolgreich sein, möglichst attraktiven Handball spielen, wie er äußerst lebhaft erzählt. Im Zentrum seiner Handballphilosophie steht die Abwehr. Laufintensiv, individuell eingestellt auf jeden Gegner und möglichst variantenreich. Dabei soll die Abwehr nie nach Schema F agieren und so schwer durchschaubar bleiben. Das alles erfordert viel Kommunikation. „Ich will, dass die gesamte Mannschaft miteinander spricht“, betont Prokop. Steht die Abwehrreihe zu nahe am Sechs- Meter-Kreis, haben die Rückraumspieler des Gegners zu viel Platz zum Werfen. Attackiert die Abwehr zu früh, bekommt der gegnerische Kreisläufer zu viel Platz.

Voller Fokus auf den Handball

Diese Feinheiten sind es, auf die sich Prokop stürzen kann. In Videos analysiert er das eigene Abwehrverhalten, zeigt Lösungen und Fehler. Gleichzeitig seziert er in Videoschulungen auch den Gegner. Bei allen taktischen Finessen legt Prokop aber auch Wert auf Emotionen und Mentalität. „Wir wollen die Zuschauer begeistern“, sagt der Nationaltrainer.

Prokop ist ein junger, moderner und taktisch versierter Trainer. Das, plus der Hintergrund mit der früh beendeten Spielerlaufbahn, hat dem 38-Jährigen den Titel „Julian Nagelsmann des Handballs“ eingebracht. Prokop selbst kann mit derlei Vergleichen allerdings nicht viel anfangen. „Ich kann von der Arbeit vom Typ her gar keinen Vergleich zu Julian Nagelsmann wagen. Ich sehe, abgesehen vom Alter, wenige Parallelen“, sagt der Handball-Nationalcoach.

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Überhaupt ist Prokop niemand, der „zu weit über den Tellerrand hinaus blickt“. Voller Fokus auf den Handball, die Trainingsmethoden anderer Sportarten interessieren ihn nicht so sehr.

Doch laute Beschwerden über die Rahmenbedingungen sind von Prokop nicht zu hören. Er ist Pragmatiker genug, um zu erkennen, in welchen Konflikten er sich nur unnötig aufreiben kann. Dass die Belastung für die Spieler zu hoch ist, die quasi immer im Drei-Tages-Rhythmus spielen, dazu jedes Jahr ein großes Länderturnier haben, will er gar nicht groß kommentieren. Eine einfache Lösung gibt es nicht, dafür ist die Gemengelage zu komplex. Eine populistische Forderung zu stellen, hilft auch nicht. „Ich möchte über das Thema nicht so viel sprechen. Es dient sonst nur häufiger als Alibi“, findet Prokop.

Prokop möchte Titel sammeln

Schon jetzt bereitet sich Prokop auf die möglichen Gegner bei der EM im Januar in Kroatien vor. Europaweit analysiert er Ligaspiele, um Trends und Taktiken auszumachen. Die Erwartungen an die deutsche Mannschaft sind hoch, die DHB-Auswahl ist Titelverteidiger und somit Mitfavorit. Prokop ist ein akribischer Arbeiter. Mindestens. Manche würden es auch versessen nennen. Der Übergang ist sicher fließend. Dabei wird die Vorbereitung künftig eine andere sein. In Leipzig konnte Prokop einzelne Spieler über einen langen Zeitraum individuell besser machen. Bei den anstehenden Turnieren hat Prokop nun nur wenige Tage Zeit, um die ganze Mannschaft vorzubereiten. Dabei stehen mehr gruppentaktische Themen im Vordergrund.

Für Prokop ist die EM das erste große Turnier, das erste Mal im internationalen Rampenlicht. Als Trainer hat der 38-Jährige dabei eine recht komfortable Position, denn ihm stehen eine ganze Reihe junger, hungriger Talente zur Verfügung. Das Gerüst der Mannschaft um Rückraumspieler Paul Drux und Torwart Andreas Wolff kann noch viele Jahre auf höchstem Niveau Handball spielen. Dazu kommen altgediente Stammkräfte wie Uwe Gensheimer. Die „Bad Boys“, wie sie sich selbst nennen, haben das Potenzial, eine Generation zu prägen, wie es Henning Fritz, Markus Bauer, Pascal Hens und Co. getan haben, die 2007 im eigenen Land Weltmeister wurden. Das Einzige, was den Deutschen fehlt, ist ein Rückraumwerfer von Weltformat, wie etwa ein Mikkel Hansen aus Dänemark.

„Dieser Beruf fühlt sich gut an. Ich übe ihn mit viel Freude und Identifikation aus“, betont Prokop. Schritt für Schritt hat er die Karriereleiter erklommen, ist als junger Trainer auf dem höchsten deutschen Trainerposten angekommen. Seinen Weg hat er konsequent verfolgt. Der Vertrag beim DHB läuft bis 2022. Bis dahin möchte Prokop Titel sammeln, möglichst eine Ära prägen. Die Voraussetzungen sind alle da. Daran wird er sich messen lassen müssen. Jetzt liegt der Ball bei Prokop.