Archiv für die Kategorie: Rennsport

,

Lewis Hamilton: „Ich bin eine Marke“

Er ist der besten Sportler der Welt und wieder auf Erfolgsspur. Doch das reicht Lewis Hamilton nicht. Im Cover-Interview mit SOCRATES erzählt der Engländer, warum er sich als Weltmarke sieht. Die 24. Ausgabe ist ab sofort im Handel.

 

Lewis Hamilton: Der Star der anderen Welt

Lewis Hamilton ist auf dem besten Wege Weltmeister in der Formel 1 zu werden. Der Vorsprung auf Sebastian Vettel beträgt bei verbleibenden sechs Rennen 40 Punkte. Doch der Brite sieht sich mehr als „nur“ ein Rennfahrer. Er sieht sich als Weltmarke. Darüber spricht er im Interview mit SOCRATES.

Außerdem schreibt F1-Expertin und Hamilton-Kennerin Karin Sturm, wie der Formel-1-Star in einer Welt, zu der er eigentlich nicht gehört, Anerkennung fand. Ein Leben im fortwährenden Kampf.

Was gibt es noch in der Ausgabe #24?

  • Die NBA startet: Die Invasion der Einhörner steht bevor
  • Lucien Favre: Wie der Schweizer den BVB zu einer besseren Zukunft führen will
  • Vllle Koistinen: Der DEL-Star über kuriose Tore und eine Liebeserklärung
  • Dies und vieles mehr in der neuen Ausgabe von Socrates
,

Michael Schumacher: Das große Rätseln

Michael Schumacher ist heute 49 Jahre alt geworden. Seit über vier Jahren ist über seinen Zustand nichts bekannt. Verständlich. Oder doch nicht? Socrates-Autorin Karin Sturm ging der Sache im Februar 2017 auf den Grund.

Über vier Jahre ist er jetzt her, jener Tag Ende Dezember 2013, jener Skitag in den französischen Alpen, der das Leben des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher komplett veränderte. Strahlender Sonnenschein begrüßt ihn, seinen Sohn Mick und ein paar Freunde, als sie in den französischen Alpen im Skigebiet Les Trois Vallées zur Piste aufbrechen. Schumacher hat sich dort, im Skiort Méribel, schon vor vielen Jahren ein großes Ferienhaus gekauft, verbringt dort immer wieder vor allem die Zeit zwischen den Jahren mit Familie und Freunden.

Es ist das Leben, das ihm gefällt, das er sucht, gerade jetzt, nach den vielen Jahren im Rampenlicht. Privat, umgeben von Menschen, denen er hundertprozentig vertraut. Entspannt. Locker. Die Bedingungen stimmen: Über Nacht hat es ein bisschen geschneit, jetzt scheint die Sonne, angenehme Temperaturen um die null Grad…

Der fatale Sturz passiert kurz nach 11 Uhr vormittags, in einem nicht präparierten Pistenbereich, aber nicht in wirklich schwierigem Gelände. Das gibt es in Les Trois Vallées zwar auch, bis hin zur Olympia-Abfahrt von 1992, aber dort ist Schumacher nicht unterwegs, sondern am Westhang des Saulire-Massivs, dort, wo auch tagtäglich unzählige Freizeitsportler unterwegs sind. Das Problem an diesem Sonntag, fünf Tage vor „Schumis“ 45. Geburtstag, ist wohl eher ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände: Weniger Schnee als normal in Méribel, dadurch sind Felsen in dem unpräparierten Gelände nur knapp von einer Schneeauflage bedeckt, andere, größere, stehen sogar weit heraus.

Die Kombination aus beidem wird Schumacher wohl zum Verhängnis, sorgt für die extrem schweren Kopfverletzungen, für Monate im Koma, dafür, dass auch die Tatsache, dass er nach neun Monaten zurück in sein Haus am Genfer See in der Schweiz verlegt werden kann, nicht wirklich viel über Fortschritte bei seiner Genesung aussagt. Seit damals gibt es kaum noch offizielle Informationen darüber, wie es dem einstigen Superhelden, der über zwei Jahrzehnte die Formel-1-Fans in seinen Bann zog, wirklich geht. Seitdem rätseln vor allem die Fans: Gibt es wenigstens noch ein kleines bisschen Hoffnung, dass Schumacher noch einmal den Weg zurück in ein auch nur halbwegs normales, selbständiges Leben finden kann? Oder muss man sich damit abfinden, dass das Schicksal in seinem Fall so brutal zugeschlagen hat, dass das nicht mehr möglich ist?

Der Artikel erschien in Ausgabe #5

„Ich beiße da auf Granit, mein Rat wird nicht mehr gehört.“
Willi Weber

Jene Fans, die Michael Schumacher noch längst nicht vergessen haben, ihm weiterhin die Treue halten, wie gerade jetzt wieder, als sie ihn in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports wählten. Und unter denen es durchaus nicht wenige gibt, die sich mit der Geheimhaltungspolitik der Familie, was den wirklichen Gesundheitszustand ihres Idols angeht, nicht anfreunden können. Die der Meinung sind, gerade aufgrund ihrer langjährigen Treue schon einen gewissen Anspruch auf eine ehrliche Auskunft zu haben. Nicht auf Bilder, Details, Indiskretionen – aber auf ein bisschen Information. Und die ihre Ansicht auch dementsprechend vor allem in den sozialen Medien, aber auch in den Kommentarspalten mancher Motorsport-Medien immer wieder kundtun.

Gerade kürzlich bekamen sie dabei sogar Unterstützung von einem, der einst zum allerengsten Schumacher-Kreis gehörte: von seinem früheren Manager Willi Weber. Der machte ja in einem Illustrierten-Interview massiv deutlich, dass er von der „Verschleierungstaktik“ der Familie überhaupt nichts hält: „Ich bemängele seit einiger Zeit, dass die Familie Schumacher nicht die volle Wahrheit sagt“, erklärte der inzwischen 74-Jährige sehr drastisch. Es sei inzwischen Zeit, „den Millionen von Fans reinen Wein einzuschenken“. Er rechne aber nicht damit, dass seine Forderung Wirkung zeigen werde: „Ich beiße da auf Granit, mein Rat wird nicht mehr gehört.“

Die Position von Sabine Kehm ist keine einfache

Wobei natürlich die Tatsache, dass Weber schon lange vor dem Unfall, noch zu Beginn Schumachers aktiver Mercedes-Zeit 2010, quasi „abgesägt“ wurde und seine Manager- Funktion an Sabine Kehm verlor, die von der Pressesprecherin zur Gesamt-Vertreterin des „Unternehmens Schumacher“ wurde, ihren Teil zu solchen öffentlichen Aussagen beitragen könnte. Die Position von Sabine Kehm ist sicherlich keine einfache.

Sie, die gelernte Journalistin, die die Medienwelt und ihre Mechanismen ja genau kennt, weiß ganz tief in ihrem Inneren sicherlich, dass das „Versteckspielen“ oft zu genau dem Gegenteil des Erwünschten führt, Spekulationen und auch illegale Versuche, sich irgendwie Informationen zu beschaffen, eher anheizt. Und dass man sich deshalb vor allem einen speziellen Teil der Medien nur mit ständigen Klageandrohungen vom Hals halten kann – was auch nicht immer so einfach ist, vor allem, wenn die Verbreiter irgendwelcher wo auch immer hergeholter Klatschmeldungen im Ausland sitzen. Aber auch wenn sie aus diesem Wissen heraus das ein oder andere vielleicht anders machen würde: Sie muss sich natürlich auch an die Vorgaben der Schumacher-Familie, sprich, vor allem an die von Schumachers Ehefrau Corinna halten. Und die lehnt wohl jede Form von Öffentlichkeit ab. Schon allein die Tatsache, dass sich Kehm im Frühjahr 2014 einmal in einer TV-Talkshow stellte, habe, wie zu hören war, für internen Ärger gesorgt.

Informationen über seine Verfassung sind tabu

Trotzdem ist manches nicht ganz einfach zu verstehen. Natürlich stimmt es, dass es Michael Schumacher immer sehr wichtig war, sein Privatleben auch privat zu halten und nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Aber eine einmalige kurze ehrliche Meldung zu seinem Gesundheitszustand würde vielleicht auch die immer wieder auftauchenden Spekulationen und Falschmeldungen eindämmen, gegen die man dann von Seiten der Familie gerichtlich vorgehen muss. Und dabei dann auch wieder Dinge öffentlich machen muss, die man eigentlich nicht öffentlich machen wollte. So etwa, als es darum ging, der Behauptung zu widersprechen, Schumacher könne wieder laufen…

 

Der Artikel erschien in Ausgabe #5

Der Artikel erschien in Ausgabe #5

Aus solchen Dementis und Aussagen wie kürzlich aus dem Weber-Interview, dass es eine lange Trauerzeit gebraucht habe, um das Schicksal Schumachers zu akzeptieren, können sich sowieso die meisten ihren Teil denken, gewisse Schlüsse ziehen, sich ihr eigenes, nicht gerade hoffnungsvolles Bild machen… Was dann aber zu kritischer Verwunderung führt, sind die von der einerseits so auf Wahrung der Privatsphäre bedachten Umgebung unternommenen Schritte in die Öffentlichkeit mit Aktionen, die eher nach einer weiteren Vermarktung des Namens Schumacher aussehen.

 

Da gibt es seit einigen Monaten offizielle Social-Media-Accounts auf Facebook und Instagram, die den Namen von Michael Schumacher tragen, auf denen, natürlich auch vorgegeben durch die Technik dieser Plattformen, nach außen der Eindruck entsteht, dort agiere der Champion tatsächlich selbst, nach dem Motto „Michael Schumacher hat drei Fotos hinzugefügt“. Fans sollen sich hier austauschen können, die Erinnerung an ihr Idol hochhalten können, jegliche Fragen oder Informationen über seine heutige Verfassung sind aber natürlich absolut tabu.

Dankeschön an all die Fans von Michael Schumacher

Noch etwas fanden einige im letzten Jahr merkwürdig: Beim Benefiz- Fußballspiel vor dem deutschen Grand Prix in Hockenheim, im Namen von Schumacher zusammen mit der Stiftung von Dirk Nowitzki organisiert, als „Dankeschön“ von Schumachers Familie „an all die Fans, die den schwer verunglückten Formel- 1-Rekordweltmeister uneingeschränkt unterstützen“, wie es offiziell heißt, spielt auch Mick Schumacher mit, dem aber keinerlei Fragen, die im Zusammenhang mit seinem Vater stehen, gestellt werden dürfen… Für Mick, der am 22. März 18 Jahre alt wird, könnte die gegenwärtige Situation in Zukunft zu einem großen Problem werden.

Bis jetzt weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt, nie mit Medienfragen nach seinem Vater konfrontiert, wird irgendwann der Moment kommen, in dem er sich diesen nicht mehr entziehen kann. Schließlich will der Youngster, der ja ebenfalls in allen Belangen von Sabine Kehm betreut wird, in die Formel 1. 2017 startet er in der Formel-3-Europameisterschaft, im Top-Team Prema, Spitzenplatzierungen sind quasi Pflicht. Und im Gegensatz zur Formel 4, wo er bisher unterwegs war, gibt es dort für die ersten Drei Pflichtpressekonferenzen, auf denen sie sich den internationalen Medien zu stellen haben.

Wie Bruno Senna oder Jacques Villeneuve

Dass sich da auf Dauer alle an den Kodex halten, bloß keine Fragen zu Vater Michael zu stellen, ist unwahrscheinlich. Dann wird Mick, womöglich zum ungünstigsten Zeitpunkt, mitten im Laufe eines Rennwochenendes, mit dieser emotional belastenden Situation plötzlich konfrontiert werden, die er bis dahin nicht kannte, die dadurch nie zu einer gewissen Routine werden konnte.

 

Dass aber auch diese dann nicht immer einfach ist, gerade in sehr jungen Jahren, davon können andere Top-Piloten mit tragischer Familiengeschichte wie Bruno Senna oder Jacques Villeneuve, ein Lied singen. Geschweige denn, wenn sie plötzlich auf einen herab stürzt. Und dann bleibt halt die Frage, ob das wirklich das ist, was sich Michael Schumacher für seinen Sohn gewünscht hätte…