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Max Ebert: Ehrlich, nachhaltig, Max

Eigentlich war er schon weg, doch dann schrieb Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach sein eigenes Märchen. Den Heldenstatus lehnt er ab, einen Fanclub hat er trotzdem. Bei SOCRATES spricht der 43-Jährige über den Gladbacher weg.

Autor: Stefan Rommel

Herr Eberl, gibt es eigentlich den „Max Eberl Fan-Club“ noch?

Die Fahne hängt noch bei jedem Heimspiel.

Der Fanklub stammt aus Ihrer Zeit als aktiver Spieler und hatte genau zwei Mitglieder. Mittlerweile sind Sie aber längst zum Gesicht von Borussia Mön- chengladbach geworden. Wie fühlt sich das an?

Es ist ein schönes Gefühl, bedeutet aber auch verdammt viel Verantwortung. Die Wahrnehmung meiner Person hat sich sehr verändert. Früher konnte ich als Jugendkoordinator Spiele scouten und kein Mensch hat mich erkannt. Wenn ich heute bei einem Spiel war, steht am nächsten Tag die Frage im Raum, welchen Spieler Eberl denn nun gescoutet hat. Dabei ist es einfach Teil meines Jobs, Spiele zu sehen.

Sie sind seit acht Jahren als Sportdirektor für die Borussia tätig. Welche Überschrift würden Sie dieser Zeit verpassen?

„Die märchenhafte Geschichte“. Einige Dinge der letzten Jahre fühlten sich – wie im Märchen – nicht besonders real an. Wir hatten 2008 einen „normalen“ Start, konnten die Mannschaft nach dem Aufstieg in der Liga halten, danach im Mit- telfeld platzieren. Dann kam die Saison 2010/11, die sportlich in die völlig falsche Richtung gegangen ist. Wir wurden angefeindet, mussten uns erklären und ich habe mir am Ende die Frage gestellt: „Gehe ich in diesen Kampf, den ich nicht gewinnen kann? Oder kümmere ich mich lieber um die Mannschaft, weil sie das Elementare ist?”. Ich habe die Dinge dann links und rechts liegen gelassen, sie haben mich nicht mehr interessiert. Auch heute übrigens nicht: Social Media, Twitter, Facebook – alles irrelevant. Mich interessiert die Mannschaft, was läuft gut und was weniger gut, wo können wir uns verbessern? Wir waren damals gerade dabei eine neue Mannschaft aufzubauen mit Spielern aus der eigenen Jugend, mit Herrmann, Korb, ter Stegen, Younes. Dazu Talente wie Reus, Neustädter, Nordtveit und ein paar Erfahrene, wie zum Beispiel Dante, Arango, Stranzl oder Brouwers.

Und im Hintergrund wurde Politik betrieben.

Auf einmal spielten Emotionen und Traditionen eine Rolle. Man ist aber nicht irgendwelchen Lemmingen hinterhergelaufen, sondern hat sich auf die Inhalte und Programme konzentriert. Der Verein hat die Probleme dann in einer unglaublich seriösen Art und Weise gelöst, sowohl sportlich als auch strukturell. Was danach kam, ist ein reines Märchen. Der Klub war 15 Jahre quasi in der Versenkung verschwunden, war eine Fahrstuhlmannschaft und spielte dann in fünf Jahren vier Mal international, darunter zwei Mal in der Champions League.

Gab es diesen einen Wendepunkt in dieser langen Zeit?

Es gibt viele wichtige Entscheidungen. Aber die Mitgliederversammlung nach der überstandenen Relegation 2011 war wohl einer der prägendsten Momente. Da hat der Klub den Leuten mitgeteilt, was möglich ist – und was eben nicht. Wir hatten Tradition und ein neues Stadion. Und trotzdem gab es den Abstieg 2007. Es gehört also ein bisschen mehr dazu, man benötigt Strukturen und einen Plan. Die Rettung war gleich mehrfach wichtig: Wir konnten in der Bundesliga bleiben, wir mussten keine Spieler verkaufen. Wir konnten den Mitgliedern erklären, was wir vorhaben und was mit unserem Budget möglich ist. Wir waren nanziell gesund, aber nicht reich. Die Leute konnten damit nichts anfangen, also haben wir es Ihnen erklärt: Unser Budget damals bedeutete, dass man um die Plätze 14, 15 oder 16 spielt. Wir waren, was wir konnten. Das haben wir den Leuten mit Nachdruck gesagt und die meisten haben verstanden: Die Tradition, die goldenen 70er – das war einmal. Jetzt müssen wir neu anpacken. Die Kraft dieser Mitgliederversammlung, das Bewusstsein, gemeinsam etwas schaffen zu können und zu wissen, was man kann, war für mich rückblickend der wichtigste Moment.

Warum sträuben Sie sich davor, den VfL als Ausbildungsklub zu bezeichnen?

Weil das hieße: Unsere Grundidee ist, für andere auszubilden. Unsere Grundidee aber lautet: Wir möchten erfolgreich sein mit diesem Klub. Den Weg dorthin beschreiten wir mit jungen, hungrigen Spielern. Auch mit der Perspektive, diese Spieler irgendwann verkaufen zu müssen. Aber nicht zur direkten Konkurrenz auf Augenhöhe. Sondern zu Arsenal, zu den Bayern oder Barcelona. Deswegen wehre ich mich, diesen Begriff offensiv zu benutzen. Die Idee ist, mit jungen Spielern zu arbeiten. Das Ziel ist, mit diesem Klub neue, erfolgreiche Kapitel zu schreiben.