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Über socratesmagazin

Socrates, das denkende Sportmagazin, erschien erstmals im Oktober 2016 und ist monatlich in Deutschland sowie in weiteren acht europäischen Ländern erhältlich. Hier schreibt die Socrates-Redaktion.

Einträge von socratesmagazin

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Ada Hegerberg: „Ich bin keine Frau, die Fußball spielt“

Ada Hegerberg ist erst 23 und aktuell die beste Fußballerin der Welt. Was sie zum Thema Gleichberechtigung, zum Sexismus-Eklat von Paris und ihrem Rücktritt aus der Nationalmannschaft zu sagen hat, verrät sie im Exklusiv-Interview.

Ada Hegerberg, im vergangenen Dezember gewannen Sie den erstmals an eine Frau vergebenen Ballon d’Or als weltbeste Spielerin. Wie haben Sie diese Auszeichnung aufgenommen?

Ich war unglaublich stolz. Ich bin eigentlich vorsichtig mit dem Wort Stolz, aber es passt einfach zu dieser besonderen Ehrung. Mit Olympique Lyon gewannen wir im Mai erneut die Champions League, was sicherlich zu meiner Wahl beigetragen hat. Es hätte aber auch genauso gut eine Kollegin von OL werden können. Ich verstehe den Ballon d’Or auch als Lohn für die Arbeit der vergangenen Jahre. Als Kind habe ich immer davon geträumt, Titel zu gewinnen, aber das hat mich schon sprachlos gemacht … natürlich im positiven Sinne. (lacht)

Und was bedeutet es Ihnen, dass Sie die erste Frau sind, die diese Ehrung erfährt?

Das ist eine historische Sache, die für den gesamten Frauenfußball einen großen Schritt nach vorn bedeutet. Jedes Mädchen, das selbst Fußball spielt und die Zeremonie in Paris verfolgt hat, ist mit Sicherheit davon beeinflusst worden. Bei mir wäre es jedenfalls so gewesen, als ich 16, 17, 18 war. Dass ich nun die erste Frau bin, erfüllt mich mit Glück und Stolz, und mir ist auch klar, dass ich eine noch etwas größere Verantwortung trage, unsere Sportart bekannter zu machen.

In Norwegen haben Sie bestimmt schon Legendenstatus.

Ja, das kann man inzwischen wirklich so sagen. Es berührt mich, weil in meinem Heimatland ja eher der Wintersport populär ist. Irgendwie ist es merkwürdig, dass eine Norwegerin den Ballon d’Or gewinnt. (lacht) Aber vielleicht ist es auch eine tolle Werbung für den Fußballsport in meinem Land.

Wie haben Sie davon erfahren, dass Sie die Siegerin sind?

Ich kam gerade von einer Trainingseinheit in Lyon zurück in die Kabine, als mich der Pressesprecher ansprach und fragte, ob ich ein Geheimnis für mich behalten könnte. „Du könntest mir ruhig etwas mehr vertrauen“, habe ich im Spaß zu ihm gesagt. Und dann hat er mir die Neuigkeit verraten. Wir waren beide gerührt, und ich hatte Tränen in den Augen.

Hat der Preis etwas in Ihrem Leben verändert?

Wenn schon die New York Times extra für mich nach Lyon kommt, um mich zu interviewen, dann bin ich auf der einen Seite irgendwie stolz und auf der anderen auch leicht überfordert. Ich habe sogar Anfragen aus Indien und Island bekommen. Die ganze Welt hat sich plötzlich für mich interessiert.

Bestand die Gefahr, dass Sie abheben?

Nein, für mich ist es gar kein Problem, die Gleiche zu bleiben. Es ist eine unglaublich tolle Gelegenheit, um mehr über den Frauenfußball zu berichten und die will ich nutzen.

Wollen Sie diesen persönlichen Erfolg wiederholen?

Selbstverständlich. Ich bin sehr ehrgeizig. Nun genieße ich in vollen Zügen diese erste individuelle Auszeichnung. Ich lebe gern in der Gegenwart, aber ich weiß auch: Wenn ich weiter hart an mir arbeite, werde ich gute Chancen haben, solche Erlebnisse zu wiederholen.

Es wird womöglich schwieriger für Sie, weil Sie ja vor einigen Monaten aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sind. Folglich wird man Sie bei der WM im Sommer in Frankreich nicht zu Gesicht bekommen. Warum haben Sie das gemacht?

Weil ich der Meinung bin, dass man mutige Entscheidungen wie diese fällen muss, wenn man dauerhaft gute Leistungen auf dem höchsten Niveau bringen will. Ich habe lange darüber nachgedacht und die Entscheidung noch keine Sekunde bereut. Man sollte seiner eigenen Linie treu sein, was ich in diesem Fall tue.

Bei der Preisverleihung sorgte der französische DJ Martin Solveig für einen Eklat, als er Sie nach Ihren Twerking- Fähigkeiten fragte. Solveig zog damit einen gewaltigen Shitstorm auf sich. Wie ging es Ihnen damit?

Im ersten Moment habe ich das gar nicht so mitbekommen. Ich hatte den Ballon d’Or im Arm und war irgendwo anders, wahrscheinlich auf Wolke sieben. Wir haben später sogar miteinander getanzt und ich habe es ihm nicht übelgenommen. Natürlich hätte ich mir eine Frage zum Fußball gewünscht, das wäre angemessener gewesen.

Sie legen viel Wert darauf, dass man es mit der Geschlechterdifferenzierung nicht übertreibt. Warum?

Weil ich aus einer Familie komme, in der es völlig selbstverständlich ist, dass Frauen und Männer gleich sind. In Norwegen ist man bei dieser Thematik sehr weit. Ich habe mich noch nie als eine Frau gesehen, die Fußball spielt, sondern als Fußballer. Es ist aber noch ein weiter Weg, bis man wirklich von Gleichberechtigung sprechen kann. Aber reden sollte man jeden Tag darüber, denn das Thema ist wichtig.

Mit ein bisschen Abstand: Wie war das Jahr 2018 für Sie?

Einfach unglaublich, traumhaft schön. Der Höhepunkt war sicher der dritte Champions- League-Titel mit Lyon in Folge. Ich stecke mir immer hohe Ziele und wollte um die 50 Tore erzielen, was mir auch gelungen ist. Mein Spiel hat sich in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt.

Was können Sie noch besser machen?

Es geht um Details, um ein paar Prozent. Die Effizienz vor dem gegnerischen Tor könnte noch besser sein, auch die Abstimmung mit meinen Mitspielerinnen.

Sie sind mit 50.000 Euro Gehalt im Monat sehr gut bezahlt und bekommen fast so viel wie viele Männer in der Ligue 1. Damit sind Sie aber die Ausnahme.

Ich habe sehr wohl ein Verständnis dafür, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau in der Bezahlung relativ groß ist und auch bleiben wird. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind eben völlig andere. Ich sehe aber auch, dass der Unterschied etwas kleiner geworden ist. Mir ist wichtig, dass Mädchen die gleichen Chancen bekommen wie die Jungs, aber davon sind wir leider noch weit entfernt.

Ihr Mann Thomas Rogne ist ebenfalls Profi. Er spielt bei Lech Posen in Polen und in der norwegischen Nationalmannschaft. Wären Sie bereit oder bereit gewesen, Ihre Karriere für ihn zu opfern?

Nein, das denke ich nicht. Unsere Beziehung funktioniert auch deshalb, weil wir beide unsere Berufe zu 100 Prozent respektieren. Für uns beide kommt solch eine Art der Aufopferung nicht infrage. Wir führen eine Fernbeziehung, was nicht immer einfach ist, aber wir unterstützen uns gegenseitig.

Welches Klischee über den Frauenfußball finden Sie eigentlich am schlimmsten?

Das werde ich Ihnen hier nicht sagen, weil es sonst die Kritiker für Ihre Zwecke verwenden würden. Es wird immer Idioten geben, aber ich beschäftige mich lieber mit den Leuten, die uns gern zuschauen.

Wer war Ihr Idol?

Früher gab es wenige Spiele der Frauen im Fernsehen, allenfalls die WM, deshalb habe ich öfter bei den Männern zugeschaut. Und wenn ich Thierry Henry am Ball sah, mit seiner Eleganz, seiner Geschwindigkeit und dieser Effizienz vor dem Tor, war ich immer hellauf begeistert. Heutzutage haben die jungen Mädels deutlich mehr Gelegenheiten, Frauenfußball im Fernsehen zu verfolgen.

Stimmt die Geschichte, dass Sie durch den Film Kick It Like Beckham Lust auf Fußball bekommen haben? Das erzählt jedenfalls Ihre Schwester Andrine, die bei PSG spielt.

Ich kenne einige Mädels, die nach diesem Film mit dem Fußball begonnen haben und verrückt nach Fußball wurden. Ich gehöre auch dazu. Zwar steckte der Film voller Klischees, doch sorgte er dafür, dass der Frauenfußball einen Boom erlebte. Andrine und ich haben ihn bestimmt 100 Mal gesehen.

Ihre Wahlheimat Frankreich ist Schauplatz der nächsten WM. Wie wichtig ist dieses Turnier?

Es ist eine weitere Chance und die gilt es zu nutzen. Ich hoffe sehr, dass die durch den Erfolg der Männer entstandene Fußball-Euphorie für volle Stadien in Frankreich sorgen wird.

24 Nationen nehmen an der WM teil. Nur neun davon haben eine Frau als Trainer. Ist das zu wenig?

 Das sehe ich nicht so, weil in meinen Augen die Kompetenz wichtiger sein sollte als das Geschlecht. Ich finde auch, dass die Männer bessere Führungsqualitäten haben. Viele Frauen müssen noch mehr Gas geben, um höhere Ziele zu erreichen.

Interview: Alexis Menuge

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N’Golo Kante: „Ich hatte beim Rugby keine Angst“

Er wollte Forscher werden, jobbte als Buchhalter, heute ist N’Golo Kante einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Dabei hatte es der Superstar des FC Chelsea nie einfach. Ein ehrliches Interview mit einer ehrlichen Haut.

Herr Kanté, Sie gelten als einer der weltweit besten und laufstärksten „Box-to-Box-Spieler“. Aber hatten Sie auch Vorbilder und Spieler, von denen Sie sich etwas abgeschaut haben?

Ja, ich habe mich stets von anderen Spielern inspirieren lassen. Heute bei Chelsea gibt es viele Spieler, von denen man sich einiges abschauen kann. Cesc Fàbregas ist ein gutes Beispiel. Mich fasziniert, wie er ein Spiel lesen kann, aber auch seine hohe Spielintelligenz und wie er es immer wieder schafft, den tödlichen Pass zu spielen, auch wenn er vom Gegner unter Druck gesetzt wird. Auch bei Nemanja Matić, der mittlerweile bei Manchester United kickt, habe ich Einsatzwillen und Robustheit in den Zweikämpfen bewundert.

Als Kind?

Damals habe ich mir viele Videos von Ronaldinho, dem brasilianischen Ronaldo und Diego Maradona angeschaut. Keine Spieler also, die auf meiner Position gespielt haben (lacht). Ich habe aber auch ein paar Videos von Jean Tigana gesehen sowie von Claude Makélélé, der mir immer das Gefühl gab, dass er sich in einem Spiel nie ausruht. Man kann sich übrigens auch von anderen Sportarten etwas abgucken: Im Tennis ist Roger Federer ein Phänomen. Er hat eine unglaubliche Leichtigkeit in seinem Spiel und egal wie wichtig das Spiel ist, er bleibt immer cool.

Sind Sie wegen den Videos, die Sie gesehen haben, Fußballer geworden?

Ursprünglich wollte ich nicht unbedingt Fußballer werden, sondern eher Forscher. Mich hat besonders Erdkunde interessiert. Ich wollte entdecken, wie man in Asien lebt, in Afrika und in Südamerika, vor allem wie die Leute miteinander umgehen, wie die Mentalität dort ist. Doch in der Schule war ich nicht besonders motiviert, weil ich ständig an Fußball dachte. Es war wie eine Sucht. Eine Zeit lang habe ich auch als Buchhalter gejobbt, bis mir klar war, dass ich es eher im Fußball versuchen sollte.

Gab es andere Sportarten? Sie waren und sind ja sehr athletisch…

In der Schule habe ich auch viel Basketball und Rugby gespielt. Ich habe sogar in beiden Sportarten an diversen Turnieren teilgenommen. Beim Rugby hatte ich gar keine Angst, in die Tacklings zu gehen. Ich bin auch viel gelaufen und wenn es zur Sache ging, dann habe ich mich nicht versteckt, was dazu geführt hat, dass der Rugby-Klub mich unter Vertrag nehmen wollte. Aber ich spielte schon lang genug Fußball mit meinen Freunden und Fußball war einfach meine Lieblingssportart. Ihn aufzugeben war kein Thema. Dann habe ich in der Jugend von Suresnes (Vorort von Paris, Anm. d. Red.) – meinem Heimatort – gespielt, bevor ich in die Reserve von Boulogne wechselte.

Die spielte immer noch ziemlich unterklassig.

Ja, das war im Jahr 2010 und das war die schwerste Zeit überhaupt. Ich musste mich behaupten. Das Spiel ging schnell von einem Tor zum anderen, man musste viel antizipieren, vieles spielte sich im Zentrum ab und es ging darum, mit maximal zwei Ballkontakten zu spielen. Für mich war es ein anderer Fußball, als der, den ich bisher kannte. Damals war ich im Internat: morgens in der Schule und am Nachmittag gab es Fußball. Dort habe ich mich auch mit einer neuen Arbeitsmethode zurechtfinden müssen, die ich bis dahin nicht kannte.

Wie groß war die Umstellung?

Als ich dann das erste Mal den Boulogne-Trainer über Taktik reden hörte, dachte ich mir: Das wird ja nicht so einfach. Für mich war das ein anderer Fußball. Als ich dort ankam, war ich verletzt und als ich verfolgte, was meine Mitspieler durchmachen mussten, dachte ich, das würde ich wohl nicht so leicht hinkriegen und ich würde sicherlich Zeit brauchen. Das war die größte Hürde auf dem Weg zur europäischen Spitze. Ich habe aus dieser schweren Erfahrung unheimlich viel gelernt. Dort konnte ich mich insofern bestens entwickeln. Von dieser Zeit profitiere ich bis heute noch.

Sie mussten einige Enttäuschungen verkraften bis dahin.

Noch als ich in Suresnes war, habe ich mit älteren Spielern zu tun gehabt, weil man mich für zu gut für die Spieler meines Alters gehalten hatte. Es gab viele Scouts, die unsere Spiele angeschaut haben. Dann gab es Kontakte, um in den Jugendzentren von Sochaux, Rennes, Lorient, Amiens und Clairefontaine getestet zu werden. Aber ich bin bei jedem Verein gescheitert und ich bekam von keinem Klub einen Vertrag. Es war zwar eine bittere Erfahrung, aber mir wurde auch bewusst, dass ich noch mehr arbeiten muss und dass es auch viele Spieler meines Alters gibt, die einfach besser sind. Dann hat mich Boulogne-sur-Mer unter Vertrag genommen.

In der dritten Liga wurden Sie rasch Stammspieler.

Im Grunde genommen kann man von einer unglaublichen Geschichte sprechen. Ich habe so viele Hindernisse überwältigen müssen, dass ich mittlerweile an einem Punkt angelangt bin, wo ich jeden Augenblick genieße. Man darf nie vergessen, wo man herkommt. Das ist die Basis. Auf meinem Weg zum Profi habe ich auch mit Sicherheit viel Glück gehabt, dadurch, dass ich wichtige und vertrauensvolle Leute kennengelernt habe, die mir sehr hilfreich waren und ich zum richtigen Moment entdeckt wurde. Ich habe aber auch viel arbeiten und mich aufopfern müssen, sprich früh von der Familie getrennt zu sein, was alles andere als einfach war.

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Ist das eine Charakterfrage?

Mich konnte so gut wie nichts umwerfen und es kommt sicher auf den Charakter an, der bei mir sehr stark ist. Ich komme ja aus Suresnes und als ich dort gespielt habe, wollte ich ganz weit kommen. Ich wusste, dass das nötige Potenzial vorhanden war. Aber so weit zu kommen, also bei Chelsea Stammspieler zu sein sowie in der französischen Nationalmannschaft eine tragende Rolle zu spielen, hätte ich mir niemals erträumen lassen.

Geschweige denn eine Meisterschaft mit Leicester City.

Oh, ja. Ich denke gerne an meine Zeit bei den Foxes zurück. Das war ein großartiges Abenteuer, gekrönt mit der sensationellen Meisterschaft, die keiner erwartet hatte. Ursprünglich wollten wir einfach so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern. Allein diese Meister-Saison bei Leicester wird für immer ein besonderer Teil meiner Laufbahn bleiben. In den ersten Tagen hatte ich dort gewisse Schwierigkeiten, weil es meine erste Auslandserfahrung war und weil ich damals noch kaum Englisch sprechen konnte. Es war komplettes Neuland.

Wer hat Ihnen dort geholfen?

Da war mir Claudio Ranieri, der ja Französisch aus seiner Trainer-Zeit bei der AS Monaco beherrschte, eine große Hilfe. Er hat an mich geglaubt und er stand mir immer zur Seite. Auch auf dem Rasen war es eine riesen Umstellung: In der Premier League wird schnell gespielt, es geht in jedem Zweikampf rustikal zu und jedes Wochenende trifft man auf absolute Weltstars. Wir waren der krasse Außenseiter, und am Ende haben wir es geschafft, Meister zu werden. Das war mein allererster Titel bei den Profis. Es war so was von unerwartet. Auf der menschlichen und professionellen Ebene habe ich in Leicester viele interessante Leute kennengelernt. Von Caen nach Leicester zu wechseln, war im Nachhinein ein Glücksgriff, weil ich auch mit dieser Entscheidung ein großes Risiko einging und es hätte auch locker in die andere Richtung gehen können.


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Dass das nicht der Fall gewesen ist, hängt mit Ihrer aggressiven Spielweise zusammen, die auf der Insel sehr gut ankommt.

Meine Hauptaufgabe vor der Abwehr besteht nun mal darin, Bälle zurückzuerobern, Zweikämpfe zu gewinnen und für die Balance zwischen der Defensive und der Offensive in meiner Mannschaft zu sorgen. Ich liebe es, permanent zu laufen. Meine große Stärke liegt ja im Laufbereich. In jedem Spiel absolviere ich ein großes Laufpensum. Dafür muss mein Fitness-Zustand absolut top sein. Ich habe ein Motto.

Verraten Sie es uns?

Das ist einfach: Im Spiel immer alles geben, egal, wer der Gegner ist und völlig egal, ob es sich um die Champions League oder um ein Freundschaftsspiel handelt, weil ich das Glück habe, Fußball-Profi zu sein. Das ist zweifelsohne ein Privileg und das sollte man nie aus den Augen verlieren. Mehr Tore und Assists dürften es aber demnächst mal sein. Da kann ich noch deutlich ein paar Schippen drauflegen und gefährlicher im gegnerischen Strafraum werden. In den letzten dreißig Metern muss ich mich noch mehr einbringen, wenn es das Spiel erlaubt, auch wenn es nicht meine oberste Priorität ist. Ich hoffe, dass ich meine Statistiken in naher Zukunft ein bisschen verbessern kann.

Inwieweit helfen Ihnen Ihre Trainer dabei?

Mit Didier Deschamps als Nationaltrainer und Antonio Conte als Vereinstrainer habe ich zwei Coaches, die in Ihrer Spielerkarriere auf genau meiner Position gespielt haben. Ich profitierte von beiden unheimlich viel. Es handelt sich um zwei absolute Spitzen-Trainer. Sie haben unglaublich viel Erfahrung sammeln können, erst in ihrer Spieler-Karriere und anschließend als Trainer. Beide standen zum Beispiel bei Juventus Turin sowohl als Spieler als auch als Trainer unter Vertrag. Wenn sie vor der Mannschaft oder unter vier Augen sprechen, dann muss man alles aufsaugen. Mit solchen Hochkarätern als Trainer entwickelt man sich als Spieler automatisch weiter. Auch mit Claudio Ranieri bei Leicester habe ich viel Erfahrung sammeln können. Er wusste mit den Spielern umzugehen. Er war gleichzeitig eine Art Papa, Trainer und Kumpel. Er war der Garant unseres Erfolgs, weil er mit uns perfekt umzugehen wusste. Seine Bürotür war für uns jederzeit offen.

Zum Abschluss: Was bedeuten Ihnen persönliche Auszeichnungen? Sie wurden Premier-League-Spieler des Jahres 2017…

Individuell betrachtet, habe ich in meiner Karriere keine besonderen Ziele, weil für mich eher die Titel mit der Mannschaft zählen, auch wenn mich die Auszeichnung zum besten Spieler der Premier League geehrt hat. Die ganze Zeremonie bleibt auch eine besondere Erinnerung. Das war echt berührend.

Interview: Alexis Menuge

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Javi Martinez Kolumne #1: Dem Himmel entgegen

Bayern-Star Javi Martínez gewährt in seiner Kolumne einen Einblick in seine Zeit als Kind und Jugendlicher. So leicht es war, auf dem Fahrrad das Glück zu erfahren, so schwer fiel der Verzicht auf Partys. Aber der Spanier ordnete alles seinem Traum unter.

Von Javi Martínez

Die Kolumne erschien in Ausgabe #29

Die Kolumne erschien in Ausgabe #29

Ich möchte euch auf eine Reise mitnehmen. Auf eine Reise in meine Kindheit. Wenn wir dort ankommen, schreiben wir das Jahr 1998. Als Zehnjähriger schaue ich zum Gipfel des 1.046 Meter hohen Berges Montejurra empor. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über den Norden Spaniens.

Das weiß ich, weil ich selbst schon am Gipfelkreuz verweilt habe. Mein kleiner Heimatort Ayegui, der direkt am Fuße des Berges liegt, sieht von oben noch viel kleiner aus, als er ohnehin ist. Rund 1.000 Menschen leben hier. Ich lebe hier. Es ist einer dieser typischen Sommertage in den Ferien. Die Sonne scheint auf die Felder und lässt die Luft über dem Asphalt flimmern.

Als aus 100 Pesetas 200 wurden

Ich schnappe mir mein Rad und fahre los, ohne ein Ziel zu haben. Oder vielleicht habe ich es doch: einfach über die Hügel dem Himmel entgegen. Es ist dieses Gefühl von Freiheit, das mich glücklich sein lässt. In diesem Moment kann ich mir kein schöneres Leben vorstellen. Ich hoffe, ihr habt ähnlich schöne Erinnerungen an eure Kindheit. Wahrscheinlich werden wir nie wieder so unbeschwert leben wie damals mit zehn Jahren.

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Jetzt, 20 Jahre später, erinnere ich mich immer noch gut an diese Zeit: Einmal verließ ich das Haus mit 100 Pesetas, die ich von meiner Mutter zugesteckt bekommen hatte. Am Abend kehrte ich mit 200 Pesetas zurück. „Woher hast du das Geld?“, wunderte sich meine Mutter. Ich antwortete lediglich mit einem verschmitzten Lächeln.  Keine Sorge, ich hatte das Geld nicht gestohlen.

Diese Vorahnung

Sagen wir mal so: Ich hatte es mir kreativ verdient. Wenn ich mit meinem Rad unterwegs war, bin ich oft zu meinen Tanten und Onkels gefahren, um sie zu besuchen. Sie haben sich immer sehr gefreut, mich zu sehen und mich gefragt, ob ich etwas brauche. „Nein, nichts. Nur vielleicht ein bisschen Geld für Süßigkeiten“, sagte ich dann. Jetzt könnt ihr erahnen, woher das zusätzliche Geld in meinen Hosentaschen kam.

Doch für Süßigkeiten habe ich es nur in den wenigsten Fällen ausgegeben. Schließlich hatte ich diesen einen großen Traum: Fußballprofi zu werden. Ja, ich habe schon damals ganz fest daran geglaubt, es wirklich schaffen zu können. Vielleicht mag es jugendliche Unbekümmertheit gewesen sein, vielleicht aber auch schon eine Vorahnung.

Der Weg zum Profi ist hart

Rückblickend habe ich oft darüber nachgedacht: In den europäischen Top-Ligen gibt es nur wenige tausend Profifußballer, aber es gibt Millionen von Talenten, die es werden wollen. Es ist verrückt. Die Prozentzahl der Spieler, die es wirklich schaffen, ist so gering. Ich mache mir das immer wieder bewusst: Wir Profifußballer sind privilegiert.

Aber ich denke, dass wir uns für das Erreichte nicht entschuldigen müssen, sondern durchaus stolz darauf sein dürfen. Wichtig ist dabei nur, das Bewusstsein dafür zu haben, dass vielen anderen Menschen die Karriere nicht vergönnt war und ihnen stets mit Respekt zu begegnen. Für viele von euch klingt mein Weg sicherlich wie ein Traum. Ich denke, aus eurer Perspektive heraus würde ich es ähnlich bewerten. Aber lasst euch sagen: Der Weg zum Profi ist hart. Besonders in Teenagerjahren.

Die Freunde gehen mit Mädchen aus und du…

Der Teil, den die meisten Menschen nicht sehen können, ist der schwerste. Es ist der Verzicht auf Dinge, die für andere Leute völlig normal sind. Wenn du 15, 16, 17 bist und deine Freunde anfangen, Party zu machen, musst du zu Hause bleiben. Du bist außen vor, bist derjenige, der nicht dabei ist, weil er ja Fußballer werden will. Du musst morgens ins Training, danach gut essen, dich ausruhen und abends gut schlafen. Dann beginnen deine Freunde, das erste Mal mit Mädchen auszugehen.

Du erfährst von solchen Augenblicken nur aus ihren Erzählungen, du erlebst sie nicht. Du willst ja Fußballer werden. Und sagst dir selbst immer wieder: ‚Du kannst dir das nicht erlauben.‘ Es sind in diesen jungen Jahren einmalige Lebensmomente, die nicht zurückkommen. Aber nur so lässt sich die einmalige Gelegenheit nutzen, das Ziel zu erreichen, worauf du alles ausgerichtet hast. Verzicht, so schwer er auch fällt, kann dich nach vorne bringen.

„Was machst du hier?“

Mit 15 Jahren war mein Beruf bereits Fußballer. Ich spielte in der dritten spanischen Liga in der zweiten Mannschaft von Osasuna. Dort trainierte ich mit Männern, die 23, 24, 25 Jahre alt waren. Ich war 15! Anfangs gab es Tage, an denen ich mich gefragt habe: ‚Was machst du da eigentlich? Ist es das wirklich wert?‘ Im Nachhinein bin ich selbst verwundert, mit welcher Klarheit und Überzeugung ich mir selbst damals antworte: ‚Ja, natürlich ist es das wert! Wenn du ein richtig guter Profifußballer werden willst, hängt es jetzt nur noch von deiner Einstellung ab, Javi.‘

Ich wusste, dass meine körperlichen Voraussetzungen gut waren. Aber die Entscheidung für den Beruf fiel in meinem Kopf. Ich habe es geschafft, den Fokus zu behalten. Meine Konzentration lag darauf, in einer guten Verfassung zu bleiben und alles auszublenden, was nichts mit dem Fußball zu tun hatte. Ja, es ist schwer, aber noch schwerer wäre es gewesen zu versuchen, das Nachtleben mit dem Fußball zu kombinieren. Ich halte es für fast unmöglich.

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Die Lust auf Basketball

Um das noch mal klar zu formulieren – vor allem für Talente, die heute den gleichen Traum haben wie ich damals: Der Kopf ist genauso wichtig wie die Füße. Wenn du es wirklich schaffen willst, musst du 24 Stunden am Tag wie ein Profi leben. Wenn du im Training denkst: Hoffentlich ist es gleich vorbei, ich will noch mit Freunden was essen gehen und Party machen, dann wirst du nicht gut werden. Zumindest nicht gut genug.

Lasst mich noch ein Beispiel geben: Ich liebe es, Sport zu treiben, auch andere Sportarten in meiner Freizeit auszuüben. Nach vielen Trainingseinheiten beim FC Bayern würde ich am liebsten sofort in eine Halle fahren und dort mit Freunden Basketball spielen. Aber ich kann es nicht. Weil all das, was mich zum Profi gemacht hat, auch gilt, um Profi auf höchstem Niveau zu bleiben.

Die Regeneration ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Da kann ich nicht einfach noch zwei Stunden Basketball spielen oder mich wie 1998 einfach aufs Rad schwingen und stundenlang ohne Ziel durch die Gegend fahren. So glücklich es mich für den Moment auch machen würde.

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Felix Magath: „Nicht Superman. Profi!“

An Felix Magath kleben viele Vorurteile, doch der 65 Jahre alte Fußballtrainer hält wenig davon. Er liebt seinen Sport und spricht darüber, wie er sich den Fußball vorstellt und wer ihn vom Rasenmähen abhält. In dieser Ausgabe sprechen u.a. auch Mick Schumacher und Eden Hazard.

Felix Magath: Die Sache mit dem Mittelmaß

Felix Magath war noch nie ein Typ, der klaren Worten aus dem Weg geht. Der 65 Jahre alte Fußball-Trainer sagt das, was er für richtig hält – und dies zumeist unmissverständlich. Im Exklusiv-Interview für die 32. Ausgabe von SOCRATES blieb sich Magath treu. Die Bundesliga? „Nur noch Mittelmaß!“ Die Spieler? „Eine katastrophale Saison, aber ein Tor reicht, um Superstar zu werden!“ 

Dabei will Magath gar nicht als Knorrer oder Quälix wahrgenommen werden. An ihm kleben viele Vorurteile, aber eigentlich liebt er den Fußball und will, dass er besonders in Deutschland von Erfolg gekrönt ist. Im Interview spricht Magath auch darüber, ob ihn der DFB anruft und wohin die Reise für ihn gehen könnte.

Was gibt es sonst in dieser Ausgabe?

Mick Schumacher im Exklusiv-Interview

Mick Schumacher hat mehr Druck als jedes andere Motorsport-Talent in Deutschland. Selbstbewusst ist der Sohn von F1-Legende Michael Schumaccher trotzdem, auch wenn er sich selbst in Sachen Formel 1 keinen Druck macht. Wir sprachen mit ihm darüber.

Eden Hazard im Exklusiv-Interview

Der Mann ist in aller Munde. Eden Hazard wird im Sommer wohl den Verein wechseln. Weg von Chelsea, hin zu… Spätestens seit der WM in Russland in der absoluten Weltklasse angekommen. Verändert hat er sich deshalb nicht. Der Belgier erzählt, was ihm wichtiger ist als Tore und Titel.

Schrei der Herzen

Fußball ist alles in Neapel: Ersatz für Religion, Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume. Die anhaltende Erfolglosigkeit des SSC Napoli aber sorgt für Frust und Resignation. Doch Vorsicht: Manchmal reicht ein Nichts – und eine ganze Stadt steht in Flammen.

Yannick Noah im Exklusiv-Interview

Yannick Noah (59) denkt auch heute noch fast täglich an seinen Triumph in Paris 1983. Warum er den gegen die Stars von heute niemals gefeiert hätte, warum er sich über Nadal-Triumphe nicht freuen kann und warum er sich damals einen Psychologen an seiner Seite gewünscht hätte, erzählt er im Interview mit SOCRATES.

Kristina Vogel im Exklusiv-Interview

Kristina Vogel ist zweifache Bahnrad-Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin. Seit einem Trainingsunfall am 26. Juni 2018 ist die 28-Jährige querschnittgelähmt. SOCRATES erzählt sie von ihrem neuen Leben, ihren Plänen und Begegnungen mit dem Schicksal.

Dies und vieles mehr in Socrates #32!

DEL2: Ravensburg Towerstars holen den Titel

Es ist vollbracht: Die Ravensburg Towerstars küren sich in der DEL2, der zweitgrößten Eishockey-Liga Deutschlands, zum Meister. In der Finalserie setzen sich die Ravensburger gegen Frankfurt durch.

Am Ende wurde es dann doch deutlich: Mit 5:1 fegten die Ravensburg Towerstars die Löwen Frankfurt vom Platz. Es war der entscheidende vierte Sieg im sechsten Spiel für die Ravensburger, die erstmals seit acht Jahren wieder den Titel nach Oberschwaben holten.

Vor Ort: Geschäftsführer Ayhan Günes mit DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch und Towerstars-CEO Rainer Schan (v.l.)

Vor Ort: Socrates-Geschäfsführer Ayhan Günes mit Towerstars-CEO Rainer Schan und DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch (v.l.)

In der ausverkauften CHG Arena schenkten sich beide Mannschaften nichts – das erste Drittel war vor allem von Strafen geprägt. Doch währen die Gäste die Powerplay-Phasen ungenutzt ließen, schlugen die Hausherren eiskalt zu und brachten sich früh auf die Siegerstraße. Das Team von Trainer Rich Chernomaz ließ von der ersten Sekunde an keinen Zweifel, wer das Spiel am Ende gewinnen sollte.

„Als Team gekämpft“

Mit einem Hattrick war David Zucker eine der Erfolgsgaranten, zum MVP der Playoffs wurde allerdings Goalie Jonas Langmann. Ravensburg hatte die Hauptrunde der DEL2 als Dritter beendet – vier Punkte hinter Spitzenreiter Frankfurt.

In den Playoffs drehten die Ravensburger aber auf und gewannen die Finalserie mit 4:2. Entsprechend groß war hinterher der Jubel. „Wir haben als Team gekämpft und sind als ein Team aufgetreten. Das war sicher ein sehr wichtiger Aspekt zum Gewinn der DEL2-Meisterschaft“, so Kapitän Vincenz Mayer: „Respekt an die Jungs, wir haben als Team sehr gut gespielt und sind jetzt überglücklich! Vielen Dank an unsere Fans für die großartige Unterstützung!”

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Frank Baumann: Werders stiller Visionär

Frank Baumann ist Geschäftsführer bei Werder Bremen und ein Macher, der viel Bewegung in den Klub bringt. Nur sprechen mag er nicht so gerne darüber. Für uns macht er in der neuen Ausgabe eine Ausnahme.

Frank Baumann: Visionen und Zurückhaltung

Etwas unglücklich ist Werder Bremen aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Gegen den FC Bayern München kämpften die Werderaner bis zum Ende, verloren aber mit 2:3. Das Pokalfinale wäre das i-Tüpfelchen einer bisher großartigen Saison gewesen. Die Entwicklung Werders von einem Klub, der nach tollen Jahren zuletzt gegen den Abstieg spielte und nun wieder den Europapokal als Ziel erklärt, nicht zufällig.

Dafür sorgte auch Bremens Geschäftsführer Frank Baumann, der sicherlich kein Mann vieler und lauter Worte ist, aber im Hintergrund wichtige Entwicklungsarbeit leistet. Für SOCRATES machte der 43 Jahre alte Baumann eine Ausnahme und spricht in der aktuellen Ausgabe über Entschlossenheit, Mut und eine Zurückhaltung, die zum Vorteil wird.

Was gibt es sonst in dieser Ausgabe?

Exklusiv-Interview mit Katarina Witt

SOCRATES traf Witt am Rande der Laureus Awards in Monte-Carlo. Natürlich ist von der DDR, von Jutta Müller und Carmen die Rede. Doch nicht nur…

Exklusiv-Interview mit Toni Söderholm

Der neue Eishockey-Bundestrainer ist passend zur Sportart cool. Supercool sogar. Toni Söderholm spricht mit SOCRATES über das Erbe der Olympiahelden, wegweisende Maßnahmen – und zwei Dinge, die selbst ihn aus der Reserve locken können.

Franck Ribery & Arjen Robben

Eine Ära beim FC Bayern neigt sich ihrem Ende zu. Arjen Robben und Franck Ribéry prägten ein Jahrzehnt, wurden gefeiert, verflucht – und innig geliebt. Die Zuneigung beruhte immer auf Gegenseitigkeit und ihre Leistungen sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Sie werden dem FC Bayern fehlen, aber nicht nur dem.

Exklusiv-Interview mit Dirk Bauermann

Dirk Bauermann ist seit drei Jahrzehnten Trainer und hat alles gesehen, möchte man meinen. Er selbst sieht das ganz anders und schlägt in der Türkei das nächste Kapitel seiner Karriere auf. Mit SOCRATES diskutiert er über die Vielfalt der Kulturen, verletzende Vergleiche und kognitive Verzerrung. Er singt ein Loblied auf Dirk Nowitzki – und einen anderen großen Blonden.

Exklusiv-Interview mit Jean Todt

Jean Todt ist die Institution schlechthin im weltweiten Automobil-Rennsport. SOCRATES sprach mit dem FIA-Präsidenten über sein Erfolgsgeheimnis, unglaubliche Realitäten und – natürlich – Michael Schumacher.

Ronaldos Welt

Ronaldo war einst ein Weltklassestürmer bei den besten Klubs der Welt. Nun ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann und neuer Eigentümer von Real Valladolid. Doch warum ausgerechnet Valladolid? SOCRATES war vor Ort, um das herauszufinden.

Dies und vieles mehr in Socrates #31!

MHP Riesen Ludwigsburg: Das Tal der Riesen

Vor 12 Monaten gehörten die MHP Riesen Ludwigsburg in der Basketball Champions League und Bundesliga zu den besten vier Mannschaften. Die Philosophie von John Patrick griff und sammelte Respekt und Siege. Heute ist vieles anders und um beides muss in jedem Spiel gekämpft werden.

Ludwigsburg und München trennen rund 240 Kilometer. Beinahe auf halber Strecke liegt Ulm. Drei Basketball-Standorte, eigentlich ganz nah, sportlich aber weit voneinander entfernt. „Woran es wohl liegen mag“, wird sich Ludwigsburgs Erfolgs-Trainer John Patrick des nachts vielleicht fragen. Woran liegt es, dass seine MHP Riesen vor 12 Monaten in einem europäischen Final Four standen, Teams mit knallharter Defense niederzwangen und in der BBL Heimvorteil in der ersten Runde genossen, in diesem Jahr jedoch weit weg sind?

Weit weg von den Erfolgen und vor allem weit weg von der eigenen Identität. So weit weg wie eben München. Der Tabellenführer tritt heute Abend in der Barockstadt an und bringt mit, was Ludwigsburg seit Monaten sucht. Konstanz und Identität.

Mannschaft hat sich verändert

Nun sollte gerade der FC Bayern nicht als Beispiel herhalten. Niemand in Ludwigsburg zeigt auf die 240 Kilometer entfernte Stadt und fordert gleiches. Das Duell mit dem deutschen Meister offenbart allerdings die Schwierigkeiten. Vergangenes Jahr war Ludwigsburg das berüchtigtste Defensiv-Team der Bundesliga. John Patricks Basketball-Philosophie manifestierte sich in jedem Spieler im gelb-schwarzen Trikot. Ganzfeld-Presse, Druck und Aggressivität ohne Unterlass. Durchatmen gegen die Riesen? Kaum möglich. Egal wer in den Süden der Republik kam wusste, dass mit schweren Beinen und oft auch mit schwerem Gemüt wieder abgereist wird.

Die Ludwigsburger verinnerlichten ihre Identität, beriefen sich darauf, erlaubten nur 77.4 Punkte im Schnitt und forcierten über 17 Ballverluste beim Gegner. Mit der viertbesten Offensive (86.2 Punkte) und drittbesten Punktdifferenz von +10.5 pro Partie waren die MHP Riesen elitär. Als einziges Team klauten sie den Ball pro Spiel mindestens zehn mal – bei wenigen eigenen Ballverlusten. Meist ein Erfolgs-Cocktail im Basketball. Von diesem Team sind drei Spieler übrig geblieben.

Die ersten sieben Akteure in der Kategorie Punkte im Schnitt sind weg. Ludwigsburg musste mal wieder von neuem anfangen. Ein hoher Durchsatz an Spielern war stets die Norm unter John Patrick, der Engagement und Druck erbarmungslos einfordert. Nimmt ein Spieler den Fuß vom Gas, nimmt Patrick ihn vom Parkett.

Und nicht selten auch komplett aus dem Team. Ludwigsburg verstärkte sich auch im vergangenen Jahr inmitten der Spielzeit. Der unversehrte Kern garantierte jedoch Wissensaustausch. In diesem Sommer brach Patrick die Wissensbrücke komplett weg. Veteran David McCray ist einer von drei übrig gebliebenen und derjenige, der Patricks DNA vollends absorbiert. Zu wenig, um in dieser Saison zu wiederholen, was vergangenes Jahr gefeiert werden durfte. Ludwigsburg schaffte es in der Basketball Champions League (BCL) nicht zurück in die Playoffs. Die vielen Partien mit neuem Personal zehrten, genau wie die Suche nach der verlorenen Identität.

Reaktiv statt Aktiv

Vor zwei Wochen fuhren die MHP Riesen Ludwigsburg jene 240 Kilometer nach München und verloren 92:74. München traf 46.4 Prozent aus der Distanz, versenkte von dort 13 Würfe und spielte mit den ehemals furchteinflößenden Riesen. „Woran es wohl liegen mag“, wird sich John Patrick auf der Fahrt zurück nach Hause gefragt haben.

Oder er kennt die Antwort schon, die so logisch wie auch simpel ist. Beinahe die ganze Mannschaft ersetzen zu müssen und dann zu hoffen, dass alles beim alten bleibt, ist illusorisch. Patricks Plan basiert auf der ungemütlichsten Komponente des Basketballs – konstante Aggressivität in der Verteidigung. Kein Ball in der Hand, reaktiv statt aktiv. Das erfordert viel und kann nicht über Nacht in ein Teamkonzept gegossen werden.

Ludwigsburg befindet sich vor dem Rückspiel gegen die Bayern im Dickicht der Verfolger mit zwei Siegen Rückstand auf den achten Platz. Nach dem frühen Aus in der BCL gilt der Fokus den Playoffs. Manifestiert sich Patricks Philosophie mit fortschreitender Spielzeit mehr und mehr in der Spielern?

Oder sind diese irgendwann immun geworden und ein Stil wie der von Patrick nutzt sich einfach ab. Viel Schliff und Hitze bedeutet Abrieb. Flüsterstimmen fragen nach der Halbwertzeit des Trainers. Ludwigsburgs Problem ist das defensive Konzept. Es greift in diesem Jahr nicht. Ein normaler Vorgang oder der Beginn eines Trends?

Die Playoffs bleiben in Reichweite

John Patrick und seine MHP Riesen werden sich diese Frage aktuell nicht stellen. Die Playoffs sind bei noch acht verbleibenden Spielen möglich. Unter anderem geht es zuhause nach den Bayern gegen Bamberg, Vechta und Berlin. Vor eigenem Publikum stemmt sich Ludwigsburg mit einer Bilanz von 8-5 gegen den Trend. Vergangene Saison waren 20 Siege nötig, um Platz acht zu sichern.

Gewinnt Ludwigsburg alle verbleibenden Spiele? Wahrscheinlich nicht. Beginnen sie heute Abend gegen den Branchenprimus? Die Historie spricht nicht dafür mit nur drei Siegen aus elf Heimspielen gegen die Bayern. John Patrick wird auf kleine Schritte hoffen. Etwas weniger Punkte zulassen, etwas mehr Intensität und die Playoffs bleiben in Reichweite. Und da, das Klischee verrät, ist alles möglich.

Robert Jerzy

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Dirk Nowitzki: Der Spaß, der alles hinwegfegt

Dirk Nowitzki hat seine großartige Karriere beendet. Wir trafen einst Deutschlands Sportlegende in Dallas uns sprachen mit ihm über Freude an der Arbeit, Helden und Pippi Langstrumpf. Das komplette Interview, das im Oktober 2016 stattfand.

Der Artikel erschien in Ausgabe 2

Der Artikel erschien in Ausgabe 2

Dirk, du spielst deine 19. Saison in der NBA. Welcher Bereich hat dieses Jahr in der Vorbereitung die meiste Zeit beansprucht – die Physis oder die Psyche?

Seit letztem Frühjahr habe ich nicht mehr richtig Basketball mit einer Mannschaft gespielt. Nach einer so langen Pause wieder in die Gänge zu kommen, ist schon eine Herausforderung. Wir haben die Vorbereitung relativ langsam begonnen. Den ganzen Sommer über habe ich konsequent an der körperlichen Fitness gearbeitet. Früher habe ich manchmal sogar eine komplette Sportpause gemacht, aber das geht schon lange nicht mehr.

Du machst gar keine richtige Pause mehr zwischen den Saisons?

Wenn du da nachlässig bist, dauert es Monate, bis du wieder da bist, wo du sein solltest. Ab August habe ich sehr viel Individualtraining gemacht und versucht, den alten Körper wieder richtig in die Gänge zu bekommen. Die ersten drei Vorbereitungsspiele habe ich noch ausgesetzt. Dann habe ich eine erste Halbzeit gespielt. Wir haben die Intensität langsam hochgefahren, aber die ersten Wochen nach dem Sommer sind schon schwer.

Wie groß ist der mentale Anteil an deinem Erfolg, das mentale Training?

Wir haben im Frühjahr unser letztes Spiel bestritten, und jetzt habe ich mich schon wieder auf die Saison gefreut. Es ist wichtig, dass das Feuer noch da ist nach so vielen Jahren, dass es Spaß macht. Ich bin mental frisch. Im Sommer habe ich nicht für die Nationalmannschaft gespielt, ich bin mit der Familie unterwegs gewesen. Und natürlich ist man nach 19 Jahren in dieser Liga auch erfahren genug, um zu wissen, was man machen muss, damit man physisch und mental fit wird. Wir haben das wieder gut hingekriegt, ich bin heiß auf die neue Saison. Wenn mein Sport mal zum reinen Beruf wird, dann höre ich auf.

Dirk Nowitzki

Du sprichst deine Erfahrung an: Bist du überhaupt noch nervös?

Nervosität gehört unbedingt dazu, glaube ich. Dieses Kribbeln. Ob es jetzt ein Vorbereitungsspiel ist oder ein reguläres Saisonspiel oder ein entscheidendes Playoff-Spiel – Nervosität ist ein notwendiges Gefühl. Natürlich ist es nicht mehr so wie damals in der Rookie-Saison, wo du vor Nervenflattern und Angst Durchfall hast. Ohne Nervosität wird es langweilig. Dieses Kribbeln macht schon noch Spaß.

Seit deinem Rookie-Jahr ist alles anders geworden. Damals drehte sich alles um Basketball, jetzt hast du etliche andere Verantwortungen und Aufgaben. Du bist Vater, erfährst tagtäglich sehr viel Liebe deiner Fans und bist auch abseits des Platzes sehr gefragt. Haben dich diese Dinge verändert?

Ich bin halt erwachsen geworden. Ich kam mit kaum 20 nach Dallas und hatte vorher noch nie woanders gelebt außer bei meinen Eltern. Seitdem ist viel passiert. Auf dem Spielfeld und auch abseits der Halle. Ich habe ein paar Niederlagen kassiert und Enttäuschungen mitgemacht. Und natürlich prägt einen das. Man wächst daran. Du machst gute und schlechte Erfahrungen. Die schlechten verdrängt man allmählich und versucht, daraus zu lernen. Von den guten zehrt man lange. Aber es war bisher eine schöne Zeit. 18 Jahre. Ich habe viel gelernt.

Wo du auftrittst, sehen die Leute dich als Helden. Bei deinem Benefizspiel in Mainzer Fußballstadion in diesem Sommer hast du länger Autogramme geschrieben, als das Spiel selbst gedauert hat. Wie sehr kannst du solche Situationen genießen?

Als Held sehe ich mich natürlich nicht. Das ist mir arg hochgegriffen. Den Leuten gefällt, wie ich Basketball spiele. Klar hat man eine gewisse Vorbildfunktion. Aber der Begriff „Held“ ist schon wahnsinnig hochgegriffen. Es macht mir natürlich großen Spaß, zu sehen, wie die Fans sich freuen, wenn sie ein Autogramm oder ein Foto bekommen. Das macht mir schon auch Spaß, vor allem bei den Kids. Meine eigenen Kinder werden irgendwann ebenfalls zu jemandem aufschauen. Sie werden sich Vorbilder suchen. Diese Momente mit den Fans sind mir deshalb sehr wichtig.

Welche Helden sollen denn deine Kinder einmal haben?

Gute Frage. Meine Helden waren damals meistens Sportler. Mein Vater war wahrscheinlich mein erstes Vorbild. Er war ein sehr guter Handballer. Ich war früher bei jedem seiner Spiele dabei und habe an der Sprossenwand gehangen. „Heja Papa“ und weiß der Geier was habe ich gerufen. Mein Vater war mein erstes Vorbild, und alle, die danach kamen, waren eigentlich auch immer Sportstars. Ob sich meine Kids auch mal so für Sport interessieren werden oder sportlich sein wollen, weiß man natürlich noch nicht. Max ist noch sehr klein, aber er rennt schon ständig irgendeinem Ball hinterher. Malaika eigentlich überhaupt nicht, sie spielt meistens mit ihren Puppen. Man muss abwarten, welche Hobbies sich die Kids aussuchen und was sie interessiert. Und wen sie sich zum Vorbild nehmen.

Diskutierst du mit deiner Frau zum Beispiel, ob es lieber Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter sein soll?

Pippi Langstrumpf ist ja im Original schwedisch. Pippi Långstrump. Meine Frau ist damit aufgewachsen, das wird Malaika sicher mögen. Gerade ist allerdings Elsa von „Die Eiskönigin“ das absolute Vorbild. Zu Halloween war sie auch als Elsa verkleidet, nur die Perücke wollte sie nicht aufsetzen. Max war Olaf, der Schneemann. Weltklasse.

Zurück zu deinen eigenen Helden. Wie war es, als du damals dann gegen diese antreten musstest?

Mein erstes NBA-Spiel war gegen die Seattle Supersonics mit Detlef Schrempf. Was natürlich Wahnsinn war, vor allem, weil auch so viele deutsche Medien da waren. Es war damals surreal und komisch, auf einmal gegen Leute anzutreten, die du jahrelang im Fernsehen bewundert hast und die deine Idole waren. Mein drittes Spiel war dann gegen die Houston Rockets. Als Junge bin ich riesiger Chicago-Bulls- und Scottie-Pippen-Fan gewesen. Charles Barkley hatte bei den Phoenix Suns gespielt. Beide waren in den 90er Jahren meine absoluten Helden. Und Hakeem Olajuwon war damals der beste Big Man. Am Ende ihrer Karrieren haben die drei zusammen in Houston gespielt: Olajuwon, Barkley und Pippen! Das war schon Wahnsinn. Da habe ich beim Aufwärmen dagestanden und hab ihnen genau zugeschaut. Wie sie sich aufwärmen, wie sie sich auf dem Spielfeld verhalten, was sie außerhalb vom Spielfeld machen. Da war ich wie ein kleiner Fan, obwohl ich an dem Abend gegen sie spielen musste.

Merkst du manchmal, dass es jungen Spielern heutzutage ähnlich geht, wenn sie gegen dich antreten müssen bzw. dürfen?

Ab und zu kommt das vor. Manchmal kommen neue, junge Spieler aus Europa – und manche sind schon lange Fans. Genauso wie ich damals. Normalerweise fällt mir das nicht so auf, aber vor ein paar Jahren haben wir einmal in der Preseason gegen Denver gespielt. Ich war in der Layup-Line beim Aufwärmen, als die Denver Nuggets aus der Kabine kamen. Der Georgier Nikolos Zkitischwili kam gerade in die Liga. Und dann starrte er mich an, als ich an ihm vorbeilief, und schaute mir hinterher. Das war natürlich ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man jetzt auch eine Vorbildfunktion hat und dass auch Leute in Europa daran teilhaben, was ich hier mache. Vor allem andere Spieler.

Zum Helden von Dallas bist du mit der Meisterschaft 2011 geworden. Wer war damals die erste Person, mit der du wirklich geredet hast? Das erste richtige Gespräch nach dem größten Erfolg?

Erstmal ist alles ein einziges Umarmen und viel zu wild für Worte, in der Kabine haben wir uns den Champagner über die Rübe gekippt. Aber irgendwann habe ich dann mit den Physios zusammengesessen und relaxed. Der Medienrummel war vorbei und dann saß ich da. Mit den Leuten, mit denen wir in all den Jahren so viel durchgemacht haben. Wir haben ein paar Sachen Revue passieren lassen. Der Doc war dabei und hat ein Foto von der Trophäe und mir gemacht. Er hat mir das Bild später einmal geschenkt, es hängt immer noch bei mir Zuhause. Wir haben dagesessen und einfach über das gesprochen, was da gerade passiert war. In den Tagen und Wochen danach habe ich natürlich viel geredet: mit Holger, der natürlich dabei war, mit meinem Physio Jens Joppich, mit meiner Freundin – meiner jetzigen Frau –, mit der Familie.

Als Holger Geschwindner dich vor mehr als zwanzig Jahren entdeckt hat – war er da ein Held für dich?

Wahrscheinlich war ich da schon ein bisschen zu alt, um Helden zu haben. Ich war 16 oder 17, da ist man gerade ein bisschen cool und gibt es nicht so zu, wenn man jemanden gut findet. Ich kannte Holger damals noch nicht und wusste gar nicht, was er schon alles für den deutschen Basketball gemacht hatte. Dass er Kapitän der 1972er-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen von München gewesen war. Das war mir alles nicht bekannt. Ich habe mich damals eher für die Handballer interessiert, Jochen Fraatz und so. Und natürlich für die NBA-Spieler. In Deutschland kannte ich mich nicht so aus. Aber als ich Holger dann kennengelernt habe, ist er natürlich zu einem Vorbild geworden. In allem, was er macht, auch außerhalb des Spielfelds. Der Hotsch ist schon ein Unikum. Auf jeden Fall.

Wenn man Holger Geschwindner und dich bei Spielen beobachtet, fällt auf, dass ihr immer Blickkontakt habt, wenn ein paar Würfe nicht fallen. Kann er dein Spiel noch aktiv beeinflussen? 

Gestern habe ich zu Beginn des Spiels nicht gut getroffen, und da habe ich ihn im ersten Viertel sogar mal kurz gesucht. Ich wusste allerdings gar nicht, wo er sich hingesetzt hatte, also habe ich ihn nicht gefunden. Früher war das natürlich wichtiger. In meinem ersten Jahr habe ich ihn nach jedem schlechten Spiel sofort am nächsten Tag angerufen, wenn er nicht da war. Mal 20 Minuten, mal eine halbe Stunde. Ich habe erzählt, was passiert ist, wie es mir dabei ging und was ich gefühlt habe. Da war er schon sehr wichtig für mich, ein sehr großer Rückhalt. Und es ist immer wieder gut, wenn er da ist. Es schleichen sich ja ständig kleine Fehler in den Schuss ein, die Holger dann sehr schnell und sehr genau rausbügeln kann.

Auch während der Spiele?

Im Spiel mache ich mein eigenes Ding. Bei Heimspielen weiß ich natürlich wo er sitzt, da schaue ich schon ab und zu mal zu ihm rüber. Er gibt mir dann seine Handzeichen „Rebounden“ oder „Kämpfen“. Und dann sage ich ihm: „Komm Du doch hier runter und mach das mit 38, mein Junge!“ Spaß beiseite: Ein paar spezielle Handsignale haben wir immer noch, und die sind sehr hilfreich. Wenn der Schuss mal links oder rechts vorbeigeht, zeigt er mir an, dass ich die Finger breiter machen muss. Oder dass ich es etwas langsamer und ruhiger angehen lassen soll. Es gibt Zeichen, die auch nach 19 Jahren in der Liga immer noch helfen.

Du hast kürzlich mal gesagt, dass du dir vorstellen könntest, später auch mal als „Holger“ zu arbeiten. Also als Mentor und Individualtrainer. Warum? Was reizt dich an der Aufgabe?

Ich habe von Holger über all die Jahre so viel gelernt: über den Wurf, über die Bewegungen dabei, über Basketball ganz allgemein. Und ich glaube, dass ich diese Dinge gut weitergeben könnte. Anders als Holger mit seinem Hintergrund als Physiker und Mathematiker natürlich, aber über den Wurf kann ich einigermaßen vernünftig erzählen. Eine Mannschaft zu trainieren, ist wahrscheinlich nicht mein Ding. Motivationsreden waren noch nie meine Sache, und deswegen werde ich wahrscheinlich individuell mit jungen Spielern arbeiten und versuchen, denen etwas beizubringen. Ich glaube, das würde mir Spaß machen.

Etliche Nachwuchsspieler, denen man eine große Karriere zugetraut hat, sind als „der nächste Nowitzki“ bezeichnet worden. Wie denkst du darüber, dass du offenbar Maßstäbe gesetzt hast?

Als ich in die Liga kam, wurde ich mit Larry Bird verglichen. Und jetzt heißt es bei internationalen Spielern: „Das könnte der nächste Nowitzki sein.“ Das ist eine tolle Sache. Ich habe wohl im Laufe der vielen Jahre etwas erreicht, auf das man stolz sein kann. Wenn heutzutage ein großer Spieler einen Einbeiner schießt, dann heißt es, „Ey, der hat ’nen Dirk gemacht.“ Das ist natürlich ein Riesenkompliment für mich, es ist eine Ehre. Man respektiert, was ich die letzten Jahre geleistet habe.

Hast du bei irgendeinem Spieler mal gedacht: „OK, der kann wirklich mein Nachfolger werden“?

Bei Kristaps Porzingis würde ich sagen: Er hat sogar mehr Potenzial als ich. Er hat jetzt mit 20 schon eine bessere Saison gespielt als ich in dem Alter. Er ist länger, er ist athletischer, er schießt das Ding mit Leichtigkeit von ganz weit weg. Er ist auch der bessere Verteidiger und blockt Würfe. Er hat wirklich alle Möglichkeiten, mal ein absoluter Allroundspieler zu werden. Es ist natürlich ein langer Weg, für den man auch etwas Glück braucht. Aber Porzingis ist schon richtig gut.

Beim ersten Saisonspiel in Indianapolis hast du selbst beim Aufwärmen sichtbar Spaß gehabt. Saugst du solche Momente und diese besondere Atmosphäre jetzt besonders auf, weil du weißt, dass die Karriere irgendwann einmal vorbei sein wird? Du bist ja einer der ganz wenigen Spieler in der Liga, die auch auswärts mit Applaus begrüßt werden.

Natürlich weiß ich auch, dass es irgendwann vorbei sein wird. Aber die Spiele machen mir immer noch richtig Spaß. Die Vorbereitung ist manchmal richtig lang und ätzend, die Stunden allein auf dem Laufband, die Trainings im Sommer mit Holger. Aber bei einer Atmosphäre wie in Indy weiß ich, warum ich diese ganze Arbeit in diese Sache reinstecke. Warum ich mir im Urlaub irgendwo ein Fitnesscenter suchen muss, warum ich die Kids und die Familie am Strand lasse und laufen gehe und Krafttraining mache. Wenn ich mit der Mannschaft auflaufe, macht es einfach richtig Spaß. Natürlich wird es von Jahr zu Jahr schwerer, aber es macht einfach noch Bock. Und wenn dann das Spiel so eng ist und es auch noch in die Verlängerung geht, dann ist es toll, dabei zu sein. Dann hat sich der Aufwand gelohnt. Das ist ein Spaß, der alles hinwegfegt.

Interview: Thomas Pletzinger & Matthias Bielek

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Aíto García Reneses: Ewig jung

Aíto García Reneses, Trainer von ALBA Berlin, revolutioniert den deutschen Basketball. Der 71-Jährige badet im Jungbrunnen und kämpft gegen den Stillstand. Ein Interview über ewige Jugend.

Der Artikel erschien in der 25. Ausgabe

Der Artikel erschien in der 25. Ausgabe

Señor García Reneses, Ihr ehemaliger Spieler Kristaps Porzingis war im Sommer in Berlin. Haben Sie sich gesehen?

Leider nicht. Ich war in Spanien.

Erinnern Sie sich an Ihre gemeinsame Zeit in Sevilla?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich, sehr von ihm beeindruckt gewesen zu sein. Er war zwar außerordentlich lang und dazu noch sehr dünn, doch schon damals besaß er eine herausragende Beweglichkeit für seine Länge. Dazu noch der Wurf von außen. Er war schon damals etwas Besonderes. Ich habe immer noch ein Bild von ihm und mir auf meinem Telefon. (sucht auf seinem Smartphone ein Foto raus und zeigt es stolz – im Hintergrund der Teenager Porzingis mit aufmerksamem Blick)

Er sagt, Sie seien sein größter Förderer.

Ich habe ihm die Chancen gegeben, die er sich selbst erarbeitet hat. Er war ja nicht von Anfang an ein Star. In Sevilla spielte er im ersten Jahr kaum. Ich erinnere mich aber an ein Spiel gegen Real Madrid. Wir waren auf dem Papier chancenlos, so erhielt Kristaps viel Spielzeit auf der Drei. Er war nicht stark genug, um innen zu spielen, wissen Sie. Er erzielte 20 Punkte. Im zweiten Jahr wurde er noch besser. Er lernte viel, wollte viel lernen und für mich war es eine große Genugtuung zu sehen, dass er alles aufsaugte, was ich ihm beibringen wollte.

Sind sie noch in Kontakt?

Während meiner Auszeit vor Alba Berlin 2016 begleitete ich die San Antonio Spurs eine Weile. Da sahen wir uns. Ich sah hoch zu ihm und sagte nur: „Du bist ja noch größer geworden.“ Jetzt sprechen wir ab und an. Er spricht fließend Spanisch. Wer mit ihm am Telefon ist und nicht weiß, wer er ist, hält ihn für einen Spanier. (lacht)

Aíto García Reneses: Coach of the Year

Verbringen Sie Ihren Sommer immer in Spanien?

Den Großteil meiner Sommer verbringe ich, Sie werden es nicht glauben, mit Basketball. Früher waren es Spiele und Turniere auf internationaler Bühne. Viele Sommer verbrachte ich auch in den USA, um mich mit anderen Trainern auszutauschen und einfach im Geschehen zu bleiben. In den letzten Jahren nutze ich meine Sommer allerdings mehr als Ruhephase.

Mögen Sie es, in zwei Welten zu leben? Berlin für den Basketball und rasanten Alltag, Spanien für die Ruhe?

Ich trenne das nicht. Berlin ist natürlich etwas anders. Ich spreche hier selten Spanisch und das Wetter im Winter setzt mir etwas zu. Aber ich fühle mich so wohl, dass ich keinen Ausgleich brauche.

In einer anderen Publikation sagten Sie mal, sie möchten nur im Moment leben und diesen auskosten.

Das stimmt. Viele Menschen reden über die Vergangenheit. Auch mit mir, wenn es um die Erfolge geht. Da merke ich, dass ich mich mehr mit den Geschehnissen beschäftigen möchte, die ich hier und jetzt beeinflussen kann.

Seit wann denken Sie so?

Ich glaube, ich habe immer so gelebt. Da war keine Glühbirne in meinem Kopf, die irgendwann Klick gemacht hat. Als Spieler dachte ich schon so. Ich wollte mich mit der Evolution des Sports auseinandersetzen. Und dazu gehört, im Hier und Jetzt zu sein.

Sie waren ein Aufbauspieler…

Ach, so sehr aufgebaut habe ich gar nicht. (lacht)

Sie haben mal gesagt, Sie wären langsam und ein schlechter Schütze gewesen. Allerdings hätten Sie gute Entscheidungen getroffen. Gab Ihnen Ihre Rolle als Spielgestalter eine besondere Sicht auf das Spiel?

Wissen Sie, schon damals bei Estudiantes Madrid, wo ich in den 1960er Jahren spielte, waren wir nicht festgefahren in den klassischen Positionen. Zwei bis drei Spieler, die das Spiel leiten konnten, standen immer auf dem Feld. Daher kommt mein Blick für die Fundamentalität des Spiels. Insofern hat mir unsere Philosophie eine besondere Sicht vermittelt, wenn Sie so wollen.

Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen Sie genug von Basketball hatten?

Nein. Mein ganzes Leben dreht sich um Basketball. Das hat es schon immer. Immer wenn ich mal ein Jahr ausgesetzt habe, so wie vor Berlin, hat es wieder angefangen zu kribbeln. Ich dachte damals, ich mache einfach etwas anderes. Und dann hat es mich wieder gepackt.

Ihnen kam nie der Gedanke an die Rente?

Ich war bereits zwei- oder dreimal in Rente und kam zurück. Wie ernst kann ich das also nehmen? (lacht)

Quarterback-Legende Brett Favre sagte, er habe nach seinem Karriereende festgestellt, wie sehr das Spiel sein Leben vereinnahmt hatte und er vereinsamt war. Er saß zu Hause und wusste nicht, was er mit sich anfangen sollte.

Ja, das verstehe ich. Allerdings ist es für einen Spieler eine andere Erfahrung. Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Ende September ist der spanische Radprofi Alejandro Valverde in Innsbruck Weltmeister geworden. Er ist 38 Jahre alt. Mit 50 wird er das wohl nicht mehr schaffen. Wahrscheinlich, wir wissen es nicht. (lacht) Die Fähigkeiten schwinden also irgendwann. Als Trainer bin ich auf meinen Körper nicht so sehr angewiesen. Ob ich nun langsamer über das Feld stakse, interessiert die Spieler beim Training nicht. Mein Kopf muss fit bleiben. Und auch wenn ich im Alter ein wenig Agilität im Kopf einbüße, meine Erfahrung lässt mich das ausgleichen. So gesehen bin ich noch immer fähig. Warum soll ich also nicht weitermachen?

Die Mentalität eines jungen Menschen. Sie wohnen in einem anderen Land. Erleben und genießen die Vorzüge des Stadtlebens und lassen sich von allem überraschen, was sich Ihnen präsentiert.

Ich habe eine weitere Metapher für Sie. Manche Spieler, egal welchen Alters, wollen an ihrem Spiel und ihrem Wissen über das Spiel arbeiten. Sie sind wissbegierig und mit dem Status Quo nicht zufrieden. Andere sind es. Ich hatte viele Spieler über meine Karriere hinweg, die immer lernen wollten. Ist das nicht schön? So lebe ich auch. Ich genieße alles, was ich tue und lerne dabei auch noch. Ob nun über Menschen oder Begebenheiten.

Wie erhalten Sie sich diese Einstellung? Gerade als erfolgreicher Trainer ist die Gefahr groß, sich zu sehr in den Erfolg zu verlieben.

Erfolge kommen ja nicht einfach herbeigeflogen. Sie sind ein Resultat der Arbeit. Und ich glaube, wer Spaß an seiner Arbeit hat, der wird erfolgreich sein. Diesen Spaß zu erleben, tagtäglich, in einer Gruppe von Menschen und zusammen, ist das höchste Gut. Stillstand im Kopf lässt irgendwann keine Zufriedenheit mehr zu. Also bleibe ich nicht stehen.

Ist Ihnen das menschliche Miteinander wichtiger als Erfolge?

Was sind denn Erfolge? Titel? Titel sind Resultate. Mit 100 Prozent zu spielen, zu agieren, ist das nicht auch ein Erfolg? Mit meinem ersten Team begann ich weit unten in der Nahrungskette des spanischen Basketballs. Nach zehn Jahren gehörten wir zu den besten drei Teams. Das ist Erfolg. Viele Menschen denken nur in Titeln. Für alle, die aber nah an diesem Team dran waren, definierte sich Erfolg über das Geleistete.

Sie sind ein Pionier darin, Spieler zu entschlüsseln und jungen Spielern eine Chance zu geben.

Ja, das stimmt. Aber nicht jeder Spieler ist gleich. Und nur weil einer jung ist, hat er nicht automatisch einen Freifahrtschein. Ich vertraue jungen Spielern und will ihnen helfen. Bei mir spielen die Jungen, wenn sie dem Team helfen können. Sie müssen es sich aber verdienen. Und sie müssen das auch verstehen.

Gab es von den Klubs nie Druck, die Veteranen einzusetzen?

Ich wurde dazu nie angehalten.

Gab es junge Spieler, die Sie nie erreichen konnten?

Ja, die gab es. Ich bin kein Spielerflüsterer. (lacht)

Menschen werden im Alter oftmals pessimistischer. Woher kommt Ihr Vertrauen in die jüngeren Generationen?

Im normalen Leben, da gebe ich Ihnen recht, werden Menschen pessimistischer, je älter sie werden. Nun folgt wieder ein Beispiel: Ein älterer Spieler, der in einem jungen Team spielt, altert nicht wie gewöhnlich. Seine Umgebung und der Kontakt halten ihn jung. Wenn er seine Karriere beendet, endet auch der Effekt. Und so geht es mir auch.

Junge Spieler sind Ihr Jungbrunnen?

Ja, absolut.

Haben Sie Menschen in Ihrem Leben erlebt, bei denen es nicht so war?

Ich habe eine weitere Geschichte für Sie. Als ich zur Schule ging, besaß ich einen Taschenrechner. Mein Mathelehrer kam eines Tages zu mir und sagte: „Du musst der reichste Schüler der Klasse sein, wenn du einen Taschenrechner hast.“ Das war in den Anfängen des Taschenrechners. Er war ein sehr guter Lehrer, allerdings verstand er nicht, dass ich mit der Zeit ging. Ich konnte trotzdem im Kopf rechnen, nutzte aber moderne Möglichkeiten. Heutzutage rechnet keiner mehr im Kopf.

Für Sie sind also die Grundlagen des Spiels noch immer wichtig, allerdings bauen Sie moderne Methoden oben drauf?

Kein Haus kann ohne ein Fundament stehen. Danach kann alles andere gebaut werden. Wer also mit rechts dribbeln kann, aber nicht mit links, wird es schwer haben.

Haben Sie den Basketball so erlernt?

Die älteren Spieler haben mir neben dem Trainer viel mitgegeben. Die Veteranen haben mir gezeigt, was ich verbessern, woran ich arbeiten muss. Damals hatten Profis eine andere Einstellung. Veteranen kümmerten sich genauso um die jungen Spieler wie der Trainerstab. Heutzutage trennen das zu viele Spieler. Sie denken, das sei allein die Aufgabe der Coaches und kümmern sich nur um sich.

Hat sich der Basketball zum Schlechten verändert?

Ich pauschalisiere nicht. Generell waren Dinge damals aber anders. Als Pat Riley die Los Angeles Lakers trainierte, nahm er an einer Coach Clinic in Teneriffa teil. Bei einem Abendessen saßen wir am selben Tisch und redeten über die Unterschiede zwischen der NBA und Europa. Aber auch über Fundamentales und wie ein Team funktioniert und wie wir als Trainer mit Spielern umgehen, die nicht ihr Bestes geben. Riley erzählte mir eine Geschichte über Vlade Divac, der damals ein Laker war. In einem Spiel war er unkonzentriert und Riley kurz davor, ihn auf die Bank zu setzen. Plötzlich ging Magic Johnson zu Divac hinüber, packte den Serben mit beiden Händen am Trikot und sagte zu ihm: „Du spielst nicht nur für deine Reputation und dein Geld, sondern auch für unsere Reputation und unser Geld.“ Das vermittle ich auch meinen Spielern: Es ist nicht immer wichtig, dass alles von mir kommt. Ihr müsst aufeinander achtgeben.

Wie sehen Sie den Unterschied zwischen der NBA und Europa heutzutage?

Nicht mehr so drastisch wie damals beim Abendessen mit Pat Riley. Die Spitze der NBA ist weiterhin eine Klasse für sich. Die europäische Basis hat allerdings stark aufgeholt.

Mögen Sie es, dass so viele europäische Spitzenspieler in die NBA wechseln? Ihre Schützlinge Pau Gasol, Ricky Rubio oder Kristaps Porzingis sind alle in die USA gegangen.

Zu viele Spieler gehen rüber. Der Trend ist von einem Extrem ins andere gewechselt. Als Arvydas Sabonis mit 19 Jahren an einem internationalen Turnier teilnahm, war ich vor Ort. Er war so gut, er hätte sofort in der NBA spielen können. Die Scouts aus den USA waren allerdings skeptisch. Niemand traute es ihm zu, da er nicht auf einem College gespielt hatte. Fatal, wie wir wissen. Heutzutage folgen zu viele Spieler dem Lockruf. Du benötigst als Spieler eine Basis. Du musst mental bereit sein. Manche sind das nicht. Die Einflüsse von außen sind zu groß.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Einfluss auf Spieler schwindet?

Ich denke nicht. Die Spieler hören noch immer zu. Als ich ein Spieler war, waren meine Trainer fast so wichtig wie meine Eltern. Sie haben mir nicht nur auf, sondern auch abseits des Parketts geholfen. Sie waren immer da.

Macht diese Herangehensweise die spanische Philosophie so erfolgreich? Der ganzheitliche Ansatz?

Das ist noch immer einer der Grundpfeiler, ja.

Fehlt das in Deutschland?

Vielerorts ja. Wir versuchen das hier in Berlin. Unsere jungen Spieler haben einen guten Draht zu uns, ihren Jugendtrainern und den älteren Spielern.

Der Basketball hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Lachen Sie manchmal darüber angesichts der Tatsache, dass Sie diese Trends schon seit Jahrzehnten verinnerlichen?

Nein, ich lache nicht. Ich freue mich, dass der Sport spektakulärer wird. Das wollen wir ja alle. Es muss aber auch hinterfragt werden, warum sich Dinge ändern, wie sie sich ändern. Nehmen wir den Dreier als Beispiel: Heute ist der Dreier der neue Trend. Spieler denken: „Oh, wir liegen mit zwölf Punkten hinten, also werfe ich einfach vier Dreier.“ Ich sehe den Dreier als ein Element, das es meinem Team leichter macht, den Ball nach innen zu bringen und am Ring abzuschließen. Oder zum Korb zu ziehen, weil mehr Platz ist. Manche fundamentalen Dinge dürfen einfach nicht in Vergessenheit geraten.

Also alles wieder eine Sache der Fundamente und alter Tugenden?

Natürlich. Es ist toll, dass der Sport schneller wird. Wird er aber noch unser Basketball sein, wenn alle nur noch Dreier schießen? Das macht keinen Spaß.

Macht es Ihnen heute mehr Spaß zu coachen als früher?

Mir hat es immer Spaß gemacht, da gewichte ich nicht. Spaß ist Spaß. Über mein erstes Team, Badalona, wurde damals gesagt, dass wir eine Karate-Presse spielen würden. Sie kennen Karate? Handkante und Tritte. Aber wir waren einfach nur unserer Zeit voraus. Schauen Sie sich unsere Spiele heute auf Video an, wirkt es wie Zeitlupe. Die Athletik und Geschwindigkeit hat zugenommen. Das entwertet allerdings nicht, was wir damals gemacht haben.

Wurden Ihre Trends oft kopiert?

Ja, allerdings ist es heutzutage leichter, zu kopieren. Damals konnten wir keine Videos über den Gegner schauen. Heute kann alles gesehen werden. Ich kann mich erinnern, dass ich als junger Trainer ein Magazin in Händen hielt mit einem Artikel über Dean Smith, den berühmten Coach der North Carolina Tar Heels. In diesem Artikel ging es um sein „Run-and-Jump“-System. Für mich war das ein Novum, was mir Vorteile verschaffte, weil kein anderer Trainer dieses Magazin gelesen zu haben schien.

Dean Smith hat am College junge Spieler entwickelt, nicht zuletzt einen Michael Jordan. Fehlt das heute, weil Spieler meist nach nur einem Jahr in die NBA wechseln?

Ja, das tut es. Für mich war John Wooden der Beste. Er lehrte Basketball und das Leben. Das gibt es heute nicht mehr.

Hatten Sie jemals das Verlangen, in der NBA zu trainieren?

Nein, das hatte ich nie. Dieser Karriereweg war auch nie etwas für mich. Damals, als ich Trainer wurde, hätte ich einige Jahre als Assistent arbeiten müssen, dann auf dem College. Bis ich das erreicht hätte, wäre ich wohl 120 gewesen. (lacht)

Denken sie wirklich nicht über die Zukunft nach? Ans Aufhören?

Nein, tue ich nicht. Interessiert mich auch nicht. Ich lebe jeden Tag.

Eine junge Herangehensweise eben.

Und ist sie nicht toll! Wer jung ist, sorgt sich nicht. Wer älter wird, sorgt sich mehr, vor allem um sich selbst. Warum sollte ich mir das antun?

Interview: Robert Jerzy

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Knut Reinhardt: „Studium schwerer als die Champions League“

Knut Reinhardt hat als Profi von Borussia Dortmund sämtliche Titel geholt. Was danach geschah: Ein Absturz, Tränen und dann ein Studium. Heute ist Reinhardt Lehrer und feiert sein neues Leben. Darüber spricht er im Interview.

Das Interview erschien in der 12. Ausgabe

Das Interview erschien in der 12. Ausgabe

Knut Reinhardt, warum mussten Sie 2000 Ihre Karriere als Fußball-Profi beenden?

Meine Knie waren ein einziges Trümmerfeld, in einem Gelenk hatte ich einen irreparablen Knorpelschaden und als die Reha nach der letzten Operation auch nach einem halben Jahr keine wirklichen Fortschritte brachte, wusste ich: Das war es, du wirst niemals wieder Bundesliga spielen können. Da war ich einunddreißig Jahre alt. Und stand vor dem Nichts.

Sie waren ein junger Mann mit viel Geld auf dem Konto, zweifacher Deutscher Meister und Champions-League- Sieger. Wie kann man da vor dem Nichts stehen?

In kürzester Zeit stellte ich fest, was alles passieren kann, wenn der Körper eines Leistungssportlers nicht mehr funktioniert. Innerhalb von sechs Monaten blieben von Hundert Freunden nur noch eine Handvoll übrig, die Prominenz zieht viele falsche Kumpels an. Meine Beziehung zerbrach. Ich war zu diesem Zeitpunkt Vater von vier Kindern, für zwei Kinder musste ich Alimente zahlen, die anderen beiden wohnten unter meinem Dach. Ich hatte ein großes Haus, zwei Autos, einen gewissen Lebensstandard, den ich zunächst auch nicht bereit war, einzudampfen. Und viel entscheidender: Meine große Leidenschaft, meine Liebe Fußball, war auf einmal Vergangenheit. Der Mensch braucht eine Aufgabe im Leben, einen Beruf oder eine Berufung. Die hatte ich nun nicht mehr. Das einzige Handfeste, was mir aus diesen Jahren geblieben war, war eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Aber die Vorstellung, in Zukunft acht Stunden pro Tag im Büro abzureißen und mit den Kollegen Bild gegen Express zu tauschen, machte mich fertig und kam deshalb nicht in Frage.

Wie gingen Sie damit um?

Als ich das alles realisiert hatte, schloss ich mich eine Woche Zuhause ein. Da floss nicht nur eine Träne. Es fühlte sich so an, als ob mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Zumal ich als Fußballprofi vielleicht gelernt hatte, Spiele zu gewinnen und Gegenspieler zu stoppen, aber nicht, wie man ein selbstständiges Leben führt. Ich kam mir vor, als wenn ich noch einmal mein Elternhaus verlassen hätte.

Wie meinen Sie das?

Als Fußballprofi hast du Fußball zu trainieren und zu spielen, alles andere wird dir abgenommen. Eine neue Wohnung? Organisiert der Verein. Den Umzug, Gänge zum Amt, das neue Auto, Steuern, Finanzen? Regelt alles der Klub. Die Vereine erziehen ihre Spieler zu unselbstständigen und ziemlich verwöhnten Menschen. Ich musste nicht mal aufs Amt, wenn mein Pass verlängert werden musste. Den gab ich in der Geschäftsstelle ab und einen Tag später war alles in Ordnung. Das Rundum-sorglos-Paket. Und so steht man da nach der Fußballer-Laufbahn und fühlt sich wie ein Idiot.


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Was passierte, nachdem Sie sich Zuhause eingeschlossen hatten?

Zunächst verfiel ich in Selbstmitleid und machte andere für meine Misere verantwortlich. Nach einer Woche war mir klar, dass nur ich an der Situation etwas ändern können würde und erstellte einen Plan für meine Zukunft. Ein alter väterlicher Freund half mir dabei. Der ist Lehrer und meinte, dass er sich diesen Job auch für mich vorstellen könne. Darüber dachte ich nach, entschied mich tatsächlich für ein Lehramtsstudium und musste mich dann erstmal nachträglich bei meinen Eltern bedanken.

Wofür?

Dass sie mich damals, als ich achtzehn Jahre alt war und kurz vor dem Sprung in die Bundesliga stand, so lange pushten, bis ich mein Abi bestanden hatte. Meine Schulbildung war mir zu diesem Zeitpunkt herzlich egal, ich wollte ja Fußballprofi werden. Ich kenne so viele Kollegen, die ähnlich dachten wie ich und nicht die Unterstützung bekamen, von der ich damals profitierte. Die stehen dann nach der Sportler-Karriere als ungelernte Arbeitslose da und das ist dann noch einmal ein härterer Sturz, als ich ihn erleiden musste.

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Wie war das Studium?

Schwerer, als die Champions League zu gewinnen. Und am Ende noch mehr wert als der Henkelpott. Gleich im ersten Semester trug ich mich für acht Seminare ein und ging viermal heulend von den Klausuren nach Hause, weil mich das einfach überfordert hatte. Während meine Kommilitonen meistens sehr junge Menschen waren, die sich eigentlich nur um sich selbst zu kümmern hatten, war ich Anfang dreißig, hatte vier Kinder, finanzielle Verpflichtungen, ein ganz anderes Leben. Manchmal lag ich in der ersten Zeit nachts im Bett und konnte nicht schlafen, weil ich nicht wusste, wie ich das alles schaffen sollte. Dann kam der Leistungssportler in mir durch und das half mir letztlich, die Kurve zu bekommen.

Inwiefern?

Durch die Jahre als Profi war ich daran gewöhnt, diszipliniert und zielstrebig auf etwas hinzuarbeiten und diesen Gedanken transportierte ich auch aufs Studium. Außerdem genoss ich natürlich das entspannte Umfeld und Leben an der Uni. Ich war vielleicht nicht auf jeder Fachschaftsparty anwesend, durfte aber trotzdem vom Dasein eines Studenten profitieren. Nach sieben Jahren war ich durch. Etwa 400.000 Euro hatte mich diese Zeit gekostet. Es war an der Zeit, wieder Geld zu verdienen. Gleichzeitig hatte ich gelernt, dass es nicht die Kohle ist, die einen glücklich macht, sondern was man mit seiner Zeit anstellt. Ich lernte meine heutige Frau kennen und die Nächte in ihrer Einzimmer-Bude mit Sekt vom Aldi waren tausendmal schöner als die Abende mit Champagner in teuren Luxus-Hotels während meiner Zeit als Fußballer.

Sie sind jetzt seit acht Jahren Lehrer. Wie gefällt Ihnen der Job?

Er macht mich glücklich und ist tatsächlich zu meiner Berufung geworden. Ich unterrichte an der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund, die 2006 zur besten deutschen Schule ausgezeichnet wurde und für uns Lehrer ein großartiges Arbeitsumfeld bietet. Die Schule liegt im sozialen Brennpunkt der Stadt und hat Schüler mit den unterschiedlichsten Migrationshintergründen in den Klassen. Multi-Kulti vom Feinsten.

Wie kommen Sie mit diesen sicherlich nicht ganz einfachen Kindern klar?

Es stimmt, wir haben viele verhaltensauffällige Kinder hier und sehr viele, die von Haus aus nicht die allerbesten Chancen mit auf den Weg bekommen. Aber das macht die Arbeit auch reizvoll. Denn für meine Kollegen und mich geht jedes Kind, egal mit welchem Hintergrund, grundsätzlich gerne zur Schule. Es liegt nur an den Lehrern, die Kinder auch anständig zu unterrichten. Ich will, dass meine Schüler Spaß in der Schule haben. Also versuche ich dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Damit ich weiß, was ihnen gut tut, muss ich sie verstehen und dafür muss ich sie kennenlernen. Das ist eine ganz wunderbare Aufgabe.

Und wie schafft man das?

Jedes Kind ist anders drauf. Den einen musst du streicheln, die andere eher provozieren, das ist Menschenführung. Entweder man kann das, oder nicht. Und natürlich ist der Job wie jeder andere eine Frage der Routine, der Kollegen, des Arbeitsumfelds. Wir sind zum Beispiel ganz weit von der klassischen Schulform entfernt, also: Lehrer steht vorne und kritzelt was an die Tafel. Bei uns sitzen die Schüler in kleinen Gruppen zusammen und arbeiten gemeinsam, da spielt Alter und Intellekt keine Rolle. Nur die Freude am Lernen. Um den Bogen zum Fußball zu spannen: Eine Klasse ist für mich wie eine Mannschaft. Es gibt verschiedene Bereiche – Torwart, Abwehr, Mittelfeld, Angriff – und wenn das alles gut zusammen funktioniert und harmoniert, dann kommt auch der Erfolg.

Um noch einen Fußball-Vergleich zu wagen: Wie auch im Fußball gibt es Schulkinder, die mehr oder weniger Talent haben, die mehr oder weniger Pech hatten. Wie gehen Sie damit um?

Das ist in der Tat eine sehr große Aufgabe. Wir haben Kinder aus Familien, für die ist es das monatliche Highlight, wenn das Geld vom Amt kommt und sie gemeinsam im Taxi zur Pommesbude können. Andere können nicht balancieren, weil sie noch nicht im Wald über Bäume gelaufen sind. Manchmal stehen Schüler vor mir, die noch kein Frühstück hatten und in den Sachen von gestern aus dem Haus geschickt wurden. Auf der anderen Seite sorgen die so genannten Helikopter-Eltern dafür, dass ihr Kind nicht lernt, selbstständig und eigenständig zu denken und zu leben. Gerade in der Grundschule hat man nicht nur einen Bildungs-, sondern auch einen Erziehungsauftrag. Das ist schon sehr viel Verantwortung.

Wie bewerten Sie das deutsche Bildungssystem?

Als rückständig. Bundesweit fehlen aktuell 25.000 Lehrstellen, wir haben zum Teil noch Zustände wie im alten Preußen, da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie gar nichts getan. Im internationalen Vergleich hinken wir hinterher, ich finde das beschämend, gerade für ein Land, das so reich ist und so viele Möglichkeiten hätte, die Bildung zu verbessern. Mich erinnert das an den deutschen Fußball zur Jahrtausendwende, als die Nationalmannschaft bei der EM 2000 in der Vorrunde rausflog und plötzlich jeder sah, wie schlimm es um die Ausbildung der Talente stand. Dann wurde Geld und Zeit investiert und heute stehen Jogi Löw fünfzig bis sechzig unglaublich gut ausgebildete Kicker zur Verfügung. Eine ähnliche Entwicklung wünsche ich mir auch für unser Bildungssystem. Wenn auch mit deutlich mehr Weitsicht als beim Fußball.

Was meinen Sie damit?

Inzwischen hat zwar jeder große Verein Internate, die eng mit Schulen zusammenarbeiten, man kümmert sich augenscheinlich um den Nachwuchs, aber eigentlich geht es nur darum, das nächste Super-Talent aus dem Hut zu zaubern, dass dann irgendwann viele Millionen Euro wert ist. Aber was ist mit den vielen anderen Spielern, die vielleicht Jahre ihres Lebens darauf verwendet haben, Leistungssportler zu werden und Schule oder Ausbildung hinten angestellt haben? Um die kümmert man sich nicht. Da wünsche ich mir deutlich mehr Verantwortungsgefühl bei den Klubs. Die Möglichkeiten hätten sie ja durchaus. Ähnlich ergeht es den Jungs, die später zu Sportinvaliden werden oder die Leistung einfach nicht mehr bringen können. Es fallen jedes Jahr so viele junge Fußballer durchs Raster und niemand hat sie auf die Zeit nach dem Fußball vorbereitet.

Machen Sie den Klubs Vorwürfe?

Ja, sie sind für diese jungen Menschen verantwortlich. Dieser Verantwortung müssen sie unbedingt nachkommen. Das Fußballgeschäft ist doch ein sehr oberflächliches, es interessiert nicht, ob du vielleicht aus einem schwierigen Haushalt kommst und dir viel größere Steine in die Biografie gelegt worden sind, sondern ob du gut genug bist, Profi zu werden.

Klingt so, als hätten Sie sich sehr vom Fußball distanziert. Wie viel ist geblieben von Ihrer Leidenschaft?

Das Spiel an sich liebe ich weiterhin, daran hat sich nichts geändert, seit ich als kleiner Junge beim Zähneputzen den Ball zwischen den Füßen tanzen ließ. Ich war genauso verrückt nach Fußball wie viele andere Kinder, schlief in HSV-Bettwäsche und wollte so werden wie mein Idol Kevin Keegan. Dass ich mir diesen Jungs-Traum tatsächlich erfüllen konnte, ist eigentlich unglaublich und macht mich sehr dankbar. Das heißt aber nicht, dass ich alles toll finde, was im aktuellen Fußball passiert. Im Gegenteil.

Ihr Trainer zu Dortmunder Zeiten war Ottmar Hitzfeld, ein studierter Mathematik- Lehrer. Was haben Sie sich von ihm abschauen können?

Wie man einen Haufen verrückter und völlig unterschiedlicher Menschen führt und mit ihnen auch noch Erfolg hat. In den großen Jahren Mitte, Ende der Neunziger war das beim BVB eine schwierige Aufgabe. Da waren Typen wie Matthias Sammer, der immer lichterloh in Flammen zu stehen schien, was natürlich ein gewisses Fingerspitzengefühl erforderte. Oder Spieler wie Andreas Möller und Stefan Reuter, die in den Jahren zuvor in der Serie A gespielt hatten und nun ganz weltmännisch beim Training vom ‚passaggio lungo‘ statt vom ‚langen Pass‘ sprachen. Und natürlich Julio Cesar, einen recht eigenwilligen Brasilianer, der regelmäßig zu spät aus dem Urlaub kam. Für den organisierte Hitzfeld in einer Sommerpause gar extra mal ein Trainingslager in Brasilien. Und wer tauchte nicht auf? Julio! Den sahen wir dafür abends im Fernsehen als Teilnehmer eines Futsal-Turniers. Am Tag des Abflugs stand er dann auf der Matte und war topfit.

Welcher ehemalige Mitspieler hätte das Zeug, einen guten Lehrer abzugeben?

Höchstens mein alter Freund Wolfgang Feiersinger. Aber der betreibt eine Alm-Hütte und hat sich entschlossen, in der Natur glücklich zu werden. Was ihm hoffentlich auch gelungen ist.

Knut Reinhardt, sind Sie denn glücklich?

Ja. Ich bin aus dem Loch gekrabbelt, in das ich nach der Fußball-Karriere gefallen bin, habe mich aufgerappelt, bin inzwischen in einer wunderbaren Beziehung, bin Vater von vier tollen Kindern und mache einen Job, der viel nachhaltiger ist als mein früherer Beruf. Früher ging es mir um die nächsten drei Punkte und um die Meisterschaft, heute will ich Kindern dabei helfen, dass sie in der Lage sind, ein zufriedenes Leben zu führen. Das ist sehr erfüllend.

297 Bundesliga-Spiele, sieben Auftritte für die Nationalmannschaft, zweifacher Deutscher Meister, Champions-League- Sieger, Gewinner des Uefa-Cups, Weltpokalsieger – was sind die großen Erfolge des Lehrers Knut Reinhardt?

In meinem ersten Jahr als Referendar hatte ich einen marokkanischen Jungen in meiner Klasse, der ziemlich verhaltensauffällig war. Zu dem baute ich schnell ein Vertrauensverhältnis auf und am Ende verstanden wir uns großartig. Er wurde ein richtig guter Schüler. Nach der vierten Klasse verlor ich ihn aus den Augen. Vor kurzem sah ich ihn beim Einkaufen in Dortmund wieder. ‚Herr Reinhardt‘, sagte er, ‚ich mach jetzt Abitur!‘ Das war schöner als jeder Titelgewinn.

Interview: Alex Raack