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Horst Heldt über Jürgen Klinsmann: „Extrem unverschämt“

Der plötzliche Rücktritt von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC löst auch in der Bundesliga Reaktionen aus. Kölns Sportchef Horst Heldt teilte sogar richtig aus und hatte Mitleid mit seinem Amtskollegen Michael Preetz.

Bei Hertha BSC hat man mit der Pressekonferenz am Donnerstag, an der Investor Lars Windhorst, Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz, die Wogen nach dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann mehr oder weniger geglättet (Hier geht’s zur Abrechnung von Lars Windhorst). Doch die Reaktionen auf den abrupten Rückzieher von Klinsmann ebben nicht ab.

Horst Heldt, Sportchef des 1. FC Köln, teilte auf einer Pressekonferenz sogar richtig aus. Heldt erzählte über seinen Kontakt mit Preetz und Hertha-Medienchef Max Jung und sprach gar von Mitleid mit seinen Kollegen. Kein Pardon kennt Heldt im Fall von Klinsmann, über den Heldt deutliche Worte findet. Das Video…

Video: Heldt: "Klinsmann extrem unverschämt"


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Quigley und Vandersloot: „Das Männer-Publikum ist nicht so tolerant“

Allie Quigley (32) und Courtney Vandersloot (30) sind ein Paar. Bei Chicago Sky in der WNBA spielen sie gemeinsam im Backcourt, im echten Leben sind sie frisch verheiratet. Ein Gespräch übers Glücklichsein, das Pro und Contra von Outings, Ungerechtigkeit und „sensible“ Zeiten.

Sie beide spielen seit Jahren eine wichtige Rolle in der WNBA und im europäischen Basketball. Wie haben Sie Ihre Liebe zu diesem Spiel entdeckt?

Allie Quigley: Ich habe drei Geschwister und alle treiben Sport. Die ganze Familie ist sportlich. Wir haben alles ausprobiert, aber Basketball lieben wir über alles. Ich habe immer draußen gespielt und dann in der Schule weitergemacht. Und dann merkte ich, dass ich ziemlich gut war. Dann bin ich ans College gegangen und später für die WNBA gedraftet worden.

Courtney Vandersloot: Bei mir war es sehr ähnlich. Auch ich habe sehr früh angefangen und schnell rausgefunden, dass Basketball mein Lieblingssport ist. Ich habe immer draußen mit den Jungs gespielt. Das hat mir Riesenspaß gemacht, weil ich sehr ehrgeizig bin. Es hat einfach perfekt gepasst. Erst viel später habe ich gemerkt, dass ich auf einem anderen Level spiele als andere. So kam ich ans College, in die WNBA und nach Europa.

Das letzte Jahr war für Sie beide sehr wichtig. Courtney trug sich in die WNBA-Geschichte ein mit den meisten Assists in einer Saison. Allie gewann den Dreier-Contest beim All-Star Weekend mit einer historischen Leistung. Allerdings lief es gar nicht gut für Chicago Sky.  Was war los?

CV: Für uns beide war das vergangene Jahr besonders und gleichzeitig merkwürdig, weil wir individuell sehr erfolgreich waren, aber mit dem Team große Probleme hatten. Das war eine Art Achterbahnfahrt. Es war frustrierend für uns, dass unsere persönliche Entwicklung nicht zu mehr Siegen beitrug. Es hatte aber auch einen positiven Effekt: Durch die ganzen Probleme haben wir umso härter an uns gearbeitet und uns tatsächlich verbessert.

Allie, Sie haben zum zweiten Mal in Folge den Dreier-Contest gewonnen und dabei sogar Devin Bookers Bestmarke von 2018 übertroffen. Das war unglaublich! Wie ging es Ihnen an diesem Abend?

AQ: Es macht auf jeden Fall Spaß, auch wenn das Lampenfieber groß ist. Man wirft vor einer wirklich großen Kulisse und hat ja nur diesen einen Versuch, die ganzen Würfe zu treffen. Eigentlich war es nur schön, weil ich gewonnen habe. (lacht) Nein, es war schon eine runde Sache. Courtney und meine ganze Familie haben zugesehen – und es macht natürlich schon Spaß, so gut zu werfen.

Sie sind ein großer Fan von Stephen Curry, aber jetzt macht ein Foto von Ihnen und ihm die Runde in den sozialen Medien und da steht: „Allie mit einem Fan“. Wie finden Sie das?

AQ: Es ist cool. Es beweist, wie treu die Fans ihren Idolen sind. (lacht) Das ist schon besonders, denn in meinen Augen ist Stephen der beste Shooter aller Zeiten, der GOAT. Es ist schon cool, überhaupt ein Foto mit ihm zu haben. Er ist ein Vorbild, jeder will so werfen können wie er.

Courtney, Sie haben ebenfalls eine neue Bestmarke aufgestellt und mit Ihrem 258. Assist die legendäre Ticha Penicheiro überflügelt.

CV: Das ist schon ein Ding, in einem Atemzug mit Ticha genannt zu werden, sie hatte schließlich alle Rekorde für Assists irgendwann innegehabt. Als wir für ein Jahr zusammenspielten, hat sie sich wirklich um mich gekümmert. Sie wollte, dass ich erfolgreich bin. Nicht zuletzt deshalb ist sie jetzt meine Beraterin.

Nach der Saison gehen viele WNBA-Spielerinnen nach Europa oder anderswohin. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, die Heimat zu verlassen und auf einem anderen Kontinent Fuß zu fassen?

AQ: Es ist schon nicht einfach. Du kommst in eine fremde Kultur und kannst nicht einfach ins Auto oder ins Flugzeug steigen und deine Familie sehen. Das ist manchmal hart und man kommt sich einsam vor. Es kommt vor, dass du alle fünf Monate einen neuen Coach und neue Teamkollegen hast. Alles neu. Nach ein paar Jahren gewöhnst du dich aber daran und entdeckst die positiven Seiten: die vielen Erfahrungen, die kulturellen Unterschiede, das andere Essen, die Sprachen…

Ein Grund für diese Offseason-Engagements ist schlicht das Geld. Die Frauen verdienen im Profibasketball viel weniger als die Männer. In anderen Sportarten wie Tennis oder Fußball wird darüber schon lange debattiert. Wie ist Ihr Standpunkt und wie ist die Perspektive in der WNBA?

AQ: Es ist ein kompliziertes Thema. Auf der einen Seite halte ich uns für privilegiert, weil wir aus unserer Leidenschaft Basketball einen Beruf machen können. Auch gibt es Schlimmeres als unsere Gehälter, denn so schlecht sind die auch wieder nicht. Was wir wirklich brauchen, ist mehr Unterstützung durch die Medien, mehr Aufmerksamkeit. Wenn wir präsenter wären, hätten wir mehr Zuschauer und das Geld käme von allein. Meiner Meinung nach kriegen wir im Vergleich mit den Männern keine faire Chance.

CV: Ungerechtigkeit gibt es ja nicht nur im Sport, sondern überall. Frauen bekommen für die gleiche Arbeit weniger Geld, was frustrierend ist. Aber wir sind nicht hier, um uns mit anderen zu vergleichen. Jeder würde doch gerne mehr verdienen, oder? Wie Allie sagte, wird das Geld kommen, wenn die Liga wächst. Damit das passiert, müssen wir guten Basketball spielen, gute Unterhaltung bieten. Das tun wir schon, aber es geht noch besser. Ich bin inzwischen seit acht Jahren in der Liga und alles ist besser geworden. Ich glaube, dass die WNBA in guten Händen ist und die Kluft in Zukunft schrumpfen wird.

Ein großes Ereignis haben wir noch gar nicht angesprochen: Sie beide haben am 27. Dezember 2018 geheiratet. Sie sind also nicht mehr nur auf dem Court unzertrennlich. Frisch Verheiratete werden oft gefragt: Und, fühlt es sich jetzt anders an?

CV: Die Chemie zwischen uns stimmt einfach auf dem Platz und außerhalb davon. Unsere Karrieren nahmen gerade Fahrt auf, als unsere Beziehung begann. Wir können uns gegenseitig vielleicht mehr pushen als andere Leute, weil da Vertrauen da ist. Manchmal ist es auch schwierig. Wir treiben uns gegenseitig an, wir verbringen viel, sehr, sehr viel Zeit miteinander, was großartig und gleichzeitig schlecht sein kann. Aber mich macht es glücklich, mit meiner besten Freundin Tag zu Tag zur Arbeit zu gehen.

AQ: Es ist toll, dass wir gemeinsam die Welt entdecken und so viele Erfahrungen zusammen machen. Und zu Hause in den USA genießen wir das Leben zusammen, indem wir tun, was uns gefällt. Wir wissen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und nicht alle so ein Glück haben wie wir. Es ist einfach perfekt.

Klubwechsel, die Trennung von der Familie sind für Profisportler an der Tagesordung. Welche Rolle spielt Ihre Beziehung bei Vertragsgesprächen oder Verhandlungen? 

AQ: Eine große Rolle. Deshalb spielen wir sei fünf Jahren immer in der gleichen Stadt. Zum Glück ließ sich das so einrichten. Wir haben drei Jahre in Istanbul gespielt und auch in Polen beim gleichen Team. Dieses Jahr hat es leider nicht funktioniert. Aber manchmal muss man Opfer bringen und einen Kompromiss finden, der unseren Karrieren und gleichzeitig unserer Beziehung gerecht wird. Letztes Jahr haben wir die bestmögliche Lösung gefunden, auch wenn es hart ist.

Die frühere WNBA-Spielerin Candice Wiggins behauptet, 98 Prozent der Frauen in der Liga seien lesbisch und sie sei schikaniert worden, weil sie heterosexuell ist. Haben Sie jemals etwas von Übergriffen mitbekommen und was sagen Sie überhaupt zu Ihren Statements?

CV: Ich kann nichts über ihre Erfahrungen sagen. Ich weiß nicht, ob sie Schikanen ausgesetzt war. Ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen in der WNBA sprechen. Meiner Einschätzung nach haben alle Lebensentwürfe ihren Platz hier. Es ist egal, welcher Religion jemand angehört und welche sexuellen Präferenzen jemand hat. Wir sind alle gleich. Ich habe nie etwas von Übergriffen oder Anfeindungen aus welchem Grund auch immer mitbekommen.

AQ: Mir geht es genauso. Ich habe auch nie negative Erfahrungen gemacht oder etwas Derartiges gehört.

Viele Spielerinnen in der WNBA machen keinen Hehl aus ihrer sexuellen Orientierung, während Outings von Männern im Sport sehr selten sind. Jason Collins, der als erster NBA Spieler zugab, schwul zu sein, sagte einmal: „Es gibt offiziell immer noch keine homosexuellen Spieler in der NFL, der NHL oder der MLB. Glaubt mir: Es gibt sie doch.“ Woher kommt der Unterschied zwischen Frauen- und Männerwelt?

AQ: Ich weiß es nicht, vielleicht weil die Welt eben so ist. Man rechnet im Männersport nicht im gleichen Maß mit Outings wie bei den Frauen. Vielleicht ist das Publikum bei den Männern nicht so tolerant, wenn es um Homosexualität geht. Vielleicht liegt es an den Fans. Männer müssen immer stark sein und gewisse Erwartungen erfüllen. Wahrscheinlich fühlen sich die Männer in ihrer Rolle nicht wohl.

CV: Ich habe leider auch nicht die Antwort parat. Ich glaube, ein Grund ist auch, dass sie ihr Privatleben schützen wollen, denn ein Outing wäre eine Riesengeschichte. Was sie aber hinter verschlossenen Türen machen, geht wirklich niemanden was an. Keine Ahnung, ob das der Hauptgrund ist, aber es ist jedermanns Sache, wie er mit seinen privaten Angelegenheiten umgeht. Das ist ihr gutes Recht.

Der Socrates Newsletter

Wenn wir an Colin Kaepernick denken, stellen wir fest, dass sich Sportler großen Widerständen aussetzen, wenn sie für ihre Rechte einstehen und ihre Freiheit verteidigen. Wir leben in turbulenten Zeiten. Muss man besser aufpassen, was man sagt?

CV: Es ist eine sehr sensible Zeit gerade. Wie jeder Bürger in Amerika haben auch Sportler das Recht auf Protest, das Recht auf Meinungsfreiheit. Weil sie aber in der Öffentlichkeit stehen, werden sie für alles kritisiert, was sie sagen oder auch nicht sagen. Das meine ich mit sensibel. Ich finde aber, dass es wichtig ist, dass sich Menschen für das einsetzen, woran sie glauben. Kaepernick hat das getan und viele sind ihm gefolgt. Ich glaube, dass Menschen ehrlich mit sich sein müssen. Immer. Egal was kommt.

AQ: Ich stimme Dir zu. Auch oder gerade Sportler haben das Recht zu sagen, was sie wollen. Man muss sich aber der Konsequenzen bewusst sein, gerade wenn man ein großer Star ist. Es wird viel Kritik geben und viel Zuspruch. Das eine und das andere, Schwarz und Weiß, aber nichts dazwischen. Ich glaube, dass wir heutzutage mehr aufeinander zugehen müssten, als immer nur Partei zu ergreifen. Immer heißt es: „Hier bin ich und da sind die anderen.“ Das bringt uns immer weiter auseinander. Man muss auch Verständnis für Leute haben oder entwickeln können, die eine andere Meinung vertreten.

Interview: Furkan Karasoy

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Körbel & Co.: The Loyals

Maldini, Giggs, Totti, Gerrard und Messi sind einige der weltweit bekanntesten One-Club Player. Das sind Spieler, die für ihre außergewöhnliche Vereinstreue geliebt und bewundert werden. Solche Typen gibt’s in Deutschland freilich auch. Einige liebenswerte Beispiele…

Platz 20 geht an Borussia Dortmund mit 2,68 Jahren Vereinszugehörigkeit pro Spieler im aktuellen Kader. Das heißt: Bei 19 Klubs aus den fünf größten Ligen Europas – Bundesliga, Premier League, Primera Division, Serie A, Ligue 1 – bleiben die Spieler länger. Heißt aber auch: Bei 78 Klubs bleiben die Spieler nicht einmal 2,68 Jahre. Spitzenreiter dieser Statistik ist übrigens Real Madrid mit 5,84 Jahren, gefolgt vom FC Barcelona und Bayern München knapp dahinter.

Die Studie des Schweizer Instituts Centre international d’étude du sport (kurz: CIES) ist freilich nur eine Momentaufnahme, bestätigt aber das Gefühl vieler Fußballfans: Kontinuität ist ein rares Phänomen, die Fluktuation auf dem internationalen Spielermarkt ist gewaltig.

Dennoch gibt es auch heute Spieler, die durch besondere Treue auffallen und die gerade nicht die großen Stars der großen Klubs sind wie ein Sergio Ramos, ein Lionel Messi, ein Daniele De Rossi oder ein Thomas Müller. Los geht’s aber mit dem Marathonmann der Bundesliga schlechthin.

Karl-Heinz Körbel: Eintracht Frankfurt? Niemals!

Der Legende nach soll Karl-Heinz Körbel seinem „Vadder“ geschworen haben, zu einem Verein wie Eintracht Frankfurt würde er nicht gehen. Hintergrund dieses Verdikts war ein 0:7 der Hessen gegen Karlsruhe, das der junge Kicker mit seinem Vater besucht hatte. Fast wäre Körbel dann als A-Jugendlicher beim HSV gelandet, der sich sehr um den Nachwuchsmann aus Dossenheim bemühte und beim Probetraining sogar Uwe Seeler als „Sparringspartner“ auflaufen ließ.

Neben den Hamburgern waren noch die Bayern, der VfB Stuttgart, Waldhof Mannheim und der KSC hinter Körbel her, was den Teenager vollkommen überforderte. „Das ging mir alles zu schnell! Ich dachte nur: ‚Nee, jetzt könnt ihr mich alle mal am Buckel lecken!‘ Ich bleibe noch ein Jahr hier in Dossenheim und dann wird man sehen, was passiert“, erinnerte sich Körbel vor Jahren im Interview mit 11 Freunde.

Es sollte die goldrichtige Entscheidung und eine fürs Leben gewesen sein. Als 17-Jähriger ging Charly Körbel zur Eintracht, die angenehm unaufdringlich, aber umso überzeugender um das Abwehrtalent geworben hatte. Körbel schloss sich der Eintracht an und fasste sofort Fuß in der Bundesliga. 19 Jahre sollte er bleiben und in 602 Bundesligaspielen (Rekord für die meisten Einsätze!), 70 Pokalspielen und 45 Europacupspielen seine Knochen hinhalten. 1974, 1975, 1981 und 1988 gewann er den DFB-Pokal, 1980 dazu den UEFA-Cup. Für die deutsche Meisterschaft reichte es nie. Auch in der deutschen Nationalmannschaft konnte er sich aufgrund der Bayern-Dominanz, wie es landläufig heißt, nicht nachhaltig durchsetzen.

Doch es reichte ja so locker zur Legende, zu der auch gehört, dass Charly Körbel in 602 Ligaspielen nie vom Platz flog, aber ausgerechnet beim Saisonfinale 1991, dem Ende seiner Karriere, wegen einer Gelbsperre fehlte. Zur Legende gehört auch, dass er 1983 eigentlich abhauen wollte, weil Chaos bei der Eintracht herrschte, es aber nicht übers Herz brachte. Die Eintracht „wurde mein Leben“ erklärte er in besagtem Interview – und das ist sie immer geblieben.


Torsten Mattuschka: „An dich kommt keiner ran!“

Man muss nicht zwingend ein One-Club-Man sein, um bei einem Verein abgöttisch verehrt zu werden. Torsten Mattuschka, kurz Tusche, ist so ein Mann. Er spielte mit Union Berlin Oberliga, Regionalliga und 2. Liga und war an der Alten Försterei der Publikumsliebling, die Identifikationsfigur, der Kultstar schlechthin. „Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann. Torsten Mattuschka, an dich kommt keiner ran. Torsten Mattuschka, mach ihn rein für den Verein“, sangen die Union-Fans in den Jahren 2005 bis 2014, ehe er an seine alte Wirkungsstätte, nach Cottbus, zurückkehrte

Immer wenn Mattuschka nach den Gründen für seine Popularität gefragt wird, landet er sehr schnell beim Thema Authentizität. Er habe sich nie verändert, blieb sich immer treu, habe immer alles gegeben. Oder in seinen eigenen Worten: „Sobald der Schiedsrichter anpfeift, gebe ich Vollgas für den Verein. Außerdem trage ich, wie die meisten Fans, ja auch ein wenig Bauch“, sagte er mal in einem Interview mit SPOX.com. Tusche begeisterte aber nicht nur die eigenen Fans, sondern viele neutrale Beobachter mit seiner Kreativität, Schlitzohrigkeit und schlichten fußballerischen Klasse, die in Tateinheit mit einer besseren Physis für ein Erstligakarriere locker gereicht hätte.

Nationalspieler Christoph Kramer outete sich vor wenigen Jahren als absoluter Mattuschka Fan. Dem Tagesspiegel erzählte der Mönchengladbacher: „Er bewegt sich gut in den Räumen – auch wenn er sich nicht schnell in den Räumen bewegt. Aber er steht immer gut. Man spürt bei ihm einfach, er lebt Fußball, und er versteht Fußball.“ Als ein Spieler, der nach eigener Auskunft gern einmal einen Schritt weniger machte, war er außerordentlich gut bei Standards. Am 5. Februar 2011 sahen 75.000 Zuschauer zu, als er im Derby gegen die große Hertha per Freistoß den 2:1-Siegtreffer für Union schoss. Das allein hätte schon für die Legendenbildung gereicht.

Marc Schnatterer: König der Provinz

Der Traum vom ganz großen Fußball erhielt einen empfindlichen Dämpfer, als es damals bei der C-Jugend des VfB Stuttgart hieß: Tut uns leid, aber unsere Wege trennen sich hier. Statt Nachwuchsleistungszentrum bei einem deutschen Eliteklub hieß es für ihn nun: ab aufs Land! Über Freiberg ging es mit Anfang 20 nach Karlsruhe. KSC II wohlgemerkt, aber immerhin… Doch konnte er sich auch dort nicht durchsetzen. Also zurück in die absolute Provinz: Heidenheim, Schwäbische Alb. Vierte Liga. 2008 war das und 2019 ist er immer noch da. Marc Schnatterer ist längst „Mr. Heidenheim“.

Die 400-Spiele-Marke längst passiert, hat er über 100 Tore geschossen und mehr als 100 für seine Kollegen aufgelegt. Er ist praktisch nie verletzt und hat in den ersten vier Zweitligaspielzeiten (2014/15 bis 17/18) 134 von 136 Partien absolviert. In Interviews wird der 34-Jährige, für viele der beste Spieler der 2. Liga, beständig auf die Bundesliga angesprochen, doch diesen Traum scheint er abgeschrieben zu haben, auch wenn er keinen Hehl daraus macht, dass jeder am liebsten Samstagnachmittag um 15.30 Uhr spielen würde. Doch wirklich ernstzunehmende Angebote scheint es nicht oder zumindest offiziell nicht gegeben zu haben. Schnatterer scheint mit sich im Reinen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er seine Karriere in Heidenheim beenden. Wann das sein wird, ist noch unklar. Bei Fragen nach der Bundesliga verweist er gerne auf einmalige Erlebnisse mit dem Klub seines Herzens: zwei Aufstiege und ein Derbysieg beim großen VfB. Was er zudem schätzt, sind die Kontinuität und die Beschaulichkeit in Heidenheim, eine familiäre Atmosphäre, die er, genauso wie Trainer Frank Schmidt, der sogar schon vor ihm beim Klub an der Brenz war, mitgestaltet.

„Mit dem, was ich in Heidenheim erlebt habe und vielleicht noch erleben darf, bin ich unheimlich glücklich“, sagte er im Interview mit bundesliga.de. „Ich denke nicht jeden Tag darüber nach, was woanders vielleicht gewesen wäre. Eine Führungspers.nlichkeit in Heidenheim sein zu können, gibt mir sehr viel.“ Und wer weiß, vielleicht bleibt Schnatterer sein Leben lang beim FCH. Als Manager vielleicht. Den Sportfachwirt hat er schon, Sportökonomie studiert er noch dazu.

Timo Horn: Der Weg ist noch lange nicht vorbei

Es ist fast schon ein Gesetz, dass ein Verein bei einem Abstieg seine besten Spieler verliert. Das gilt vor allem für Vertreter der jüngeren Garde, jenen mit Potenzial, die dann meist den berühmten nächsten Schritt gehen. Timo Horn ist so ein Fall. Gladbach, Hoffenheim, Tottenham, Manchester United, Arsenal, Liverpool, Real Madrid, Liverpool, Leipzig, Dortmund, Barcelona. Mit diesen und nicht nur diesen Klubs wurde der 26-Jährige in den letzten gut fünf Jahren in Verbindung gebracht.

Natürlich entbehren viele Gerüchte einer stabilen Grundlage, doch ist es kein Geheimnis, dass der Kölner Keeper seit frühesterJugend auf geradem Weg zu einem absoluten Spitzentorwart ist. Als der Effzeh nun 2017/18 wieder mal runtermusste, schien sein Abgang eigentlich eine klare Sache zu sein. Doch es kam anders…

Horn erklärte wie Nationalspieler Jonas Hector und Routinier Marco Höger seinen Verbleib: „Es wird die Aufgabe von Jonas, Marco und mir sein, da vorneweg zu gehen. Das sehe ich als sehr reizvoll an. Genau wie die Möglichkeit, mich persönlich im nächsten Jahr weiterzuentwickeln. Es wird manchmal nicht leicht sein, in der 2. Liga zu spielen und gleichzeitig andere Jungs, die man noch aus den U Nationalmannschaften kennt, in der Champions League zu sehen. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Weg beim FC noch lange nicht vorbei ist.“

Das sagt einer, der über die Hälfte seines Lebens schon zum Klub gehört. Mit neun Jahren schloss sich der gebürtige Kölner dem Traditionsklub an, spielte mit 17 schon U21 und wurde mit 18 in den Profikader berufen. Mit19 war er die Nr. 1. Spätestens seitdem ist er die Identifikationsfigur der Fans und einer, der vorweg geht. Als der Abstieg Anfang Mai 2018 feststand, verlängerte Horn, die Tränen waren kaum getrocknet, seinen Vertrag demonstrativ bis 2023. Das Echo war gewaltig. Fans von zahlreichen Vereinen verneigten sich über die sozialen Medien vor so viel Loyalität. #EchteLiebe

Oliver Wittenburg

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Windhorst-Abrechnung: Klinsmann „bereut“ Entscheidung

Jürgen Klinsmann hat seinen abrupten Rücktritt bei Hertha BSC bereut. Dies sagt Hertha-Investor Lars Windhorst auf der eigens einberufenen Pressekonferenz der Berliner. Das Video.

Windhorst: Keine Zukunft mit Klinsmann

Der plötzliche Rücktritt von Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC wirkt in Berlin nach: Der Klub berief eine Pressekonferenz ein, an der auch Investor Lars Windhorst teilnahm. Der Tennor-Chef nahm dabei kein Blatt vor den Mund und rechnete mit Klinsmann, dessen Abgang er eigentlich sehr bedauert, ab.

Eine weitere Zusammenarbeit als Mitglied des Aufsichtsrat wird es nicht geben, dies gab Windhorst bekannt. Dieser gab auch zu verstehen, dass Klinsmann seine plötzliche Entscheidung inzwischen wohl auch bereut. Eine Reue, die aber zu spät kommt.

Socrates-Kommentar zum Klinsmann-Rücktritt: Entfolgt

Die Aussagen von Windhorst im Video


Kommentar: Jürgen Klinsmann ist Ihnen entfolgt

Jürgen Klinsmann war nur 76 Tage im Amt bei Hertha BSC. 76 Tage, die gereicht haben, um viel Schaden anzurichten. Für den „Big City Club“, aber auch für Klinsmann selbst. Der Kommentar von SOCRATES-Chefredakteur Fatih Demireli

Kommentar von Fatih Demireli

Der Lars. Ach ja, der Lars. Und übrigens: der Lars. Als Jürgen Klinsmann (55) Ende November 2019 als neuer Trainer von Hertha BSC vorgestellt wurde, sprach Klinsmann viel lieber über „den Lars“, gemeint war Investor Lars Windhorst, anstatt über sich selbst. Geholt eigentlich als Fußball-Experte im Aufsichtsrat und Consigliere für Windhorst sollte Klinsmann bis Saisonende als Trainer den bis dahin glücklosen Ante Covic ersetzen. Klinsmann wurde nicht nur als Trainer installiert, sondern auch als Flutlicht für den allzu durchschnittlichen Fußball-Verein. Hertha wollte gesehen werden. Klinsmann wusste, wie das geht.

Er installierte ein komplett neues Trainer-Team, einen Performance-Manger in Arne Friedrich, ließ die Kabine umbauen, gestaltete das Trainingslager in den USA neu (inklusive kräfteraubender Reise zur Yacht des Investors), holte Spieler für fast 80 Millionen Euro und machte dann die Biege. Mit einem Facebook-Post verkündete er nach 76 Tagen Amtszeit sein Aus als Hertha-Trainer. Vorbei am Klub, dessen Medienabteilung offenbar überhaupt keine Informationen hatte. Für alle Social-Media-Nerds: Jürgen Klinsmann stellte seinen Status auf „in einer Beziehung“ um, postete Liebes-Fotos mit seiner neuen Flamme, fuhr mit ihr den Urlaub, ließ sie ein paar tolle Sachen bei Amazon bestellen und machte die Biege, als es zuhause langweilig wurde. Jürgen Klinsmann ist Ihnen entfolgt.


Jürgen Klinsmann: Ein Rücktritt mit Kollateralschaden

Er wird als Aufsichtsratsmitglied weitermachen, als Kontrolleur mutmaßlich jener Leute), denen er in seiner Mitteilung „fehlendes Vertrauen“ vorwarf. Wie das funktionieren soll, auch wenn Klinsmann theoretisch und praktisch keine Handlungen wie Entlassungen vornehmen darf, ist ein Rätsel. Wird er in persönlichen Treffen mit Lars Windhorst in irgendwelchen Restaurants oder an Deck schmucker Boote erzählen, wie toll nach seiner Meinung Michael Preetz seinen Job macht? Der Preetz, den Klinsmann noch im November als guten Freund bezeichnete. Wohl kaum. Es ist ein Konstrukt, das zum Scheitern verurteilt ist. Klinsmanns Abgang ist nicht nur kein gewöhnlicher Trainer-Rücktritt, sondern ein Vorgehen mit Kollateralschaden.

Hertha hat seit jeher mit Image-Problemen zu kämpfen. Ein schlafender Riese, der nicht aufwachen will. Offenbar war es Anfang der 1990er Jahre sogar so schlimm, dass es folgende Durchsage bis in die Geschichtsbücher schaffte: „Die Toilettenbenutzung im Olympiastadion ist kostenlos. Für den Fall der Fälle.“ Es bedurfte damals eines expliziten Hinweises darauf, dass man einen bestimmten Ort aufsuchen müsse, um den natürlichen Bedürfnissen des Menschen nachzukommen.

Auf die Schnauze geflogen

Wie es der Klub schaffte, in nur wenigen Jahren einen Paradigmenwechsel zu vollziehen, so dass nicht nur Menschen ins Stadion kamen, die wissen, wo und wie man sich seines Harndrangs entledigt, sondern auch solche, die den erfolgreichen Fußball des hiesigen Vereins genießen wollten, der zwischenzeitlich sogar mal Champions League spielte, war eine Erfolgsgeschichte. Aber eine, die immer wieder abrupt unterbrochen wurde, weil sich viele Hertha-Macher schnell größer fühlten, als sie und der Klub waren. Und wieder macht man nun den gleichen Fehler.

Wieder spricht man vom „Big City Club“, von Europapokal und großen Zielen, obwohl die verunsicherte Hertha-Mannschaft seit Saisonbeginn im Abstiegskampf steckt. Man spürte in den Sozialen Medien regelrecht die freudige Erwartung darauf, dass Hertha und Klinsmann auf die Schnauze fliegen – und genau das ist nun passiert.

Der Mann, der „Big City Club“ vorlebte, sogar „Big City Club“ war, hat beim ersten Gegenwind einen Rückzieher gemacht und dem vermeintlichen Projekt großen Schaden zugefügt. In diesen 76 Tagen hat Klinsmann auch das schwer beschädigt, was Michael Preetz seit Jahren versucht hat, aufzubauen. Einen soliden Verein, der nicht mit seiner Klappe, sondern mit Sachverstand im Management und sportlicher Leistung auffällt.

Preetz muss nun vielleicht nicht von vorn anfangen, aber solange Klinsmann im Aufsichtsrat sitzt, wird es auch für ihn ein Spießrutenlauf. Dann wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Preetz die Freundschaft beendet.

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Nagelsmann vs. Lehmann im Video: War es die richtige Taktik von RB?

Julian Nagelsmann überraschte beim Gastspiel von RB Leipzig beim FC Bayern mit seiner Taktik. War es auch die richtige? Der RB-Trainer begründet seinen Plan, Jens Lehmann hält dagegen. Die Diskussion im Video.

Nagelsmann: War es ein guter Plan?

Der Titelkampf in der Bundesliga bleibt spannend. Auch wenn ein Sieg des FC Bayern gegen RB Leipzig die Meisterschaft nicht entschieden hätte, wäre es doch durchaus richtungsweisend gewesen. Dass das Topspiel torlos endete, lag auch am Plan von Gäste-Trainer Julian Nagelsmann, der seine Leipziger eher defensiv ausrichtete.  War das ein guter Plan oder wäre für den Tabellenzweiten der Bundesliga mehr drin gewesen? Nagelsmann erklärt seinen Plan, Ex-Profi Jens Lehmann hält dagegen. Die Diskussion im Video.

Video: Nagelsmann vs. Lehmann


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Gheorghe Hagi im Interview: „Ich bin der Beste“

Gheorghe Hagi war als Spieler bei Real Madrid, FC Barcelona und Galatasaray ein Mythos. Mit dem FC Viitorul wurde er als Eigentümer, Präsident und Trainer schon Meister in Rumänien. Doch er hat nicht genug.

Gheorghe Hagi, Sie sind die Fußballikone Ihres Landes. Könnten Sie sich überhaupt vorstellen, irgendwann nichts mehr mit dem Fußball zu tun zu haben?

Ich glaube daran, dass ich auf die Welt gekommen bin, um Fußball zu spielen. Das ist mein Schicksal. Es gibt in meinem Leben bis heute lediglich zwei Dinge, die mir wichtig sind. Das ist zum einen der Fußball, zum anderen meine Familie. Nichts Anderes beeinflusst mich. Aber ich mochte als Spieler und bis heute keine Geschenke, ich musste mir alles selbst erkämpfen und dafür entsprechend hart arbeiten.

Haben die Menschen in Rumänien nun ein anderes Bild vom „Macher“ Hagi?

Ich denke, dass die Menschen in den vergangenen Jahren zumindest die Chance hatten, mich besser kennenzulernen. Als ich noch Fußball gespielt habe, habe ich auf dem Spielfeld einige Dinge gestaltet. Jetzt versuche ich, dies außerhalb des Spielfeldes zu erreichen. Ich habe eine Akademie gegründet und bei Null angefangen. Heute habe ich es mit dieser ausgezeichneten Akademie bis hierher gebracht. Wenn ich mir das alles so anschaue, kann ich behaupten: Das bin ich.

Hat Ihnen Ihr BWL-Studium geholfen?

Ich habe am meisten vom Sport gelernt. Das Leben ist für mich ein einziger Kampf. Der Fußball hat mich darauf vorbereitet und gewissermaßen erzogen. Klar ist natürlich auch, dass sich der Fußball in ein Geschäft verwandelt hat. Ich kümmere mich momentan gleichzeitig um die Administration und die sportlichen Belange und bin in beidem erfolgreich. So kommt mir mein Studium natürlich sehr zugute.

Momentan befindet sich der rumänische Fußball in einer Krise. Das war zu Ihrer aktiven Zeit ganz anders. Was läuft falsch?

Es gibt im Hintergrund keinerlei Unterstützung. Seit die staatliche Unterstützung schon während meiner aktiven Karriere eingestellt wurde, gab es keinerlei Organisation mehr. Die Fußballschulen verschwanden und wir haben eine Menge Trainer  und damit die Qualität der Spielerausbildung verloren. Ohne finanzielle Mittel entwickelte sich alles zurück. Jetzt versucht Rumänien, etwas aufzubauen. Behutsam. Wir haben den Umbruch genutzt, aber wir haben einige Jahre verloren, in denen sich der Fußball weitergedreht hat. Wir haben quasi eine ganze Generation verloren, die nicht so gut ausgebildet wurde. Aus meiner Sicht müsste in die Akademien des rumänischen Fußballs investiert werden. Um die Zukunft aufzubauen, müssen sie an der Basis anfangen. Wissen Sie, was der Name meines Teams bedeutet?

Zukunft.

Ja. Meine Investition gehört immer der Zukunft. Manche Dinge kann ich vorhersehen. Ich war auch schon auf dem Spielfeld so, ich habe immer schon einen Schritt weiter gedacht.

Wo steht die Akademie gerade in Hinblick auf Ihre anvisierten Ziele?

Mein Ziel ist es, dass die Kinder in der Akademie gute Fußballer werden. Ich möchte eine neue Generation erschaffen. Zurzeit sind wir die beste Fußballakademie Rumäniens. Nach all den Jahren kann ich sagen, dass in den Nationalmannschaften von circa hundert Fußballern, die auf allen Ebenen spielen, dreißig bis fünfzig aus unserer Akademie kommen. Wir setzen auch im Europapokal auf junge Leute. Siebzig Prozent des A-Teams besteht aus Spielern, die aus der Akademie kommen. Und das Durchschnittsalter des Meisterkaders lag bei einundzwanzig Jahren. Wir verzeichnen einen großen Erfolg, auch finanziell gesehen – aber das ist nicht wichtig für mich. Mein Reichtum beruht darauf, Teil des Fußballs zu sein und für den Fußball einiges zu erreichen. Für mich gilt: Je mehr du arbeitest, desto mehr gibt dir Gott zurück. Einfache Mathematik. (lächelt)


Haben Sie für den FC Viitorul ein auf Europapokale ausgerichtetes Projekt im Visier?

Sie haben die Einrichtungen besichtigt und sich selbst ein Bild gemacht. Wenn es hier morgen Erdöl auftauchen sollte, warum nicht? Das momentane, primäre Ziel von Viitorul ist es aber, Spieler auszubilden. Wir bilden Spieler aus und verkaufen diese. Hinter Viitorul steht eine Akademie. Erst danach geht es vielleicht darum, in Europa erfolgreich zu sein oder in der Liga Meister zu werden.

Trotzdem sind Sie 2017 Meister geworden.

Wir hatten ein Budget von rund zweieinhalb Millionen Dollar. Zu Saisonbeginn war unser Ziel, in der Liga zu bleiben. Als es dann später gut lief, haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Liga als eine der ersten sechs Mannschaften zu beenden und an den Playoffs teilzunehmen. Am Schluss sind wir Meister geworden. Aber wichtiger für mich war es, dass wir als U19 in der Champions League ins Viertelfinale gekommen sind. Das ist ein noch größerer Erfolg.

Und was passiert, wenn Sie in der Zukunft ein anderes Team übernehmen, wie wird es dann mit dem Viitorul-Projekt weitergehen?

Das Wichtige ist das Projekt. Strategie, Philosophie System, Spieler, Trainer: Alle Methoden, die wir benutzen, sind die Folge meines Konzepts. Und momentan hat sich alles verselbstständigt. Ich folge meinem Weg, und auch Viitorul entwickelt sich weiter. Der Verein ist nicht nur von mir abhängig. Aber wie die Spieler einen besseren Trainer als mich finden sollen, das weiß ich nicht.

Das Interview erschien in Ausgabe #11: Jetzt nachbestellen

Ihre Trainer-Karriere vor Viitorul ist nicht so glänzend verlaufen wie Ihre Laufbahn als Fußballer.

Erfolgreich zu sein kann man nicht mit alltäglichen Plänen erschaffen. Es ist logisch, dass ich von meinen Ideen denke, dass sie die Besten sein müssen. Aber diese Pläne entstehen nicht im Alltag und funktionieren auch nicht immer sofort. Ich benötige Zeit und Freiraum, um die Zukunft zu gestalten. Ich bin endlich in der Situation, dies tun zu können. Das Team, das ich gründe, muss Persönlichkeit besitzen. Es muss jederzeit das Spielfeld beherrschen. Und das schafft niemand innerhalb eines Tages.

Als Sie damals als Spieler bei Galatasaray unterschrieben, haben Sie sich in Ihren Vertrag eine Prämie eintragen lassen, falls das Team im Europapokal triumphieren sollte. Zuvor hatte noch nie ein türkisches Team einen europäischen Titel gewonnen. Ein gewagter Schritt, oder nicht?

Sowas entspricht aber meiner Philosophie. Ich bin nicht dafür geboren, um in der zweiten oder dritten Reihe zu stehen. Ich bin der Beste, ich will der Beste sein. Die Leute, die an mich glauben, denken auf diese Weise. Ich habe nie nur des Gehalts wegen gearbeitet, ich habe immer gearbeitet, um der Beste zu sein. Das bedeutet natürlich, dass es immer einen gewissen Druck gibt, aber ich mag es, unter Druck zu spielen. Denn Druck motiviert mich.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Sie immer versucht haben, Ihren Teamkollegen einzutrichtern, dass sie denken sollen, der Beste zu sein.

Das Gleiche sage ich heute meinen Spielern. Von den ersten elf sind acht Spieler aus der Akademie. Dieses Level erreichen diese Jungs nur, wenn sie an sich glauben. Das ist die erste Regel. Erstmal musst du daran glauben, dann musst du arbeiten. Ich bin in dieser Hinsicht sehr gut. Ich habe als Spieler daran geglaubt und es geschafft. Und zurzeit glaube ich als Trainer daran.

Ein Großteil der Fußballer, mit denen Sie bei Galatasaray zusammengespielt haben, führten die Türkei bei der WM 2002 auf den dritten Platz. Glauben Sie daran, dass Sie einen Anteil am Aufstieg des türkischen Fußballs haben?

Was genau mein Beitrag war, weiß ich nicht. Aber anstelle einer diplomatischen Antwort kann ich Ihnen offen und direkt folgendes sagen: Ich fehlte in der türkischen Nationalmannschaft. Wäre ich gewesen, dann wäre die Türkei nicht Dritter, sondern Weltmeister geworden. Ich war der Spieler, der den Unterschied zwischen einem Drittplatzierten und einem Champion ausgemacht hat.

Gheorghe Popescu sagte mal über Sie: „Wenn er Spanier oder Franzose wäre, dann würde ihn die Geschichte vielleicht als den Besten akzeptieren.“

Diesen Titel überlasse ich meinem Sohn Ianis. Ich erwarte, dass er mehr macht als ich. Ja, ich war sehr nahe an diesem Level und habe versucht, alles zu gewinnen, was man gewinnen kann. Ich wäre gerne Weltmeister geworden, aber das hat nicht geklappt. Das Jahr, in dem ich mit Galatasaray den UEFA-Pokal gewonnen hatte, hätte ich den Ballon d’Or gewinnen können. Und das trotz meiner 35 Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war ich der Beste in Europa. Wahrscheinlich hat Popescu das aus diesem Grund gesagt. Aber letztlich bin ich in Rumänien geboren. Johan Cruyff sagte einst, ich sei einer der zehn Besten weltweit. In den Bestenlisten aufzutauchen, erfüllt mich mit Glück. Ich hoffe, dass mein Sohn noch erfolgreicher sein wird.

Ist es schwer, ein Hagi zu sein?

Warum soll es schwer sein? Schwer ist es, Spieler zu finden und aufzubauen, die für die Fans spielen, die Fans glücklich machen. Ich selbst hatte keinerlei Schwierigkeiten.

Also haben Sie niemals eine schwere Last auf Ihren Schultern gespürt?

Verantwortung und Druck gibt es immer. Aber ich denke, dass ich geboren wurde, um diese Verantwortung zu tragen. Warum gibt es Anführer? Weil Sie Verantwortung übernehmen können.

Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Anführers?

Erst einmal muss er die Verantwortung übernehmen. Eine solide Persönlichkeit sollte er haben. Ein Anführer muss jederzeit bereit sein, alles zu geben. Er muss großzügig sein. Die Menschen müssen ihn mögen und respektieren. In der Gesellschaft eines Anführers zu sein, soll sich gut anfühlen. Wenn ich mit jemandem rede, dann sage ich ihm: ‚Wenn du mit mir zusammen gehst, wird es für Dich besser sein.‘ In solchen Aussagen spiegelt sich meine Führungsstärke. Gott hat das auch schon so gesagt; erst geben, dann nehmen. Wenn man das verinnerlicht, hat man das Zeug zum Anführer.

Wie müssen Ihre Spieler sein?

In meinem Umfeld müssen Menschen und Spieler sein, die wollen, die können, die daran glauben, dass wir alles schaffen können.

Sie dulden also keine negative Ausstrahlung?

Wenn Du mir als Erstes ‚das geht nicht‘ sagst, dann geh am besten nach Hause. Um voranzukommen, um sich zu entwickeln, musst du immer positiv denken. Die Ziele musst du an oberster Stelle platzieren. Jeder liest irgendwie das gleiche Buch, aber die praktische Umsetzung macht den Unterschied aus. Das ist der Job, den ich momentan ausübe. Vielleicht sieht das, was ich mache, für einige sehr einfach aus. Aber ich habe quasi bei Null angefangen, ich habe acht Jahre gearbeitet, jetzt bin ich auf dem Höhepunkt.

Trotz Ihres Erfolgs leben Sie aus der Öffentlichkeit betrachtet sehr bescheiden. Legen Sie keinen Wert auf materielle Dinge?

Das, was ich liebe, liegt auf der Hand: Fußball. Alles andere fällt für mich in die Kategorie „Normal“. Jeder hat ein Hobby, ein Ziel. Manche mögen gutes Essen, machen Uhren oder Autos. Wichtig für mich ist lediglich, Fußball zu spielen, Fußball zu denken, so wie jetzt für den Fußball zu arbeiten. Alles andere, egal, was es auch ist, macht keinerlei Unterschied. Es gibt in meinem Leben nichts außer Fußball.

Sie investieren sehr viel in den Fußball.

Alles, was ich durch den Fußball verdient habe und verdiene, gebe ich dem Fußball zurück. Das können Sie in Großbuchstaben als Überschrift nehmen: Wer sonst außer mir in der Welt hat offiziell zwei Kinder, inoffiziell aber 250 Kinder? Es gibt niemanden. Punkt. Ich bin 55 Jahre alt. Meine tägliche Präsenz ist mein Kapital. Das ist das einzig Wichtige. Keine Uhr, kein Hemd, kein Auto.

Interview: Atahan Altinordu

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Lewan Kobiaschwili: Nie in der ersten Reihe

Lewan Kobiaschwili, als aktiver Fußballer gehörten Sie auf dem Platz zu den ruhigeren, introvertierten Zeitgenossen. Mussten Sie sich für Ihr Amt als Präsident des Georgischen Fußballverbandes sehr verändern oder hilft Ihnen diese Eigenschaft sogar?

Es ist definitiv ein Unterschied, als Funktionär in der Verantwortung zu stehen. Dennoch kam mir meine ruhige Art, mich immer auf meine Ziele als Fußballer zu konzentrieren und dabei trotzdem den unbedingten Willen zu zeigen, auch jetzt als Präsident zugute. Aber natürlich muss ich nun in den richtigen Momenten Dinge klar ansprechen und konsequent sein. Letztlich musste ich mich an das Gefühl, dass ich Dinge, anders als auf dem Platz, nicht mehr immer direkt beeinflussen kann, erst einmal gewöhnen. Denn die ganze Verantwortung trage ich ja trotzdem.

Sie spielen eine wichtige Rolle im Austausch zwischen Georgien und Deutschland – 2017 waren Sie Teil der Delegation samt des Präsidenten Ihres Landes beim Staatsbesuch in Berlin.

Es liegt mir sehr am Herzen, dass das Verhältnis und die Kommunikation bestmöglich funktionieren. Ich sitze ja ebenfalls im georgischen Parlament. Mit meiner Vorgeschichte ist es klar, dass ich immer präsent bin, wenn etwa deutsche Delegationen in Georgien zu Gast sind, was dieses Jahr öfter der Fall war.

Ihr ehemaliger Nationalmannschaftskollege Kachaber Kaladse wurde georgischer Energieminister und wurde danach zum Bürgermeister der Hauptstadt Tiflis gewählt worden. Stecken Ihre Landsleute besonderes Vertrauen in Ihre einstigen Fußballhelden?

Kachaber Kaladse hat seit seinem Start im Parlament 2012 eine unglaubliche Entwicklung genommen, ist unglaublich reif geworden und hat in seiner Rolle vieles zur Verbesserung der Energiepolitik unseres Landes beigetragen. Ohne diese Erfolge hätten ihn die Menschen von Tiflis nicht zum Bürgermeister gewählt. Das heißt nicht, dass jeder erfolgreiche Sportler für die Politik geeignet ist. Aber die Menschen respektieren, was wir für unser Land getan haben als sportliche Repräsentanten und unsere Lebensleistung: Ausdauer, voller Einsatz, Beharrlichkeit, der Glaube in die eigene Stärke, Verantwortung und harte Arbeit für dein eigenes Land.

Eigenschaften, die auch Politiker benötigen?

Genau, es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Erfolg im Sport und Erfolg in der Karriere jetzt als Politiker. Aber hinter beiden Laufbahnen steckt harte Arbeit.

Eines Ihrer wichtigsten Ziele bei Amtsantritt 2015 war eine Umstrukturierung der heimischen, unattraktiven Liga mitsamt ihrer Geldsorgen. Wie weit sind Sie?

Wir haben bereits eine große Reform umgesetzt. Sechzehn Mannschaften in der ersten Liga waren viel zu viel für unser Land. Jetzt sind es zehn in der ersten und zehn in der zweiten Liga. Es gibt einen Sechs-Jahres-Plan, der auch von der Regierung gestützt wird. Die Geldverteilung ist in diesem Zeitraum gleichmäßiger, sodass die Teams vor der Saison eine klare Budgetplanung und damit Planungssicherheit haben – auch langfristig. Nur so ist eine langfristige, strategische Ausrichtung möglich, gerade was die Strukturen in der wichtigen Jugendarbeit angeht.


Sie sprechen die Budgetsicherheit der Teams an. Georgien war in der Vergangenheit anfällig für Spielmanipulationen. Es heißt, Sie sind zu einem unter Verdacht stehenden Spiel persönlich hingeflogen und haben es abgesagt …

Das stimmt, diesen Fall kann ich bestätigen. Nachdem mir die Hinweise zugetragen wurden, bin ich persönlich hingefahren, habe die Verantwortung übernommen und das Spiel abgesagt – das war keine einfache Entscheidung. Das ist natürlich im Alltag nicht jedes Mal umzusetzen. Aber die Vereine haben das unterstützt. Langfristig hilft wirklich nur eine finanzielle Sicherheit der Klubs und damit auch der Spieler, um das zu verhindern. In der Vergangenheit gab es Fälle von nicht oder viel zu spät gezahlten Gehältern. In solchen unruhigen Umfeldern sind gewisse Spieler anfälliger für Betrug, wenn Sie hohe Summen für eine Manipulation angeboten bekommen. Das heißt noch lange nicht, dass ich dafür Verständnis aufbringe, im Gegenteil. Ich hoffe dennoch, dass wir diese Problematik mit der Ligareform gelöst haben. Klar ist aber auch: Spielmanpiulation ist ein globales Problem.

Mit exakt 100 Einsätzen sind Sie noch immer Rekordnationalspieler Ihres Landes. Bei Ihrem Rücktritt sagten Sie, es schmerze sehr, sich nie für ein großes Turnier qualifiziert zu haben.

Dieser verpasste Traum schmerzt auch immer noch, ich wollte das als Spieler immer unbedingt. Aber jetzt habe ich einen neun Traum, dass dem Team in meiner Zeit als Präsident eine Qualifikation gelingt.

Das Interview erschien in Ausgabe #14: Jetzt nachbestellen

Wenn man sich in Freiburg, auf Schalke und in Berlin nach Ihnen umhört, sind Sie ob Ihrer bescheidenen Art überall noch sehr gut in Erinnerung. Was war denn Ihr Erfolgsrezept?

Zunächst einmal freut es mich ungemein, wenn ich so etwas höre. Ich wollte nie in der ersten Reihe stehen und mich mit großen Worten präsentieren. Für mich lag die Priorität immer auf dem Platz. Dort eine gute Leistung abzuliefern, mit harter Arbeit. Und ich wollte immer auf Augenhöhe kommunizieren, mit jedem zurechtkommen, vom Präsidenten bis hin zum Fan. Letztlich bleibt ein Spieler immer dank seiner Leistung für das Team in Erinnerung. Das habe ich immer probiert und das ist dann vielleicht das entscheidende Rezept – ein Teamplayer zu sein.

Sie hatten später auch auf Schalke ein richtig gutes Team beisammen. Trotzdem hat es nicht zu einem großen Titel gereicht.

Ein bisschen traurig macht mich das schon. Wir hatten ein richtig starkes Team. Man muss sich ja nur mal ansehen, welche Karrieren etwa Mesut Özil und Manuel Neuer hingelegt haben. Es schmerzt, dass wir 2007 nicht Meister wurden, als wir am vorletzten Spieltag gegen Dortmund verloren und Stuttgart noch Meister wurde. Das war sportlich die schwerste Zeit. Wir hatten damals zweimal Bayern geschlagen. Wir hatten das Potenzial, das Teamgefüge und die Fans im Rücken und standen am Ende dennoch mit leeren Händen da.

Eine Saison zuvor sind Ihre drei Tore in der Champions League gegen Eindhoven in Erinnerung geblieben. War das das beste Spiel Ihrer Karriere?

Das Spiel werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen und dieses Match ist auch noch vielen Leuten in meiner Heimat in Erinnerung. Ich bin der einzige Georgier, der in einem Spiel in der Königsklasse dreimal traf. Dabei sind mir sonst nicht mal im Training drei Tore gelungen. (lacht)

Später in der Saison 2005/06 sind sie im damaligen UEFA Cup erst im Halbfinale am FC Sevilla gescheitert. War da mehr drin?

Das Halbfinale ist noch sehr präsent. Meiner Meinung nach gab es in diesem Wettbewerb damals nur zwei gute Teams – Sevilla und uns. Wir haben im Rückspiel in der Nachspielzeit ein Tor kassiert und Sevilla gewann dann das Finale klar. Dabei hatten wir eigentlich eine gute Leistung gezeigt – bitter.

Rudi Assauer hatte einst bekundet, Sie seien eine der besten Verpflichtungen der letzten Dekade gewesen. Haben Sie das Maximum aus Ihrer Karriere herausgeholt?

Nein, das würde ich niemals von mir selbst behaupten. Ich finde, dass es bei einer Karriere nach oben hin keine Grenze geben sollte. Meine Laufbahn hätte schlechter verlaufen können, es wäre aber auch noch mehr drin gewesen. Ich weiß aber, dass ich alles investiert habe, was damals drin war. Das stellt mich zufrieden.

Sie sind in ganz jungen Jahren über die russische Liga nach Freiburg gekommen. Versuchen Sie, Ihre Erfahrungswerte an junge georgische Talente weiterzugeben?

Ich spreche regelmäßig mit den Spielern in Georgien. Heute ist es aber schwerer, sich international durchzusetzen. Der Markt ist groß, die Spieler sind vielerorts gut ausgebildet. Hinzu kommt, dass viele junge Spieler zu früh, zu schnell zufrieden mit sich sind. Das blockiert eine Entwicklung. Ein großer Vorteil für mich war damals, dass ich im ruhigen Freiburg gelandet bin und mich in diesem Umfeld in Ruhe entwickeln konnte, auch mal ein schwaches Spiel abliefern durfte. Freiburg ist für junge Spieler ein Segen.

Bei Ihrer letzten Station gab es viele Aufs und Abs. Negativer Höhepunkt war Ihre Attacke auf Schiedsrichter Wolfgang Stark während der Tumulte beim Relegationsspiel der Hertha gegen Düsseldorf. War damals, 2012, ein Karriereende ob der fast sieben Monate dauernden Sperre denkbar?

Das war damals die schlimmste Zeit in meinem Leben. Es gab nur zwei Möglichkeiten: ein sofortiges Karriereende oder hartes Training, um ohne Spiele das Niveau zu halten. Ich habe mir damals dann gedacht: So ein Karriereende habe ich nicht verdient. Also habe ich nochmal alles investiert in der täglichen Trainingsarbeit, um nach der Sperre gute Leistungen zu bringen. Da bin ich Hertha BSC und den Verantwortlichen sehr dankbar, dass ich danach noch schöne Spielzeiten hatte.

Interview: Jannik Schneider

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Rangnick mischt sich ein: Julian Nagelsmann reagiert

RB Leipzigs Berater Ralf Rangnick führte Gespräche mit den Leipziger Spielern. Ein Problem für Trainer Julian Nagelsmann? Der RB-Coach bezieht auf der Pressekonferenz Stellung.

Julian Nagelsmann hat bei der obligatorischen Pressekonferenz von RB Leipzig auf die Gespräche von RB-Berater Ralf Rangnick reagiert. Der Vorgänger von Nagelsmann hat dem Vernehmen nach kürzlich Einzelgespräche mit Leipziger Profis geführt, die vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt einen Star-Friseur ins Hotel bestellt hatten.

Rangnick ist seit Sommer Head of Sport and Development Soccer bei RB und nicht mehr in ausschließlicher Funktion bei den Ostdeutschen tätig. Vor der Partie gegen Borussia Mönchengladbach spricht Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz und reagiert auf Rangnicks Vorstoß.

Video | Julian Nagelsmann reagiert auf Rangnick-Vorstoß


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Moderner Fußballtrainer: Die 10 Schlüsselkompetenzen

Die beste Taktik, die richtige Aufstellung – fertig? Ist man dann schon ein Top-Trainer? Nein! Heute gehört viel mehr dazu, um dauerhaft Erfolg als Fußball-Trainer zu haben. Dr. Florian Kainz schreibt in seinem Gast-Beitrag für SOCRATES, was die 10 wichtigsten Kernkompetenzen sind.

Von Dr. Florian Kainz

Für einen Fußballtrainer geht es mittlerweile um viel mehr als nur den sportlichen Erfolg. Um in einem sehr von Emotionalität, Ungeduld und medialem Druck geprägten Umfeld bestehen zu können, muss er eine starke, moderne Führungskraft verkörpern. Die Premier League hat die Wichtigkeit von Führungskompetenz längst erkannt und zahlt den Klubs sogar Trainerentwickler vor Ort. Diese haben keine eigene Mannschaft, sondern übernehmen das Coaching der Coaches.

Der Mut zur Erneuerung und des Öffnens nach außen hat sich in England ausgezahlt. Auch in Deutschland sollten wir den Fokus intensiver auf die Weiterbildung de Trainer abseits des Platzes legen. Erfolgreiche Trainer weisen mittlerweile vermehrt Kompetenzen auf, mit denen auch Top-Manager in der Wirtschaft punkten. Um Teammitglieder weiterzuentwickeln und junge, erfolgshungrige Spieler in eine Mannschaft zu integrieren, sind insbesondere folgende Schlüsselkompetenzen wichtige Voraussetzungen:

1. Ganzheitliches Denken

Auf der einen Seite von Spieltag zu Spieltag zu denken, auf der anderen Seite die erforderliche Weitsicht zu behalten, ist ein Qualitätsmerkmal. Für einen Trainer reicht es nicht mehr aus, nur sein Spielsystem und taktische Maßnahmen vor Augen zu haben. Vielmehr muss er das gesamte System Fußball inklusive der Rahmenbedingungen und Umweltfaktoren sowie die individuellen Faktoren der Leistungserbringung und -entwicklung beachten. Beispielsweise spielt neben den Themen auf dem Platz auch die Ernährung seiner Spieler eine Rolle. Des Weiteren muss den medizinischen Daten Beachtung geschenkt werden, die ihn dazu veranlassen können, einen Spieler zurSchonung auch mal aus dem Mannschaftstraining zu nehmen. In der Summe muss ein Trainer die Faktoren herausfiltern, die zur Leistungssteigerung des Individuums als auch des gesamten Teams führen.

2. Führungsstärke

Was ist der Sinn meines Handelns, welche Motive verfolge ich? Welche Dinge treiben mich an? Und wie verhalte ich mich? Wenn ich diese drei Fragen für mich klar beantworten kann und das Miteinander der Antworten in Balance steht, entwickelt sich dadurch fast automatisch Führungsstärke. Dieser erwähnte Dreiklang muss korrespondieren. Reflexionsfähigkeit ist essenzieller Bestandteil für die Weiterentwicklung der Führungskompetenz, die im Wesentlichen auf Persönlichkeitseigenschaften beruht. Grundvoraussetzung der Entfaltung von Führungsstärke sind die vier Ms: „Man muss Menschen mögen!“ Nur wer diese Grundvoraussetzung in sich trägt, kann eine nachhaltig gute Führungskraft sein und werden.


3. Teamfähigkeit

Generell sollte ein Trainer Lust und Interesse haben, seine Teammitglieder zu entwickeln. Im Idealfall erkennt ein Trainer die Potenziale seiner Teammitglieder genauso wie Stärken und Schwächen im Team, was ihm ermöglicht, sein Team stärkenorientiert auszurichten. Das kann auch Veränderungen an entscheidenden Polen zur Folge haben. Bei der Auswahl des Personals achtet er auf sein Gefühl für die Menschen. Dies hilft ihm bei der Beurteilung, ob eine Ergänzung im Sinne des Teamgefüges und der Teamkultur eher förderlich oder hinderlich ist. Der Trainer selbst muss aber auch gerne im Team arbeiten und darin aufgehen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um seine eigene Teamfähigkeit weiterzuentwickeln.

4. Kommunikationsfähigkeit

Nur die wenigsten Personen kommunizieren mit Leichtigkeit. Top-Manager berichten häufig: „Echt rüberzukommen, ist alles andere als einfach.“ Viele Entscheider lassen sich daher im Bereich Kommunikation coachen. Die Arbeit lohnt sich: Klar, verständlich und gut formulieren zu können, kommt nicht nur beim eigenen Team und eigenen Arbeitgeber gut an, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit. Eine stark ausgeprägte Kommunikationskompetenz hilft einem Trainer bei der positiven Außendarstellung enorm.

Der Artikel erschien in Ausgabe #38: Jetzt nachbestellen

5. Authentizität

Wem es gelingt, trotz der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit sich selbst und seinen Grundwerten treu zu bleiben, hat beste Chancen, authentisch wahrgenommen zu werden. Die Basis dafür ist die Akzeptanz für die Person, die man ist. Es mag Phasen geben, in denen ein Trainer für sein Verhalten kritisiert wird. Wer sich dadurch nicht verändert, wird später oftmals für genau das gleiche Verhalten gefeiert. Warum? Weil ein Trainer so für Menschen aus der Ferne einschätzbar und zum größten Teil berechenbar wird. Zugleich bleibt er auch für sein Team und die Stakeholder des Vereins glaubwürdig und verlässlich, wenn er für sich weiß, mit welchen Werten er führt und welche Ziele er verfolgt. Er zeichnet sich dann durch moralische Charakterstärke aus. Egal auf welchem Level man sich in der Unternehmenshierarchie befindet: Die Wichtigkeit von Authentizität wird im Berufsleben oft unterschätzt. Da bildet der professionelle Fußball keine Ausnahme.

6. Emotionales Führen

In der Wissenschaft ist belegt, dass Gefühle der Führungskraft ansteckend auf die Mitarbeiter wirken. Emotionale Führung ist keine Gefühlsduselei. Sie ist im Sport insbesondere vor einem Spiel förderlich, auf das in besonderer Weise „eingeschwungen“ werden soll. Dass Team emotional von der Coaching-Zone aus mitzunehmen, kann auch während des Spiels eine positive Wirkung haben. Es geht jedoch mitnichten darum, dass die Führungskraft ihre Mitarbeiter nur auf einer emotionalen Ebene ansprechen soll. Vielmehr ist eine wahrhaft emotionale Führungskraft in der Lage, blitzschnell zwischen kognitiver und emotionaler Intelligenz hin und her zu wechseln – und genauso schnell zu erkennen, wann welche Art von Intelligenz gefordert ist. Allerdings können Gefühle auch hinderlich sein, vor allem in krisenbehafteten Situationen und Konflikten, in denen man selbst Teil des Systems oder involviert ist. Und auch wenn klare Analysen gefordert sind, ist der Ausbruch von Emotionen eher kontraproduktiv.

7. Ergebnisorientiertes Handeln

Ergebnisorientiertes Handeln zielt nicht immer nur darauf ab, die drei Punkte zu holen – es kann auch eine Entwicklungshandlung sein. Dabei ist es jedoch sehr wichtig, nicht im luftleeren Raum zu agieren. Ein Trainer muss klar formulieren, welches Ergebnis er mit seinem Handeln genau verfolgt – es sollte niemals ergebnisoffen sein, sondern stets ergebnisorientiert. Gerade im Bereich der Nachwuchsleistungszentren ist es so, dass Spieler-Entwicklungen herbeigeführt werden sollen. Dann steht für einen Trainer im Vordergrund, dass seine Spieler versuchen, gewisse Dinge auszuprobieren und dabei wertvolle Lernerfahrungen sammeln. Dabei gehören das „Fehlermachen“ und der Lernprozess mit seiner Reflexion dazu. Insofern kann die Entwicklung über dem reinen Drei-Punkte-Ergebnis stehen. Ergebnisorientiertes Handeln kann insofern bedeuten, dass die Entwicklung selbst das Ergebnis ist beziehungsweise sein soll.

8. Innovationsfähigkeit

Es ist unabdingbar, die Kraft aufzubringen, sich auch in scheinbar ausweglosen Situationen etwas einfallen zu lassen. Sowohl Fußball immer wieder neu zu denken als auch der Umgang mit technischen Innovationen tragen zur Leistungsentwicklung bei. Ein Trainer muss heutzutage bereit sein, zu lernen und aktuelle Trends im Weltfußball in adäquater Weise aufzuarbeiten und möglicherweise zu adaptieren oder anzupassen. Im Zuge der Internationalisierung und der damit verbundenen Dynamik ist dies alternativlos. Es geht dabei nicht darum zu kopieren, sondern eigene Wege zu gehen und zu gestalten – um letztendlich möglicherweise sogar eine neue Identität zu entwickeln. Für einen Sportverantwortlichen und Trainer heißt dies, dass er das Puzzle des Fußballs regelmäßig auseinandernimmt und wieder neu zusammenbaut, um auf Änderungsbedarf und die nötige Zukunftsausrichtung zu reagieren.

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9. Fach- und Methodenkompetenz

Zu wissen, in welchem Alterssegment eine technische Feinjustierung gefragt ist, zählt genauso dazu wie die Wahl der jeweiligen Methode. Ein Trainer im NLZ muss vorgeben können und darauf eingehen, was altersgerecht ist. Im Profibereich spielen beispielsweise individualtaktische und mannschaftstaktische Aspekte eine zentrale Rolle. Der Fußball ist aber darüber hinaus sehr facettenreich. Es geht darum, in allen relevanten Bereichen das nötige Fachwissen vorweisen zu können, um gute Entscheidungen zu treffen und das Team entsprechend auszurichten. Ohne das notwendige Fachwissen und eine Grunderfahrung wird es äußerst schwer, mittel- und langfristig als Trainer zu bestehen.

10. Entscheidungsfähigkeit

Den Mut zu haben, sich für oder gegen etwas auszusprechen, ist essenziell. Auch wenn es, wie gelegentlich bei Kaderentscheidungen oder Verpflichtungen, unbequem sein kann. Dabei muss stets die Tragweite der Entscheidung berücksichtigt werden. Es gibt Personen, die gerne entscheiden, andere gehen lieber jeder Entscheidung aus dem Weg oder verzögern sie, was am Ende das ganze System lähmt. Überspitzt gesagt: Es ist wichtiger, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, als eine gute Entscheidung zu treffen. Die schlechteste Variante für einen Trainer ist, seine Mannschaft im Unklaren zu lassen. Wichtig für die Gesamtstruktur eines Vereins: Ein Trainer muss entscheiden dürfen. Das heißt: Er muss Rahmenbedingungen vorfinden, die ihm eigene Entscheidungshoheit einräumen.

Das Internationale Fußball Institut in Ismaning ist eine auf den Bereich Spitzenfußball im deutschsprachigen Raum spezialisierte, akademische Beratungs- und Forschungseinrichtung des Hochschulnetzwerkes IUNworld. Die Zielsetzung des Instituts ist die Schaffung eines Bindeglieds zwischen Wissenschaft und Praxis und langfristige Etablierung eines akademischen Beratungsdienstleisters. Wir sind Ihr Experte für Ausbildung und Consulting im Fußball.