Bundesliga: Existenz auf Bewährung

Bundesliga: Gelingt der Neustart?

Die Bundesliga steht vor einer der wichtigsten Konferenzen seiner Geschichte. Im Kampf um die Existenz hilft nur ein schlüssiges Konzept für den Saison-Neustart.

Wenn Christian Seifert am Donnerstag den Plan für die „Bundesliga reloaded“ präsentiert, kämpft der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) um einen Neustart auf Bewährung. Denn obwohl schon vor der virtuellen Krisensitzung der 36 Klubchefs das Konzept zum Wiederbeginn der Saison im Mai steht, die Politikprominenz auf Linie gebracht wurde und die PR-Maschine auf Hochtouren lief, ist für den Profifußball (vorerst) nicht mehr drin.

„Ich kann mir vorstellen, dass wir uns von Spieltag zu Spieltag entwickeln“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor den Gesprächen der Vereinsbosse. Der CSU-Politiker machte klar, dass er dem Fußball trotz des „detaillierten Konzepts“ keinen „Blankoscheck“ inmitten der Corona-Pandemie ausstellen will.

Das RKI ist noch skeptisch

Den Klubs bleibt im Kampf um die Existenz also nur die Rolle des Bittstellers, die Entscheidung fällt am Donnerstag kommender Woche in Berlin. Ob sich die Befürworter oder die Gegner einer Fußball-Sonderrolle durchsetzen, erscheint vor der Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs offen.

Die Vereine können mit Blick auf die anvisierten Geisterspiele zwar auf das Wohlwollen zahlreicher Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers bauen, doch die Liste der Bedenkenträger ist immer noch lang. So steht hinter der Unterstützung durch das Robert Koch-Institut ein Fragezeichen, zahlreiche Gesundheitsexperten sind skeptisch.

Ein gerichtliches Vorgehen anderer Sportarten gegen die „Lex Fußball“ scheint möglich, verschiedene Interessengruppen sehen ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial. Die Sicherheitsbedenken sind nicht ausgeräumt, und selbst große Teile der Fans sehen einen Wiederbeginn kritisch.

Fritz Keller gibt Garantie

Um dennoch für Zustimmung zu werben, gingen die Spitzenfunktionäre auf die Kritiker zu. So reagierte das DFL-Präsidium auf die Vorwürfe der Profitgier und Misswirtschaft aus den Reihen der Fan-Organisationen mit Demut. Es sei „an allen Entscheidungsträgern, auch Selbstkritik zu üben mit Blick auf Fehlentwicklungen in den vergangenen Jahren“, hieß es: „Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen.“

Auch Fritz Keller warf sein Gewicht in die Waagschale. „Wir garantieren, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs, zunächst noch ohne Fans in den Stadien, nicht zu Lasten des Gesundheitssystems gehen wird“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der zudem juristischen Schritten anderer Sportarten mit wohlwollenden Worten vorbeugen wollte: „Auch für sie möchten wir gerne mit aller gebotenen Vorsicht und dem nötigen Augenmaß vorangehen und Möglichkeiten und Lösungsansätze, die für alle gelten müssen, identifizieren und Rahmen abstecken.“

Lösungen hat die DFL in jedem Fall parat. Allen voran die Taskforce unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer hat ganze Arbeit geleistet. Der Spiegel veröffentlichte vorab die 41 Seiten, auf denen das Prozedere zur Saison-Fortsetzung mit Stand vom 15. April geregelt ist.

Task Force: „Keine automatische Meldung eines positiven Falls“

Maximal circa 300 Menschen auf dem Stadiongelände, Einteilung in Zonen, Fragebögen zur Risikominimierung – all diese Vorschriften sind enthalten. Einige Details sind pikant. So werden die Profis darauf vorbereitet, dass ihr Auftreten von großer Bedeutung ist. „Wir bitten dringend um vorbildliches Verhalten bezüglich der Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen außerhalb des Spielfeldes“, heißt es in dem Entwurf.

Zudem wird aufgeführt, wie sich die Vereine bei einem positiven Test verhalten sollen: „Keine automatische Meldung eines positiven Falles an die Presse, da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen.“

Im Vordergrund der Europäischen Fußball-Union (UEFA) stehen am Donnerstag bei der Sitzung des Exekutivkomitees die Länderspiele, der Europapokal und die Frauen-EM. Die UEFA hatte zuletzt stets erklärt, dass die Fortsetzung der Ligen Priorität habe.

In dieser Hinsicht ist es für die deutschen Klubs entscheidend, dass die letzte Rate der Mediengelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro demnächst eingeht. Dies würde die wohl drohende Insolvenz für 13 Klubs erst einmal abwenden. Es wird erwartet, dass die DFL am Donnerstag die Überweisung vermeldet.

sid

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