Wer gewinnt die Bundesliga-EM?

Die Bundesliga-Klubs kommen allmählich in Stimmung, um auch wieder über die Meisterschaft zu reden. Die einen reden von einem Turnier, die anderen reden über Meisterfeiern. Reicht das, um den FC Bayern nervös zu machen?

Die Konkurrenz sagt Bayern München den Kampf an, und der Serienmeister protzt vor dem Re-Start der Bundesliga auch nicht gerade mit seinem berühmten „Mia san mia“. Bietet die Coronakrise tatsächlich die Gelegenheit, den Branchenprimus nach sieben langen Jahren wieder vom Thron zu stürzen? Die Verfolger glauben: ja!

„Wir sind Tabellenzweiter und werden alles versuchen, um unsere Chance noch zu nutzen“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund, der Welt. BVB-Kapitän Marco Reus hat trotz vier Zählern Rückstand die Hoffnung, „dass wir am Ende doch einen Punkt vor Bayern stehen werden“. Und Trainer Julian Nagelsmann, mit dem Dritten RB Leipzig fünf Punkte zurück, betonte im kicker: „Diese neun Spiele sind wie eine EM, und die wollen wir gewinnen.“

Geisterspiele: Vor- oder Nachteil?

Der Tabellenführer aus München hält sich dagegen mit forschen Tönen zurück. Dabei sollten die Geisterspiele für die Bayern doch zumindest kein Nachteil sein. Beim Re-Start am Sonntag bei Union Berlin hätte sie in normalen Zeiten eine aufgeheizte Atmosphäre erwartet, ebenso beim Liga-Gipfel Ende Mai in Dortmund. Doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte, die Bayern hätten „aus einem Hexenkessel gegen uns oft die Motivation gezogen, nach dem Motto: ‚Denen zeigen wir’s, Männer!‘ Die Mannschaft, welche sich am besten auf diese neuen Bedingungen einstellen kann, wird deutscher Meister.“

Die Eindrücke aus den Einheiten stimmen Rio-Weltmeister und Bayern-Urgestein Thomas Müller aber immerhin optimistisch. „Wenn ich sehe, welche Gefühle und Emotionen wir in den letzten Tagen selbst in einem Trainingsspiel entwickeln, so zeigt dies unsere Gier nach regelmäßigen Wettkämpfen“, schrieb er in einem Beitrag im Netzwerk LinkedIn. 

Kehl spricht über Meisterfeier

Der Rekordmeister aus München bleibe Favorit auf die Schale, betonte Nagelsmann: „Wenn die Bayern eine Top-Verfassung haben, wird normalerweise die Meisterschaft über sie entschieden, erst recht bei diesem Vorsprung.“ Während Kehl schon über eine mögliche BVB-Titelfeier ohne Fans sinniert („skurrile Vorstellung“), sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc: „Erst mal müssen wir Schalke schlagen.“

Unabhängig vom Ausgang des Titelrennens stehen die Bayern schon jetzt als Krisengewinner fest. Zwar räumte Rummenigge in der Sport Bild mit dem „Märchen“ auf, dass nicht auch der Branchenführer „den Gürtel enger schnallen“ müsse. Doch welcher andere Klub könnte es sich leisten, inmitten der größten Notlage des deutschen Fußballs mit seinem Trainer und zwei Topspielern wie Thomas Müller und Alphonso Davies zu verlängern?

Zudem wird das berühmte Festgeldkonto des FC Bayern nun zu einem immer größeren Trumpf. Rummenigge betonte zwar, dass dieses „nicht unerschöpflich“ sei, Ehrenpräsident Uli Hoeneß sprach dagegen von einem „Riesenvorteil“, werde das Geld bei der Konkurrenz doch knapper. Weil wegen der Krise zudem auf dem Transfermarkt die Preise fallen dürften, könnten die Münchner in der nächsten Phase ihres Kader-Umbruchs sogar noch Geld sparen. Hoeneß hofft beim Transfer von Nationalspieler Leroy Sane daher auf einen Schnäppchenpreis.

Die Mannschaft bereitet sich davon unberührt auf das Unternehmen Titelverteidigung vor. Neben dem Kracher in Dortmund sind das Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen Anfang Juni sowie die Heimpartie gegen den Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach eine Woche darauf die Schlüsselspiele. Zur Einstimmung auf den Titelkampf gab es am Montag einen Kinoabend im Teamhotel. Gezeigt wurde: Gladiator.

SID

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