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Carinna Wenninger Kolumne: „Wir haben eine Aufgabe“

Carina Wenninger (l.) spielt beim FC Bayern

Über das Thema Geld diskutiert Bayern-München-Profi Carina Wenninger im privaten Kreis des Öfteren. Dabei stellt sie fest, dass für viele Personen insbesondere die Summen im Fußball nicht mehr zu greifen sind. Aber dass Geld mit Glück nicht gleichzusetzen ist.

Von Carinna Wenninger

Was verdient eine Profifußballerin? Diese Frage ist mir schon häufig gestellt worden. Oftmals habe ich das Gefühl, dass es nur darum geht, noch mal zu erfahren, dass Frau in der Fußballbranche wesentlich weniger Gehalt aufs Konto überwiesen bekommt als die männlichen Kollegen. Ja, dem ist so. Und ja, man kann darüber streiten, ob das gerecht oder ungerecht ist. Fakt ist: Die Männer verfügen seit Jahrzehnten über hochprofessionelle Strukturen im Fußball und stehen sich nicht nur national, sondern vor allem auch international in spannenden Wettbewerben gegenüber.

Ihr Markt ist im Gegensatz zu unserem Markt maximal in Szene gesetzt. Deshalb stehen sie wesentlich mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und bewegen wesentlich mehr Leute in die Stadien und vor die Fernseher. Ein normales, privates Leben ist für Top-Fußballer genauso wie für andere bekannte Spitzensportler oder auch Musiker kaum oder nur schwer möglich.

Wer besonders viel Geld verdient, zahlt dafür oftmals einen besonders hohen Preis. Im privaten Kreis kommt es bei mir immer wieder zu Diskussionen über die Millionen-Gehälter im Fußball. Dabei merke ich: Die Summen sind für viele Menschen nicht mehr nachzuvollziehen. Ich gebe zu: Auch für mich sind sie nicht greifbar. Wenn man dann gleichzeitig von Lebensumständen und Schicksalen anderer Menschen erfährt, fällt es schwer zu argumentieren, diese Summen seien noch vertretbar.

Deshalb finde ich es gut, dass einige Top-Athleten mittlerweile einen Teil ihres Gehalts spenden oder sich sozial engagieren. Auch ich tue das, obwohl ich nun wahrlich keine Millionen verdiene. Und dennoch geht es mir gut. Ich kann von meinem Gehalt leben, mir eine Wohnung und ein Auto leisten, essen gehen und in den Ferien in den Urlaub fliegen. Für mich ist schon das ein gewisser Luxus, von dem ich gerne einen Teil zurückgeben möchte.

Aus diesem Grund unterstütze ich seit diesem Jahr den Spendenverein TOR.CHANCE, der Kindern und Jugendlichen, denen im Leben der ein oder andere Stein in den Weg gelegt wird, die Chance gibt, mit sportlichen Aktivitäten,  einzigartigen Erlebnissen und unvergesslichen Momenten ihren Alltag für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen.

Zweifelsohne: Geld erleichtert viele Dinge. Aber Geld setze ich dennoch keineswegs mit Glück gleich. Ansonsten würde das ja bedeuten, dass ich unglücklicher leben würde als meine männlichen Kollegen beim FC Bayern oder in der österreichischen Nationalmannschaft. Lassen Sie sich versichern: Dem ist nicht so.

Ich bin glücklich, wie ich lebe und mit dem, was ich tue. Das heißt nicht, dass meine Mitspielerinnen und ich nicht alles dafür tun werden, den Frauenfußball in Zukunft noch attraktiver und erfolgreicher zu machen, um eine Basis dafür zu schaffen, dass sich unsere Gehälter im Vergleich zu den Männern weiter annähern. Wir haben also eine Aufgabe zu erfüllen, bevor wir aufschreien.

In anderen Branchen halte ich den Aufschrei dagegen für absolut gerechtfertigt und notwendig. Wie kann es sein, dass es in unserer Gesellschaft noch immer einen Unterschied in der Bezahlung gibt? Wie kann es sein, dass es immer noch keine gleiche Bezahlung für den gleichen Job gibt? Wenn eine Frau die gleiche Qualität wie ein Mann hat, dann sollte sie auch das Gleiche verdienen, egal ob als Führungskraft oder normale Angestellte einer Firma.

Carina Wenninger (28) spielt bereits seit 2007 für den FC Bayern München, mit dem die österreichische Nationalspielerin 2015 und 2016 die deutsche Meisterschaft und 2012 den DFB-Pokal gewann. Im Sommer verlängerte die Innenverteidigerin ihren Vertrag bis 2021. Wenninger ist damit die dienstälteste Profifußballerin in der fast 50-jährigen FC-Bayern-Frauen-Historie.
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FC Bayern
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