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„Ehrlich sein“: Favre erklärt, warum Mario Götze nicht spielt

Manuel Neuer verlängert bei Bayern bis 2023

Manuel Neuer hat seinen Vertrag mit dem FC Bayern München vorzeitig bis zum 30. Juni 2023 verlängert. Dies gab der Klub am Mittwoch bekannt.

„Der FC Bayern ist sehr glücklich und zufrieden, dass Manuel seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 verlängert hat“, sagte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge auf der Webseite des Klubs: „Manuel ist der beste Torhüter der Welt und unser Kapitän.“

Auch Vorstand Oliver Kahn brachte seine Freude zum Audruck: „Ich kann mich sehr gut in die Situation, in der sich Manuel befindet, hineinversetzen. Wir haben verstanden, in welche Richtung Manuel in dieser Phase seiner Karriere denkt und was für ihn wichtig ist. Mit seiner Vertragsverlängerung hat er ein starkes Signal gesetzt.“

„In den Wochen des Shutdowns als Folge der Corona-Pandemie wollte ich keine Entscheidung treffen, weil niemand wusste, ob, wann und wie es mit dem Bundesliga-Fußball überhaupt weitergeht“, sagt Manuel Neuer. „Zudem war mir wichtig, weiterhin auch mit unserem Torwart-Trainer Toni Tapalovic arbeiten zu können. Da dies nun geklärt ist, sehe ich mit großem Optimismus in die Zukunft. Ich fühle mich in Bayern sehr wohl und heimisch. Der FC Bayern ist und bleibt eine der europäischen Top-Adressen des Fußballs“, so der Kapitän des FC Bayern.

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Gisdol: „Behandeln Herrlich wie einen Bankräuber“

Heiko Herrlich plaudert auf einer Pressekonferenz aus, wie er die Team-Quarantäne verlässt und Zahnpasta und Hautcreme kaufen geht. Die heftigen Reaktionen kann Herrlichs Trainer-Kollege Markus Gisdol nicht verstehen.

Er wollte nur ehrlich sein, doch der Schuss ging nach hinten los. Heiko Herrlich darf sein Trainer-Debüt den FC Augsburg nicht auf der Bank erleben, sondern muss vor dem Fernseher sitzen, weil er gegen die DFL-Vorschriften während der Corona-Quarantäne verstoßen hat. Die heftigen Reaktionen folgten schnell, doch Markus Gisdol, Trainer des 1. FC Köln, hat dafür kein Verständnis.

Wer gewinnt die Bundesliga-EM?

Die Bundesliga-Klubs kommen allmählich in Stimmung, um auch wieder über die Meisterschaft zu reden. Die einen reden von einem Turnier, die anderen reden über Meisterfeiern. Reicht das, um den FC Bayern nervös zu machen?

Die Konkurrenz sagt Bayern München den Kampf an, und der Serienmeister protzt vor dem Re-Start der Bundesliga auch nicht gerade mit seinem berühmten „Mia san mia“. Bietet die Coronakrise tatsächlich die Gelegenheit, den Branchenprimus nach sieben langen Jahren wieder vom Thron zu stürzen? Die Verfolger glauben: ja!

„Wir sind Tabellenzweiter und werden alles versuchen, um unsere Chance noch zu nutzen“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund, der Welt. BVB-Kapitän Marco Reus hat trotz vier Zählern Rückstand die Hoffnung, „dass wir am Ende doch einen Punkt vor Bayern stehen werden“. Und Trainer Julian Nagelsmann, mit dem Dritten RB Leipzig fünf Punkte zurück, betonte im kicker: „Diese neun Spiele sind wie eine EM, und die wollen wir gewinnen.“

Geisterspiele: Vor- oder Nachteil?

Der Tabellenführer aus München hält sich dagegen mit forschen Tönen zurück. Dabei sollten die Geisterspiele für die Bayern doch zumindest kein Nachteil sein. Beim Re-Start am Sonntag bei Union Berlin hätte sie in normalen Zeiten eine aufgeheizte Atmosphäre erwartet, ebenso beim Liga-Gipfel Ende Mai in Dortmund. Doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte, die Bayern hätten „aus einem Hexenkessel gegen uns oft die Motivation gezogen, nach dem Motto: ‚Denen zeigen wir’s, Männer!‘ Die Mannschaft, welche sich am besten auf diese neuen Bedingungen einstellen kann, wird deutscher Meister.“

Die Eindrücke aus den Einheiten stimmen Rio-Weltmeister und Bayern-Urgestein Thomas Müller aber immerhin optimistisch. „Wenn ich sehe, welche Gefühle und Emotionen wir in den letzten Tagen selbst in einem Trainingsspiel entwickeln, so zeigt dies unsere Gier nach regelmäßigen Wettkämpfen“, schrieb er in einem Beitrag im Netzwerk LinkedIn. 

Kehl spricht über Meisterfeier

Der Rekordmeister aus München bleibe Favorit auf die Schale, betonte Nagelsmann: „Wenn die Bayern eine Top-Verfassung haben, wird normalerweise die Meisterschaft über sie entschieden, erst recht bei diesem Vorsprung.“ Während Kehl schon über eine mögliche BVB-Titelfeier ohne Fans sinniert („skurrile Vorstellung“), sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc: „Erst mal müssen wir Schalke schlagen.“

Unabhängig vom Ausgang des Titelrennens stehen die Bayern schon jetzt als Krisengewinner fest. Zwar räumte Rummenigge in der Sport Bild mit dem „Märchen“ auf, dass nicht auch der Branchenführer „den Gürtel enger schnallen“ müsse. Doch welcher andere Klub könnte es sich leisten, inmitten der größten Notlage des deutschen Fußballs mit seinem Trainer und zwei Topspielern wie Thomas Müller und Alphonso Davies zu verlängern?

Zudem wird das berühmte Festgeldkonto des FC Bayern nun zu einem immer größeren Trumpf. Rummenigge betonte zwar, dass dieses „nicht unerschöpflich“ sei, Ehrenpräsident Uli Hoeneß sprach dagegen von einem „Riesenvorteil“, werde das Geld bei der Konkurrenz doch knapper. Weil wegen der Krise zudem auf dem Transfermarkt die Preise fallen dürften, könnten die Münchner in der nächsten Phase ihres Kader-Umbruchs sogar noch Geld sparen. Hoeneß hofft beim Transfer von Nationalspieler Leroy Sane daher auf einen Schnäppchenpreis.

Die Mannschaft bereitet sich davon unberührt auf das Unternehmen Titelverteidigung vor. Neben dem Kracher in Dortmund sind das Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen Anfang Juni sowie die Heimpartie gegen den Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach eine Woche darauf die Schlüsselspiele. Zur Einstimmung auf den Titelkampf gab es am Montag einen Kinoabend im Teamhotel. Gezeigt wurde: Gladiator.

SID

Grünes Licht: Bundesliga startet Mitte Mai

Die Politik hat dem Saison-Neustart des Profifußballs grünes Licht gegeben. Wann genau die Geisterspiele beginnen, ist aber noch offen.

Die Politik hievt „König Fußball“ zurück auf den Thron – der Ball wird im Mai trotz der Coronakrise wieder rollen. Bei der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch in Berlin wurde der Weg für den Neustart der seit Mitte März unterbrochenen Saison in der Bundesliga und der 2. Liga ab Mitte Mai offenbar freigemacht. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Ab wann genau die Geisterspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Programm stehen, ist noch offen. Die Entscheidung soll der Deutschen Fußball Liga (DFL) überlassen werden. Die DFL, die am Donnerstag die 36 Klubchefs virtuell versammelt, visierte zuletzt den 15. Mai an. Noch neun Spieltage stehen aus.

„Wichtig ist, dem Profisport insgesamt eine Perspektive zu geben“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im ZDF-Morgenmagazin: „Auch viele Millionen Fans fragen natürlich, wann es wieder losgehen kann. Es gibt sehr gut ausgearbeitete Konzepte, wenn die gelebt und umgesetzt werden, kann man mit einem solchen Kontaktsport wieder starten.“

Rund 20.000 Tests

In der Beschlussvorlage hieß es, dass die „Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder“ die „Fortsetzung des Spielbetriebes und mithin die Begrenzung des ansonsten entstehenden wirtschaftlichen Schadens in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga für die dort startberechtigten 36 Vereine auf deren Kosten“ für „vertretbar“ halten.

Allerdings wird auch festgehalten, dass mit Blick auf die Testkapazitäten das Gesundheitswesen „jederzeit mit Priorität behandelt“ werden muss. Rund 20.000 Tests wird der Profifußball wohl bis zum Saisonende benötigen. In einer ersten Testreihe hatte es bei 1724 Tests insgesamt zehn positive Fälle gegeben.

Die Profiklubs werden am Donnerstag über das weitere Vorgehen beraten. Den Kampf um ihre Existenz, bei dem es um etwa 770 Millionen Euro, die Zukunft zahlreicher Vereine und 56.000 Arbeitsplätze geht, hat die Milliardenbranche erst einmal gewonnen. Nun soll die Spielzeit im besten Fall bis Ende Juni zu Ende gebracht werden.

Der Fall Kalou

Durch den Start im Mai wird die Bundesliga mit einem Schlag zum Weltmarktführer, da die anderen Topligen noch wesentlich weiter von einem Wiederbeginn (falls es den überhaupt geben wird) entfernt sind. Allerdings wird die Liga auf Bewährung spielen. Vor allem das entlarvende Video des Berliners Salomon Kalou hat den schmalen Grat aufgezeigt, auf dem der Fußball wandelt.

„Ich kann nur empfehlen, allen Mannschaften und jedem Spieler, auch nach den Erfahrungen der letzten Tage, das alles sehr, sehr ernst zu nehmen“, sagte Spahn mit Blick auf Kalou bei RTL/n-tv. Die Entscheidung zugunsten des Profifußballs ist laut des CDU-Politikers ein „Vertrauensvorschuss“. Fritz Keller ist sich dessen bewusst. „Wer ernsthaft an der Ausübung seines Berufs interessiert ist, der hält sich an die Vorgaben“, äußerte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Bild-Zeitung.

Auch Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer, der das DFL-Konzept für den Neustart als Leiter der Taskforce entwickelt hat, sieht den weiteren Saisonablauf vornehmlich durch mögliches Fehlverhalten der Beteiligten gefährdet. „Es ist umso wichtiger, dass alle extreme Disziplin wahren“, sagte Meyer bei Sport1: „Wenn diese Disziplin nicht eingehalten wird, dann kann das beste Konzept ins Wanken geraten.“

Neuer ruft zu Disziplin auf 

Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer rief seine Kollegen zu eben dieser Disziplin auf. „Wir als Profis tragen Verantwortung für unseren Berufsstand“, schrieb der Torwart von Rekordmeister Bayern München in der FAZ: „Nun ist es an jedem Einzelnen in den Mannschaften und deren Umfeldern, dieses Konzept diszipliniert mit Leben zu füllen.“ 

Hans-Joachim Watzke ist sich sicher, dass alles gut gehen wird. „Wir sind jetzt in dem Prozess, bei dem wir relativ sicher sind, dass Gesunde gegen Gesunde spielen – und das ist die ideale Voraussetzung“, äußerte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund bei RTL/n-tv. Bedenkenträger wie Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln beruhigt das allerdings nicht. „Ein Sportler sollte sich schon Gedanken darüber machen, dass eine Infektion das Karriereende sein kann“, sagte der Sportmediziner der ARD-Sportschau.

sid

Salomon Kalou: „Ich bin wütend“

Hertha-Profi Salomon Kalou hat nach dem Eklat um sein Facebook-Video alle Schuld auf sich genommen und sich für sein Verhalten entschuldigt.

„Es war ein großer Fehler. Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich alle respektiere und niemanden in Schwierigkeiten bringen wollte“, sagte der Ivorer bei Sport1.

Er könne verstehen, dass die Menschen wütend auf ihn seien, sagte der 34-Jährige dem Spiegel. „Ich bin es auch.“ Das Video hätte er niemals machen dürfen. „Es war respektlos und dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Aber ich bin mehr als diese fünf schlechten Minuten, die man dort von mir in der Kabine sieht“, sagte der Stürmer.

Kalou erklärte, dass er an dem Tag „gut drauf“ gewesen sei und die Fans „mit auf meinen Weg zum Training nehmen“ wollte. Es sei sein erstes Live-Video gewesen. „Ich wollte das mal ausprobieren und den Fans zeigen, wie es bei uns so abläuft“, meinte der Offensivspieler. Der Unterschied zu einem normalen Video sei eben, „dass du keine Zeit hast, das hinterher in Ruhe anzusehen.“

Salomon Kalou: „Wollte zeigen, dass es uns gut geht“

Kalou erklärte, dass er weder Mitspielern noch anderen Klubvertretern Probleme bereiten wollte. „Ich wollte zeigen, dass es uns allen gutgeht, dass bei uns alles okay ist und wir Spieler und Mitarbeiter, die getestet wurden, wohlauf sind“, berichtete der frühere Chelsea-Profi.

Kalou war von Hertha BSC am Montag suspendiert worden, nachdem ein mit dem Handy selbst gedrehtes Video publik geworden war. Darin ist unter anderem zu sehen, wie der Stürmer von der Elfenbeinküste Mitspieler und Klub-Mitarbeiter per Handschlag begrüßt und die Abstandsregeln nicht eingehalten werden. 

sid

Zehn Corona-Fälle in der 1. und 2. Bundesliga

In den 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga sind bei den ersten Corona-Reihentests zehn Infektionen festgestellt worden. Das gab die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Montag bekannt. Es wurden insgesamt 1724 Tests vorgenommen. 

„Die in den vergangenen Tagen erfolgten Tests haben ihren Zweck erfüllt, für zusätzliche Sicherheit zu sorgen und so die Spieler bestmöglich vor Ansteckung im Mannschaftstraining oder Spielbetrieb zu schützen“, teilte die DFL mit. Es werde in den kommenden Wochen und Monaten weiter darum gehen, die beschlossenen Maßnahmen auch im Klub-Alltag sowie im privaten Umfeld konsequent umzusetzen. Im Fall von positiven Test-Ergebnissen liegt die Entscheidung über zu treffende Maßnahmen bei den örtlichen Gesundheitsbehörden.

Es wurden Proben von Spielern und weiterem Mannschaftspersonal wie Trainerstab und Physiotherapeuten entnommen und von fünf Fachlabor-Verbünden im gesamten Bundesgebiet untersucht. Die positiven Fälle wurden den jeweiligen Gesundheitsämtern gemeldet.

Köln gibt positive Fälle bekannt

Bekannt waren bislang nur drei positive Ergebnisse beim Bundesligisten 1. FC Köln bei den ersten Kontrollen am vergangenen Donnerstag, bei der zweiten Testreihe am Sonntag gab es beim FC ausschließlich negative Ergebnisse. Die DFL gab nur die Ergebnisse der ersten Testung bekannt.

Die DFL erklärte, dass die entsprechenden Maßnahmen, „zum Beispiel die Isolation der betroffenen Personen inklusive Umfelddiagnostik“, durch die jeweiligen Klubs nach den Vorgaben der örtlichen Gesundheitsbehörden unmittelbar vorgenommen worden seien.

Engmaschige Testungen sollen verhindern, dass zuvor infizierte Personen am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen und dadurch andere potenziell infizieren könnten. Eine zweite Testwelle wird in dieser Woche durchgeführt, Köln und der SC Paderborn gaben an, dass es bei der zweiten Testreihe keinen positiven Fall gegeben habe. Paderborn stieg am Montag bereits ins Mannschaftstraining ein.

Weitere Maßnahmen

Die DFL schloss nicht aus, dass es bei der zweiten Testreihe „zu vereinzelten positiven Testergebnissen kommen“ kann, „zumal eine der Aufgaben dieses zweiten Durchgangs darin besteht, die Wahrscheinlichkeit nie gänzlich auszuschließender ‚falsch negativer‘ Befunde zu senken“.

Die DFL teilte außerdem mit: „In Abstimmung mit dem Bundesarbeitsministerium wurden neben den aktuell stattfindenden zwei Testwellen vor dem Start des Mannschaftstrainings weitere Punkte wie ein verpflichtendes Trainingslager unter Quarantäne-Bedingungen vor einer möglichen Fortsetzung des Spielbetriebs sowie freiwillige Testungen der Familien von Spielern vor einer möglichen Saison-Fortsetzung in das Konzept integriert.“ Bei einem Start ins Mannschaftstraining, der die Genehmigung der örtlichen Behörden erfordere, seien fortan „pro Woche zwei Tests in regelmäßigen Abständen vorgesehen“, so die DFL.

sid

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Real Valladolid: Ronaldos Welt

Ronaldo war einst ein Weltklassestürmer bei den besten Klubs der Welt. Nun ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann und neuer Eigentümer von Real Valladolid. Doch warum ausgerechnet Valladolid? SOCRATES war vor Ort, um das herauszufinden.

Antonio mag die Ruhe. Und die Ruhe scheint ihn zu mögen. Der Mann, ein Mittdreißiger, wirkt so, als hätte er noch nie die Fassung verloren. Das Lächeln steht in seinem Gesicht Gewehr bei Fuß. „Möchtest du einen Kaffee? Er ist hier wirklich gut. Aber wenn du möchtest, kannst du auch etwas anderes trinken.“

Antonio sagt das in einer so freundlichen Art und Weise, dass man gar nicht auf die Idee kommt, diese Höflichkeit nicht zu erwidern. Das Wetter schließt sich der Freundlichkeit an diesem Tag an. „Letzte Woche war es hier sehr kalt. Wir haben Glück“, sagt er. Mit hier ist Valladolid gemeint.

Eine Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern, gelegen nordöstlich von Madrid. Mit dem Zug dauert es knapp eine Stunde, bis man von der Hauptstadt in das sehr beschauliche Valladolid kommt. Die Stadt, in der 1506 Christoph Kolumbus starb. Valladolid wirkt wie Antonio. Valladolid ist Antonio. Aufregung ist hier ein Fremdwort. Daran kann selbst Real Madrid nichts ändern.

Standards ohne Tore

Am nächsten Tag wird hier der größte Klub der Welt beim heimischen Real Valladolid Club de Fútbol gastieren. Das Abschlusstraining direkt am Estadio José Zorrilla ist komplett öffentlich. Eine Unmöglichkeit bei vielen Klubs der Welt, die sich am liebsten komplett von der Außenwelt abkapseln und aus ihren taktischen Übungen kurz vor den Spielen ein Staatsgeheimnis machen.

Doch in Valladolid haben sich trotz der Möglichkeiten nur ein paar Zuschauer an den Trainingsplatz verirrt. Trainer Sergio González Soriano lässt fast ausschließlich mit dem Ball trainieren. Vor allem viele Defensivstandards werden geübt. Soriano hat offenbar eine Vorahnung. Da aber nur selten ein Tor fällt, halten sich die Emotionen am Spielfeldrand in Grenzen.

Ein etwas korpulenter Mann hat seinen Klappstuhl mitgenommen, es sich direkt am Spielfeldrand bequem gemacht. Aber er vergnügt sich lieber an einem Handyspiel. Ein paar Groupies sind auch da, aber sie haben eher Spaß an gefühlt 1.300 Selfies. Motivierende Schlachtrufe vor dem großen Spiel? Nichts. Es hat wohl nicht einmal etwas mit der sportlich prekären Situation des Aufsteigers zu tun, dass hier selbst vor einem Real-Spiel keine Euphorie aufkommt. Auch am Tag danach, als die Partie gegen die Königlichen steigt und Valladolid spielerisch einen vielversprechenden Start hinlegt, gibt es im ausverkauften Stadion Stimmung nur auf Sparflamme.

Der Artikel erschien zuerst in Ausgabe #31 im Mai 2019: Hier klicken und nachbestellen

Valladolid hat keinen Rivalen

Die Spiele im Estadio José Zorrilla, das nach einem bekannten Dichter benannt ist, sind gut besucht, aber man versteht das Ganze eher als okaye Abwechslung im Alltag und weniger als große Liebesromanze mit dem Lokalmatador. Gehören Rivalitäten zwischen Klubs im Fußball zum guten Ton, hat Valladolid nicht einmal einen Gegner, an dem man sich aufreibt. „Vielleicht ist es Salamanca, weil der Klub aus der Nähe kommt, aber das ist eigentlich auch keine echte Rivalität“, sagt Antonio, der sich um die Klub-Kommunikation in Valladolid kümmert.

Als am nächsten Tag der Bus von Real Madrid vorfährt, gibt es die obligatorischen Pfiffe der wartenden Valladolid-Anhänger. Als der gesperrte Sergio Ramos aus dem Bus steigt, wird der Protest ein klein wenig lauter, aber einige wollen mit dem Kapitän Reals und der spanischen Nationalmannschaft auch viel lieber abklatschen. Eine Stadt voller Antonios eben.

Frenetisch wird es an diesem Tag nur einmal. Kurz nachdem die Spieler aus Valladolid und Madrid das Stadion betreten und die Busse sich allmählich zu ihren Parkplätzen zurücksetzen, taucht aus dem Nichts Ronaldo Luís Nazário de Lima auf. Der ehemalige Weltklassestürmer von Real Madrid, Barcelona und Co. wird gefeiert, bejubelt und geliebt. Ronaldo winkt kurz verlegen und verschwindet dann ebenfalls im Stadion.

„Er hat uns auf die Landkarte gesetzt“

Ronaldo ist nicht gekommen, um seinen ehemaligen Klub, für den er Anfang der 2000er Jahre in 177 Spielen unfassbare 104 Tore erzielte, zu beobachten. Ronaldo ist der Gastgeber. Im Sommer 2018 verkündete Real Valladolid, dass der Brasilianer 51 Prozent der Klub-Aktien gekauft habe und fortan Hauptanteilseigner sei. Ronaldo investierte 30 Millionen Euro, um künftig dem Klub vorzustehen.

„Er hat uns mit seinem Kommen auf die Landkarte gesetzt, sowohl als Klub als auch als Stadt“, sagt der bisherige Präsident Carlos Suárez Sureda. Im Sommer verkaufte der Klub 20.000 Dauerkarten, verkaufte Trikots wie nie. Natürlich mit der Nummer 9 und dem Schriftzug Ronaldo. Der Hype um den einsteigen Weltstar ist riesig. Aber warum gerade Valladolid? Warum ein Klub, der ohne ihn auf keiner Landkarte steht und sportlich eher als Fahrstuhlmannschaft anzusehen ist? Ein Klub, der mehr Abstiege als Pokale vorzuweisen hat?

Gerüchte, wonach er als Strohmann für unsichtbare Investmentunternehmen fungiert, wiegelt Ronaldo vehement ab. „Das ist mein Geld.“ Und man nimmt es ihm ab, wenn man die Vita des 41 Jahre alten Brasilianers begutachtet. Seine vielen Verletzungen führten dazu, dass Ronaldo viel Zeit hatte, über die Zeit nach der Karriere nachzudenken. Erste Firmenbeteiligungen soll es schon früh gegeben haben. 2014 gründete er dann in Brasilien eine Vermarktungsagentur, anschließend zog er nach London um, wo er drei Jahre lebte, sein Englisch verbesserte und Kurse in den Bereichen Finanzen und Kommunikation belegte.

In den USA beteiligte er sich an den Fort Lauderdale Strikers, aber Ronaldo wollte mehr. Er wollte einen Klub führen. Die Frage, warum es dann ausgerechnet Valladolid wurde, lässt sich damit noch immer nicht beantworten, aber zumindest gibt es erste Hinweise. Denn hört man sich in Spanien um, ist Valladolid zwar sportlich (noch) keine große Nummer, aber wirtschaftlich durchaus gesund. Die Kostenstruktur hält sich in Grenzen, die Schulden auch.

Valladolid: Solide Wirtschaft

Im Gegensatz zu vielen anderen Klubs, die auch bedingt durch verschiedene Wirtschaftskrisen und Fehlinvestitionen in der Klemme stecken und durch einen Investor gerettet werden müssen. Ronaldo muss nicht erst damit anfangen, Schulden zu bezahlen. Da würden die läppischen 30 Millionen Euro auch nicht helfen. Er kann sofort in die Weiterentwicklung investieren – und das will er höchstpersönlich. „Glaubt ihr, ich kaufe einen Klub, um am nächsten Tag in den Urlaub zu fahren?“

Ronaldo bringt sich ein. „Neulich saß er zu Hause und hat einen Social-Media-Post gesehen, der ihm nicht gefallen hat. Er hat dann persönlich angerufen und gefragt, ob man das nicht hätte anders formulieren können“, erzählt Antonio. Es ist aber keineswegs königliches Gehabe, das Ronaldo praktiziert. Er zeigt Nähe, lässt sich gerne in der Stadt und auch in der Kabine blicken, um mit dem Trainer, den Spielern und mit den Vereinsmitarbeitern zu sprechen. Es ist Ronaldos Welt. „Es ist schon wahnsinnig aufregend, wenn dir El Fenómeno gegenübersteht“, sagt Enes Ünal, seit Saisonbeginn Stürmer bei Valladolid, im Gespräch mit SOCRATES.

Ronaldo gibt Tipps über Laufwege, darüber, wie man am besten schießt, über das Stellungsspiel. Und jeder im Klub nimmt die Hilfe gerne an. Dass Alltagstipps für den Erfolg nicht ausreichen werden, weiß Ronaldo. Die Mannschaft, in der nur drei Ausländer spielen, hat nur bedingt La-Liga-Niveau. Als im Sommer Gespräche über die Übernahme durch Ronaldo geführt wurden, ließ der Klub alles stehen und liegen und vergaß vollkommen, die Mannschaft zu verstärken. Die Quittung: Abstiegskampf.

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Hilfe von Real Madrid?

Gegen Real Madrid geht Valladolid zweimal in Führung, beide Male annulliert der Schiedsrichter per VAR die Tore. Als Valladolid noch einen Elfmeter verschießt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Real die Fehler bestraft und das Spiel nach Hause schaukelt. Einen Tag später werden die Königlichen die Rückkehr von Zinédine Zidane verkünden und die Fußballwelt überraschen.

Im Stadion ist noch die Rede davon, dass José Mourinho zurückkommen wird. Aber Real entscheidet sich für Zidane, den Erfolgstrainer der vergangenen Jahre und Ronaldos einstigen Mitspieler. Wahrscheinlich ist er sogar eingeweiht, verbringt er doch den ganzen Tag mit Reals Präsidenten Florentino Pérez, mit dem den Brasilianer ein freundschaftliches Verhältnis verbindet.

Sehr wahrscheinlich, dass er sich künftig Hilfe vom großen Nachbarn holt. Denn Ronaldo sagt: „Wir wollen so weit wachsen,wie es unsere Träume zulassen.“ Verwaltungsratmitglied Suárez ergänzt: „Wir stoßen in eine Dimension vor, von der wir nicht einmal zu träumen gewagt hatten.“ Dazu gehören dann auch Spielertransfers, die Valladolid im Sommer vorhat.

Aber teure Stars wird der Klub nicht holen, sondern – auch mithilfe des großen Namens im Rücken – vielversprechende Talente an Land ziehen, damit sie gemeinsam mit dem Klub wachsen. Der Standort, unweit von Madrid, wird dabei natürlich helfen.

Und was sagt Antonio? Emotionen sind nicht sein Ding, aber er freut sich für die Stadt, in der er geboren und aufgewachsen ist. Dass die Menschen hier mal aus der Langeweile herauskommen und ihren Spaß haben. Jahrelang lebte er in Kapstadt, Südafrika. Doch irgendwann packte ihn die Sehnsucht und er kam zurück. Die Sehnsucht nach der Ruhe und vielleicht nach dem guten Kaffee am Trainingsplatz. Und Antonio hatte recht. Er ist wirklich gut.

Fatih Demireli

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Olaf Thon: „Die Hosen waren enger“

Olaf Thon war ein Bundesliga-Star der 1990er Jahre. Er spielte bei Schalke 04 und beim FC Bayern und holte viele Titel. Aber wenn Thon etwas fremd ist, dann in Nostalgie zu schwelgen. Er mag den Fußball heute – nur eine Sache vermisst er sehr.

Herr Thon, es gibt dieses Klischee, dass früher alles besser war. War im Fußball früher alles besser?

Nein. Ich kann mich noch erinnern, wie brutal der Fußball war, als ich 1983 angefangen habe. Da konnte der Abwehrspieler noch von hinten übel treten, ohne dafür eine Gelbe oder Rote Karte zu kassieren. Bis auf die Ellbogenchecks finde ich den Fußball heute viel fairer. Und ich fand es auch gut, dass 1992 die Rückpass-Regel eingeführt wurde.

Dann verändern wir das Ganze und sagen: Heute ist alles besser.

Der Fußball hat sich weiterentwickelt. Das Spiel und die Spieler sind schneller geworden und sie laufen auch mehr. Ich denke, heute läuft ein Fußballer im Schnitt zwei Kilometer pro Spiel mehr, als wir es 1990 taten. Die positiven Entwicklungen reichen für mich bis zum Videoschiedsrichter.

Gefällt er Ihnen?

Ja, er macht total Sinn. Es ist eine Momentaufnahme, dass es Probleme gibt. Da stecken wir im Fußball einfach noch zu sehr in den Kinderschuhen. Wir dürfen uns dem aber nicht verschließen, sonst laufen uns die anderen Sportarten weg. Im American Football oder beim Eishockey sind sie uns meilenweit voraus. Es ist die einzig richtige Entscheidung, Technik einzusetzen. Was wollen wir denn alle? Gerechtigkeit! Wenn man 80 Prozent Gerechtigkeit herstellen kann, müssen wir das machen.

Was vermissen Sie an den 90ern?

Die elegantere Spielkleidung. Sie war enger. Vor allem die Hosen waren enger. Die Strümpfe gingen auch nicht bis zu den Knien wie heute.

Was war Ihr Lieblingstrikot damals?

Ich glaube, das Nationaltrikot. Ich finde, dass sich die Qualität extrem verändert hat. Enge Trikots tragen sie heute ja auch wieder, auch wenn die Hosen etwas weiter sind. Irgendwann gehen die Ideen aus und man kommt zurück zur Vergangenheit. Ich persönlich mag das WM Trikot von 1954, das man vorne noch zubinden kann. Das trage ich immer zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel bei der WM 2014.

Sind Sie der Retro-Typ?

Ja schon. Ich lebe gerne in der Vergangenheit, bin aber auch Realist und weiß damit umzugehen, nicht zu sehr in Nostalgie zu verfallen und nur an alte Zeiten zu denken. Aber noch mal zur Frage, was mir von früher fehlt: Es ist die Kommunikation von damals.

Mit wem?

Mit allen. Mit den Schiedsrichtern, innerhalb der Mannschaften, aber auch mit den Fans. Nach den Spielen durften die Fans früher auf den Platz. Wenn ich an das 6:6 gegen den FC Bayern im Jahr 1984 zurückdenke, da standen nach dem Spiel tausende Fans um mich herum, als ich das Interview gab, nachdem ich drei Tore geschossen hatte. Danach haben sie mich auf Händen getragen. Das geht heute natürlich nicht mehr, alleine schon als Sicherheitsgründen. Aber es war schön.

Wie sieht die Kommunikation heute aus?

Die sozialen Medien haben viel verändert. Da wird bei Facebook und Instagram alles gepostet; von sich selbst oder aus der Kabine. Dann gibt es natürlich die Influencer wie Cathy Hummels. Früher haben die Spielerfrauen wie bei Thomas Häßler, Bodo Illgner oder Bernd Schuster ihre Männer beraten. Heute haben sie andere Bereiche und sich da auch emanzipiert. Sehr interessant, was man da manchmal so verfolgen kann.

Ist Ihnen das fern?

Der Fußball ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Da gibt es eben alles. Ich finde es amüsant und man muss es ja nicht konsumieren, wenn man nicht will.

Können Sie sich eigentlich noch daran erinnern, wie die Resonanz auf Ihre Wechsel von Schalke zu Bayern und zurück war?

Der Wechsel zu Bayern war dem Abstieg von Schalke geschuldet. Ich hatte in München wirklich wundervolle Jahre, meine beiden Töchter kamen dort zur Welt. Dann hat mich aber Rudi Assauer 1994 zurückgeholt, auch bedingt durch viele Verletzungen. Die Resonanz war dahingehend anders, dass sich die Schalker erst an den neuen Olaf Thon gewöhnen mussten, der nicht mehr vorne die Tore macht, sondern hinten als offensiver Libero für Ordnung sorgt und Konter einleitet.

Hatten Sie einen Berater?

Eigentlich nie. Zumindest keinen Vollzeit-Berater. Als ich von Schalke zu Bayern ging, gab es auch die Optionen Italien und Spanien, da holt man sich Informationen ein. Ansonsten gab es viel väterliche Beratung von Rudi Assauer. Ich glaube, dass auch heute ein guter Anwalt vieles besser lösen kann.

Wie kann man sich das vorstellen ohne Berater? Haben Sie die Gespräche geführt?

Ja, natürlich. Vor meinem Wechsel zu Bayern habe ich mir von Assauer ein paar Zahlen geben lassen, was man so verlangen könnte. Mit diesem Wissen habe ich mich mit Uli Hoeneß, Karl Hopfner und Fritz Scherer in einem Düsseldorfer Hotel getroffen. Dann haben wir den Deal perfekt gemacht.

Haben Sie verhandelt oder waren Sie damit einverstanden, was Ihnen die Münchener vorlegten?

Das ging relativ fix. Am Ende sagte Uli Hoeneß, als wir schon längst einig waren, dass er mir die doppelte Titelprämie gibt, weil ich alleine zu den Verhandlungen gekommen bin. Das gefiel ihm. Und in dieser Phase haben wir ja auch ein paar Titel geholt und so gab es immer doppelte Prämie. Auch das ist eben Uli Hoeneß, der es einem hoch anrechnet, wenn man nicht mit dem Berater kommt, sondern sich selbst stellt.

Der Artikel erschien zuerst in Ausgabe #34: Hier klicken und nachbestellen

Die Kluft zwischen Schalke und Bayern ist zumindest sportlich in den letzten Jahren immer größer geworden. Hätte Schalke nicht den Bayern-Weg gehen können?

Schalke war ja immer wieder mal auf Augenhöhe. 2001, 2008, 2015. 2018 gab’s auch mal wieder eine Vizemeisterschaft. Aber eben nur punktuell. Schalke ist mit Schwankungen behaftet, der FC Bayern nicht. Das hat etwas mit Kontinuität zu tun. Daher hoffe ich, dass es bei Schalke mal fünf Jahre keine Wechsel auf den wichtigen Positionen im Vorstand oder im Trainerbereich gibt, so dass Ordnung herrscht. So verhindert man diese Schwankungen und kommt dann mal an Bayern oder Dortmund heran.

Mit Jochen Schneider, Michael Reschke und David Wagner startet Schalke einen neuen Versuch. Reicht es, dass Schalk mal wieder Ruhe hat, um Erfolg zu haben?

Nein, es braucht nicht mal Ruhe. Es ist völlig okay, dass Reibung herrscht, aber am Ende muss kontinuierlich gearbeitet werden.

War zu Ihrer Zeit Rudi Assauer der Typ, der die Balance gewahrt hat?

Ganz genau. Er hatte das Händchen, einen guten Trainer wie Huub Stevens oder davor Jörg Berger zu verpflichten. Man nannte ihn nicht umsonst Adlerauge, weil er billige Transfers machte, die uns aber extrem verstärkten. Ich denke an Johan de Kock, Marc Wilmots und viele andere. Er hatte aber auch die Vision, ein neues Stadion zu bauen, und hat perspektivisch gedacht.

Hätte ein Typ wie Assauer heute noch Platz in der Bundesliga?

Ja, klar. Es gibt ja auch noch einen Uli Hoeneß. Er ist immer noch eine Art Manager geblieben, auch wenn er nicht mehr im operativen Geschäft tätig ist. Man sieht heute immer noch seinen großen Einfluss.

Aber ganz frei von Kritik ist er nicht.

Ich sehe ihn nicht so kritisch.

Olaf Thon suchte gerne den Kontakt zu den Fans (Imago)

Glauben Sie, dass mittelfristig ein Klub dem FC Bayern ernsthaft auf die Pelle rücken kann?

Es ist ja schon soweit. Borussia Dortmund war letztes Jahr schon sehr nah dran und mit den Transfers, die getätigt wurden, muss man sie als ernsthaften Konkurrenten sehen. Nicht nur die kommende Saison, sondern für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Mein Traum ist natürlich, dass Schalke auch bald wieder in diese Sphären vorstößt.

Darf man eigentlich als Bundesliga-Nostalgiker RB Leipzig mögen, Herr Thon?

Konkurrenz belebt das Geschäft und ich glaube, dass das nur der Anfang war. Sie werden viel mehr investieren und immer mehr ein fester Bestandteil der Bundesliga sein. Ich denke, dass irgendwann dann auch die Anfeindungen aufhören werden. Ich finde es sogar sehr positiv, dass sich im Osten etwas tut. Mit Union Berlin ist eine zweite Mannschaft aus dem Osten dabei. Ich drücke die Daumen, dass sie in der Liga bleiben.

Es hätte ja fast heißen können Schalke oder Union, wenn es zur Relegation gekommen wäre.

Ja, und ich glaube sogar, dass Schalke abgestiegen wäre, wenn es dazu gekommen wäre. Daher danke ich Huub Stevens, Mike Büskens und Gerald Asamoah, dass sie es geschafft haben, die Relegation und den Abstieg zu verhindern.

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Sie wissen, was kommt. Wir können nicht über die 90er auf Schalke sprechen und den UEFA-Cup 1997 unerwähnt lassen. Was fällt Ihnen spontan dazu ein?

Es war der größte Erfolg meiner Karriere. Das Schönste war, den großen Pott, 15,5 Kilogramm, mit einer Hand in den Himmel zu recken und 20.000 Schalker Fans jubeln dir zu. Viele Männer haben da vor Freude geweint. Wir haben das Wunder vollbracht, weil vieles zusammengepasst hat. Es waren nicht nur Assauer, Stevens und die Mannschaft, die gut zusammengearbeitet hat, sondern auch das Team hinter uns. Ich denke da an Gerard Kuipers oder Charly Neumann.

Auf dem Weg zu einem so großen Erfolg gibt es immer wieder einen Zeitpunkt, an dem man den Glauben gewinnt, dass man den Titel holen kann. Welcher war es bei Ihnen?

Ab dem Viertelfinale konnte man davon ausgehen, dass wir gute Chancen haben. Wir hatten zwar viele Verletzte, besonders im Sturm, aber wir standen hinten gut. Wir gewannen die Spiele oft durch Standardsituationen. Deswegen gab’s auch den Spruch von Stevens: „Die Null muss stehen.“ Und wir haben uns natürlich über den Kampf definiert, vor allem dank Wilmots und Büskens, die es vorgelebt hatten, wurden wir zu den Euro-Fightern.

Heute wird Schalke von einem Euro-Fighter trainiert. Haben Sie sich auf David Wagner gefreut?

Das ist mir sogar am liebsten, keine Frage.

Interview: Fatih Demireli

Ligue 1: PSG ist Meister, zwei Absteiger

Die französische Ligue 1 hat erwartungsgemäß als erste der europäischen Topligen die Reißleine gezogen und die Fußballsaison wegen der Coronakrise vorzeitig abgebrochen.

Der Ligaverband LFP teilte am Donnerstag nach einer stundenlangen Sitzung mit, dass die Spielzeit mit sofortiger Wirkung beendet sei und die Abschlusstabelle anhand des Punktedurchschnitts der einzelnen Teams ermittelt werde. Tabellenführer Paris St. Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel wurde entsprechend zum Meister erklärt, mit dem SC Amiens und dem FC Toulouse müssen die beiden letztplatzierten Teams absteigen.

Der Saisonabbruch im französischen Fußball war seit Dienstag ohnehin nur noch Formsache. Premierminister Edouard Philippe hatte bereits zu diesem Zeitpunkt vor der Nationalversammlung angekündigt, dass die Saison 2019/20 im Profisport nicht wieder aufgenommen werden könne und den erhofften Geisterspielen bis Ende August einen Riegel vorgeschoben. 

„Diese Aussage war eindeutig“, erklärte Ligapräsidentin Nathalie Boy de la Tour: „Wir mussten deshalb eine feste und endgültige Entscheidung für die aktuelle Spielzeit treffen. Die Saison 2019/20 ist vorbei“. Neben der Ligue 1 werden auch die zweite und dritte Liga bei den Männern abgebrochen, auch die höchste Frauenspielklasse wird vorzeitig beendet.

Pokalspiele könnten nachgeholt werden

Paris St. Germain hatte vor der Verkündung des siebten Meistertitels in acht Jahren bei noch elf ausstehenden Partien zwölf Punkte Vorsprung auf Olympique Marseille, gemeinsam qualifizieren sich die beiden Spitzenteams für die Champions League. „Wir möchten diesen Titel dem Gesundheitspersonal und allen alltäglichen Helden an vorderster Front widmen, deren Engagement und Selbstaufopferung über viele Wochen unsere tiefste Bewunderung verdient haben“, sagte PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi.

Stade Rennes muss als Drittplatzierter in die Qualifikation zur Königsklasse, der OSC Lille zieht in die Europa League ein. Olympique Nimes darf trotz Relegationsplatz 18 ohne weitere Spiele in der Liga bleiben, lediglich der FC Lorient und RC Lens werden aus der Ligue 2 aufsteigen. Die Finals im nationalen Pokal und im Ligapokal sollen eventuell Anfang August im Ausland nachgeholt werden. Sollte dies nicht möglich sein, könnten Stade Reims und OGC Nizza als Fünfter und Sechster der Liga in die europäischen Wettbewerbe nachrücken.

sid