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Haaland & Co.: Kauft Deutschland seine Zukunft?

Haaland und Co.: Kauft sich Deutschland die Zukunft? (Getty Images)

Erling Haaland und Co. rocken die Bundesliga, die deutschen Nachwuchsstars werden seltener. DFB-Manager Oliver Bierhoff hat die Arbeit der deutschen Nachwuchsleistungszentren kritisiert und das mit Recht. Der Fußball hierzulande muss aufpassen, seine Basis nicht zu vernachlässigen.

Man kann ja Oliver Bierhoff für Vieles kritisieren. An Ort und Stelle ist dies auch schon ein paar Mal passiert. Zu viel PR, zu viel Marketing, zu viel Hashtag, zu wenig Fußball. Zu wenig Konzentration auf das Wesentliche. Das sportliche Versagen bei der WM 2018 wurde auch etwas an Bierhoff festgemacht, vielmehr war er willkommen bei der Suche nach Sündenböcken, die man brauchte. Seither ist es tatsächlich etwas ruhig geworden um Bierhoff. Womöglich ist diese Zurückhaltung gewollt. Weniger ist mehr.

Bierhoff: Das DFB-Team ist kein Favorit bei der EURO 2020

Neulich äußerte sich Bierhoff beim Parlamentarischen Abend in Berlin, bei dem auch der neue DFB-Präsident Fritz Keller zu Gast war. Bierhoff sagte, dass das DFB-Team bei der EURO 2020 nicht zu den Favoriten gehöre, was medial äußerst viel Beachtung fand. Begründet hat Bierhoff das mit der mangelnden Erfahrung der aktuellen Mannschaft, wobei die Schützlinge von Joachim Löw eigentlich ganz so unerfahren auch nicht sind. Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Serge Gnabry, Marco Reus, Timo Werner, Ilkay Gündogan, Deutschlands Nationalspieler des Jahres Matthias Ginter. Da ist ja doch durchaus Substanz vorhanden.

Deutschland hat ein Nachwuchsproblem

Viel interessanter ist die Kritik Bierhoffs an der Nachwuchsförderung in Deutschlands Nachwuchsleistungszentren: Das Denken in den Akademien sei teilweise „sehr deutsch“ und zu korrekt, sagte Bierhoff. Mangelnde Individualität attestiert der DFB-Manager der Jugend: „Wir müssen bei Spielern auch wieder eine Bolzplatzmentalität fördern. Weil die aber nicht mehr so gegeben ist durch den Alltag in der Jugendförderung, müssen wir das in den Akademien ein Stück weit künstlich erzeugen.“

Deutschland hat im Jahr 2020 offenbar ein Nachwuchsproblem. Gut, man ist jetzt nicht auf dem Niveau der Jahrtausendwende, als es einer Task Force bedurfte, um eine gute Idee zu finden, aber tatsächlich ist es so, dass der deutsche Fußball sich offenbar nicht nur auf den Erfolgen des Anfangs der 2010er Jahre ausgeruht hat, sondern auch die falsche Strategie in der Entwicklung junger Spieler gewählt hat.

Haaland, Kabak und Co. stark, aber wie lange noch in der Bundesliga?

Das Ergebnis sieht man in der aktuellen Mannschaft, allerdings auch in der Bundesliga. Erling Haaland, Dani Olmo, Alphonso Davies, Ozan Kabak, Moussa Diaby und Co.: Die Bundesliga wurde zuletzt durch einige hochkarätige Nachwuchsspieler aus dem Ausland bereichert. Sie heben das Niveau ihrer Mannschaften und haben eine großartige Perspektive. Aber diese wird

sie wahrscheinlich mittelfristig in eine andere Liga führen, bevorzugt in die Premier League. Die ganz großen Hochkaräter aus den Nachwuchszentren der Liga? Sie werden immer weniger. Die Bundesliga kauft sich derzeit die Zukunft aus dem Ausland, anstatt sie selbst zu entwickeln.

Als der FC Bayern im Januar den 500-Millionen-Euro-Deal mit Audi verkündete, freute sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über den Geldsegen, weil die Klubs auf das große Geld angewiesen seien, „um international mitzuhalten“. Der Druck, international Erfolg zu haben, wird immer größer, weil der Geldtopf der Champions League extrem groß und lukrativ ist. Da kann man nicht darauf warten, bis die eigenen Junioren reifen. Darunter leiden die Nationalmannschaften: Auch wenn Deutschland für die EM 2020 immer noch eine schlagkräftige Truppe hat, darf man aktuell doch etwas zurückhaltend sein, was den Enthusiasmus für die kommenden Jahre angeht. Sollte die Entwicklung nicht in eine andere Richtung gehen, wird diesmal Bierhoff als Sündenbock alleine nicht reichen.

Fatih Demireli

Der Artikel ist Bestandteil der aktuellen Ausgabe. Exklusiv-Interviews u.a. mit Domenico Tedesco, Giulia Gwinn, Christian Fuchs und Features zu Zlatan Ibrahimovic gibt es in dieser Ausgabe. Hier klicken und bestellen.

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