Monica Seles: Das Attentat

Monica Seles 1993 (Getty)

Vor 27 Jahren stach ein Zuschauer während einer Partie auf Tennis-Königin Monica Seles ein. Ein Ereignis, das die Sportwelt veränderte. Für das Opfer gab es nur ein bedingtes Happyend.

Der Tag, an dem nicht nur der Tennissport seine Unschuld verlor, ging gerade in einen lauen Frühlingsabend über, als ein schriller Schrei über den Centre Court am Hamburger Rothenbaum gellte. Monica Seles griff sich geschockt an den Rücken und brach mit einem Stöhnen zusammen.

Der gelernte Dreher Günter Parche, ein glühender Verehrer der deutschen Tennis-Ikone Steffi Graf, war da bereits überwältigt, bevor er ein zweites Mal auf die damalige Weltranglisten-Erste aus Serbien einstechen konnte. Rein physisch hatte die seinerzeit 19-Jährige Glück: Das Ausbeinmesser des Attentäters drang nur knapp zwei Zentimeter in ihren Rücken ein.

Monica Seles klagte ohne Erfolg

Parche hasste Seles, weil sie sein Idol als Nummer eins der Weltrangliste abgelöst hatte. Ordner kamen seinerzeit, wenn überhaupt, bei der Einlasskontrolle zum Einsatz, die Spielerinnen und Spieler waren beim Seitenwechsel völlig ungeschützt.

Ein derartiges Verbrechen war so unvorstellbar, dass eine Seles-Klage auf Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund zwölf Millionen Euro gegen den Deutschen Tennis Bund mit der Begründung abgelehnt wurde, ein solches Ereignis sei nicht vorhersehbar gewesen. Auch Parche kam glimpflich mit einer Bewährungsstrafe davon, weil ihm Gutachter vor Gericht eine psychische Störung attestierten.

Ironie des Schicksals: Zumindest indirekt erreichte Parche sein Ziel. Die Fleischwunde von Seles heilte schnell, psychisch aber konnte sie die brutale nie mehr komplett hinter sich lassen. Seles pausierte zwei Jahre, spielte nie wieder ein Turnier in Deutschland und verlor fünf Wochen nach dem schrecklichen Ereignis die Weltranglisten-Führung – an Steffi Graf.

sid         

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