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Video: Ohne Haaland fahren wir zur EM

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Jürgen Klinsmann: Özil? Boateng? „Jede Kategorie denkbar“

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Joachim Löw hinterfragt Nübel-Entscheidung

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Josuha Guilavogui im Interview: „Mir fehlen die Supermärkte“

Eigentlich wollte Josuha Guilavogui nie nach Deutschland ziehen. Jetzt ist er Kapitän des VfL Wolfsburg und kann sich vorstellen, die Autostadt nie wieder zu verlassen. Warum Franck Ribéry dabei eine Rolle spielt und was das einzige Manko ist, erzählt er im Interview.

Josuha Guilavogui, wie lebt es sich als Franzose in Deutschland?

Es ist toll, auch wenn in den ersten Monaten nicht unbedingt alles einfach verlief. Das Wichtigste war bei mir, als ich von Atlético Madrid kam, dass ich zwar der einzige Franzose im Kader war, aber dank der tollen Französischkenntnisse von Kevin De Bruyne, Diego Benaglio und Ivan Perišić besser und schneller Fuß fassen konnte. Ich konnte mich durch ihre großartige tägliche Hilfe gut und schnell integrieren. Sie waren immer für mich da und hilfsbereit, vor allem wegen der Übersetzung. Das war im Nachhinein mein großes Glück. Heute bin ich froh, dass ich diese Rolle übernehmen kann und zum Beispiel meinen Landsmann Jérôme Roussillon jederzeit zur Verfügung stehe und für ihn dadurch als Art großer Bruder gelte.

Und sportlich?

Von der Mentalität her sind es ja zwei verschiedene Länder. In den ersten Wochen beim VfL musste ich erst lernen, dass man bei den Trainingseinheiten ständig Gas geben muss und zwar bis zur letzten Sekunde. In Frankreich war es so, dass je näher das Spiel kam, desto weniger gemacht wurde. In Deutschland ist es kein Problem, 48 Stunden vor dem Spiel elf gegen elf zu spielen und dabei genauso fokussiert und engagiert zu sein wie im Spiel selbst. Das musste ich erst mal lernen und nun gebe ich auch bei jeder Einheit Vollgas, das ist schon längst kein Problem mehr.

War die Bundesliga immer ein Ziel für Sie in Ihrer Karriereplanung?

Überhaupt nicht. Und das ist ja das Unglaublichste in meiner Geschichte. Ich habe zu Beginn meiner Karriere eher Richtung Süden tendiert und Deutschland war für mich zu diesem Zeitpunkt nie ein Thema.

Warum?

Ich dachte in Deutschland ist es eher kalt und mir machte insbesondere die Schwierigkeit der Sprache zu schaffen, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals in der Bundesliga unter Vertrag zu stehen.

Was ist dann passiert?

Die Antwort auf diese und viele andere Fragen in der aktuellen Ausgabe.

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Max Kruse im Interview: „Einstein hat recht“

Max Kruse hat die Bundesliga verlassen und sucht nun mit Fenerbahçe in der Türkei eine neue Herausforderung. Ein Gespräch über Verantwortung, Perspektiven und die wichtigsten Sachen im Leben.

Max Kruse, was bedeutet Ihnen Verantwortung?

Vorneweg zu gehen und auch andere Menschen zu unterstützen. Aber Verantwortung ist keine Art von Perfektion.

Wie meinen Sie das?

Niemand ist perfekt. Wichtig ist es, authentisch und sich selbst treu zu bleiben. Für den Fußball bedeutet das, dass man versucht, durch die Art und Weise, wie man veranlagt ist, eine Mannschaft nach vorne zu bringen.

Sie spielen bei Fenerbahçe in einer ziemlich neu zusammengestellten Mannschaft, müssen sich aber selbst erst integrieren. Verantwortung und Eingewöhnung: Geht beides?

Meiner Meinung nach geht schon beides. Ich habe genug Erfahrung, um Verantwortung zu übernehmen, auch wenn ich neu bin. Klar ist es ein anderes Land und die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird, ist etwas anders. Aber letztlich ist es immer noch Fußball, also 11 gegen 11. Ich habe mich bei meiner Mannschaft schnell eingewöhnt, so dass ich sicher bin, dass ich mich schnell auf die Verantwortung konzentrieren und meine Leistung direkt abrufen kann.

Sie haben immer wieder neue Herausforderungen bei sehr verschiedenen Klubs gesucht: FC St. Pauli, SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg, Werder Bremen und nun Fenerbahçe – all diese Klubs sind schwer in ihrer Art und Weise zu vergleichen. Spornt Sie das Neue, das Unbekannte an?

Ehrlich gesagt gehe ich nicht nach bestimmten Kriterien, wenn ich mich um die Vereinswahl kümmere. Für mich muss der Eindruck passen, für mich muss das Gesamtpaket passen. Ich muss das Gefühl haben, dass das der richtige Weg ist. Ich würde nicht sagen, dass das Unbekannte mich anspornt, aber klar bin ich dafür, meinen Horizont zu erweitern.

Wie entsteht dieses Gefühl?

Wenn ich mich mit den Leuten unterhalte, muss ich denken: „Wow, darauf hast du Lust.“ Das war bei Fenerbahçe der Fall, genauso wie bei allen anderen Vereinen in meiner Karriere.

Haben Sie bewusst die Komfortzone Bundesliga verlassen?

Ja, die Entscheidung fiel bewusst. Ich würde aber nicht von Komfortzone sprechen. Ich habe eine lange Zeit in Deutschland gespielt und gelebt und hatte eine sehr schöne Zeit, aber mich hätte in der Bundesliga ehrlich gesagt nicht viel mehr gereizt. Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass ich auf jeden Fall noch Erfahrung im Ausland sammeln will.

Das Interview erschien in Ausgabe #36: Jetzt nachbestellen

Fenerbahçe zeigt Interesse, hinterlegt das bei Ihrem Berater, der Sie dann davon informiert. Hand aufs Herz: Was war die erste Reaktion?

Sie war: „Wow, Istanbul! In der Stadt zu leben, das wäre schon geil.“

Wie ging es dann weiter?

Ich habe mich bei Nuri Şahin informiert, der ja bekanntlich Türke ist und mit dem ich bei Werder Bremen zusammengespielt habe. Wir haben darüber gesprochen, wie man in der Türkei Fußball spielt. Dann habe ich mit einem meiner Berater gesprochen, der Deutsch-Türke ist, und mit Fenerbahçes Sportdirektor Damien Comolli. Letztendlich habe ich Mehmet Ekici kontaktiert, der schon länger bei Fenerbahçe spielt. Bei allen habe ich mich über die Stadt, den Verein, die Kultur und die Liga informiert.

Es gibt inzwischen sicherlich viele Fußball-Länder, in denen man mehr verdienen kann als in der Türkei. Ist die Süper Lig dennoch lukrativ, weil man eine sportliche Herausforderung geboten bekommt und dennoch ordentlich entlohnt wird?

Man macht sich natürlich über alles Gedanken. Wenn man die Entscheidung trifft, den Verein zu verlassen, bei dem man spielt und eine neue Herausforderung sucht, denkt man über alles nach, was auf dem Tisch liegt. Für mich waren aber gewisse Vereine keine Option, egal wie viel Geld auf dem Tisch lag. Die Türkei, vor allem wenn man in Istanbul lebt, ist sehr europäisch, mit verschiedenen Kulturen, die dort zusammenkommen. Und natürlich hat mich auch ein Verein wie Fenerbahçe mit solchen Fans gereizt. Das Stadion ist immer ausverkauft, die Stimmung ist überragend und das ist natürlich eine Motivation, diesen Verein wieder nach vorne zu bringen. Ich glaube auch, dass die türkische Liga unterbewertet wird. Ich glaube, sie ist besser, als sie medial dargestellt wird. Die Liga ist körperlich hart und der Druck ist enorm, wenn man für einen Verein mit 25 Millionen Anhängern spielt.

Oscar Wilde sagte mal: „Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.“ Wie ist es bei Ihnen?

Geld ist definitiv wichtig, weil man sich das Leben dadurch erleichtern kann und vielleicht ein paar Sorgen weniger hat. Ich stimme aber nicht zu, dass es das Wichtigste im Leben ist. Das geht mir etwas zu weit.

Dann halten Sie es wie Albert Einstein, der sagt: „Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.“

Ja, da hat er recht. Ich habe ein gutes Beispiel dafür: meinen Sohn. Den könnte ich mir für kein Geld der Welt kaufen. Von daher gilt auch für mich: Die besten Dinge des Lebens gibt’s nicht für Geld.

Viele Fußballer hört man immer wieder sagen, dass sie an die Zukunft und an die Familie denken müssen, wenn es um ihre Planungen geht. Hört irgendwann tatsächlich die Romantik auf, wenn man sich woanders finanziell besser absichern kann?

Das muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich finde diesen Ansatz gar nicht so verwerflich. Dass man dorthin geht, wo man am meisten Geld verdient. Egal ob man Fußballer ist oder einen anderen Job auf der Welt macht, versucht man am Ende des Tages das meiste für die Familie und für sich selbst herauszuholen. Vielleicht nicht für eine 1,50 Mark mehr, aber wenn es in andere Sphären geht, dann schon. Ich glaube, dass dann die Romantik aufhört. Vielleicht nicht mit 24, 25 Jahren, aber wenn man irgendwann weiß, dass man nicht mehr ein Leben lang Fußball spielen wird, denkt man ans Absichern. Das ist doch normal.

Das sind die Spitzenverdiener des Sports 2019

Machen Sie sich schon Gedanken über das Leben nach der Karriere?

Gedanken machen würde ich nicht sagen. Ich habe noch einige Jahre vor mir als Profi und will vor allem Akzente setzen für Fener in der Türkei: Meister werden, Champions League mit Fenerbahçe spielen. Diese ganzen Ziele kommen noch. Bis zum Ende meiner Karriere werde ich wahrscheinlich noch einige Menschen kennenlernen und weitere Interesse entwickeln. Nur eine Sache weiß ich sicher…

…wir sind gespannt.

Ich steige in ein Rennauto.

Immer mehr Fußballer werden Business Manager. Oliver Kahn hat Firmen aufgebaut, René Adler hat ein Start-up für Torwart-Handschuhe, Philipp Lahm ging Richtung Pharmaunternehmen. Jonas Hofmann aus Mönchengladbach hat Fastfood-Filialen. Wäre das etwas für Sie?

Über solche Dinge habe ich mir tatsächlich schon mal Gedanken gemacht. Eine App habe ich schon mal probiert, das hat aber leider nicht funktioniert. Ich weiß nicht, ob genau diese Sachen etwas für mich wären, aber natürlich bin ich offen für interessante Businessideen und die werden auch kommen. Der Fokus liegt aber erst mal absolut auf Fußball.

Ihr Präsident bei Fenerbahçe, Ali Koç, ist einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner der Welt. Haben Sie mal überlegt, ein Praktikum bei ihm zu machen?

Tatsächlich jetzt, nachdem ich die Frage gestellt bekommen habe: Ja, ich kann es mir durchaus vorstellen. Und nicht nur bei ihm. Ich war positiv überrascht, wie viele Möglichkeiten Istanbul bietet im Bereich Events, Design oder Medien und ich habe schon einige interessante Geschäftsleute kennengelernt. Ich kann mir schon vorstellen, mir einiges in den Bereichen anzugucken und anzuhören.

Max Kruse, sind Sie zufrieden mit dem bisher Erreichten Ihrer Karriere?

Ja, ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Es hätte sicherlich noch etwas dazukommen können, was aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat, aber ich habe mich bei allen meiner Karriereschritte immer gut gefühlt und habe nie etwas bereut. Vielleicht bin ich nicht einer der besten Fußballer der Welt geworden, aber ich habe meine Qualität und meine Persönlichkeit bis jetzt unter Beweis gestellt. Ich habe auch noch einiges vor, von daher heißt es: Gas geben, es geht immer weiter.

Interview: Fatih Demireli

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Ribery, Lessort, Tuchel: Eine Sache der Liebe

Es wird Französisch! Die Ausgabe #38 dreht sich um das Thema Frankreich und die Franzosen. Wie Franck Ribery sich durch die Liebe definiert, wie Bayern Münchens Basketballer Mathias Lessort durch seine Sportart zum Glück fand und wie es Thomas Tuchel bei PSG schaffte, sich in die Herzen der  Spieler zu hieven… in der #38!

Franck Ribery: Eine Sache der Liebe

So richtig loslassen kann Franck Ribery natürlich nicht. Als Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern verabschiedet wurde, tauchte der Franzose auf und erwies dem ehemaligen Bayern-Präsident die Ehre. Eine tolle Geste und auch Ribery, der Spieler mit den meisten Meistertiteln im Trikot des Rekordmeister, wurde geehrt.

Zwölf Jahre genoss Franck Ribéry in München das Gefühl, geliebt zu werden. Auch in Florenz spürt der Franzose nun die Zuneigung der Fans, die er aber in seiner Heimat nie erhielt. Aber die er auch mit 36 Jahren noch benötigt, um als Fußballer und Mensch zu bestehen.

Die gesamte Story lesen Sie in der neuen Ausgabe, das sie hier bestellen können. Alternativ können Sie auch ein Jahresabo bestellen oder das ePaper lesen.

Was hat die Ausgabe #38 noch zu bieten?

Exklusiv-Interview mit Mathias Lessort

Mathias Lessort vermisst den Strand, aber den Basketball liebt der Star des FC Bayern so sehr, dass sich selbst Heimatgefühle hinten anstellen müssen. Mit Bayerns Franzosen sprachen wir über Mentalitätsunterschiede, das Umfeld FC Bayern und Besuche aus der Heimat.

Thomas Tuchel: Le Patron

Thomas Tuchel ging mit einem Rucksack voller Klischees nach Frankreich zu Paris Saint-Germain. Doch dann kam alles anders. Der ehemalige Trainer des BVB wurde zum Chef von Paris, weil sich Tuchel veränderte und sich selbst bei einem Diven-Klub extrem beliebt machte.

Exklusiv-Interview mit Josuha Guilavogui

Eigentlich wollte Josuha Guilavogui nie nach Deutschland ziehen. Jetzt ist er Kapitän des VfL Wolfsburg und kann sich vorstellen, die Autostadt nie wieder zu verlassen. Warum Franck Ribéry dabei eine Rolle spielt und was das einzige Manko ist, erzählt er im Interview.

Ajax in Grün

Der französische Fußball hatte in den 1970er Jahren einen neuen Tiefpunkt erreicht. AS Saint-Étienne kämpfte sich zunächst aus dem Sumpf heraus und danach auf den Gipfel des europäischen Fußballs hoch. Und das schaffte der Verein mit seinen eigenen Mitteln. Wir sprachen mit einem Helden von damals: Dominique Rocheteau.

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Javi Martinez Kolumne #4: Gierig wie Sammer

Javi Martinez vom FC Bayern München schreibt in seiner SOCRATES-Kolumne, was ihn mit Matthias Sammer verbindet. Er legt sich fest, dass Joshua Kimmich eines Tages den Rekordmeister als Kapitän anführt, allerdings nie so gut Spanisch sprechen wird wie er.

Von Javi Martinez

„Mia san mia“ ist ein Leitspruch, den ich wohl keinem Fußballfan in Deutschland erläutern muss. Für mich war er allerdings neu, als ich 2012 nach München kam. Was dahinter steckt, erklärte mir damals Matthias Sammer. Ich habe dieses besondere, bayerische Selbstverständnis sofort verinnerlicht und trage es mittlerweile wie selbstverständlich in mir.

Wenn du es als Mannschaft richtig lebst, kann „Mia san mia“ eine Waffe sein. Auch das hat mir Matthias Sammer vor Augen geführt. Auch wenn er mittlerweile nicht mehr für den FC Bayern tätig ist, möchte ich sagen, dass er für mich zu meiner Anfangszeit in München eine sehr wichtige Person war. Er hat mir als sportlicher Ansprechpartner enorm geholfen. Natürlich schaust du als junger Spieler zu einem Mann wie Matthias Sammer auf.

Javi Martinez: „Klar und deutliche Ansprache, aber intern“

Er ist eine Legende. Er war einer der besten deutschen Spieler der vergangenen 25 Jahre. Zudem habe ich schnell festgestellt, dass wir beide ähnlich ticken, was uns auf eine gewisse Art und Weise miteinander verbunden hat. Seine Leidenschaft für den Fußball ähnelt meiner stark. Wir haben auch einen ähnlichen Charakter, denke ich. Uns beiden ist die Kommunikation nach außen nicht so wichtig, wie die Dinge intern klar und deutlich anzusprechen.

Dabei geht es uns jedoch immer nur um eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Mannschaft und niemals um etwas Persönliches. Matthias Sammer liebt wie ich den Wettbewerb und die Herausforderung, sich auf dem Platz mit den besten Spielern und Klubs der Welt zu messen. Immer mit dem Ziel zu gewinnen. Und immer mit dem Antrieb, von Siegen nie genug zu haben. Ich denke, ich kann behaupten, dass ich genauso gierig nach Erfolgen bin wie Matthias Sammer.

Javier „Javi“ Martínez Aginaga spielt seit 2012 für den FC Bayern München, mit dem der Spanier sieben Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal und 2013 sogar die Champions League gewann. Zuvor spielte er sechs Jahre für Athletic Bilbao in der Primera División. Martínez kam in 18 Länderspielen zum Einsatz und war Teil der Mannschaft, die 2010 Welt- und 2012 Europameister wurde. Seit 2019 ist er ständiger SOCRATES-Kolumnist.
Javi Martinez
FC Bayern

Sammer sagte: „Bleib geduldig“

Er nahm mich in den ersten Monaten oft beiseite und sagte mir: „Bleib geduldig, Javi. Die Saison ist sehr lang. Wir brauchen dich nicht am Anfang in einer super Form, sondern am Ende. Arbeite einfach weiter an deiner Leistungsstärke, aber setze dich nicht zu stark selbst unter Druck. Wir wissen, dass du gut bist. Und wir wissen, dass du uns in den entscheidenden Monaten helfen wirst.“ Und so kam es dann auch. Am Ende der Saison gewannen wir das Triple.

Wenn ich jetzt, sieben Jahre später, auf unsere Mannschaft schaue, sehe ich einige junge Spieler, die ebenfalls diese Gier in sich tragen und schon jetzt perfekt das angesprochene „Mia san mia“ verkörpern. Joshua Kimmich zum Beispiel.

Kimmich wird Kapitän

Er ist ein Spielertyp, der ideal zum FC Bayern passt. Der schon in jungen Jahren all die Werte des Klubs verinnerlicht. Gefühlt hat er schon über 1000 Spiele für den Klub gemacht. Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass er viele, viele Jahre beim Verein spielen und die Mannschaft vielleicht eines Tages auch als Kapitän anführen wird. Er ist ein echter Führungstyp. Er scheut sich nicht, voran zu gehen und Verantwortung zu übernehmen.

Da besteht zwischen Joshua und mir sicherlich eine Ähnlichkeit. Allerdings hat er mir eines schon jetzt voraus: Sein Deutsch wird immer besser sein als meines. Da muss ich einfach ehrlich sein: Manchmal ist die Sprache nach wie vor ein kleines Hindernis. Gerade wenn es mal schnell gehen muss, fällt mir nicht immer sofort das passende Wort auf Deutsch ein, obwohl ich wirklich fleißig lerne.

Ich denke, das ist normal. Und dennoch ärgert mich das gelegentlich. In diesen Momenten rette ich mich dann mit diesem Gedanken: Dafür wird Joshua wohl nie so gut Spanisch sprechen wie ich.

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Anthony Modeste: „Das ist nicht das wahre Leben“

Ein toller Vertrag, viel Geld und im Rampenlicht: Der Traum vieler Menschen, doch Anthony Modeste weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht alles ist. Dass der Fußball nur eine nebensächliche Rolle spielt, weiß auch Ewald Lienen. Mit Modeste, Lienen, aber auch mit Charles Leclerc sprachen wir für die Ausgabe #37.

Anthony Modeste: Die Sache mit Axel Witsel

Ein Angebot, das so gut ist, dass man es gar nicht ablehnen kann. Ein Vertrag, der wahrscheinlich nie wieder einem vorgelegt wird. Dass Anthony Modeste einst schwach wurde, als aus China ein Angebot kam, ist fast verständlich. Aber dort merkte der 31 Jahre alte Stürmer, dass Geld und Karriere nicht alles ist. Und dass man sich einen Ort vermisst, der eigentlich keine Heimat ist. 

Nun ist Modeste dorthin zurückgekehrt: zum 1. FC Köln. Er hat ein eigenes Fan-Lied, er ist der Publikumsliebling und er ist in der Liga, die er liebt. In die Bundesliga hat sich Modeste sogar so sehr verguckt, dass er einst Axel Witsel ständig von ihr erzählte. „Ich habe in China Axel Witsel kennengelernt, der zu einem echten Freund geworden ist Wir haben oft über die Bundesliga gesprochen, fast zu oft, wenn es nach ihm ging. Ich hatte den Eindruck, dass seine Spielweise perfekt zur Bundesliga passt und habe ihm geraten, nach Deutschland zu gehen“, sagt Modeste im Interview mit dem Socrates Magazin.

Modeste spricht auch über seine wichtigste Entscheidung im Leben und hat einen ultimativen Tipp für angehende Profis. Und Modeste hat auch einen Meistertipp für die Bundesliga parat. Das gesamte Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe, das sie hier bestellen können. Alternativ können Sie auch ein Jahresabo abschließen oder das ePaper lesen.

Was hat die Ausgabe #37 noch zu bieten?

Exklusiv-Interview mit Charles Leclerc

Charles Leclerc ist mit gerade mal 22 Jahren der Shootingstar dieser Formel-1-Saison. Dabei hatte es der Monegasse alles andere als leicht. Doch auch schwerste Schicksalsschläge brachten ihn nicht von seinem Weg ab. Jetzt will Sebastian Vettels Ferrari-Kollege Weltmeister werden.

Exklusiv-Interview mit Derek Roy

Erdbeerfeld-Manager, NHL-Größe, Metallica-Liebhaber: Derek Roy ist der neue Spielmacher des EHC Red Bull München und hat schon viel erlebt – nicht nur auf dem Eis. Im Interview verrät er, wie er dem jungen Leon Draisaitl zur Seite stand und warum sich seine Reihenkollegen manchmal über ihn lustig machen.

Kellerwirtschaft

Vor seiner Wahl zum neuen DFB-Präsidenten stellte Fritz Keller den DFB auf die Probe. Der Freiburger prüfte seinen Einfluss, der beim SC zuletzt etwas geringer wurde. Geblieben ist seine Fußballverrücktheit, seine Leidenschaft für Wein und die ein oder andere kreative Flause. Socrates-Autorin Daniela Frahm über einen ganz besonderen Typen.

Ende der Lügen

Ryan Russell hielt das Doppelleben nicht länger aus. Sein Outing hat ihm vielleicht das Leben gerettet. Und hoffentlich ermutigt es andere Profisportler, sich selbst zu erkennen.

NBA: Eine Liga wie eine Slot Machine

Der Sommer 2019 markierte den Kulminationspunkt des Wandels der NBA. Der Transferwahnsinn drehte die Liga auf links und verspricht jede Menge Spektakel. Alles gut also? Die Antwort fällt eindeutig uneindeutig aus.

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Serge Gnabry: „Per? Wie ein anstregender Vater“

Nationalspieler Serge Gnabry profitiert fußballerisch und familiär von vielen Einflüssen. Ein klarer Plan brachte ihn von London über Bremen und Hoffenheim zum FC Bayern. Dort ist der 24 Jahre alte Offensivmann nun der Mann für alle Schnauzer. Bei Socrates spricht er aber nicht nur darüber.

Der Artikel erschien in Ausgabe #26

Serge Gnabry, googlen Sie Ihren Namen?

Klar, das habe ich zu Beginn meiner Karriere schon gemacht. Da wollte ich wissen, was im Internet über mich geschrieben steht. Aber ich bin jetzt nicht so ein Computerfreak, dass ich wüsste, wie viele Treffer es zu meinem Namen gibt.

Es sind über 1,2 Millionen.

Das ist viel.

In der Tat. Wie wichtig ist Ihnen Popularität?

Im Fußballbusiness stehst du in der Öffentlichkeit, ob du willst oder nicht. Das akzeptiere ich und begreife es als Teil meines Jobs. Privat versuche ich, alles etwas ruhiger zu gestalten. Das tut mir persönlich gut. Ich sitze nicht daheim und denke darüber nach, wie populär ich möglicherweise bin.

Denken Sie daheim über Frisuren nach? In der Bildersuche tauchen Sie mit auffällig vielen Looks auf.

Es gefällt mir auf jeden Fall, immer mal wieder etwas zu verändern. Ich bin bei meiner Optik gerne kreativ und offen für vieles. Bei mir wachsen die Haare relativ schnell nach, weswegen ich bei dem Thema auch sehr entspannt bin. Bevor ich zu diesem Interview gekommen bin, habe ich meinen Bart verändert, jetzt trage ich Schnauzer. Daran ist Joshua Kimmich übrigens nicht ganz unschuldig.

Erzählen Sie.

Sagen wir es mal so: Ich hatte Joshua stark bearbeitet, dass er sich einen Schnauzer schneidet. Dann klopfte es irgendwann im Mannschaftshotel an meiner Zimmertür. Joshua stand mit unschlüssigem Gesicht und einem Schnauzer vor mir. Ich musste lachen und sagte spontan: „Wenn du ihn stehen lässt, bin ich der nächste, der einen Schnauzer hat.“ Ich hoffe, dass noch einige von den anderen Jungs uns barttechnisch folgen werden. Sandro Wagner habe ich den Schnauzer bereits wärmstens empfohlen. Der braucht allerdings noch Bedenkzeit.

Zurück zu Ihren Haaren. Stehen Frisuren bei Ihnen für Lebensabschnitte?

Ich hatte wirklich schon viele. Mal die Haare hoch, dann ganz kurz wie jetzt. Einmal hatte ich auch einen blonden Streifen. Aber damals war ich 17 – also why not? Meistens kommen die Anstöße für Frisuren von Freunden. Ich ziehe es dann durch. Sie stehen eher für eine Laune als für Lebensabschnitte.

Inwiefern haben sich nicht nur Optik, sondern auch Träume verändert?

Ich trage tatsächlich immer noch die gleichen Träume in mir wie damals mit 16, als ich zum FC Arsenal ging. Das war sicherlich ein sehr gewagter Schritt zu dem Zeitpunkt. Aber schon damals wollte ich auf dem höchsten Level Fußball spielen und Titel gewinnen. Und das will ich noch immer.

In London arbeiteten Sie unter Arsène Wenger. Was von ihm ist Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Arsène Wenger ist ein sehr beobachtender Typ. Ich fand sehr bemerkenswert, dass er jedem Spieler viel Freiheit gegeben hat. Und dass er den Spielern auch viel Verantwortung übertragen hat. Dadurch ergab sich für jeden die Möglichkeit, auch als Person zu wachsen. Das hat meine Entwicklung ganz sicher positiv beeinflusst.

Insgesamt verbrachten Sie vier Jahre in England. Inwiefern hat Sie die Zeit im Ausland verändert?

Allein der Schritt ins Ausland war damals ein Riesending. Man lässt Familie und Freunde zu Hause, kommt in ein neues Land, trifft auf eine neue Kultur. Man lernt, sich zu adaptieren, mit einer anfangs ungewohnten Situation zurechtzukommen. Es war sicher nicht immer easy. Gerade die Zeit von 16 bis 20 oder 21 ist vielleicht die Zeit, in der du als heranwachsender Mann alles erleben willst. Dass ich das in London erleben durfte, hat mir auf viele Dinge einen anderen Blickwinkel gegeben.

Auch familiär profitieren Sie von unterschiedlichen Perspektiven. Ihr Vater stammt aus der Elfenbeinküste, Ihre Mutter aus Schwaben. Sind Sie froh, nicht eindimensional aufgewachsen zu sein, sondern Vielfalt zu verkörpern?

Ich sehe in dieser Vielfalt tatsächlich nur Vorteile. Je mehr du von der Welt mitbekommst, je mehr Erfahrungen du machst, desto mehr hast du die Möglichkeiten zu vergleichen, Dinge anders einzuordnen.

Sind Sie mehr Ivorer oder mehr Schwabe?

Der Schwabe spart.

Trifft das auf Ihre Mutter zu?

Ja. Das kriegst du aus ihr nicht raus.

Und, haben Sie die Sparsamkeit von ihr übernommen?

Teils, teils. Ich habe zum Glück von beiden Seiten etwas mitbekommen. Die Sparsamkeit und die typisch deutschen Tugenden von meiner Mutter. Und von meinem Vater das Lebhafte, den Spaß, den Genuss und die Freude an afrikanischer Musik. Ich weiß gar nicht, wie die beiden sich gefunden haben. (lacht)

Zeichnet Sie diese bunte Mischung auch als Fußballer aus?

Es fällt mir in der der Tat schwer, mich als Fußballer klar einem bestimmten Spielstil zuzuordnen. Nur Fußball zu arbeiten, das trifft auf mich nicht zu. Ich muss ihn auch leben können.

Welcher Gedanke treibt Sie konkret an?

Am wichtigsten ist mir, Freude an dem zu haben, was ich tue. Und die Zeit zu genießen, so lange ich gesund bin. Ich habe das Glück, dass der Fußball dafür sehr gute Rahmenbedingungen bietet, um viel Freude an seinem Beruf zu entwickeln.

Geht das im harten Fußballgeschäft überhaupt: immer Spaß zu haben?

Das geht schon. Klar, du musst mit Dingen wie Ergebnisdruck und Medienpräsenz zurechtkommen. Aber wenn du dir vor Augen führst, was dir da ermöglicht wird, musst du doch gute Laune haben: einfach Fußball spielen zu dürfen. Das war früher mein Hobby, meine Leidenschaft. Jetzt ist genau das mein Beruf. Dann muss das doch Spaß machen.

Bis Sie nach Ihren ersten beiden A-Länderspielen 2016 wieder von Jogi Löw für die Nationalmannschaft berufen worden sind, verging viel Zeit. Schoss Ihnen da im Vorfeld der WM mal die Frage durch den Kopf: Warum nominiert Jogi Löw mich nicht, der braucht mich doch?

Deutschland hat genug gute Spieler. Ich denke, ich habe auch vergangene Saison gute Leistungen gezeigt, war in einer guten Verfassung. Leider wurde ich dann durch die Verletzung gestoppt. Jetzt bin ich froh, wieder fit zu sein und auch für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen.

Hat Deutschland seit dem Gruppenaus bei der WM seinen Top-Team-Status verloren?

Das sehe ich nicht so. Es gab auch andere Weltmeister, die ebenfalls früh beim nächsten Turnier die Heimreise antreten mussten. Und trotz der sicherlich nicht perfekten Ergebnisse in der Nations League kann ich nicht erkennen, dass die Nationalmannschaft an sportlicher Wertigkeit verloren hat. Ich denke, andere Nationen haben nach wie vor großen Respekt vor uns, weil jeder weiß, wie gefährlich Deutschland ist. Und das werden in Zukunft ganz sicher auch die Ergebnisse wieder belegen.

Bis Sie beim FC Bayern durchstarten konnten, dauerte es aufgrund Ihrer im Sommer noch nicht vollständig auskurierten Verletzung ebenfalls. Ist Geduld eine Stärke oder Schwäche von Ihnen?

Eine Schwäche. Als Fußballer willst du spielen. Das kann jeder der Jungs unterschreiben. Da Geduld aufzubringen, ist innerlich am schwersten. Äußerlich geht das. Man ringt in so einer Phase mit sich selbst: Man weiß zwar, dass es nicht geht, jedes Spiel zu machen und sein Ego über das Team zu stellen. Aber man will trotzdem auf den Platz. Du versuchst dann einfach, jedes Training Gas zu geben. Es bringt ja nichts, eine beleidigte Miene zu schieben. Aber ganz ehrlich: Nicht zu spielen, das ist mit das Schlimmste für einen Fußballer.

Gab es im Zuge Ihres Bayern-Wechsels Zweifel, ob Sie eine echte Chance haben, solange Arjen Robben und Franck Ribéry noch spielen?

Ich war relativ jung, als Franck bereits bei Bayern wirbelte. Da saß ich teilweise vor dem Fernseher und staunte. Mir war jedoch immer klar, dass eine Mannschaft, die in drei Wettbewerben vertreten ist, mehr als nur zwei Außenspieler benötigt. Und jeder von uns Flügelspielern geht mit dem gleichen Ehrgeiz an die Sache ran und will spielen. Im sportlichen Sinne ist es meine Konkurrenz. Aber ich bin auch ihre. Da spielt Alter keine Rolle.

Der Socrates Newsletter

Arjen Robben lobt Sie als „Freund im Fitnessraum“.

Das ist ein schönes Kompliment. Aber Arjen verbringt dort immer noch etwas mehr Zeit als ich. Er hat ein sehr straffes Programm. Ich habe mein eigenes. Aber es gibt auch viele andere Jungs, die im Kraftraum gut dabei sind.

Welche?

Meine beiden Schnauzer- Freunde zum Beispiel: Joshua und Sandro. Gerade von Sandro haben einige Menschen möglicherweise ein falsches Bild. Er ist einer der ehrgeizigsten Spieler, die ich kenne. Einer, der auch im Gym immer alles gibt.

Kommt da bei Ihnen im Fitnessraum wieder die Mutter durch – auch außerhalb des Rasens sehr hart für den Erfolg arbeiten zu müssen?

Das ist sehr gut formuliert. In der Frage steckt viel Wahrheit drin. Ich möchte damit nicht sagen, dass mein Vater nicht auch hart arbeitet. Aber als kreativer Offensivspieler bist du von der Körpersprache zumeist ein bisschen lockerer als ein Verteidiger oder ein Defensiver wie Joshua. Diese Lockerheit empfinde ich im Spiel, da bin ich etwas mehr mein Vater. Im harten Trainingsalltag profitiere ich von den Eigenschaften meiner Mutter.

Sie haben vor geraumer Zeit James Harden von den Houston Rockets imitiert, indem Sie nach geschossenen Toren einen Koch mimten. Nach dem Motto: „Wer viele Punkte macht, ist der Chefkoch.“ Wo ist gerade Ihr Platz in der Bayern-Küche?

Regelmäßig auf dem Platz, hoffe ich.

Kochen Sie zu Hause?

Ich bin kein wirklich guter Koch. Ab und zu probiere ich mich an einem Gericht. Aber das ist ein Platz, an dem ich mich eher zurückhalte.

Der Schwabe geht essen?

Durchaus gerne. Aber wenn ich das zu oft mache, beschwert sich meine Mutter. Sie mahnt mich dann an, doch auch mal die Reste daheim zu essen.

Sie haben bereits unter vielen großen Trainern gearbeitet: Wenger, Nagelsmann, Löw, jetzt Kovač. Müssen Fußballer heute vielfältig sein, um zu „überleben“?

Ich kann es nur für mich beurteilen: Die vielfältige Ausbildung hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Die vielen Trainer haben einen ähnlichen Einfluss wie die vielen Stationen: Wenn du vieles erlebst, bist du für vieles offen. Du lernst, zu adaptieren. Jeder Trainer hat seine Philosophie, seine persönliche Art. Beispielsweise ist die Schule Nagelsmann sehr technisch, bei Arsenal war sehr viel auf Ballbesitz ausgerichtet, sehr viel auf One-Touch.

Inwiefern war der Weg von London über Bremen und Hoffenheim nach München eigentlich geplant?

Ich hatte bei meinem Weg zum Glück wirklich genug Möglichkeiten, die eine Entscheidung notwendig machten. Am Ende waren die genannten Vereine genau die Klubs, zu denen ich zum jeweiligen Zeitpunkt wollte. Anfangs war für mich wichtig, viel Spielzeit in der Bundesliga zu erhalten, mich in einem ruhigen Umfeld unaufgeregt weiterentwickeln zu können. Dafür war Bremen eine perfekte Station. In Hoffenheim ging es dann viel um das Fußballerische, um das Lernen. Es war eine Art Vorbereitung auf den größtmöglichen Schritt in Deutschland, dem Schritt zum FC Bayern. Und hier spiele ich nun auf internationalem Top-Niveau, auf dem ich mich jeden Tag beweisen muss.

Ihr Weg zum FC Bayern war also kein Zufall.

Das war der Plan. Und ich denke, mein Plan ist bis jetzt aufgegangen.

Bei Ihrer Vorstellung in München wurde zunächst allerdings mehr über Ihr rot-weiß gestreiftes Oberteil statt über Ihr Fußballkönnen diskutiert. Sind wir Deutschen manchmal zu eindimensional?

Den einen interessiert es, den anderen nicht. Dass das zu einem Thema in der Öffentlichkeit wurde, war meines Erachtens etwas übertrieben. Geärgert habe ich mich darüber aber nicht. Ich bin immer noch überzeugt von dem Polo. Ich finde, es sieht klasse aus.

Ist es Ihnen wichtig, was die Menschen über Sie denken?

Du willst als Mensch nie schlecht dastehen. Ich auch nicht. Abgesehen davon ist mir bewusst, dass Menschen verschiedene Meinungen zu Personen haben, die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn ich mir über jede einzelne Meinung Gedanken mache, kann das schnell schiefgehen. Generell bin ich aber jemand, der an Menschen sehr interessiert ist.

Das belegt Ihr Engagement für die Initiative „Common Goal“. Sie gehören zu den Sportlern, die ein Prozent Ihres Gehaltes für soziale Zwecke spenden. Warum?

Erstens: Ich bin so erzogen worden, dass man teilt. Zweitens: Der Fußball ermöglicht dir, viele Länder zu bereisen. Und wenn du auf diesen Reisen mal nach rechts und links blickst, wird dir bewusst, dass es anderen Menschen wesentlich schlechter geht. Und drittens: Durch die Herkunft meines Vaters habe ich natürlich einen engen Bezug zu Afrika. Dort zu sein, öffnet mir jedes Mal nicht nur die Augen, sondern macht mich auch betroffen. Weil ein Teil meiner Familie dort eben unter völlig anderen Bedingungen lebt. Und obwohl sie wenig haben, versprühen trotzdem alle gute Laune, sind extrem hilfsbereit. Da schaust du dich um und denkst: ‚Wow!‘

Wie oft bekommen Sie ein persönliches „Wow“ von Ihrem Freund Per Mertesacker zu hören?

Ein „Wow“ von Per? Von ihm gibt es immer nur Feuer, immer Kritik. Er möchte, dass ich das Bestmögliche aus mir heraushole. Er steht für mich exemplarisch für die deutschen Tugenden: Immer arbeiten, immer versuchen, alles zu geben. Zu sehen, wie er arbeitet und den Fußball lebt, hat mich ebenfalls ein Stück geprägt.

Per wäre also eine gute Mutter.

Ich würde eher sagen, ein anstrengender Vater.

Interview: Felix Seidel & Fatih Demireli

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Pick’n’Roll mit Yannick Gerhardt: Hip-Hop-Hörender Welterkunder

Sie kennen Yannick Gerhardt (25) als Fußballprofi des VfL Wolfsburg? Aber heißt das, dass Sie den Mittelfeldspieler, der 2016 sein erstes und bisher einziges Länderspiel für Deutschland machte, wirklich kennen? Bei Pick’n’Roll verrät er, wohin er mit seiner Schwester Anna, die seit dieser Saison für Turbine Potsdam in der Bundesliga aufläuft, lieber geht als auf den Platz und in welchem Moment ein Traum für ihn wahr wurde.

Köln oder Wolfsburg?

„Auch wenn ich mich in Wolfsburg sehr wohl fühle, bleibt Köln immer meine Heimat.“

Luiz Gustavo oder Bastian Schweinsteiger?

„Gustavos Spielweise hat mir immer imponiert, er war ein Vorbild für mich in der Jugend. Als ich bei Wolfsburg in der Kabine neben ihm saß, wurde ein Traum wahr.“

Darts oder Billard?

„Ich finde beides cool, aber sehe meine Stärken eher im Billard.“

Städtereise oder Badeurlaub?

„Ich muss beides kombinieren. Sowohl nach einer anstrengenden Saison am Pool oder Meer entspannen, aber auch die freie Zeit nutzen, um die Welt zu erkunden und neue Kulturen und Länder kennenzulernen.“

Mit der Schwester kicken oder mit der Schwester ins Kino?

„Wenn wir uns sehen, wollen wir beide vom Fußball abschalten. Dann gehen wir lieber ins Kino.“

Sushi oder Schnitzel?

„Veganes Sushi!“

Papst oder Peter Stöger?

„Den Papst persönlich zu treffen, war eine außergewöhnliche Erfahrung. Peter Stöger habe ich jedoch auch einiges zu verdanken.“

Rap oder Rock?

„Ich höre am liebsten Hip-Hop und Rap.“

LeBron James oder Tom Brady?

„Beides absolute Topathleten in ihrer Sportart. Da man aber von LeBron mehr über Trainingsarbeit, Regenerationsmethoden, Motivation, Leadership und Denkweisen erfährt, ist er der GOAT.“

Anzug oder Trikot?

„Ich bevorzuge Trikots schon sehr gegenüber Anzügen als Arbeitskleidung.“

Facebook oder Instagram?

„Ich benutze Instagram öfter, Facebook kaum mehr. Ich sehe die Entwicklung von Social Media eher kritisch. Es macht süchtig und ist für mich wie eine Scheinwelt, in der es eher auf oberflächliche Aspekte wie Aussehen und materielle Dinge ankommt.“