Beiträge

,

Kevin De Bruyne: „Acht Millionen sind Trinkgeld“

Kevin De Bruyne ist ein erstaunlich abgeklärter und beneidenswert ausgeglichener junger Mann. SOCRATES erzählt der Belgier von seiner allzu kurzen Jugend und seiner puristischen Sicht auf den Fußball.

Kevin De Bruyne, es heißt, Sie seien kein guter Verlierer. Stimmen Sie zu?

Es stimmt und war schon so, als ich noch ganz klein war. Mittlerweile läuft es besser, vor allem wenn wir zu Hause spielen, Monopoly zum Beispiel. Aber früher war Verlieren einfach ein Ding der Unmöglichkeit und ich war unerträglich.

Wie ist es auf dem Fußballplatz?

Ich bin kein schlechter Verlierer, sondern eher ein guter Gewinner. (lacht) Ich bin jetzt ein erwachsener Mann und Familienvater, das hat schon dafür gesorgt, dass ich ruhiger geworden bin.

Sie sprechen die Familie an. Wie war es für Sie, schon sehr früh das Elternhaus zu verlassen und nach Genk zu wechseln?

Das war nicht einfach. Ich war erst 13, 14 Jahre alt. Ich habe meine Eltern gebeten, ins Fußballinternat zu gehen und zu einer Pflegefamilie zu ziehen. Ich wollte meine Chance suchen. Und plötzlich war ich allein, ohne meine Eltern. Aber diese Zeit hat mich sicherlich geprägt. Ich bin zwar in einer neuen Familie gelandet, aber es war halt nicht meine. Als ich 18 wurde, habe ich allein gelebt. Ich musste also allein kochen, waschen, putzen und all diese Dinge erledigen. Das war eine gute Schule, dadurch bin ich schneller erwachsen geworden, weil ich gezwungen war, anders zu leben als ein normaler 18-Jähriger. Das gilt aber auch für andere Bereiche.

HOL' DIR DAS SOCRATES TESTABO FÜR NUR 10 EURO

Hatten Sie nie das Gefühl, etwas zu verpassen?

Ich sage immer: Wenn man es wirklich schaffen will im Leben, dann muss man selbstbewusst auftreten und alles geben. Wenn man aber ein paar Prozent nachlässt, wenn man etwa an seinen Zielen zweifelt, dann schafft man nichts. Ich wusste, dass es die richtige Entscheidung ist. Bis heute ist das so: Wenn ich eine Entscheidung treffe, bin ich überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Als ich zum VfL Wolfsburg ging und anschließend zu Manchester City, waren das Entscheidungen aus tiefster Überzeugung. Ich war davon überzeugt, dass es zum jeweiligen Zeitpunkt die für mich beste Option war. Ich bin immer von dem überzeugt, was ich tue.

Ihrem Spiel wohnt eine große Leichtigkeit inne. Woher kommt die?

Fußball ist Business, aber es ist und bleibt auch ein Spiel. Auf dem Rasen will ich Spaß haben, ich will mich einfach amüsieren, das ist meine Einstellung. So sehe ich den Fußball.

Klingt kinderleicht. Was ist mit der immensen Erwartungshaltung, die von außen an Sie herangetragen wird?

Auch wenn der Druck bei jedem Spiel groß ist, will ich in erster Linie Spaß haben. Wenn ich keinen Spaß empfinde, dann kann ich mein Potenzial mit Sicherheit nicht abrufen. Egal ob wir gewonnen oder verloren haben, bleibe ich der Gleiche und verhalte mich zu Hause wie immer. Ob es um ein großes oder ein weniger großes Spiel geht, unterscheide ich gar nicht. Es ist und bleibt ein Spiel. Es gibt einige Spieler, die nach einem wichtigen Sieg abheben und bei einer Pleite nervös werden. Ich sehe mich irgendwo dazwischen. Egal was passiert, ich habe die Gabe, alles zu relativieren.

Echt?

Das finde ich wirklich. Ich liebe Fußball und in meinen Augen ist das das Entscheidende. Wenn man seinem Job ohne Freude nachgeht, dann wird man die Erwartungen nicht erfüllen können.

Sie sprachen an, welch gute Entscheidungen die Wechsel nach Wolfsburg und dann nach Manchester waren. Kein gutes Pflaster war hingegen der FC Chelsea.

Auch wenn ich selten zum Einsatz kam, war es eine gute Schule. Tagtäglich mit hochkarätigen Spielern zu arbeiten, hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Vielleicht habe ich damals nicht so oft gespielt, weil ich nur acht und nicht 50 Millionen gekostet hatte. Für mich sind acht Millionen eine Menge Geld, aber im Weltfußball und besonders in England ja inzwischen nur noch ein Trinkgeld.

Wie haben Sie sich gefühlt in dieser Zeit? Allzu viel Spaß kann es Ihnen dort ja nicht gemacht haben.

Es gab Momente, in denen ich frustriert war, vor allem weil man so gut wie nie mit mir gesprochen hat. Ich wusste ehrlich nicht, warum ich nie zum Einsatz kam. Das war schon brutal. Auch wenn ich im Endeffekt sechs Monate nicht gespielt habe, war es eine lehrreiche Zeit. Vielleicht wäre ich ohne diese Etappe nicht so weit gekommen. Außerdem war mir die Erfahrung nützlich, als ich nach der Zeit in Wolfsburg nach England zurückkehrte und die Liga schon kannte.

KRUSE, CHABAL UND THIEM EXKLUSIV: HOL DIR DIE NEUE AUSGABE
KRUSE, CHABAL UND THIEM EXKLUSIV: HOL DIR DIE NEUE AUSGABE

Kam der Wechsel zu Chelsea damals zu früh?

Das kann man wohl so sehen. Ich war erst 19. Es war ein völlig anderes Leben, eine neue Kultur. Aber es ist im Nachhinein betrachtet nicht dramatisch. Es dauerte ja nur ein halbes Jahr. Sechs Monate nicht zu spielen, ist in einer Karriere alles andere als schlimm.

Im Sommer 2015 waren Sie nicht mehr für ein Trinkgeld zu haben. City überwies gut 75 Millionen Euro nach Wolfsburg. Was macht das mit einem Spieler?

Diese Zahlen gehen mich nichts an. Sie sind einfach nicht mein Problem. Man sagt, dass der Druck damit automatisch noch größer wird, aber darum kümmere ich mich nicht. Das kann ich ganz gut ausblenden. Bei Manchester City verläuft alles extrem gut. Ich bin mehr als glücklich. Der Rest ist nicht wichtig. Aber mir ist auch bewusst, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Es gibt in einer Profi-Karriere viele Höhen und Tiefen.

In der öffentlichen Wahrnehmung aber markierte der Transfer Ihren Aufstieg zu einem internationalen Superstar. Haben Sie das wahrgenommen?

Das mag ja sein, aber damit kann ich mich ja auch beschäftigen, wenn ich die Schuhe eines Tages an den Nagel gehängt habe. Momentan nehme ich es gar nicht wahr, weil ich mich allein auf die Spiele fokussiere und mich der Rest, ganz ehrlich, nicht wirklich interessiert.

Socrates auf Facebook

Träumen Sie konkret von bestimmten Zielen oder Titeln?

Eigentlich gar nicht. Ich möchte nur so viele Titel wie möglich gewinnen. Ich will nicht nur die Premier League holen, sondern auch den FA Cup und die Champions League. Und wenn es geht, würde ich am liebsten alles gleichzeitig gewinnen, um in die Geschichte einzugehen. Das wäre das Optimum. Aber um das zu schaffen, sollte man darüber so selten wie möglich nachdenken, sonst wird es wohl nicht klappen.

Hatten Sie als Jugendlicher ein Idol?

Michael Owen. Er war mein Lieblingsspieler. Er war schon immer meine Nummer eins. Bis auf den englischen Meistertitel hat er immerhin alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Sogar den Ballon d’Or hat er sich geangelt. Auch ich will alles gewinnen, und zwar mit Manchester City. Dort fühle ich mich pudelwohl.

Das Interview erschien in Ausgabe #35

Sie vermitteln stets den Eindruck, nie an sich zu zweifeln. Stimmt das?

Das stimmt. Im Endeffekt sollte man nie vergessen, auch wenn es mein Beruf ist, dass der Fußball ein Spiel ist und ein Spiel bleibt. Die Leute können erzählen, was sie wollen: Ich bin mit mir im Reinen und das ist in meinen Augen das Wichtigste, um mich bestens zu entwickeln. Wenn man 60 oder 70 Spiele pro Jahr bestreitet, dann kann man nicht immer gut sein. Das ist einfach unmöglich. Wir sind keine Maschinen.

Sie haben schon mit 23 eine Autobiographie geschrieben. Wie kam es denn dazu?

Ich wollte einfach ein paar Sachen klarstellen und ich hatte es satt, dass man immer wieder für mich sprach. Ich wollte erzählen, was in meinem Leben genau passiert ist, als ich 12, 13 Jahre alt war. Ich wusste von klein auf genau, was ich erreichen wollte. Wenn man als kleiner Junge seiner Familie erklärt, dass man von zu Hause wegmöchte, um bei einem großen Klub Fuß zu fassen, dann fällt die Reaktion unter Umständen nicht so aus, wie man sich das erhofft hat. Es hagelte damals Kritik. Das war hart. Ich wollte erklären, warum ich mich so verhalten habe und wer ich wirklich bin.

Interview: Alexis Menuge

,

Jonathan Wilson: „Die Premier League ist keine englische Liga“

Jonathan Wilson macht sich Sorgen um die Zukunft des europäischen Fußballs und um die Premier League. Der englische Journalist und Schriftsteller diskutiert in SOCRATES den Wandel des Spiels, bricht aber eine Lanze für Jürgen Klopp. Und er kritisiert die Bundesliga.

Herr Wilson, Liverpool und Tottenham haben das Champions-League-Finale 2019 ausgetragen. Sie sagten schon vor geraumer Zeit, dass diese beiden Mannschaften herausstechen im europäischen Fußball. Was macht sie denn so besonders? 

Es gab seit Januar 2017 sechs Teams, die in der Champions League ein Hinspiel mit drei Toren Differenz verloren haben und trotzdem weitergekommen sind. Davor mussten wir 31 Jahre warten, um auf diese Anzahl zu kommen. Die Mannschaften sind nicht mehr so gut wie früher darin, einen Vorsprung zu behaupten. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die da wären?

Zunächst mal: Die Leute haben angefangen zu glauben, dass es möglich sei. Das verändert schon mal die Einstellung. In Liverpool glauben die Menschen an so etwas und sie haben es ja auch schon gegen Dortmund in der Europa League erlebt. Als die Reds das erste Tor schossen, wurde Anfield lauter und lauter. Auf der anderen Seite hat Barcelona gegen PSG ebenfalls die Erfahrung gemacht, was passieren kann. Da hat sich die mentale Ausgangslage für beide Mannschaften komplett verschoben. Und das gilt ja nicht nur für die Spieler. Jeder weiß, dass diese Dinge im Unterschied zu den 1980ern etwa durchaus vorkommen.

„Es ist heute viel schwieriger, das Spiel zu zerstören“

Seit den 80ern hat sich vieles grundlegend verändert.

Es ist heute viel schwieriger, das Spiel zu zerstören. Das liegt an den neuen Regeln. Es wird nicht mehr so hart gespielt wie früher, dann sind da die Rückpassregel und die entschärfte Abseitsregel. Man kann heute generell mehr Tore schießen. Dazu kommt: Teams, die ihre heimische Liga dominieren, sind einen echten Fight gar nicht mehr gewohnt. Wenn es dann hart auf hart kommt, tun sie sich schwer. Die Barcelona-Spieler haben in der ganzen Saison nur vier Spiele, in denen sie richtig verteidigen müssen: gegen Real Madrid und Atlético. In den anderen 34 Spielen sind sie ausschließlich im Angriff. Nehmen wir Jordi Alba.

Jonathan Wilson

Jonathan Wilson

Der Linksverteidiger des FC Barcelona.

Er ist in der Offensive wirklich gut, aber ich finde nicht, dass er ein guter Verteidiger ist. Haben Sie gesehen, wie er reagierte, wenn Trent Alexander-Arnold ihn anlief? Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte, weil er darin keine Übung hat. Die ganze spanische Liga hat darin keine Übung und die großen Teams sind weich geworden. 2017 hat Paris, 2018 Rom und 2019 Liverpool Barça richtig bloßgestellt. Es fehlt an Tempo und einer Balance im Team. Der Qualitätsunterschied zwischen den Angreifern und der Viererkette ist enorm, aber das wird im Liga-Alltag nicht aufgedeckt. Die Stürmer machen es sich da ganz schön gemütlich. Vielleicht ist Leo Messi der beste Spieler aller Zeiten. Wenn er den Ball hat, kann er Millionen Dinge tun, aber er geht nie ins Tackling, Messi, Luis Suárez und Philippe Coutinho haben in Anfield kein einziges Tackling versucht. Nicht eins! Liverpool hat schon in Barcelona gut gespielt, war aber ein wenig zu vorsichtig. In Anfield schob Jürgen Klopp seine beiden Außenverteidiger weit nach vorn und hat Virgil van Dijk und Joel Matip gegen drei Stürmer verteidigen lassen. Sie haben das Risiko in Kauf genommen und waren dafür immer acht gegen sieben in der Offensive.

Vor 2019 kamen sieben der letzten zehn Champions-League-Finalisten aus Spanien. Neun der letzten zehn europäischen Finals wurden von Real, Barça, Sevilla und Atlético gewonnen. In der letzten Saison dominierten jedoch die Premier-League-Klubs. Kommt jetzt nach der spanischen die englische Ära?

Was die Nationalmannschaften angeht, ist Spaniens Epoche schon vorüber. Im Moment haben die Teams aus der Premier League gegenüber allen anderen Ligen einen Vorteil. Sie sind ohnehin viel reicher, aber nutzen das Geld inzwischen viel besser. Angeblich wurde das Geld in der Premier League bislang relativ gerecht verteilt, doch das wird sich bald ändern. Die Verteilung der globalen TV-Erlöse wird schon ab der kommenden Saison zugunsten der Top-6-Klubs verändert – und das ist ein Problem.

Warum?

Zwischen 2003 und 2006, als die detaillierte Datenerfassung begann, zählten die Statistiker von Opta drei Premier-League Spiele, in denen ein Team mindestens 70 Prozent Ballbesitz hatte. Vor zwei Jahren waren es 36 Spiele, in der Saison danach 63 und der letzten 67. Das ist eine radikale Veränderung. In 15 Jahren hat sich die Anzahl dieser Spiele um den Faktor 60 erhöht. Jedes sechste Premier-League-Spiel ist extrem einseitig, sprich: Ein Team hat 70 oder mehr Prozent Ballbesitz. Das ist fürchterlich. In immer mehr Spielen schießt ein Team zwei Tore in den ersten 20 Minuten und ruht sich dann darauf aus.

„Top 6 der Premier League? Das ist A und B“

Sehen Sie ein Team, das in die Top 6 in England einbrechen kann?

Wir sollten die großen Teams getrennt voneinander betrachten. Gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten sind die Manchester-Klubs die stärksten. Wir können die ersten Sechs in zwei Gruppen, A und B, unterteilen. Manchester United gehört schon zur B-Gruppe, genauso wie Arsenal und Chelsea. Und wenn sie so weitermachen, könnten die Wolves, Leicester und Everton bald ebenfalls dazugehören.

Tatsächlich?

Ja, aber diese drei werden niemals zur A-Gruppe gehören. Das ist unmöglich, denn A ist Manchester City. Liverpool gehört da im Augenblick auch hinein, weil man Geld hat und dieses extrem effizient investiert und obendrein einen charismatischen Leader hat. Bei Tottenham bin ich mir nicht sicher. Die Spurs haben 15 Punkte weniger als in der vergangenen Saison geholt und hatten in der Champions League jede Menge Glück. Sie überstanden die Gruppenphase und zwei K.o.-Runden nur mit jeder Menge Drama. Ich habe keine Ahnung, wie es um ihre Finanzen steht. Sie sind ein Sonderfall, weil sie so gut liefern, obwohl sie kein Geld investieren. Deshalb spricht Mauricio Pochettino ja auch über Abschied, weil kein Mensch weiß, wann sie denn mal Geld in die Hand nehmen. Und das stinkt ihm gewaltig.

Die anderen?

Liverpool ist für mich A minus, United ist eigentlich ein A-Klub, liefert aber wie B minus. Chelsea ist allein wegen Roman Abramowitsch ein Sonderfall, ist aber B plus. Die Einseitigkeit vieler Premier-League-Spiele heißt auch, dass die Partien weniger physisch sind. Und das hilft den englischen Teams in den europäischen Wettbewerben. Die Premier League ist immer noch die athletisch anspruchsvollste Liga, doch ist der Vorsprung drastisch zurückgegangen. 2007/08 hatte der FC Reading die wenigsten Tackles der ganzen Liga. Das waren aber immer noch 44 mehr, als Huddersfield in der zurückliegenden Spielzeit hatte. Die Zahl ist dramatisch zurückgegangen und dennoch wird in England immer noch viel körperlicher gespielt als in der Bundesliga.

Der Socrates-Newsletter: Immer up to date

„Die Premier League ist eine internationale Liga“

Was ist der größte Unterschied zwischen den Premier-League-Teams und dem Rest von Europa?

Nehmen wir Real Madrid. Sie hatten richtig viel Glück. Zu Hause sind sie so schlecht wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg. Die vier Champions-League-Siege in fünf Jahren führen auf eine völlig falsche Fährte. Jede große Liga – außer eben der Premier League – will die Super League, weil die Langeweile doch offensichtlich ist. Ich finde es auch langweilig. Ich kann mir zum Beispiel keine Serie A anschauen. Ich gucke etwas La Liga und ganz wenig Bundesliga. Im Prinzip habe ich aufgegeben. Die Klubs sind so beschäftigt damit, globale Gelder zu generieren. Die jungen Zuschauer wollen keinen 90-minütigen Fight mehr sehen, sie schauen lieber Neymar dabei zu, wie er seine Tricks macht und zehn Tore in einem Zwei Minuten- Highlightclip fallen.

Sie sagten über die Premier League einst: „Sie liefert erstklassiges Fußball-Drama auf einem herausragenden Niveau und verteilt ihren Reichtum immer noch gleichmäßig unter ihren Mitgliedern. Sie ist gierig, aber nicht zu gierig, und fährt damit überall auf der Welt ihren Ertrag ein.“

Es gibt mehrere Aspekte. Die Premier League ist ja keine englische Liga, sondern eine internationale Liga, die in England ansässig ist. Das wird noch spannend mit dem Brexit. Die Qualität des Fußballs ist das Ergebnis einer Kombination unzähliger Nationalitäten und ihrer Ideen. Liverpool und Tottenham erscheinen wie englische Klubs, aber das ist Unfug, auch wenn es den Anschein macht und das Image gepflegt wird. Als Klopp gefragt wurde, woher seine Gegenpressing-Philosophie kommt, dachte man, er würde auf Ralf Rangnick (was der Wahrheit entspricht), Helmut Groß, Arrigo Sacchi oder Walerij Lobanowskyj verweisen. Doch er antwortete, sein Gegenpressing stamme aus dem englischen Fußball der 1970er von Liverpool, Aston Villa oder Nottingham Forest. Auf dem Cover des bekannten Raphael-Honigstein- Buchs über den englischen Fußball steht: harder, better, faster, stronger. So war der Fußball in England in den 70ern und 80ern. Technisch war der Fußball nicht so gut wie heute, taktisch aber schon. Das ist die Inspirationsquelle für Klopp und das bekommen wir jetzt zu sehen.

Und Tottenham?

Pochettino sprach über den „wahren Fußball“ in El País und bezog sich auf das Halbfinale im Landesmeistercup von 1975 zwischen Leeds United und Barcelona. Und da ging es außerordentlich physisch zur Sache. Barcelona war richtig gut damals mit Johan Cruyff und Johan Neeskens. Dieses Leeds-Team hat es Pochettino also angetan. Pochettino ist sichtlich geprägt von Marcelo Bielsa und steht in der Tradition von Estudiantes und Carlos Bilardo. Für ihn gehört die Körperlichkeit zum Fußball dazu. Pochettino und Klopp haben diese Facette in den englischen Fußball zurückgebracht. Der physische Aspekt war in den 90ern komplett weggebrochen. Im Zuge der Sperre nach dem Heysel-Unglück entwickelte sich der kontinentale Fußball weiter; der englische jedoch blieb stehen. Das 4:0 von Barcelona gegen Manchester United in der Champions League 1994 war eine gewaltige Demütigung. Die Meinung war, der englische Fußball müsse sich neu erfinden, vergessen, was gewesen ist, vergessen, woran wir immer geglaubt hatten. Weg mit langen Bällen, weg mit dem körperbetonten Spiel. Und gleichzeitig änderte sich der Blick der Klubbosse auf die Stadien und die Fans. Und das Resultat von allem war die Premier League.

Was hat sich verändert?

Im taktischen Bereich kopierten wir verschiedene andere Kulturen. Mitte der 90er wurde der englische Fußball nach dem Ajax-Vorbild holländisch. Dann kam die U21-EM 1994 und England fegte die Niederländer vom Platz. Und alle sagten: „Verdammt, zu holländisch ist auch nicht gut.“ Dann kam Frankreich, als die Équipe Weltmeister wurde. „Das ist die Zukunft!“, hieß es, weil die Franzosen gut waren. Also spielten wir wie sie; aber heute wissen wir, was mit den Franzosen ab 2002 passierte. Dann kamen die Spanier, also spielten wir wie sie, aber wir waren nicht gut im Tiki-Taka. Also versuchten wir, die Deutschen zu kopieren. Und am Ende fingen wir an, unser eigenes Programm und die Academys zu entwickeln. So hielten auch wieder englische Physis und Athletik Einzug.

Was ist mit englischen Trainern? Alle Erfolgsgeschichten werden von nichtenglischen Coaches geschrieben.

In der goldenen Ära der 60er, 70er und 80er gab es große englische Trainer. Damals war der Trainer der Messias und „follow the manager“ war das Motto. Für die Infrastruktur und das Drumherum interessierte sich keiner. Erst in der jüngeren Zeit haben wir die eher technokratischen Trainer und die moderne Wissenschaft im Fußball zugelassen. Englische Trainer haben sich in den Top-Teams versucht, scheiterten aber und so entstand Skepsis. Es hieß, sie sollten erst mal im Ausland arbeiten, um sich zu bewähren. Die Sprache ist aber oft ein großes Hindernis für sie. Und schließlich gibt es in England viel mehr Geld zu verdienen als in anderen Ligen.

Kommen wir zurück zu Liverpool und Tottenham, den beiden Champions-League-Finalisten. Vergleichen Sie doch bitte die Ansätze von Klopp und Pochettino und die Philosophien der Klubs.

Klopp und Pochettino gehören zur gleichen Schule, auch wenn sie aus völlig verschiedenen Richtungen stammen. Sie haben typisch englische Elemente in ihrer Philosophie wie etwa das Pressing, hohe Intensität und Leidenschaft und eine Vorliebe für das Chaos im Unterschied zur Ordnung. Tottenham ist viel besser heute als noch vor drei Jahren. Die Spurs haben sich unter Pochettino zu einem Top-4-Team entwickelt. Das ist eine großartige Leistung. Und sie haben es geschafft, ohne Unsummen zu investieren. Anders als Tottenham hat Liverpool große Erwartungen zu erfüllen, die aus der Historie des Klubs erwachsen. Liverpool ist wieder eine große Macht. Es ist nicht leicht, ihnen Spieler abspenstig zu machen und es will ja auch gar keiner weg dort. In Liverpool zu spielen, ist aktuell ein Vergnügen. Und man hat Chancen, etwas zu gewinnen. Wenn du in Liverpool etwas gewinnst, wirst du zum Helden und die Kinder der Stadt werden nach dir benannt. Du kommst in 30 Jahren zurück in die Stadt und die Leute werden dich in Restaurants, Bars, zu sich nach Hause schleppen und dich zum Essen und Champagner einladen. Selbst heutzutage ist Geld nicht alles.

Auch Arsenal und Chelsea haben ein Finale erreicht. Was ist mit den beiden?

Maurizio Sarri war so unbeliebt bei Chelsea, weil sein Fußball bislang eine Enttäuschung war. Das schnelle Offensivspiel von Napoli war atemberaubend, doch bei Chelsea funktionierte das nicht. Wenn man Sarri holt und seinen Fußball implementieren möchte, dann muss man ihm auch die passenden Spieler zur Verfügung stellen. Und so ein Prozess braucht dann vielleicht drei Jahre. Man muss es schon schlauer anstellen, als nur Jorginho und Gonzalo Higuaín zu holen. Natürlich hat die Transfersperre die Sache nicht einfach gemacht.

Kommen wir zu Arsenal…

Unai Emery ist okay. Die Gunners haben zwei richtig gute Stürmer und etliche vielversprechende Talente, aber ein Özil-Problem und richtig ernste Schwierigkeiten in der Abwehr. Es ist nicht so einfach, Haltung zu bewahren, wenn du keine guten Spieler hast. Emery ist gar nicht weit weg von Pochettino. Er verfolgt den Pressing-Ansatz, kann aber auch tief stehen und über Konter spielen, was ja auch Sinn ergibt, wenn du Pierre-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette hast. Ich verstehe aber nicht, warum Emery so ein Genie in der Europa League ist, aber nicht in anderen Wettbewerben. Er will eigentlich nicht mit zwei Stürmern spielen, aber die beiden besten Spieler seines Kaders sind Stürmer. Ich glaube auch, dass es wirklich nicht leicht ist, in Arsène Wengers Fußstapfen zu treten.

Sie haben schon über die Konkurrenzsituation in den europäischen Ligen gesprochen. Wie finden Sie die Bundesliga?

Wenn Bayern München früher eine schlechte Saison hatte, dann war das die Chance für die anderen, die Meisterschaft zu gewinnen. In der vergangenen Saison spielte Bayern so schlecht wie Lange nicht mehr und holte immer noch den Titel. Bayern war ein Witz in dieser Saison, Liverpool hat sie im Achtelfinale zerstört. Sie holen jedes Jahr die besten Spieler der Konkurrenz – das ist ihr Modell. Vielleicht ist Leipzig eine Hoffnung für die deutsche Liga, auch wenn die meisten Fans die Verbindung eines multinationalen Konzerns mit einem Fußballklub hassen.

Wie sehen Sie die deutsche Nationalmannschaft?

Ich glaube nicht, dass die Situation an Joachim Löw liegt. Deutschland hatte eine unglaublich gute Generation von Spielern – und die haben sie im Moment nicht mehr.

Fußball-Guru Monchi sagt: „Big Data ist die Zukunft des Fußballs.“ Kostet die Wissenschaft den Fußball irgendwann seine Emotionen?

Ich denke nicht, dass die Zweikämpfe ganz aus dem Fußball verschwinden werden. Es ist gut, dass diese Attacken, die das Spiel zerstören, nahezu ausgemerzt wurden. Die Auswirkungen von Big Data sind aber unübersehbar. Wir erleben, dass Teams mehr lange Bälle spielen und versuchen, mismatches zu provozieren. Auch der Videobeweis beeinflusst den Fußball. Wir merken gerade, dass es sinnvoll ist, den Ball noch mehr in den Strafraum zu bringen. Ich glaube aber, dass wir wieder auf dem Weg in eine körperbetontere, physischere Ära sind.

Interview: Tan Morgül

,

N’Golo Kante: „Ich hatte beim Rugby keine Angst“

Er wollte Forscher werden, jobbte als Buchhalter, heute ist N’Golo Kante einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Dabei hatte es der Superstar des FC Chelsea nie einfach. Ein ehrliches Interview mit einer ehrlichen Haut.

Herr Kanté, Sie gelten als einer der weltweit besten und laufstärksten „Box-to-Box-Spieler“. Aber hatten Sie auch Vorbilder und Spieler, von denen Sie sich etwas abgeschaut haben?

Ja, ich habe mich stets von anderen Spielern inspirieren lassen. Heute bei Chelsea gibt es viele Spieler, von denen man sich einiges abschauen kann. Cesc Fàbregas ist ein gutes Beispiel. Mich fasziniert, wie er ein Spiel lesen kann, aber auch seine hohe Spielintelligenz und wie er es immer wieder schafft, den tödlichen Pass zu spielen, auch wenn er vom Gegner unter Druck gesetzt wird. Auch bei Nemanja Matić, der mittlerweile bei Manchester United kickt, habe ich Einsatzwillen und Robustheit in den Zweikämpfen bewundert.

Als Kind?

Damals habe ich mir viele Videos von Ronaldinho, dem brasilianischen Ronaldo und Diego Maradona angeschaut. Keine Spieler also, die auf meiner Position gespielt haben (lacht). Ich habe aber auch ein paar Videos von Jean Tigana gesehen sowie von Claude Makélélé, der mir immer das Gefühl gab, dass er sich in einem Spiel nie ausruht. Man kann sich übrigens auch von anderen Sportarten etwas abgucken: Im Tennis ist Roger Federer ein Phänomen. Er hat eine unglaubliche Leichtigkeit in seinem Spiel und egal wie wichtig das Spiel ist, er bleibt immer cool.

Sind Sie wegen den Videos, die Sie gesehen haben, Fußballer geworden?

Ursprünglich wollte ich nicht unbedingt Fußballer werden, sondern eher Forscher. Mich hat besonders Erdkunde interessiert. Ich wollte entdecken, wie man in Asien lebt, in Afrika und in Südamerika, vor allem wie die Leute miteinander umgehen, wie die Mentalität dort ist. Doch in der Schule war ich nicht besonders motiviert, weil ich ständig an Fußball dachte. Es war wie eine Sucht. Eine Zeit lang habe ich auch als Buchhalter gejobbt, bis mir klar war, dass ich es eher im Fußball versuchen sollte.

Gab es andere Sportarten? Sie waren und sind ja sehr athletisch…

In der Schule habe ich auch viel Basketball und Rugby gespielt. Ich habe sogar in beiden Sportarten an diversen Turnieren teilgenommen. Beim Rugby hatte ich gar keine Angst, in die Tacklings zu gehen. Ich bin auch viel gelaufen und wenn es zur Sache ging, dann habe ich mich nicht versteckt, was dazu geführt hat, dass der Rugby-Klub mich unter Vertrag nehmen wollte. Aber ich spielte schon lang genug Fußball mit meinen Freunden und Fußball war einfach meine Lieblingssportart. Ihn aufzugeben war kein Thema. Dann habe ich in der Jugend von Suresnes (Vorort von Paris, Anm. d. Red.) – meinem Heimatort – gespielt, bevor ich in die Reserve von Boulogne wechselte.

Die spielte immer noch ziemlich unterklassig.

Ja, das war im Jahr 2010 und das war die schwerste Zeit überhaupt. Ich musste mich behaupten. Das Spiel ging schnell von einem Tor zum anderen, man musste viel antizipieren, vieles spielte sich im Zentrum ab und es ging darum, mit maximal zwei Ballkontakten zu spielen. Für mich war es ein anderer Fußball, als der, den ich bisher kannte. Damals war ich im Internat: morgens in der Schule und am Nachmittag gab es Fußball. Dort habe ich mich auch mit einer neuen Arbeitsmethode zurechtfinden müssen, die ich bis dahin nicht kannte.

Wie groß war die Umstellung?

Als ich dann das erste Mal den Boulogne-Trainer über Taktik reden hörte, dachte ich mir: Das wird ja nicht so einfach. Für mich war das ein anderer Fußball. Als ich dort ankam, war ich verletzt und als ich verfolgte, was meine Mitspieler durchmachen mussten, dachte ich, das würde ich wohl nicht so leicht hinkriegen und ich würde sicherlich Zeit brauchen. Das war die größte Hürde auf dem Weg zur europäischen Spitze. Ich habe aus dieser schweren Erfahrung unheimlich viel gelernt. Dort konnte ich mich insofern bestens entwickeln. Von dieser Zeit profitiere ich bis heute noch.

Sie mussten einige Enttäuschungen verkraften bis dahin.

Noch als ich in Suresnes war, habe ich mit älteren Spielern zu tun gehabt, weil man mich für zu gut für die Spieler meines Alters gehalten hatte. Es gab viele Scouts, die unsere Spiele angeschaut haben. Dann gab es Kontakte, um in den Jugendzentren von Sochaux, Rennes, Lorient, Amiens und Clairefontaine getestet zu werden. Aber ich bin bei jedem Verein gescheitert und ich bekam von keinem Klub einen Vertrag. Es war zwar eine bittere Erfahrung, aber mir wurde auch bewusst, dass ich noch mehr arbeiten muss und dass es auch viele Spieler meines Alters gibt, die einfach besser sind. Dann hat mich Boulogne-sur-Mer unter Vertrag genommen.

In der dritten Liga wurden Sie rasch Stammspieler.

Im Grunde genommen kann man von einer unglaublichen Geschichte sprechen. Ich habe so viele Hindernisse überwältigen müssen, dass ich mittlerweile an einem Punkt angelangt bin, wo ich jeden Augenblick genieße. Man darf nie vergessen, wo man herkommt. Das ist die Basis. Auf meinem Weg zum Profi habe ich auch mit Sicherheit viel Glück gehabt, dadurch, dass ich wichtige und vertrauensvolle Leute kennengelernt habe, die mir sehr hilfreich waren und ich zum richtigen Moment entdeckt wurde. Ich habe aber auch viel arbeiten und mich aufopfern müssen, sprich früh von der Familie getrennt zu sein, was alles andere als einfach war.

Das Interview erschien in Ausgabe #17: Hier klicken zum Nachbestellen

Ist das eine Charakterfrage?

Mich konnte so gut wie nichts umwerfen und es kommt sicher auf den Charakter an, der bei mir sehr stark ist. Ich komme ja aus Suresnes und als ich dort gespielt habe, wollte ich ganz weit kommen. Ich wusste, dass das nötige Potenzial vorhanden war. Aber so weit zu kommen, also bei Chelsea Stammspieler zu sein sowie in der französischen Nationalmannschaft eine tragende Rolle zu spielen, hätte ich mir niemals erträumen lassen.

Geschweige denn eine Meisterschaft mit Leicester City.

Oh, ja. Ich denke gerne an meine Zeit bei den Foxes zurück. Das war ein großartiges Abenteuer, gekrönt mit der sensationellen Meisterschaft, die keiner erwartet hatte. Ursprünglich wollten wir einfach so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern. Allein diese Meister-Saison bei Leicester wird für immer ein besonderer Teil meiner Laufbahn bleiben. In den ersten Tagen hatte ich dort gewisse Schwierigkeiten, weil es meine erste Auslandserfahrung war und weil ich damals noch kaum Englisch sprechen konnte. Es war komplettes Neuland.

Wer hat Ihnen dort geholfen?

Da war mir Claudio Ranieri, der ja Französisch aus seiner Trainer-Zeit bei der AS Monaco beherrschte, eine große Hilfe. Er hat an mich geglaubt und er stand mir immer zur Seite. Auch auf dem Rasen war es eine riesen Umstellung: In der Premier League wird schnell gespielt, es geht in jedem Zweikampf rustikal zu und jedes Wochenende trifft man auf absolute Weltstars. Wir waren der krasse Außenseiter, und am Ende haben wir es geschafft, Meister zu werden. Das war mein allererster Titel bei den Profis. Es war so was von unerwartet. Auf der menschlichen und professionellen Ebene habe ich in Leicester viele interessante Leute kennengelernt. Von Caen nach Leicester zu wechseln, war im Nachhinein ein Glücksgriff, weil ich auch mit dieser Entscheidung ein großes Risiko einging und es hätte auch locker in die andere Richtung gehen können.

Die aktuelle Ausgabe ist im Handel: Hier bestellen

Dass das nicht der Fall gewesen ist, hängt mit Ihrer aggressiven Spielweise zusammen, die auf der Insel sehr gut ankommt.

Meine Hauptaufgabe vor der Abwehr besteht nun mal darin, Bälle zurückzuerobern, Zweikämpfe zu gewinnen und für die Balance zwischen der Defensive und der Offensive in meiner Mannschaft zu sorgen. Ich liebe es, permanent zu laufen. Meine große Stärke liegt ja im Laufbereich. In jedem Spiel absolviere ich ein großes Laufpensum. Dafür muss mein Fitness-Zustand absolut top sein. Ich habe ein Motto.

Verraten Sie es uns?

Das ist einfach: Im Spiel immer alles geben, egal, wer der Gegner ist und völlig egal, ob es sich um die Champions League oder um ein Freundschaftsspiel handelt, weil ich das Glück habe, Fußball-Profi zu sein. Das ist zweifelsohne ein Privileg und das sollte man nie aus den Augen verlieren. Mehr Tore und Assists dürften es aber demnächst mal sein. Da kann ich noch deutlich ein paar Schippen drauflegen und gefährlicher im gegnerischen Strafraum werden. In den letzten dreißig Metern muss ich mich noch mehr einbringen, wenn es das Spiel erlaubt, auch wenn es nicht meine oberste Priorität ist. Ich hoffe, dass ich meine Statistiken in naher Zukunft ein bisschen verbessern kann.

Inwieweit helfen Ihnen Ihre Trainer dabei?

Mit Didier Deschamps als Nationaltrainer und Antonio Conte als Vereinstrainer habe ich zwei Coaches, die in Ihrer Spielerkarriere auf genau meiner Position gespielt haben. Ich profitierte von beiden unheimlich viel. Es handelt sich um zwei absolute Spitzen-Trainer. Sie haben unglaublich viel Erfahrung sammeln können, erst in ihrer Spieler-Karriere und anschließend als Trainer. Beide standen zum Beispiel bei Juventus Turin sowohl als Spieler als auch als Trainer unter Vertrag. Wenn sie vor der Mannschaft oder unter vier Augen sprechen, dann muss man alles aufsaugen. Mit solchen Hochkarätern als Trainer entwickelt man sich als Spieler automatisch weiter. Auch mit Claudio Ranieri bei Leicester habe ich viel Erfahrung sammeln können. Er wusste mit den Spielern umzugehen. Er war gleichzeitig eine Art Papa, Trainer und Kumpel. Er war der Garant unseres Erfolgs, weil er mit uns perfekt umzugehen wusste. Seine Bürotür war für uns jederzeit offen.

Zum Abschluss: Was bedeuten Ihnen persönliche Auszeichnungen? Sie wurden Premier-League-Spieler des Jahres 2017…

Individuell betrachtet, habe ich in meiner Karriere keine besonderen Ziele, weil für mich eher die Titel mit der Mannschaft zählen, auch wenn mich die Auszeichnung zum besten Spieler der Premier League geehrt hat. Die ganze Zeremonie bleibt auch eine besondere Erinnerung. Das war echt berührend.

Interview: Alexis Menuge