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Javi Martinez Kolumne #4: Gierig wie Sammer

Javi Martinez vom FC Bayern München schreibt in seiner SOCRATES-Kolumne, was ihn mit Matthias Sammer verbindet. Er legt sich fest, dass Joshua Kimmich eines Tages den Rekordmeister als Kapitän anführt, allerdings nie so gut Spanisch sprechen wird wie er.

Von Javi Martinez

„Mia san mia“ ist ein Leitspruch, den ich wohl keinem Fußballfan in Deutschland erläutern muss. Für mich war er allerdings neu, als ich 2012 nach München kam. Was dahinter steckt, erklärte mir damals Matthias Sammer. Ich habe dieses besondere, bayerische Selbstverständnis sofort verinnerlicht und trage es mittlerweile wie selbstverständlich in mir.

Wenn du es als Mannschaft richtig lebst, kann „Mia san mia“ eine Waffe sein. Auch das hat mir Matthias Sammer vor Augen geführt. Auch wenn er mittlerweile nicht mehr für den FC Bayern tätig ist, möchte ich sagen, dass er für mich zu meiner Anfangszeit in München eine sehr wichtige Person war. Er hat mir als sportlicher Ansprechpartner enorm geholfen. Natürlich schaust du als junger Spieler zu einem Mann wie Matthias Sammer auf.

Javi Martinez: „Klar und deutliche Ansprache, aber intern“

Er ist eine Legende. Er war einer der besten deutschen Spieler der vergangenen 25 Jahre. Zudem habe ich schnell festgestellt, dass wir beide ähnlich ticken, was uns auf eine gewisse Art und Weise miteinander verbunden hat. Seine Leidenschaft für den Fußball ähnelt meiner stark. Wir haben auch einen ähnlichen Charakter, denke ich. Uns beiden ist die Kommunikation nach außen nicht so wichtig, wie die Dinge intern klar und deutlich anzusprechen.

Dabei geht es uns jedoch immer nur um eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Mannschaft und niemals um etwas Persönliches. Matthias Sammer liebt wie ich den Wettbewerb und die Herausforderung, sich auf dem Platz mit den besten Spielern und Klubs der Welt zu messen. Immer mit dem Ziel zu gewinnen. Und immer mit dem Antrieb, von Siegen nie genug zu haben. Ich denke, ich kann behaupten, dass ich genauso gierig nach Erfolgen bin wie Matthias Sammer.

Javier „Javi“ Martínez Aginaga spielt seit 2012 für den FC Bayern München, mit dem der Spanier sieben Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal und 2013 sogar die Champions League gewann. Zuvor spielte er sechs Jahre für Athletic Bilbao in der Primera División. Martínez kam in 18 Länderspielen zum Einsatz und war Teil der Mannschaft, die 2010 Welt- und 2012 Europameister wurde. Seit 2019 ist er ständiger SOCRATES-Kolumnist.
Javi Martinez
FC Bayern

Sammer sagte: „Bleib geduldig“

Er nahm mich in den ersten Monaten oft beiseite und sagte mir: „Bleib geduldig, Javi. Die Saison ist sehr lang. Wir brauchen dich nicht am Anfang in einer super Form, sondern am Ende. Arbeite einfach weiter an deiner Leistungsstärke, aber setze dich nicht zu stark selbst unter Druck. Wir wissen, dass du gut bist. Und wir wissen, dass du uns in den entscheidenden Monaten helfen wirst.“ Und so kam es dann auch. Am Ende der Saison gewannen wir das Triple.

Wenn ich jetzt, sieben Jahre später, auf unsere Mannschaft schaue, sehe ich einige junge Spieler, die ebenfalls diese Gier in sich tragen und schon jetzt perfekt das angesprochene „Mia san mia“ verkörpern. Joshua Kimmich zum Beispiel.

Kimmich wird Kapitän

Er ist ein Spielertyp, der ideal zum FC Bayern passt. Der schon in jungen Jahren all die Werte des Klubs verinnerlicht. Gefühlt hat er schon über 1000 Spiele für den Klub gemacht. Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass er viele, viele Jahre beim Verein spielen und die Mannschaft vielleicht eines Tages auch als Kapitän anführen wird. Er ist ein echter Führungstyp. Er scheut sich nicht, voran zu gehen und Verantwortung zu übernehmen.

Da besteht zwischen Joshua und mir sicherlich eine Ähnlichkeit. Allerdings hat er mir eines schon jetzt voraus: Sein Deutsch wird immer besser sein als meines. Da muss ich einfach ehrlich sein: Manchmal ist die Sprache nach wie vor ein kleines Hindernis. Gerade wenn es mal schnell gehen muss, fällt mir nicht immer sofort das passende Wort auf Deutsch ein, obwohl ich wirklich fleißig lerne.

Ich denke, das ist normal. Und dennoch ärgert mich das gelegentlich. In diesen Momenten rette ich mich dann mit diesem Gedanken: Dafür wird Joshua wohl nie so gut Spanisch sprechen wie ich.

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Javi Martinez Kolumne #3: Eine Art Religion

Bayern-Star Javi Martinez spielte mit 17 Jahren seine erste Saison bei Athletic Bilbao; und zugleich mit dem Lebensinhalt der Leute in der Region. Eine Verantwortung, für die unser Kolumnist eine Schutzmaßnahme ergriff.

Von Javi Martinez

Wenn ihr mal in Bilbao seid, in einem Supermarkt an der Kasse steht und neben euch eine 93-jährige Frau seht, ist sie gewiss Fan von Athletic Bilbao. Wenn an gleicher Stelle ein Kind neben euch steht, ist es gewiss Fan von Athletic Bilbao. Und wenn ein Mann, egal welchen Alters, neben euch steht, ist er gewiss Fan von Athletic Bilbao. Jeder in Bilbao ist Fan von Athletic Bilbao. Und das ist keine Übertreibung.

Die Leute in Bilbao sind nicht zu vergleichen mit anderen Leuten auf dieser Welt. Zum einen sind Basken sehr stolze Menschen, zum anderen in gewisser Weise auch fanatische Menschen. Zumindest dann, wenn es um Athletic Bilbao geht. Athletic ist für sie eine Art Religion. Es ist verrückt. In Bilbao liebt jeder Athletic. Und wenn du für Athletic spielst, vergöttert dich jeder und projiziert damit Erwartungen auf dich, die nahezu unmenschlich sind.

Bilbao zahlte sechs Millionen Euro Ablöse

Damit musste ich erst mal umzugehen lernen, als ich im Alter von 17 Jahren von Osasuna nach Bilbao wechselte. Warum ich euch das erzähle? Weil ich anschließend sechs Jahre in Bilbao blieb und es für mich eine ganz entscheidende und prägende Station in meiner Karriere war. Die Station, von der ich dann ja 2012 zum FC Bayern wechselte.

Sechs Millionen Euro hatte der Klub für mich bezahlt. Das wusste jeder in Bilbao. Das war einerseits eine große Verantwortung, andererseits auch eine große Motivation für mich. Ich wollte beweisen, dass ich das Geld wert war. Ich sprühte vor Tatendrang. Unglücklicherweise lief es in meinem ersten Jahr in Bilbao für meine neue Mannschaft gar nicht gut. Wir standen am Saisonende kurz vor dem Abstieg.

„Ihr müsst gewinnen, Javi“

Bilbao in der Zweiten Liga in Spanien? Das wäre historisch gewesen. Historisch schlecht. Noch nie war der Klub abgestiegen. Dementsprechend könnt ihr euch vielleicht vorstellen, unter welchem Druck wir Spieler standen, wie nervös wir waren. Wir wussten: Wir spielen mit dem Lebensinhalt der Leute in Bilbao. Mit ihrem Glück, mit ihrer Zufriedenheit, mit ihrem Herzen. Und auch das ist keine Übertreibung.

Das Treffen mit der 93-jährigen Frau im Supermarkt hat es übrigens tatsächlich gegeben. Sie sagte zu mir: „Javi, du musst gewinnen. Ihr musst gewinnen. Für uns.“ Sie sagte es weder böse noch laut. Aber in ihren Worten schwang etwas Flehendes mit, das damals für mich zugleich bedrohlich wirkte. Wenn du für Bilbao auf den Platz gehst, weißt du, dass die Menschen für zwei, drei Tage überglücklich sein werden, wenn du gewinnst. Aber wenn du verlierst, werden die Menschen zwei, drei Tage enttäuscht und auch persönlich beleidigt sein. In einem Maße, das kaum nachzuempfinden ist, wenn du es nicht selbst erlebt hast.

Javi Martinez: Ich bin abends nicht aus dem Haus gegangen

Diese Verantwortung spürst du in Bilbao als Spieler jeden Tag. Das als 17-Jähriger richtig einzuordnen und auch zu verarbeiten, war nicht einfach. Nein, es war schwer. So schwer, dass ich in der Endphase der Saison abends nicht mehr aus dem Haus gegangen bin. Ich wusste zwar, dass es nicht meine Schuld war, dass die Mannschaft so schlecht dastand. Und dass ich persönlich eigentlich gute Leistungen gezeigt hatte.

Aber die Leute kamen in der Stadt immer näher auf mich zu. Sie haben das weder absichtlich gemacht, noch so wahrgenommen. Aber sie haben mich in diesen Wochen fast erdrückt. Wer glaubt, die Sorgen der Fans prallen an uns Fußballern ab, der irrt. Wir nehmen sie wahr – und mit nach Hause. Der eine mehr, der andere weniger. In der Endphase der Saison daheim zu bleiben, war eine Schutzreaktion. Ich befürchtete, dass sich die verunsicherte Stimmung in Bilbao auf meine Leistung auswirken könnte. Dieser Gefahr wollte ich unbedingt entgehen.

Mir ist wichtig, auf meine Mitmenschen zu achten

Mit meinen nun 30 Jahren denke ich, dass es eine Verbindung zwischen dem Fußballer Javi Martínez und dem Menschen Javi gibt. Wie ich auf dem Spielfeld agiere, spiegelt sicherlich einen Teil meiner Persönlichkeit wider. Ich bin sehr verantwortungsbewusst. Sowohl auf dem Platz als auch daneben. Mir ist es wichtig, auf meine Mitmenschen zu achten, ihnen ein gutes Gefühl zu geben. Ich möchte die Dinge für meine Familie und Freunde, aber auch für meine Teamkollegen leichter machen. Ich will immer helfen. Und ein Unterstützer bin ich in gewisser Weise ja auch als Sechser auf dem Platz.

Aber zurück zu meiner ersten Bilbao-Saison. Zum Glück schafften wir es, die Liga zu halten. Und in den kommenden Spielzeiten deutlich bessere Leistungen zu zeigen. Wir erreichten einige Finals, darunter das Europa-League-Finale 2012 sowie 2009 und 2012 das Finale um die Copa del Rey. Wir spielten starke Saisons und spürten die Freude der Fans – im Stadion und in der Stadt. Am Ende war es eine tolle Zeit in Bilbao, die ich nicht missen möchte.

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Javi Martinez Kolumne #2: Einfach Javi sein

Javi Martínez besitzt ein Haus in den Pyrenäen. Die Gipfel in 3.000 Meter Höhe sind für ihn der perfekte Rückzugsort. Und zugleich der Platz, an dem der Bayern-Star wirklich er selbst sein kann.In seiner zweiten Kolumne schreibt er in SOCRATES, wo er wirklich er selbst sein kann.

Wie oft könnt ihr das? Einfach ihr selbst sein? Ohne im Beruf oder im Bekanntenkreis gewissen Erwartungen entsprechen zu müssen? Ich bin ganz ehrlich: Ich kann es nicht immer. Aber jetzt, in diesem Moment, in dem ich diese Kolumne verfasse, bin ich es. Ich schätze es, meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Sie in Worte zu fassen. Ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.

Ich liebe es, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Mit ihnen gute Gespräche zu führen, mich mit ihnen über ihre Woche, ihre Ansichten und Erlebnisse auszutauschen. Zeit füreinander zu haben, ist mir wichtig.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #30: Jetzt nachbestellen

„Als Javi bewege ich mich anders“

Vielleicht klingt das außergewöhnlich für einen Fußballer: Aber mir gefällt es auch sehr, mit meiner Familie Brettspiele zu spielen. Wenn nun einige von euch sagen, ich sei ein einfacher Typ, kann ich dem nur zustimmen. Ich würde jedoch ergänzen, dass ich zudem ein sehr neugieriger Mensch bin, für den es großen Wert hat, fremde Länder zu bereisen und bisher unbekannte Speisen zu probieren. Ich möchte die Welt sehen und schmecken.

Durch den Fußball habe ich das Glück, schon in vielen Ecken unserer Erde gewesen zu sein. Aber eben zumeist in meiner Rolle als Profispieler Javi Martínez. Und nicht als Javi. Als Javi bewege ich mich anders. Als Javi brauche ich den Himmel mehr als ein Hotel. An einem freien Wochenende zieht es mich in die Berge.

Die Berge nehmen dich wortlos auf

Ich besitze ein Haus, das in den Pyrenäen liegt, genauer gesagt in Formigal auf rund 1.500 Meter Höhe. Es ist für mich der schönste Fleck in Spanien – mit einem atemberaubenden Blick über die Gebirgskette, die zwischen Frankreich und Spanien verläuft.

Die Berge haben etwas Spezielles. Wenn du dich hineinbegibst, werden sie zu deinem Partner. Sie nehmen dich wortlos auf und an. Deswegen liebe ich es auch, gelegentlich alleine zu wandern. Ich bin dann ganz für mich teilweise sieben Stunden am Berg unterwegs.

Wenn ich mich umschaue, sehe ich die grünen Bäume, das graue Felsmassiv und den blauen Himmel. Ich fühle mich geliebt in dieser Umgebung. Es gibt Sommertage, an denen ich bis an die Bergspitzen in knapp 3.000 Metern Höhe hinaufsteige und dort oben in einem Schlafsack übernachte. In meinem Rucksack habe ich dann ein Buch, etwas zu essen und zu trinken dabei.

Mehr benötige ich nicht.

Bei minus acht Grad auf dem Gipfel

Manchmal möchte ich abstreifen, dass ich ein erfolgreicher Fußballer beim FC Bayern bin. Dass ich viele Fans habe. Dass auf meinen Schultern viel Verantwortung liegt. In diesen Momenten möchte ich einfach nur relaxen, den Kopf ausschalten und alles um mich herum vergessen.

Das ist eine wichtige Regeneration für mich. Einmal erklomm ich sogar im Winter mit Freunden, die erfahrene Bergsteiger sind, die Gipfel in den Pyrenäen. Oben zeigte das Thermometer minus acht Grad. Wir bauten uns für die Nacht ein Iglu. Und als wir dann morgens aufwachten, war es wie in einem Traum: Beim Sonnenaufgang verwandelte sich der Schnee in ein weißes, glitzerndes, leuchtendes Meer.

Ich habe so etwas Schönes noch nie gesehen.

Die Handykameras reichen nicht aus

Es war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Amazing. Zum Glück war ein professioneller Fotograf damals ebenfalls in den Bergen unterwegs. Er konnte mit seiner Kamera die einzigartigen Bilder festhalten.

Unsere Handykameras hätten dafür bei weitem nicht ausgereicht. Es war ein Ansporn für mich, der Fotografie mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Mittlerweile habe ich meine eigene hochwertige Kamera. Zweifelsohne: Die Fotografie hat mich gepackt, auch wenn ich auf diesem Gebiet noch ein Anfänger bin.

Nach der Karriere…

Und leider ist das Material sehr schwer, so dass ich es auf die langen und anstrengenden Bergtouren nicht mitnehmen kann. Aus diesem Grund überlege ich, in einem der nächsten Winter mal mit einem Schneemobil Richtung Gipfel zu fahren, um die Ausrüstung mit in die Höhe nehmen zu können und ähnliche Bilder anzufertigen.

Ja, das bin ich. Jemand, der einfach seinen Interessen und seinem Herzen folgt. Ohne dabei beobachtet oder bewertet zu werden. Das geht aus bekannten und benannten Gründen aktuell (zu) selten. Aber die Zeit wird kommen, dass ich viel mehr Javi sein werde, als ich es jetzt sein kann.

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Javi Martinez Kolumne #1: Dem Himmel entgegen

Bayern-Star Javi Martínez gewährt in seiner Kolumne einen Einblick in seine Zeit als Kind und Jugendlicher. So leicht es war, auf dem Fahrrad das Glück zu erfahren, so schwer fiel der Verzicht auf Partys. Aber der Spanier ordnete alles seinem Traum unter.

Von Javi Martínez

Die Kolumne erschien in Ausgabe #29

Die Kolumne erschien in Ausgabe #29

Ich möchte euch auf eine Reise mitnehmen. Auf eine Reise in meine Kindheit. Wenn wir dort ankommen, schreiben wir das Jahr 1998. Als Zehnjähriger schaue ich zum Gipfel des 1.046 Meter hohen Berges Montejurra empor. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über den Norden Spaniens.

Das weiß ich, weil ich selbst schon am Gipfelkreuz verweilt habe. Mein kleiner Heimatort Ayegui, der direkt am Fuße des Berges liegt, sieht von oben noch viel kleiner aus, als er ohnehin ist. Rund 1.000 Menschen leben hier. Ich lebe hier. Es ist einer dieser typischen Sommertage in den Ferien. Die Sonne scheint auf die Felder und lässt die Luft über dem Asphalt flimmern.

Als aus 100 Pesetas 200 wurden

Ich schnappe mir mein Rad und fahre los, ohne ein Ziel zu haben. Oder vielleicht habe ich es doch: einfach über die Hügel dem Himmel entgegen. Es ist dieses Gefühl von Freiheit, das mich glücklich sein lässt. In diesem Moment kann ich mir kein schöneres Leben vorstellen. Ich hoffe, ihr habt ähnlich schöne Erinnerungen an eure Kindheit. Wahrscheinlich werden wir nie wieder so unbeschwert leben wie damals mit zehn Jahren.

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Jetzt, 20 Jahre später, erinnere ich mich immer noch gut an diese Zeit: Einmal verließ ich das Haus mit 100 Pesetas, die ich von meiner Mutter zugesteckt bekommen hatte. Am Abend kehrte ich mit 200 Pesetas zurück. „Woher hast du das Geld?“, wunderte sich meine Mutter. Ich antwortete lediglich mit einem verschmitzten Lächeln.  Keine Sorge, ich hatte das Geld nicht gestohlen.

Diese Vorahnung

Sagen wir mal so: Ich hatte es mir kreativ verdient. Wenn ich mit meinem Rad unterwegs war, bin ich oft zu meinen Tanten und Onkels gefahren, um sie zu besuchen. Sie haben sich immer sehr gefreut, mich zu sehen und mich gefragt, ob ich etwas brauche. „Nein, nichts. Nur vielleicht ein bisschen Geld für Süßigkeiten“, sagte ich dann. Jetzt könnt ihr erahnen, woher das zusätzliche Geld in meinen Hosentaschen kam.

Doch für Süßigkeiten habe ich es nur in den wenigsten Fällen ausgegeben. Schließlich hatte ich diesen einen großen Traum: Fußballprofi zu werden. Ja, ich habe schon damals ganz fest daran geglaubt, es wirklich schaffen zu können. Vielleicht mag es jugendliche Unbekümmertheit gewesen sein, vielleicht aber auch schon eine Vorahnung.

Der Weg zum Profi ist hart

Rückblickend habe ich oft darüber nachgedacht: In den europäischen Top-Ligen gibt es nur wenige tausend Profifußballer, aber es gibt Millionen von Talenten, die es werden wollen. Es ist verrückt. Die Prozentzahl der Spieler, die es wirklich schaffen, ist so gering. Ich mache mir das immer wieder bewusst: Wir Profifußballer sind privilegiert.

Aber ich denke, dass wir uns für das Erreichte nicht entschuldigen müssen, sondern durchaus stolz darauf sein dürfen. Wichtig ist dabei nur, das Bewusstsein dafür zu haben, dass vielen anderen Menschen die Karriere nicht vergönnt war und ihnen stets mit Respekt zu begegnen. Für viele von euch klingt mein Weg sicherlich wie ein Traum. Ich denke, aus eurer Perspektive heraus würde ich es ähnlich bewerten. Aber lasst euch sagen: Der Weg zum Profi ist hart. Besonders in Teenagerjahren.

Die Freunde gehen mit Mädchen aus und du…

Der Teil, den die meisten Menschen nicht sehen können, ist der schwerste. Es ist der Verzicht auf Dinge, die für andere Leute völlig normal sind. Wenn du 15, 16, 17 bist und deine Freunde anfangen, Party zu machen, musst du zu Hause bleiben. Du bist außen vor, bist derjenige, der nicht dabei ist, weil er ja Fußballer werden will. Du musst morgens ins Training, danach gut essen, dich ausruhen und abends gut schlafen. Dann beginnen deine Freunde, das erste Mal mit Mädchen auszugehen.

Du erfährst von solchen Augenblicken nur aus ihren Erzählungen, du erlebst sie nicht. Du willst ja Fußballer werden. Und sagst dir selbst immer wieder: ‚Du kannst dir das nicht erlauben.‘ Es sind in diesen jungen Jahren einmalige Lebensmomente, die nicht zurückkommen. Aber nur so lässt sich die einmalige Gelegenheit nutzen, das Ziel zu erreichen, worauf du alles ausgerichtet hast. Verzicht, so schwer er auch fällt, kann dich nach vorne bringen.

„Was machst du hier?“

Mit 15 Jahren war mein Beruf bereits Fußballer. Ich spielte in der dritten spanischen Liga in der zweiten Mannschaft von Osasuna. Dort trainierte ich mit Männern, die 23, 24, 25 Jahre alt waren. Ich war 15! Anfangs gab es Tage, an denen ich mich gefragt habe: ‚Was machst du da eigentlich? Ist es das wirklich wert?‘ Im Nachhinein bin ich selbst verwundert, mit welcher Klarheit und Überzeugung ich mir selbst damals antworte: ‚Ja, natürlich ist es das wert! Wenn du ein richtig guter Profifußballer werden willst, hängt es jetzt nur noch von deiner Einstellung ab, Javi.‘

Ich wusste, dass meine körperlichen Voraussetzungen gut waren. Aber die Entscheidung für den Beruf fiel in meinem Kopf. Ich habe es geschafft, den Fokus zu behalten. Meine Konzentration lag darauf, in einer guten Verfassung zu bleiben und alles auszublenden, was nichts mit dem Fußball zu tun hatte. Ja, es ist schwer, aber noch schwerer wäre es gewesen zu versuchen, das Nachtleben mit dem Fußball zu kombinieren. Ich halte es für fast unmöglich.

Die neue Martinez-Kolumne in der neuen Ausgabe – im Handel und hier online erhältlich!

Die Lust auf Basketball

Um das noch mal klar zu formulieren – vor allem für Talente, die heute den gleichen Traum haben wie ich damals: Der Kopf ist genauso wichtig wie die Füße. Wenn du es wirklich schaffen willst, musst du 24 Stunden am Tag wie ein Profi leben. Wenn du im Training denkst: Hoffentlich ist es gleich vorbei, ich will noch mit Freunden was essen gehen und Party machen, dann wirst du nicht gut werden. Zumindest nicht gut genug.

Lasst mich noch ein Beispiel geben: Ich liebe es, Sport zu treiben, auch andere Sportarten in meiner Freizeit auszuüben. Nach vielen Trainingseinheiten beim FC Bayern würde ich am liebsten sofort in eine Halle fahren und dort mit Freunden Basketball spielen. Aber ich kann es nicht. Weil all das, was mich zum Profi gemacht hat, auch gilt, um Profi auf höchstem Niveau zu bleiben.

Die Regeneration ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Da kann ich nicht einfach noch zwei Stunden Basketball spielen oder mich wie 1998 einfach aufs Rad schwingen und stundenlang ohne Ziel durch die Gegend fahren. So glücklich es mich für den Moment auch machen würde.

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Bayern-Profi Javi Martinez schreibt für Socrates

Neuzugang für das Socrates Magazin: Javi Martinez, Profi des FC Bayern München, wird neuer Kolumnist. Der 30 Jahre alte Spanier schreibt jeden Monat über seine Sicht der Dinge. Im Exklusiv-Interview erklärt Martinez, warum er diesen Schritt gegangen ist.

Javi Martinez: „Einblicke ermöglichen“

Der Begriff Erfolgsgarant wird ja inzwischen sehr inflationär verwendet. Bei Javi Martinez trifft es sogar zu. Beim Gastspiel des FC Bayern München bei 1899 Hoffenheim feierte der Spanier seinen 100. Bundesliga-Sieg – im 120. Spiel. So schnell kam in der Bundesliga noch nie zu den 100 Siegen. Und Martinez hatte wieder einmal gehörigen Anteil am wichtigen Sieg in Sinsheim. Auf der Sechs präsentierte sich der Mittelfeldspieler in überragender Form.

Diese möchte Martinez künftig auch als Kolumnist des Socrates Magazins unter Beweis stellen. Der 30 Jahre alte Profi des FC Bayern schreibt jeden Monat seine Gedanken auf. Dies verkündete Martinez in der neuen Ausgabe des Socrates Magazins, das am Donnerstag im Handel erschienen ist.

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„Ich freue mich sehr. Ich liebe es zu schreiben. Die Idee, den Lesern das Leben eines Fußballers aus einer sehr persönlichen Perspektive näher zu bringen, fasziniert mich. Es gibt viele Dinge, die Außenstehende nicht nachvollziehen oder wissen können. Ich möchte ihnen Einblicke ermöglichen, die ihnen ansonsten vorenthalten bleiben würden“, so Martinez im Exklusiv-Interview.

Auch bei Socrates ist Freude über den Neuzugang groß: „Javi Martinez ist ein Profi, aber vor allem ein Mensch, der über den Tellerrand hinausblicken kann – und will. Wir freuen uns, dass wir mit Javi Martinez eine Bundesliga-Größe für unser Magazin begeistern konnten, die hervorragend zu unserem Motto Die besten Storys schreibt der Sport passt“, sagt Socrates-Herausgeber Fatih Demireli.

Bereits im exklusiven Interview, das den Startschuss für die Zusammenarbeit zwischen Martinez und Socrates gibt, gewährt der Bayern-Star tiefe Einblicke in sein Innenleben, verrät aber auch, dass er sich einen Wechsel zu einem anderen Klub in dieser Größenordnung nicht mehr vorstellen kann.

Was gibt es sonst in Ausgabe #28?

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