Beiträge

,

Video: Ohne Haaland fahren wir zur EM

,

Jürgen Klinsmann: Özil? Boateng? „Jede Kategorie denkbar“

,

Joachim Löw hinterfragt Nübel-Entscheidung

,

Heimweh

Braucht man nur die schönen Momente des Lebens, um Sehnsucht zu entwickeln? Schriftsteller und Autor Moritz Rinke entdeckte in weiter Ferne seine Liebe zu Werder Bremen wieder.

Früher, als ich Mitte zwanzig war, hatte Heimat etwas Beengendes. Wenn ich zu Hause ankam, verschoben sich die Proportionen. Natürlich war das Haus in Worpswede, in der Künstlerkolonie bei Bremen, in dem ich lebte, größer als die Mietwohnung in Berlin, dennoch kam mir alles kleiner vor. Im Badezimmer hatte ich das Gefühl, ich müsste den Kopf einziehen, das Waschbecken hänge zu tief und der Spiegel sei zu klein.

Wenn man mir Bilder mit den berühmten Malern von Worpswede zeigte, und ich ihre Moorlandschaften bewundern sollte, lief ich weg. Wenn ich auf Reisen in Hotels Bilder mit den berühmten Worpsweder Moorlandschaften der Modersohns sah, hing ich sie ab. Wenn ich noch bis vor kurzem gefragt wurde, warum das Licht, der Himmel und die Wolken über Worpswede so besonders seien und die Maler zu ihren Kunstwerken inspirierten, fing ich an zu schimpfen und erklärte, die Wolken seien halt so, basta.

Nach Bartels‘ Schuss…

Als Kinder wurden wir mit den besonderen Wolken über Worpswede tyrannisiert. Wir mussten die Wolken ja nicht nur anschauen, wir mussten sie ja auch in Aquarell malen und im Erdkundeunterricht sprachen wir nicht über die Niagarafälle oder den Dschungel in Afrika, sondern über die Worpsweder Wolken. Offenbar begriff niemand, dass diese verdammten Wolken für uns ganz normal waren! Und deshalb musste man auch ganz bestimmt nicht wie Rilke darüber Gedichte schreiben oder gar Maler werden!

Dass ich als Kind Fußballer werden wollte und nicht Maler, hatte ganz bestimmt mit den Wolken zu tun!

Als ich vor geraumer Zeit ein Heimspiel des SV Werder Bremen im türkischen Fernsehen sah (die Bundesligaübertragungen in der Türkei hat der Präsident Gott sei Dank noch nicht verboten), Werder wieder mal zu verlieren schien und die Kamera nach einem Schuss des Bremer Spielers Fin Bartels weit über das Tor in den Bremer Himmel schwenkte – da sah ich sie  wieder: die  norddeutschen Wolken! Ja, sie sahen genauso aus wie auf den berühmten Bildern der Worpsweder Maler, sogar wie auf den Aquarellen meiner malbegabten Mitschüler.

Der Artikel erschien in Ausgabe #4: Jetzt nachbestellen

Der Kanzlerkandidat saß fast auf mir

Ich starrte aus Istanbul auf den Himmel meiner Kindheit. Und ich begriff, dass das Heimatgefühl vielleicht erst über den Umweg entsteht. Vielleicht ist es das, was Peter Handke mit der „Langsamen Heimkehr“ meint; in der Erkenntnis des Entferntseins bereitet sich so etwas wie Heimkehr vor, wie Heimweh. Ich hatte Heimweh.

Wochen später fuhr ich nach Bremen. Werder spielte gegen einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Neben mir saß der damalige Parteivorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel. Wir sprachen über eine mögliche Kanzlerkandidatur, nicht von mir, nein, nein, natürlich von Gabriel. Gabriels mächtiger Körper sprang manchmal auf, wenn sich Werder eine seltene Torchance bot, dann fiel er wieder in den Sitz zurück.

Mensch, dachte ich, der Sitz ist ja viel zu klein für den künftigen Kanzlerkandidaten, er saß nämlich schon fast auf mir. Überhaupt schien mir das Weserstadion auch kleiner geworden zu sein. Früher, als ich das erste Mal hier als Junge war, da war es ein Riesenstadion, überhaupt war das Weserstadion das Größte, was es für mich gab, aber jetzt kam es mir vor wie unser Badezimmer, ich hatte das Gefühl, ich müsste den Kopf einziehen, – und als wenn nun auch noch der Kanzlerkandidat in das Badezimmer komme. Werder lag mittlerweile wieder mal in Rückstand, aber schien nun das Spiel drehen zu können, viele Angriffe über die Flügel.

Da unten sind Dieter und Uwe

Ich sprang auf. Wie früher. „Wissen Sie was?“, sagte ich zum Kanzlerkandidaten, „Wir beide sind mit Wundern groß geworden, wer Werder Bremen seit der Kindheit liebt, weiß, dass es Wunder gibt. Wir gewinnen das noch, glauben Sie nicht?“ Der Kanzlerkandidat nickte. Plötzlich war wieder dieses alte Gefühl in mir. Werder dreht das. Ich sah unten in der Kurve Dieter und Uwe, Freunde von früher, um Jahrzehnte gealtert, aber auch sie waren aufgesprungen, auch in ihnen war wieder der Glaube an das Wunder.

Da unten sind Dieter und Uwe, sagte ich zum Kanzlerkandidaten, Uwe und Dieter sind Freunde von früher. Seltsam, die weit aufgerissenen Augen von Dieter und Uwe, die ich natürlich nicht richtig erkennen konnte, aber mir einbildete, sie zu erkennen, das Auf und Ab ihrer Bewegungen, das wallende Hin und Her der Bewegungen der ganzen Ostkurve: Das alles kam mir vor wie die heimischen, norddeutschen Wolken, die ich aus Istanbul via türkisches Fernsehen gesehen hatte.

Trikots von Riedle, Burgsmüller und Völler

Plötzlich fühlte ich es: Ja, ich war zu Hause. Wie sehr hatte ich, ohne es zu wissen, all das vermisst. Das erste Wunder habe ich mit Dieter und Uwe in dieser Ostkurve erlebt. 1987, im November, einer dieser berühmten Bremer Flutlichtabende, UEFA-Pokal, 2. Runde, Rückspiel gegen Spartak Moskau. Dichter, kalter Nebel, Nebelwolken lagen über dem Rasen, und ich hatte über mein Karl-Heinz-Riedle-Trikot noch das alte Manfred-Burgsmüller- Trikot und das noch ältere Rudi-Völler-Trikot drübergezogen.

Das Hinspiel hatte Werder 1:4 verloren, keiner rechnete mehr mit einem Weiterkommen. Und dann das: 4:1 für Bremen nach 90 Minuten! Verlängerung: Riedle mit dem Kopf ins Glück, 100. Spielminute. Ich weiß noch, dass ich mir alle anderen Trikots wieder vom Leibe riss, um nur im Karl-Heinz-Riedle-Trikot zu jubeln. Und dann kam sogar noch Burgsmüller mit einem Drehschuss: 6:1!

Der Socrates Newsletter

Maradona, also Gott war im Weser-Stadion

Es ist mehr als ein Vierteljahrhundert her, aber ich sehe mich immer noch, wie ich mir in Ekstase im Wesernebel wieder das Manfred-Burgsmüller-Trikot über das Karl-Heinz-Riedle Trikot zog. „Können Sie sich noch zu Hause an das 6:1 gegen Spartak Moskau erinnern?!“, fragte ich den Kanzlerkandidaten. Er nickte.

Auch an den Nikolausabend 1989, UEFA-Pokal, Rückspiel gegen den SSC Neapel, den Titelverteidiger? Damals eine der besten Mannschaften der Welt. Endergebnis: 5:1! Wunder! Natürlich wieder unter Flutlicht! Für Neapel spielte im Weserstadion: Diego Maradona, also Gott; auf Bremer Seite hießen die Spieler ganz einfach Jonny Otten, Günter Hermann oder Dieter Eilts. Die Eintrittskarte von diesem irren Nikolausabend habe ich immer noch.

Es ist ein „Kutzop“ passiert

Es gab natürlich auch tragische Momente, die ich nie vergessen werde. April 1986: Handelfmeter in der vorletzten Minute gegen Bayern München. Wenn Kutzop trifft, dann ist Werder Bremen vorzeitig deutscher Fußballmeister. Kutzop, der alle sieben Elfer dieser Saison sicher verwandelte, läuft an, er verlädt Jean-Marie Pfaff im Bayern-Tor, aber – rechter Außenpfosten. Das nächste Spiel gewinnt Bayern und Bremen verliert, aus, vorbei, Meistertraum ade.

Man muss nur „Kutzop“ sagen, dann umarmen sich wildfremde Bremer und halten sich noch 25 Jahre danach tröstend in den Armen. Und wenn uns Bremern etwas misslingt, knapp misslingt, sagen wir kurz „Kutzop“, auch das ist Heimat. Meine Heimatmannschaft war schon immer die Horrormannschaft der Fußballwetten. Auf Werder konnte man sich nicht verlassen: Ausscheiden gegen den FC Superfund Pasching im UI-Cup und in derselben Saison 2003/04 dann deutscher Meister und Pokalsieger.

„So ein Mist! Pennt ihr denn alle?“

Aber vielleicht waren diese Temperaturstürze genau das, was die Werderaner zur beliebtesten Mannschaft des Landes machte. Einen Tag gelingt gar nichts, man ist unfassbar schlecht, und dann geht plötzlich im Wesernebel das Flutlicht an, und ein Wunder geschieht. Eine Mannschaft also, die sich immer wieder aus dem Sumpf zog und über sich hinauswuchs in offensivster Schönheit – das mochten die Menschen, da konnten die Bayern aus München siegen wie sie wollten, gegen diese typische Bremer Mischung aus Stümperei und Weserwundern, aus Genie und Wahnsinn kamen sie nie an, denn die Werderaner aus Bremen hatten immer etwas, wie ich finde, Lebendigeres, ja Menschlicheres.

Der Kanzlerkandidat schrie: „So ein Mist! Pennt ihr denn alle?“ Werder war wieder noch weiter in Rückstand geraten, das Spiel war offensichtlich nicht mehr zu drehen. Und es sah so aus, als käme nun eine sehr schwere Zeit für Werder. „Ich gehe. Mir reicht’s!“, sagte der Kanzlerkandidat. „Da bereite ich lieber den Parteitag vor.“ Auch Uwe und Dieter waren nicht mehr da, auch sie waren gegangen.

Ich schaute in den Himmel. Tiefe, schwarze Wolken. Auch die hatte ich früher malen müssen. Auch die gehörten zu meiner Kindheit.

Moritz Rinke

Moritz Rinke (Jahrgang 1967, geboren in Worpswede bei Bremen) ist ein in Berlin lebender deutscher Dramatiker und Romanautor. Er ist aktives Mitglied der deutschen Autorennationalmannschaft (Autonama) und spielt dort als erfolgreichster Torjäger. Zudem ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. Gelegentlich ist Rinke Autor für das Socrates Magazin.
Moritz Rinke
Autor
,

Bird und Johnson: Die Kinder des David Stern

Die NBA war Anfang der 80er Jahre ein schwarzes Loch in der Gesellschaft. Doch David Stern veränderte mit drastischen Mitteln das Ansehen und legte den Grundstein für einen steilen Aufstieg – und ein legendäres Duell.

Am Abend des 26. März 1979 saß, wie ganz Amerika, auch David Stern vor dem Fernseher und wartete auf den Sprungball des NCAA-Finales zwischen Indiana State und Michigan State. An jenem Abend sollten zwei Wunderkinder zum ersten Mal aufeinandertreffen: Larry Bird und Magic Johnson.

Sterns Kopf war so sehr mit anderen Sachen beschäftigt, dass er an jenem Tag nicht erkannte, dass der erste Akt einer Rivalität inszeniert wurde, die der National Basketball Association neues Leben einhauchen könnte. Der junge Anwalt, der in der NBA als General Counsel beschäftigt war, hatte bereits angefangen, in Ligakreisen großes Ansehen zu genießen. Und in seinem Kopf schwirrten haufenweise Fragen darüber herum, was man in Bezug auf die Moderatoren, die im nationalen Fernsehen das Wort „NBA“ nicht in den Mund nehmen durften, unternehmen könnte.

„Sie geben das Geld für Drogen aus“

Die Liga war, was das Marketing angeht, ein riesiges schwarzes Loch. Stern fasste die damalige Situation mit folgenden Worten zusammen: „Es ging ausschließlich um Rasse, Drogen und Überbezahlung. Man nahm unsere Spieler so wahr: ‚Sie sind schwarz und sie verdienen einen Haufen Geld und da sie schwarz sind und zu viel Geld haben, geben sie es für Drogen aus.‘“

Nachdem er 1984 das Amt des Commissioners übernahm, intensivierte David Stern zuallererst die Drogentests und führte lebenslängliche Sperren ein, um eben jener Wahrnehmung von Drogenproblemen entgegenzuwirken. Sein zweiter Schachzug war die Einführung eines Finanzmodells, das Salary-Cap-System, welches nicht nur die NBA, sondern alle Major Ligen nachhaltig verändern sollte. Das war aber nicht alles.

Auf welcher Seite stehst du?

Bevor das Kabelfernsehen die Sportübertragungsrechte eroberte, war die NBA nicht einmal in der Lage, einen 30-sekündigen Werbespot zu kaufen, um die großen Samstagabend Showdowns zu promoten. Die erste NBA-Werbung im US-amerikanischen Fernsehen, für die die Liga allerdings keinen Cent ausgeben musste, wurde 1982 gesendet und drehte sich um die beiden Rivalen von einst: „Come see Magic vs. Bird and the Lakers vs. the Celtics.“

Es verging also nicht allzu viel Zeit, bis das Versprechen des NCAA-Finales von 1979 eingelöst wurde: Magic gegen Bird, West Coast gegen East Coast, das schwarze Amerika gegen das weiße. Der glänzende Showtime-Basketball der „City of Angels“ gegen den von den Celtics verkörperten Teamgeist der alten Schule. Das amerikanische Volk, das sich für Fragen wie „Bist du Republikaner oder Demokrat?“ oder überhaupt „Auf welcher Seite stehst du?“, für Heldenepen, die den Kampf des Guten gegen das Böse kanonisieren, und allgemein für Rivalitäten und Dualitäten begeistern lässt, war nun binnen eines Wimpernschlags besessen von der Lakers-Celtics-Rivalität.

Die Vorurteilsbekämpfung

Bird und Magic schreckten aber auch nicht davor zurück, sich dieser Plattform zu bedienen, um über ihr traditionelles Duell hinaus auch gesellschaftliche Vorurteile zu bekämpfen. Auf der einen Seite focht Magic mit seiner Führungsrolle auf dem Parkett den Stereotyp des „schwarzen NBA-Stars“ an. Auf der anderen Seite musste Bird seine schwarzen Mitspieler davon überzeugen, dass er gegen die Rassentrennung war, obwohl er aus Indiana – ein als Hochburg des Ku-Klux-Klans berüchtigter Bundesstaat – stammte.

Schließlich wurde das von Bird und Magic hinterlassene Erbe sogar langlebiger als das von Ali und Frazier. Die NBA ist heute eine Profitmaschinerie, die kurz davorsteht, die NFL zu überholen. Und sie benötigt keinen neuen „Kampf des Jahrhunderts“, um Geld zu machen.

„Choose your Weapon“

Ist es aber nur das Erbe einer hervorragenden PR-Leistung, das diese Rivalität besonders macht? Nein, wie die Dreharbeiten zu einem Werbespot gezeigt haben.

Anfang September 1985. In einem dreiköpfigen Limousinenkorso auf dem Weg nach West Baden befand sich unter anderem Magic Johnson. Als Converse, eine der Marken, die zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles individuelles Sponsoring als neue Geldquelle für sich entdeckt hatte, für einen Werbefilm ihrer neuen Sneakers Bird und Magic zusammenbringen wollte, hatten die beiden Superstars nur mit einem Achselzucken geantwortet. Schließlich war die Summe auf dem Tisch doch zu groß, um abgelehnt zu werden, und so gaben sie ihren Widerstand auf.

Das Szenario, das sich um den Slogan „Choose Your Weapon“ drehte, hatte sowohl Bird als auch Magic überzeugt. Man musste nur noch eine Hürde nehmen und die letzte von Birds Bedingungen erfüllen: Die Dreharbeiten hatten auf seiner Ranch in Indiana zu erfolgen. Also war es Magic, der den Weg auf sich nehmen musste.

Die Spitzenverdiener des Sports
Sie waren so ähnlich

Als Magic das Ziel der Reise erreichte, wurden die drei Limousinen am Eingangstor der Ranch von Larrys Mutter Georgia empfangen. Georgia, die als College-Basketball-Fan nahezu alle Spiele in der Region verfolgte, überhäufte Magic mit Komplimenten und servierte dem jungen Mann mit dem breiten Lächeln Kirschtorte, die Spezialität von Larrys Großmutter. Wie groß der Stellenwert dieser Köstlichkeit an den folgenden Entwicklungen war, ist nicht überliefert.

In der von Jackie MacMullan verfassten – und von Bird und Magic abgesegneten – gemeinsamen Biographie When the Game Was Ours (2009) kann man jedoch eine ausführliche Beschreibung der Tage nachlesen, die die beiden gemeinsam in West Baden verbrachten, und wo sie, auf der Flucht vor dem Chaos der Kameras und Werbeleute im Keller gelandet, schließlich zueinander fanden und das Wesen ihrer Rivalität kennenlernten: Ihre Geschichte war die zweier Jungs aus dem Mittleren Westen, die in einer auf ihrer Gegnerschaft basierenden Erzählung ihre vorgeschriebenen Rollen spielten, um am Ende zu entdecken, wie ähnlich sie sich doch waren.

Cem Pekdogru

,

Josuha Guilavogui im Interview: „Mir fehlen die Supermärkte“

Eigentlich wollte Josuha Guilavogui nie nach Deutschland ziehen. Jetzt ist er Kapitän des VfL Wolfsburg und kann sich vorstellen, die Autostadt nie wieder zu verlassen. Warum Franck Ribéry dabei eine Rolle spielt und was das einzige Manko ist, erzählt er im Interview.

Josuha Guilavogui, wie lebt es sich als Franzose in Deutschland?

Es ist toll, auch wenn in den ersten Monaten nicht unbedingt alles einfach verlief. Das Wichtigste war bei mir, als ich von Atlético Madrid kam, dass ich zwar der einzige Franzose im Kader war, aber dank der tollen Französischkenntnisse von Kevin De Bruyne, Diego Benaglio und Ivan Perišić besser und schneller Fuß fassen konnte. Ich konnte mich durch ihre großartige tägliche Hilfe gut und schnell integrieren. Sie waren immer für mich da und hilfsbereit, vor allem wegen der Übersetzung. Das war im Nachhinein mein großes Glück. Heute bin ich froh, dass ich diese Rolle übernehmen kann und zum Beispiel meinen Landsmann Jérôme Roussillon jederzeit zur Verfügung stehe und für ihn dadurch als Art großer Bruder gelte.

Und sportlich?

Von der Mentalität her sind es ja zwei verschiedene Länder. In den ersten Wochen beim VfL musste ich erst lernen, dass man bei den Trainingseinheiten ständig Gas geben muss und zwar bis zur letzten Sekunde. In Frankreich war es so, dass je näher das Spiel kam, desto weniger gemacht wurde. In Deutschland ist es kein Problem, 48 Stunden vor dem Spiel elf gegen elf zu spielen und dabei genauso fokussiert und engagiert zu sein wie im Spiel selbst. Das musste ich erst mal lernen und nun gebe ich auch bei jeder Einheit Vollgas, das ist schon längst kein Problem mehr.

War die Bundesliga immer ein Ziel für Sie in Ihrer Karriereplanung?

Überhaupt nicht. Und das ist ja das Unglaublichste in meiner Geschichte. Ich habe zu Beginn meiner Karriere eher Richtung Süden tendiert und Deutschland war für mich zu diesem Zeitpunkt nie ein Thema.

Warum?

Ich dachte in Deutschland ist es eher kalt und mir machte insbesondere die Schwierigkeit der Sprache zu schaffen, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals in der Bundesliga unter Vertrag zu stehen.

Was ist dann passiert?

Die Antwort auf diese und viele andere Fragen in der aktuellen Ausgabe.

Einzelausgabe im Online-Shop bestellen? Hier klicken

Testabo für nur 10 Euro abschließen? Hier klicken

Socrates im ePaper lesen? Hier klicken

Die 100 Spitzenverdiener des Sports 2019

Forbes hat die Spitzenverdiener 2019 im Sport vorgestellt. Wer schon an Gleichberechtigung und „Equal Pay“ glaubt, darf spätestens jetzt aufwachen. Unter den 100 ist nur eine Frau vertreten…

Das berühmte Forbes-Magazin hat seine Liste der 100 Spitzenverdiener im Sport für das Jahr 2019 vor geraumer Zeit herausgegeben. Das Magazin legt dabei Gehalt und die geschätzten Werbeeinnahmen zu Grunde. Wer am 2. November den „Equal Play Day“ gefeiert hat, darf spätestens beim Blick auf die Liste der 100 Spitzenverdiener ernüchtert sein. Es ist nur eine Frau unter den Bestverdienern vertreten: Serena Williams auf Platz 63.

Wer deutsche Sportler in der Liste sucht, wird erst ab Platz 30 fündig. Insgesamt haben sich nur zwei deutsche Sportler in den Top 100 verdient. Forbes hat die Angaben in Dollar gemacht, die Einnahmen sind aufs Jahr gerechnet. Die Top 10 in der Diashow, die Deutschen der Top 100 sowie die komplette Liste im Nachgang. Viel Spaß beim Durchklicken.

Das sind die Bestverdiener des Sports 2019

, ,

Luka Dončić: „Schaut in sein Gesicht“

Luka Dončić ist einer der besten Spieler der NBA. Der Nachfolger von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks bricht Rekorde über Rekorde. Ein Aufstieg, der für Luka Bassin nicht überraschend kommt. Der Dončić-Kenner schreibt bei SOCRATES, wie s zum Aufstieg kam.

Von Luka Bassin

Ich will gar nichts beschönigen. Obwohl ich einen großen Teil meiner Karriere als Trainer von Jugendmannschaften arbeitete, brauchte ich zehn Jahre, um das besondere Talent von Luka Dončić zu bemerken. Luka trat in mein Leben, da konnte er aus eigener Kraft noch nicht einmal stehen. Als ich mit seinem Vater Saša in die Kleinstadt Škofja Loka wechselte, krabbelte Luka im Training immer den Bällen nach, dabei waren die fast größer als er selbst.

Dass er ein Star werden könnte, auf dessen Schultern ein NBA-Team seine Zukunft baut, kam mir damals nicht in den Sinn. Ein paar Jahre später beendete ich meine Karriere, ging aber immer noch zu Spielen in Domžale und Ljubljana, um meinen Kumpel Saša zu unterstützen. Luka war damals im Grundschulalter und stand oft am Spielfeldrand, immer mit einem Ball in den Händen.

Slowenien war zu klein für Luka Dončić

Ich werde nie vergessen, wie ich ihn erstmals in einem richtigen Spiel, fünf gegen fünf, auf dem Court gesehen habe. Das war 2008. Ich war damals Jugendtrainer bei Olimpija Ljubljana. An jenem Tag benutzten die Basketballschüler des Vereins die Sporthalle, als die Spieler der U 11 auf den Court kamen. Luka war zwei Jahre jünger als die meisten anderen, aber im Spiel merkte man davon überhaupt nichts. Seit diesem Tag sah ich ihn nicht mehr „nur“ als Sašas Sohn, sondern verfolgte seine Spiele.

2012 nahmen wir mit der U 13 von Olimpija an einem internationalen Turnier in Rom teil. Nachdem Luka im Finale 54 Punkte, 11 Rebounds und 10 Assists aufgelegt hatte, war mir klar: Slowenien ist zu klein für ihn. Real Madrid war auf ihn aufmerksam geworden und einigte sich mit seiner Familie auf eine Art Probezeit, um Luka ausgiebig beobachten zu können.

Der Wechsel zu Real Madrid

Er nahm im Trikot von Real an der „Minicopa Endesa“ teil, dem wichtigsten Turnier für U-14-Spieler in Spanien. Obwohl Luka einer der jüngsten Teilnehmer dort war, dominierte er die Veranstaltung. Mit seiner erstaunlichen Reife und Robustheit faszinierte er alle Beobachter. Jetzt war ich vollkommen sicher, dass er eine großartige Zukunft haben würde.

Dennoch gab es in Slowenien Diskussionen um seinen Umzug nach Madrid. Ich gehörte zu den Leuten, die sich Sorgen um ihn machten. Ich fürchtete, dass ihn die Anstrengungen, eine neue Sprache zu lernen und sich in einem fremden Land einleben zu müssen, in seiner Entwicklung behindern würden. Das war aber eine Fehleinschätzung. Es sollte sich zeigen, dass seine Familie mit seinem frühen Wechsel ins Ausland eine zwar mutige, aber vollkommen richtige Entscheidung getroffen hatte und Luka im vorzüglichen Fördersystem von Real Madrid bestens aufgehoben war.

Luka Bassin, Jahrgang 1971, begann nach seiner Spielerkarriere in verschiedenen Mannschaften Sloweniens als Trainer bei Jance STZ. Sowohl beim Hauptstadtklub Olimpija Ljubljana als auch auf nationaler Ebene coachte er unterschiedliche Altersklassen im Nachwuchsbereich. Sechs Spieler der Nationalmannschaft, die 2017 Europameister wurde, betreute er während ihrer Ausbildung. Zuletzt wechselte er von Olimpija Ljubljana zum Stadtrivalen Ilirija, wo er im Trainerstab von Lukas Vater Sasa Doncic tätig ist.
Luka Bassin
Basketball-Trainer

Luka Dončić: Die absolute Selbstsicherheit

Ich saß gebannt vor dem Fernseher, als er in seinem ersten Spiel in Spaniens Top-Liga ACB nach 15 Sekunden gegen Unicaja Málaga einen Dreier versenkte. Eine Sache hat ihn immer ausgezeichnet, eine bestimmte Haltung: Egal ob er in der Jugend gegen drei Jahre ältere Kinder spielte oder als 16-Jähriger in der stärksten Liga Europas debütierte, er trat immer mit der absoluten Selbstsicherheit auf. Er hat diesen Blick, den er wie einen unsichtbaren Harnisch trägt und mit dem er gegen jeden Zweifel gewappnet ist.

Im Laufe der Jahre hieß es immer wieder, Lukas Athletik sei nicht gut genug für das nächste Level und sein Shooting zu unzuverlässig. Ich liebe einen Ausspruch des ESPN-Experten Fran Fraschilla über Luka: „Es heißt, er sei etwas zu langsam, doch trotzdem ist er allen anderen immer zwei Schritte voraus.“

Er kultivierte seine signature moves

Inzwischen ist er mittendrin in der NBA und begeistert mit seinem Spiel. Er hat sogar schon zwei signature moves kultiviert, zumindest schwören die Texaner, dass sie noch nie solche Stepback-Dreier und Pass-Fakes unter dem Korb gesehen haben.

Seit seinen Anfängen als „Maskottchen“ bei Loka Kava hat er mich vieles gelehrt. Um zu sehen, was für ein außergewöhnlicher Spieler er ist, schauen Sie ihm am besten ins Gesicht. Das genügt, Sie werden schon sehen…

, ,

Gewinnspiel mit Qatar Airways: Gewinne drei tolle Preise

Mit Qatar Airways und Socrates könnt ihr jetzt drei tolle Preise gewinnen. Beantwortet die Gewinnspiel-Frage richtig und seid automatisch dabei. Zu gewinnen gibt es vier Tickets für das Heimspiel des FC Bayern gegen Tottenham, ein signiertes Bayern-Trikot sowie ein signierter Ball. Mitmachen und gewinnen!

Die Preise

4 x Eintrittskarten: FC Bayern – Tottenham

Gewinne 4 x Premium-Eintrittskarten für das Heimspiel des FC Bayern gegen Tottenham am 11. Dezember 2019, 21 Uhr in der Allianz Arena, München, wo dann auch Tottenhams neuer Trainers Jose Mourinho zu Gast sein wird. Verhindert Mou, dass die Bayern alle sechs Gruppenspiele gewinnen oder holen sich Hansi Flicks Schützlinge den Rekord?

1 x Signierter Ball der ganzen Mannschaft

Gewinne ein von allen Spielern des FC Bayern unterschriebenen Fußball. Robert Lewandowski, Serge Gnabry, Manuel Neuer und Co. – sie alle haben unterschrieben.

1 x Signiertes Trikot des FC Bayern

Gewinne ein von einem Spieler des FC Bayern unterschriebenes Originaltrikot des deutschen Rekordmeisters. Thiago, Thomas Müller, Kingsley Coman – sie alle haben unterschrieben.

Die Preisfrage

Welcher ehemalige Profi des FC Bayern und heutiger Musiker schrieb Kolumnen für das Socrates Magazin?

Kleiner Tipp: Seine Band nennt sich heute Whale City. Schicke deine richtige Antwort an info@socratesmagazin.de mit dem Kennwort „Qatar-Airways-Gewinnspiel“ und nehme automatisch an der Verlosung teil. Die Gewinner werden per e-Mail benachrichtigt. Einsendeschluss ist der 05.12.2019.

Allgemeine Hinweise: Nur volljährige Personen sind zur Teilnahme am Gewinnspiel berechtigt. Pro Person darf einmal am Gewinnspiel teilgenommen werden. Die Teilnahme ist unabhängig vom Kauf eines Produkts bzw. der Erfüllung anderer Bedingungen. Mitarbeiter von Socrates sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Das Recht, einzelne Personen vom Gewinnspiel auszuschließen, wenn gegen diese Teilnahmebedingungen verstoßen wird, behalten wir uns ausdrücklich vor. Auch Personen, die sich durch Manipulationen einen Vorteil verschaffen, sind von der Teilnahme am Gewinnspiel ausgeschlossen. Sollten wir hiervon erst nach Beendigung des Gewinnspiels oder nach Ausgabe des Gewinns Kenntnis erlangen, so kann auch nachträglich der Gewinn aberkannt und zurückgefordert werden. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Gewinner wird nach Beendigung des Gewinnspiels per Zufallsprinzip von Socrates ausgelost und benachrichtigt Der Anspruch auf den Gewinn kann nicht abgetreten werden. Beschwerden bezüglich der Durchführung des Gewinnspiels sind innerhalb von 14 Tagen nach Ablauf der Laufzeit schriftlich an Socrates zurichten. Socrates behält sich vor, das Gewinnspiel jederzeit ohne Vorankündigung und ohne Angabe von Gründen abzubrechen oder zu beenden. Das Gewinnspiel wird insbesondere dann vorzeitig beendet, wenn eine ordnungsgemäße Durchführung aus technischen (z. B. Fehler oder Manipulationen, die die eingesetzte Hard- und/oder Softwarebetreffen) oder rechtlichen Gründen nicht gewährleistet werden kann. Resultiert eine vorzeitige Beendigung des Gewinnspiels aus einem Verhalten eines Teilnehmers oder sonstigen Dritten kann Socrates von diesem den entstandenen Schaden ersetzt verlangen. DerRechtsweg ist ausgeschlossen. Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar.

, , ,

Ribery, Lessort, Tuchel: Eine Sache der Liebe

Es wird Französisch! Die Ausgabe #38 dreht sich um das Thema Frankreich und die Franzosen. Wie Franck Ribery sich durch die Liebe definiert, wie Bayern Münchens Basketballer Mathias Lessort durch seine Sportart zum Glück fand und wie es Thomas Tuchel bei PSG schaffte, sich in die Herzen der  Spieler zu hieven… in der #38!

Franck Ribery: Eine Sache der Liebe

So richtig loslassen kann Franck Ribery natürlich nicht. Als Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern verabschiedet wurde, tauchte der Franzose auf und erwies dem ehemaligen Bayern-Präsident die Ehre. Eine tolle Geste und auch Ribery, der Spieler mit den meisten Meistertiteln im Trikot des Rekordmeister, wurde geehrt.

Zwölf Jahre genoss Franck Ribéry in München das Gefühl, geliebt zu werden. Auch in Florenz spürt der Franzose nun die Zuneigung der Fans, die er aber in seiner Heimat nie erhielt. Aber die er auch mit 36 Jahren noch benötigt, um als Fußballer und Mensch zu bestehen.

Die gesamte Story lesen Sie in der neuen Ausgabe, das sie hier bestellen können. Alternativ können Sie auch ein Jahresabo bestellen oder das ePaper lesen.

Was hat die Ausgabe #38 noch zu bieten?

Exklusiv-Interview mit Mathias Lessort

Mathias Lessort vermisst den Strand, aber den Basketball liebt der Star des FC Bayern so sehr, dass sich selbst Heimatgefühle hinten anstellen müssen. Mit Bayerns Franzosen sprachen wir über Mentalitätsunterschiede, das Umfeld FC Bayern und Besuche aus der Heimat.

Thomas Tuchel: Le Patron

Thomas Tuchel ging mit einem Rucksack voller Klischees nach Frankreich zu Paris Saint-Germain. Doch dann kam alles anders. Der ehemalige Trainer des BVB wurde zum Chef von Paris, weil sich Tuchel veränderte und sich selbst bei einem Diven-Klub extrem beliebt machte.

Exklusiv-Interview mit Josuha Guilavogui

Eigentlich wollte Josuha Guilavogui nie nach Deutschland ziehen. Jetzt ist er Kapitän des VfL Wolfsburg und kann sich vorstellen, die Autostadt nie wieder zu verlassen. Warum Franck Ribéry dabei eine Rolle spielt und was das einzige Manko ist, erzählt er im Interview.

Ajax in Grün

Der französische Fußball hatte in den 1970er Jahren einen neuen Tiefpunkt erreicht. AS Saint-Étienne kämpfte sich zunächst aus dem Sumpf heraus und danach auf den Gipfel des europäischen Fußballs hoch. Und das schaffte der Verein mit seinen eigenen Mitteln. Wir sprachen mit einem Helden von damals: Dominique Rocheteau.