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Josuha Guilavogui im Interview: „Mir fehlen die Supermärkte“

Eigentlich wollte Josuha Guilavogui nie nach Deutschland ziehen. Jetzt ist er Kapitän des VfL Wolfsburg und kann sich vorstellen, die Autostadt nie wieder zu verlassen. Warum Franck Ribéry dabei eine Rolle spielt und was das einzige Manko ist, erzählt er im Interview.

Josuha Guilavogui, wie lebt es sich als Franzose in Deutschland?

Es ist toll, auch wenn in den ersten Monaten nicht unbedingt alles einfach verlief. Das Wichtigste war bei mir, als ich von Atlético Madrid kam, dass ich zwar der einzige Franzose im Kader war, aber dank der tollen Französischkenntnisse von Kevin De Bruyne, Diego Benaglio und Ivan Perišić besser und schneller Fuß fassen konnte. Ich konnte mich durch ihre großartige tägliche Hilfe gut und schnell integrieren. Sie waren immer für mich da und hilfsbereit, vor allem wegen der Übersetzung. Das war im Nachhinein mein großes Glück. Heute bin ich froh, dass ich diese Rolle übernehmen kann und zum Beispiel meinen Landsmann Jérôme Roussillon jederzeit zur Verfügung stehe und für ihn dadurch als Art großer Bruder gelte.

Und sportlich?

Von der Mentalität her sind es ja zwei verschiedene Länder. In den ersten Wochen beim VfL musste ich erst lernen, dass man bei den Trainingseinheiten ständig Gas geben muss und zwar bis zur letzten Sekunde. In Frankreich war es so, dass je näher das Spiel kam, desto weniger gemacht wurde. In Deutschland ist es kein Problem, 48 Stunden vor dem Spiel elf gegen elf zu spielen und dabei genauso fokussiert und engagiert zu sein wie im Spiel selbst. Das musste ich erst mal lernen und nun gebe ich auch bei jeder Einheit Vollgas, das ist schon längst kein Problem mehr.

War die Bundesliga immer ein Ziel für Sie in Ihrer Karriereplanung?

Überhaupt nicht. Und das ist ja das Unglaublichste in meiner Geschichte. Ich habe zu Beginn meiner Karriere eher Richtung Süden tendiert und Deutschland war für mich zu diesem Zeitpunkt nie ein Thema.

Warum?

Ich dachte in Deutschland ist es eher kalt und mir machte insbesondere die Schwierigkeit der Sprache zu schaffen, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals in der Bundesliga unter Vertrag zu stehen.

Was ist dann passiert?

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Pick’n’Roll mit Yannick Gerhardt: Hip-Hop-Hörender Welterkunder

Sie kennen Yannick Gerhardt (25) als Fußballprofi des VfL Wolfsburg? Aber heißt das, dass Sie den Mittelfeldspieler, der 2016 sein erstes und bisher einziges Länderspiel für Deutschland machte, wirklich kennen? Bei Pick’n’Roll verrät er, wohin er mit seiner Schwester Anna, die seit dieser Saison für Turbine Potsdam in der Bundesliga aufläuft, lieber geht als auf den Platz und in welchem Moment ein Traum für ihn wahr wurde.

Köln oder Wolfsburg?

„Auch wenn ich mich in Wolfsburg sehr wohl fühle, bleibt Köln immer meine Heimat.“

Luiz Gustavo oder Bastian Schweinsteiger?

„Gustavos Spielweise hat mir immer imponiert, er war ein Vorbild für mich in der Jugend. Als ich bei Wolfsburg in der Kabine neben ihm saß, wurde ein Traum wahr.“

Darts oder Billard?

„Ich finde beides cool, aber sehe meine Stärken eher im Billard.“

Städtereise oder Badeurlaub?

„Ich muss beides kombinieren. Sowohl nach einer anstrengenden Saison am Pool oder Meer entspannen, aber auch die freie Zeit nutzen, um die Welt zu erkunden und neue Kulturen und Länder kennenzulernen.“

Mit der Schwester kicken oder mit der Schwester ins Kino?

„Wenn wir uns sehen, wollen wir beide vom Fußball abschalten. Dann gehen wir lieber ins Kino.“

Sushi oder Schnitzel?

„Veganes Sushi!“

Papst oder Peter Stöger?

„Den Papst persönlich zu treffen, war eine außergewöhnliche Erfahrung. Peter Stöger habe ich jedoch auch einiges zu verdanken.“

Rap oder Rock?

„Ich höre am liebsten Hip-Hop und Rap.“

LeBron James oder Tom Brady?

„Beides absolute Topathleten in ihrer Sportart. Da man aber von LeBron mehr über Trainingsarbeit, Regenerationsmethoden, Motivation, Leadership und Denkweisen erfährt, ist er der GOAT.“

Anzug oder Trikot?

„Ich bevorzuge Trikots schon sehr gegenüber Anzügen als Arbeitskleidung.“

Facebook oder Instagram?

„Ich benutze Instagram öfter, Facebook kaum mehr. Ich sehe die Entwicklung von Social Media eher kritisch. Es macht süchtig und ist für mich wie eine Scheinwelt, in der es eher auf oberflächliche Aspekte wie Aussehen und materielle Dinge ankommt.“

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Kevin De Bruyne: „Ich zweifle nie an mir selbst“

Kevin De Bruyne ist ein erstaunlich abgeklärter und beneidenswert ausgeglichener junger Mann. SOCRATES erzählt der Belgier von seiner allzu kurzen Jugend und seiner puristischen Sicht auf den Fußball.

Kevin De Bruyne, es heißt, Sie seien kein guter Verlierer. Stimmen Sie zu?

Es stimmt und war schon so, als ich noch ganz klein war. Mittlerweile läuft es besser, vor allem wenn wir zu Hause spielen, Monopoly zum Beispiel. Aber früher war Verlieren einfach ein Ding der Unmöglichkeit und ich war unerträglich.

Wie ist es auf dem Fußballplatz?

Ich bin kein schlechter Verlierer, sondern eher ein guter Gewinner. (lacht) Ich bin jetzt ein erwachsener Mann und Familienvater, das hat schon dafür gesorgt, dass ich ruhiger geworden bin.

Sie sprechen die Familie an. Wie war es für Sie, schon sehr früh das Elternhaus zu verlassen und nach Genk zu wechseln?

Das war nicht einfach. Ich war erst 13, 14 Jahre alt. Ich habe meine Eltern gebeten, ins Fußballinternat zu gehen und zu einer Pflegefamilie zu ziehen. Ich wollte meine Chance suchen. Und plötzlich war ich allein, ohne meine Eltern. Aber diese Zeit hat mich sicherlich geprägt. Ich bin zwar in einer neuen Familie gelandet, aber es war halt nicht meine. Als ich 18 wurde, habe ich allein gelebt. Ich musste also allein kochen, waschen, putzen und all diese Dinge erledigen. Das war eine gute Schule, dadurch bin ich schneller erwachsen geworden, weil ich gezwungen war, anders zu leben als ein normaler 18-Jähriger. Das gilt aber auch für andere Bereiche.

Das Interview erschien in Ausgabe #35: Jetzt im Shop bestellen

Hatten Sie nie das Gefühl, etwas zu verpassen?

Ich sage immer: Wenn man es wirklich schaffen will im Leben, dann muss man selbstbewusst auftreten und alles geben. Wenn man aber ein paar Prozent nachlässt, wenn man etwa an seinen Zielen zweifelt, dann schafft man nichts. Ich wusste, dass es die richtige Entscheidung ist. Bis heute ist das so: Wenn ich eine Entscheidung treffe, bin ich überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Als ich zum VfL Wolfsburg ging und anschließend zu Manchester City, waren das Entscheidungen aus tiefster Überzeugung. Ich war davon überzeugt, dass es zum jeweiligen Zeitpunkt die für mich beste Option war. Ich bin immer von dem überzeugt, was ich tue.

Ihrem Spiel wohnt eine große Leichtigkeit inne. Woher kommt die?

Fußball ist Business, aber es ist und bleibt auch ein Spiel. Auf dem Rasen will ich Spaß haben, ich will mich einfach amüsieren, das ist meine Einstellung. So sehe ich den Fußball.

Klingt kinderleicht. Was ist mit der immensen Erwartungshaltung, die von außen an Sie herangetragen wird?

Auch wenn der Druck bei jedem Spiel groß ist, will ich in erster Linie Spaß haben. Wenn ich keinen Spaß empfinde, dann kann ich mein Potenzial mit Sicherheit nicht abrufen. Egal ob wir gewonnen oder verloren haben, bleibe ich der Gleiche und verhalte mich zu Hause wie immer. Ob es um ein großes oder ein weniger großes Spiel geht, unterscheide ich gar nicht. Es ist und bleibt ein Spiel. Es gibt einige Spieler, die nach einem wichtigen Sieg abheben und bei einer Pleite nervös werden. Ich sehe mich irgendwo dazwischen. Egal was passiert, ich habe die Gabe, alles zu relativieren.

Echt?

Das finde ich wirklich. Ich liebe Fußball und in meinen Augen ist das das Entscheidende. Wenn man seinem Job ohne Freude nachgeht, dann wird man die Erwartungen nicht erfüllen können.

Sie sprachen an, welch gute Entscheidungen die Wechsel nach Wolfsburg und dann nach Manchester waren. Kein gutes Pflaster war hingegen der FC Chelsea.

Auch wenn ich selten zum Einsatz kam, war es eine gute Schule. Tagtäglich mit hochkarätigen Spielern zu arbeiten, hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Vielleicht habe ich damals nicht so oft gespielt, weil ich nur acht und nicht 50 Millionen gekostet hatte. Für mich sind acht Millionen eine Menge Geld, aber im Weltfußball und besonders in England ja inzwischen nur noch ein Trinkgeld.

Wie haben Sie sich gefühlt in dieser Zeit? Allzu viel Spaß kann es Ihnen dort ja nicht gemacht haben.

Es gab Momente, in denen ich frustriert war, vor allem weil man so gut wie nie mit mir gesprochen hat. Ich wusste ehrlich nicht, warum ich nie zum Einsatz kam. Das war schon brutal. Auch wenn ich im Endeffekt sechs Monate nicht gespielt habe, war es eine lehrreiche Zeit. Vielleicht wäre ich ohne diese Etappe nicht so weit gekommen. Außerdem war mir die Erfahrung nützlich, als ich nach der Zeit in Wolfsburg nach England zurückkehrte und die Liga schon kannte.

Kam der Wechsel zu Chelsea damals zu früh?

Das kann man wohl so sehen. Ich war erst 19. Es war ein völlig anderes Leben, eine neue Kultur. Aber es ist im Nachhinein betrachtet nicht dramatisch. Es dauerte ja nur ein halbes Jahr. Sechs Monate nicht zu spielen, ist in einer Karriere alles andere als schlimm.

Im Sommer 2015 waren Sie nicht mehr für ein Trinkgeld zu haben. City überwies gut 75 Millionen Euro nach Wolfsburg. Was macht das mit einem Spieler?

Diese Zahlen gehen mich nichts an. Sie sind einfach nicht mein Problem. Man sagt, dass der Druck damit automatisch noch größer wird, aber darum kümmere ich mich nicht. Das kann ich ganz gut ausblenden. Bei Manchester City verläuft alles extrem gut. Ich bin mehr als glücklich. Der Rest ist nicht wichtig. Aber mir ist auch bewusst, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Es gibt in einer Profi-Karriere viele Höhen und Tiefen.

In der öffentlichen Wahrnehmung aber markierte der Transfer Ihren Aufstieg zu einem internationalen Superstar. Haben Sie das wahrgenommen?

Das mag ja sein, aber damit kann ich mich ja auch beschäftigen, wenn ich die Schuhe eines Tages an den Nagel gehängt habe. Momentan nehme ich es gar nicht wahr, weil ich mich allein auf die Spiele fokussiere und mich der Rest, ganz ehrlich, nicht wirklich interessiert.

Die Spitzenverdiener im Sport

Träumen Sie konkret von bestimmten Zielen oder Titeln?

Eigentlich gar nicht. Ich möchte nur so viele Titel wie möglich gewinnen. Ich will nicht nur die Premier League holen, sondern auch den FA Cup und die Champions League. Und wenn es geht, würde ich am liebsten alles gleichzeitig gewinnen, um in die Geschichte einzugehen. Das wäre das Optimum. Aber um das zu schaffen, sollte man darüber so selten wie möglich nachdenken, sonst wird es wohl nicht klappen.

Hatten Sie als Jugendlicher ein Idol?

Michael Owen. Er war mein Lieblingsspieler. Er war schon immer meine Nummer eins. Bis auf den englischen Meistertitel hat er immerhin alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Sogar den Ballon d’Or hat er sich geangelt. Auch ich will alles gewinnen, und zwar mit Manchester City. Dort fühle ich mich pudelwohl.

Sie vermitteln stets den Eindruck, nie an sich zu zweifeln. Stimmt das?

Das stimmt. Im Endeffekt sollte man nie vergessen, auch wenn es mein Beruf ist, dass der Fußball ein Spiel ist und ein Spiel bleibt. Die Leute können erzählen, was sie wollen: Ich bin mit mir im Reinen und das ist in meinen Augen das Wichtigste, um mich bestens zu entwickeln. Wenn man 60 oder 70 Spiele pro Jahr bestreitet, dann kann man nicht immer gut sein. Das ist einfach unmöglich. Wir sind keine Maschinen.

Sie haben schon mit 23 eine Autobiographie geschrieben. Wie kam es denn dazu?

Ich wollte einfach ein paar Sachen klarstellen und ich hatte es satt, dass man immer wieder für mich sprach. Ich wollte erzählen, was in meinem Leben genau passiert ist, als ich 12, 13 Jahre alt war. Ich wusste von klein auf genau, was ich erreichen wollte. Wenn man als kleiner Junge seiner Familie erklärt, dass man von zu Hause wegmöchte, um bei einem großen Klub Fuß zu fassen, dann fällt die Reaktion unter Umständen nicht so aus, wie man sich das erhofft hat. Es hagelte damals Kritik. Das war hart. Ich wollte erklären, warum ich mich so verhalten habe und wer ich wirklich bin.

Interview: Alexis Menuge

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Mario Gómez: Ein Mann mit sich im Reinen

Mario Gómez kehrt VfB Stuttgart zurück. Im Mai 2017 sprach der Stürmer mit Socrates über seine bewegten Jahre und die Erfahrungen, die ihn als Menschen verändert haben. Ein Interview über einen Mann, der die Welt noch erobern will.

Mario Gómez, hoffen Sie, dass Andries Jonker nach Dieter Hecking und Valérien Ismaël Ihr letzter Trainer beim VfL Wolfsburg ist?

Ja, das hoffe ich tatsächlich. Wenn die Situation sich weiter so gut entwickelt, wie sie angefangen hat, dann wäre es ja auch unabhängig von meiner Person für Wolfsburg schön, wenn Andries Jonker die nächste Epoche des Vereins prägen würde. Ich würde es ihm wünschen. Die Chemie stimmt zwischen Mannschaft und Trainer.

Reicht die Chemie für ein Saisonende ohne Relegationsstress?

Wir dürfen die Situation nicht schönreden. Wir kämpfen um den Klassenerhalt, brauchen in jedem Spiel unbedingt Punkte. Aber positiv festzuhalten ist: Die Ergebnisse unter Andries Jonker kommen nicht glücklich zustande. Was wir auf dem Platz abliefern, hat Hand und Fuß. Er hat es in kürzester Zeit geschafft, dass wir Spieler verstehen, was er von der Mannschaft will, dass wir auch in dieser schwierigen Situation Fußball spielen können. Auch wenn wir spielerisch noch lange nicht da sind, wo wir hinwollen und auch hinkönnen.

Das Interview erschien in der 7. Ausgabe

Das Interview erschien in der 7. Ausgabe

Eine Holland-Hilfe zur richtigen Zeit?

Man unterstellt den Holländern ja immer dieses positiv Arrogante. Ich finde nicht, dass es Arroganz ist. Eher Selbstbewusstsein. Ich hatte vom ersten Tag an das Gefühl: Andries Jonker geht es einzig und allein darum, uns unabhängig vom Tabellenplatz seine Philosophie und Taktik zu vermitteln. Das große Ganze zu sehen, das ist für mich das A und O. Es gibt immer wieder Beispiele, bei denen sich alle die Augen reiben und sich wundern, warum es so läuft, wie es läuft. Leipzig ist so ein Beispiel. Die haben 15 oder mehr Spieler im Kader, die vergangene Saison noch in der Zweiten Liga gespielt haben. Und diese Saison zählen sie in der Ersten Liga zu den Besten. Warum? Weil sie eine ganz klare Philosophie haben, diesen Plan schon seit Jahren verfolgen und jeder weiß, was zu tun ist. Das ist Fußball 2017.

Ist Wolfsburg in den kommenden Jahren in der Lage, auch wieder oben mitzumischen?

Langfristig ist das die Vision und auch das Ziel dieses Vereins. Wir müssen da auch gar nicht drum herum reden: Wenn man sich die Qualität unseres Kaders und die Investitionen des Vereins anschaut, dann kann der Anspruch hier nicht der Kampf um den Klassenerhalt sein. Aber es gibt immer mal wieder Situationen, die sich komplett anders darstellen, mit denen man sich dann auseinandersetzen muss. Nehmen wir Dortmund. Die waren vor zwei Jahren zur Winterpause Zweitletzter – mit einer Wahnsinnsqualität in der Mannschaft. Keiner hat verstanden, warum das so war. Man muss dann nach den Ursachen forschen, diese intern aufarbeiten. Genau das wurde und wird hier in Wolfsburg gemacht. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt einen Trainer haben, der perfekt zu dieser Mannschaft passt.

Der Wolfsburg auch wieder zu Titeln führen kann?

Ob es selbst bei der besten Arbeit zu Pokalen und Titeln reicht, sei mal dahingestellt. Es gibt mit Bayern und Dortmund zwei Mannschaften in der Liga, die den anderen Teams so sehr überlegen sind, dass es verdammt schwer wird für die anderen Klubs, in den kommenden Jahren etwas zu gewinnen. Ich befürchte auch, dass sich diese Situation nur schwer ändern wird, solange die 50-plus-1-Regel gilt.

Sie sind gegen 50 plus 1?

Ich kann die Fans der Traditionsteams verstehen. In meinen Augen besteht jedoch die Chance, die Bundesliga an der Spitze wieder spannender zu machen, darin, diese Regel zu überdenken. Ansonsten wird die nächsten zehn Jahre zehnmal Bayern Meister. Wenn sie schwächeln, vielleicht mal Dortmund oder früher oder später Leipzig. Man sieht das doch beispielsweise in England, wo es viel mehr Mannschaften gibt, die um den Titel spielen, die echte Chancen auf Pokale haben. Ich glaube zwar, dass in Wolfsburg wie auch in Leipzig das Potenzial aufgrund der besonderen finanziellen Möglichkeiten vorhanden ist, aber der Vorsprung von Bayern und Dortmund auch für diese Klubs in den kommenden Jahren nicht aufzuholen sein wird. Der Vorsprung ist zu riesig. Das wird viele Jahre dauern. Aber besser ein paar Jahre als nie.

Heißt im Umkehrschluss: Der Abstiegskampf wird in Zukunft immer spannender als das Meisterschaftsrennen sein?

Ja, und das finde ich wahnsinnig schade. Gefühlt sind 14 Mannschaften jede Woche gestresst, sind jede Woche unter Druck. Diese Mannschaften spielen überhaupt nicht den Fußball, den sie eigentlich können, weil es immer nur um den Moment geht. Man kann fast sagen: Nervosität beherrscht die Bundesliga. Ich würde mir wünschen, dass wir bei aller sportlichen Brisanz wieder mehr dahinkommen, dass Vereine ihrer Grundausrichtung und Idee folgen und nicht immer nur das Aktuelle gesehen wird. Und die Trainer nur ums Überleben kämpfen und gar nicht mehr ihre Philosophie einer Mannschaft einimpfen können, weil sie nach jeder Niederlage in Frage gestellt werden.

Haben Sie Lösungsansätze?

Vielleicht müssen viele Vereine die Erwartungen ein bisschen runterschrauben. Nehmen wir Stuttgart. Die haben jahrelang gegen den Abstieg gespielt, hatten überhaupt keine schöne Zeit. Als sie vergangene Saison abgestiegen sind, haben alle geschrien: „Um Gottes willen, das ist eine Katastrophe.“ Doch für die Gesamtstimmung im Verein hatte die Situation vielleicht sogar eine positive Wirkung, indem sich der Verein auch von innen ein Stück weiter erneuern konnte und musste. Es wurde vieles hinterfragt, mit Mut aufgeräumt und neu ausgerichtet. Nun haben sie in Stuttgart aktuell wieder ein Jahr mit Erfolg. Das gibt dem ganzen Verein Ruhe, ein breiteres Kreuz und auch wieder strahlende Gesichter. Das kann für den Verein ein super Neustart sein. Noch schöner wäre es doch aber, wenn sie diesen Mut ohne Abstieg gehabt hätten. Diese Freude, wie beispielsweise aktuell in Stuttgart, vermisse ich derzeit so ein bisschen in der Bundesliga.

In Wolfsburg endet Ihr Vertrag 2019. Dann sind sie 33 Jahre alt. 33, die Zahl, die sie seit Beginn Ihrer Profikarriere auf dem Rücken tragen. Schöner kann sich der Kreis doch eigentlich nicht schließen.

Lustigerweise hatte ich von Anfang bis Ende 20 genau diesen Gedanken im Kopf: ‚Mit 33 Jahren höre ich auf.‘ Genau deswegen: Weil die 33 eben immer eine so besondere Rolle in meiner Karriere gespielt hat. Ich war früher extrem abergläubisch, bin davon aber in den vergangenen Jahren ein bisschen weggekommen. Okay, ich habe immer noch meine Macken vor jedem Spiel: Erst linker Schuh, dann rechter Schuh und diese Dinge. Aber so einen großen Schritt wie ein Karriereende mache ich sicherlich nicht vom Aberglauben abhängig. Ich entscheide das nach Empfinden. So lange ich das Gefühl habe, dass ich mich noch durchsetzen kann und Spaß daran habe, so lange werde ich auch spielen.

Könnten Sie sich nach Wolfsburg noch einen weiteren Verein in der Bundesliga vorstellen?

Schwer. Aber ich gebe ungern endgültige Statements ab, weil man einfach nie weiß was kommt. Ich habe in der Vergangenheit auch schlechte Erfahrungen gemacht mit Plänen, die ich mir zurechtgelegt hatte. Ich versuche jetzt einfach nur noch, den Moment zu leben und zu nutzen. Das entspannt mich wahnsinnig. Was sportlich als nächstes kommt, interessiert mich gerade nicht.

Eine finale Station im Ausland reizt auch nicht?

Ich bin happy mit der Situation, wie sie ist, zurück in Deutschland zu sein, zurück in der Bundesliga. Die Stadien sind voll, es herrscht dort eine gute Atmosphäre. Außerdem bin ich viel näher an meiner Familie, die es umgekehrt auch viel einfacher hat, mich und meine Frau zu besuchen. Wir haben in der Familie mittlerweile viele Kleinkinder, die wir auch erleben möchten. Und nicht erst das nächste Mal sehen, wenn die dann auf einmal schon fünf sind.

Eine Rückkehr zu Beşiktaş nach Istanbul wird trotz der Gerüchte in den türkischen Medien also kein Thema sein?

Wenn ich die Berichterstattung in der Türkei richtig überliefert bekommen habe, war ich ja schon drei Mal wieder da und habe auch schon drei Mal unterschrieben. Aber im Ernst: Die Türkei-Zeit war für mich total hilfreich. Es war einfach alles mega. Die Leute waren unheimlich nett, ich hatte ein Wahnsinnsjahr dort. Allerdings sind die Medien dort schon extrem. Ich konnte zum Glück nicht verstehen, was in der Zeitung steht. Aber natürlich habe ich mitbekommen, dass da viele Geschichten auf den Tisch kamen, die so nie passiert sind und auch viele Aussagen von mir völlig falsch wiedergegeben wurden.

Ihre Reaktion darauf?

Gar keine. Ich habe das nie revidiert, habe mich nie auf diesen Schlagabtausch eingelassen. Ich habe die Dinge einfach laufen lassen und mich nur auf das Sportliche konzentriert. Daher war ich auch zu allen Journalisten immer nett (lacht). Im Nachhinein war das schon irgendwie lustig. Diejenigen, die eine schlechte Story über mich veröffentlicht hatten, waren über mein freundliches Verhalten beim nächsten Wiedersehen ganz schön irritiert. Aber ich wusste ja gar nicht: Ist das jetzt der Böse oder der Gute? Und das habe ich übernommen. Irgendwie fahre ich gut damit, weil es für mich keine Rolle mehr spielt, wie ich von anderen oder von Journalisten gesehen werde. Ich versuche einfach, ich selbst zu sein. Und dabei allen Leuten freundlich gegenüberzutreten. Deshalb war die Türkei sehr entscheidend für mich. Aber jetzt bin ich mit beiden Beinen in Wolfsburg. Und um es nochmal klarzustellen: Was in der Türkei geschrieben wird – nach dem Motto, ich würde mich in Deutschland nicht wohlfühlen und zurück wollen –, das sind alles Märchen.

Sind denn Gedanken über die Zeit nach Ihrem Karriereende bereits wahrhaftig?

Natürlich trage ich diese Gedanken in mir. Und ich muss sagen, es sind sogar schöne Gedanken. Ich habe überhaupt keine Torschlusspanik. Ich denke überhaupt nicht: Oh je, vielleicht sind es nur noch zwei Jahre. Es sind eher Gedanken wie: Was habe ich in meinem Leben alles verpasst wegen des Fußballs? Was für Dinge habe ich versäumt, was will ich noch sehen? Das sind Reisen, Sportarten, Adventures, die ich erleben möchte.

Abenteuer wie Bungee-Jumping?

Um Gottes willen. Ich denke eher an so Dinge wie Skifahren im Winter. Ich liebe München und bin da mittlerweile auch heimisch. Dort haben wir so grandiose Möglichkeiten mit den Bergen und den Seen. Im Sommer möchte ich nach der Karriere zum Beispiel einfach mal Wasserski fahren. Es sind diese kleinen Dinge, die für andere ganz normal sind. Für mich waren sie bisher nicht möglich. Weil ich immer daran gedacht habe: Mario, du hast lange Haxen. Das heißt: Man verdreht sich schnell das Bein, und dann sitzt man da im Profifußball und schaut eine Weile zu. Deshalb habe ich das nie getan.

Aber reisen können Sie doch.

Es geht für mich vielmehr darum, Länder zu bereisen, wann immer man darauf Lust hat. Als Profifußballer kann ich nur wenige Wochen im Sommer oder Winter tun und lassen, was ich will. Und selbst da achtet man darauf, dass man nicht in zu vielen Zeitzonen unterwegs ist, dass man nicht komplett raus aus seinem Rhythmus kommt. Ich freue mich wahnsinnig auf das Spontane. Zu sagen: Morgen möchte ich das machen. Und es dann auch zu tun. Dafür werde ich mir viel Zeit nehmen. Diese Spontanität habe ich seit 20 Jahren nicht mehr. Ich werde mich auch auf keinen Fall sofort in eine nächste Aufgabe stürzen. Ich werde erstmal durchatmen, runterkommen und Dinge verwirklichen, die ich schon lange im Kopf habe, aber nie gemacht habe.

Das klingt wie eine persönliche Befreiung.

Nein, gar nicht. Ich liebe den Fußball und mein aktuelles Leben. Und ich hoffe auch auf noch viele gute Jahre. Aber wenn Sie mich auf die Zeit danach ansprechen, sind das meine Gedanken. Ich möchte einfach einiges noch ausprobieren. Vielleicht macht mir auch vieles davon gar keinen Spaß. Das werde ich dann sehen. Ich möchte auch viel mehr Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Freunde im Ausland besuchen, die ich über all die Jahre kennengelernt habe. Es sind rundum positive Gefühle, wenn ich an die Zeit danach denke. Ich bin mit mir total im Reinen. Selbst wenn es morgen vorbei wäre, könnte ich sagen: Ich hatte eine wunderschöne Karriere.

Sind auch die Gedanken da: Endlich mal sesshaft werden, endlich keine Umzüge mehr?

Ja, wobei ich jetzt schon zwei, drei Heimaten für die Zeit nach dem Fußball habe. Ich bin durch meinen Vater sehr mit Spanien verbunden, werde sicherlich auch immer einige Zeit in Spanien sein. Dann eben München als Familienstandpunkt. Dazu kommt meine ursprüngliche Heimat im Schwabenland, wo ich immer noch sehr gerne bin. So fix an einem Punkt werde ich also sicher nicht leben. Der Fußball hat mich zu einem offeneren Menschen gemacht.

Inwiefern?

Weil ich während meiner Karriere so viele verschiedene Kulturen kennenlernen durfte. Dementsprechend werde ich wahrscheinlich immer ein Globetrotter sein. Aber ich bin mir sicher, dass ich irgendwann auch mal froh sein werde, zu sagen: So, jetzt bin ich mal drei Monate in Folge in München, gehe in den Englischen Garten, danach in der Stadt einen Kaffee trinken und dann vielleicht noch abends ins Kino. Und sonst bin ich eben einfach nur daheim und genieße es, Zeit zu Hause und Zeit für meine Freunde zu haben. Zeit, die man selten hatte.

Ist ein Leben komplett ohne Fußball für Sie vorstellbar?

Ja. Vorstellbar auf jeden Fall. Ich möchte mich da aber heute noch gar nicht festlegen. Wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist. Außerdem werde ich mir auch nach meinem Karriereende noch einige Spiele, beispielsweise von Bayern oder Barcelona, anschauen. Ich werde auch oft in Barcelona im Stadion sein. Das habe ich schon als kleines Kind getan, und das werde ich auch nach meiner Zeit als Profifußballer wieder tun, weil ich dafür einfach zu sehr diesen Klub und diese Stadt liebe. So werde ich dem Fußball auf jeden Fall schon mal verbunden bleiben. Aber eben als Fan statt in irgendeiner Funktion für einen Verein oder einen Verband.

Den Konkurrenten Gómez muss Miro Klose als Trainer nicht fürchten?

Trainer oder Manager kommt für mich, Stand heute, definitiv nicht in Frage. Weil ich diese Spontanität, von der ich eben sprach, in meinem Leben haben möchte. Ich kann es mir nach meinem Karriereende nicht vorstellen, dass ich freitagabends in irgendeinem Hotel sitze und mir über den anstehenden Spieltag Gedanken machen muss. Das ist nicht das, was ich mir für meine Karriere danach vorstelle.

Haben Sie zu Klose deshalb mal gesagt: ‚Miro, bist du bescheuert, dir das anzutun? Da spielst du bis 38 – und dann kannst du immer noch nicht aufhören mit dem Fußball.‘

Nein, nein. Noch ist sein Trainer-Dasein ja relativ entspannt. Die Sachen, die er jetzt gerade macht, machen Spaß. So könnte ich mir es auch noch vorstellen, Trainer zu sein: Da mal ein Lehrgang und da nochmal ein Lehrgang. Begleitet von einem schönen Länderspiel (lacht). Der Traineralltag wird dann allerdings schon ein anderer sein.

Können Sie sich Klose als Bundesliga- oder Bundestrainer vorstellen?

Natürlich, absolut. Er war ja auch als Spieler immer schon wahnsinnig intelligent. Er hat es auch immer geschafft, auf den Punkt da zu sein. Das ist eine große Qualität. Es muss ja irgendwas in ihm stecken, das diese mentale Stärke bekräftigt. Ihm ist das Talent nicht nur in die Füße, sondern auch in den Charakter gelegt worden. Und auch dieses Talent kann er an junge Spieler weitergeben. Ich glaube, Miro kann ein sehr, sehr guter Trainer werden.

Deutschland wird Weltmeister 2018 mit Klose als Co-Trainer und Gómez als Stürmer.

Eine schöne Geschichte.

Traum oder realistisches Ziel?

Mit Deutschland ist es immer realistisch, Weltmeister zu werden. Vor allem mit der Mannschaft, die wir aktuell zur Verfügung haben. Aber ob es dann auch so kommt, hängt von so vielen Faktoren ab – unter anderem der Tagesform, die auf allerhöchstem Niveau einfach oftmals entscheidend ist. Für mich ist aber schon jetzt klar: Wir reisen als einer der üblichen Favoriten 2018 nach Russland.

Eine Reise, die dann womöglich Ihre letzte Reise als aktiver Fußballer ist.

Voraussichtlich wird es mein letztes Turnier werden. Irgendwie ist das auch so ein rundes Ding: Als ich 2014 verletzt zu Hause saß und nicht in Brasilien dabei sein konnte, habe ich mir immer gesagt: Eine EM und eine WM kommen noch für mich. Die lasse ich mir nicht mehr nehmen. Das war und ist auch weiterhin mein täglicher Antrieb. Bei der EM war ich schon mal dabei. Nun trage ich im Hinblick auf die WM eine große Zuversicht und auch Hoffnung in mir.

Wissen Sie noch, was Hoffnung auf Türkisch heißt?

Das wusste ich noch nie.

Umut.

Umut? Ich glaube, das Wort haben sie mir in der Türkei doch mal gesagt. Wollen Sie mit mir jetzt über meine Hoffnung für die Türkei sprechen?

Gerne.

Ich möchte mich an den großen politischen Diskussionen nicht beteiligen. Ich wünsche mir einfach für die Menschen in der Türkei, dass nach all den Unruhen jetzt wieder Normalität einkehrt. Ich wünsche mir Frieden. Nicht nur in der Türkei, weltweit!

Bereitet Ihnen die weltpolitische Lage generell Sorgen?

Es gibt ja immer so Zyklen. Es wurden irgendwann die Gemeinschaften gegründet: EU, NATO und so weiter. Sogar ganze Nationen haben sich zusammengeschlossen, weil man gemerkt hat: Zusammen ist man stark. Dann hat es lange ganz gut funktioniert. Jetzt hat man das Gefühl: Alle müssen sich mal austesten, reiben und streiten. Um dann zu merken, dass es doch nur zusammen geht. Ich hoffe, dass wir uns jetzt in dieser Phase befinden, die dann zu einem guten und friedlichen Abschluss kommt. Das ist mein großer Wunsch für die Zukunft.

Sie tragen also auch hier viel Hoffnung in sich?

Ich bin von Hause aus ein positiver Mensch. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Respekt natürlich, weil man die genaue Entwicklung momentan nicht abschätzen kann. Aber ich glaube, dass wir alle unter dem Strich erkennen, dass es eben nur zusammen geht und wir alle eins sind.

Lassen Sie uns den Fokus nochmal auf den Fußball richten. Warum ist Paris für Julian Draxler so viel besser als Wolfsburg?

Weil er dort befreit aufspielen kann. Ich glaube, dass er irgendwann in seinem Kopf hatte, dass er hier aus Wolfsburg weg muss. Ab dem Moment ist es dann schwierig, gut Fußball zu spielen. Das hat nichts mit  Wolfsburg zu tun. Wenn sich ein Spieler im Verein nicht wohlfühlt – egal, wo auf der Welt –, wenn er mit dem Kopf nicht mehr da ist, dann kann er nicht die Leistung bringen, zu der er eigentlich im Stande ist. Dass  Julian ein begnadeter Fußballer ist, wissen wir alle. Dass er große Dinge leisten kann, wissen wir auch. Für mich hat das auch gar nichts mit Paris zu tun. Es hat einfach damit zu tun, dass er jetzt da ist, wo er hin wollte und deswegen da auch gut Fußball spielen kann.

Ein anderer Nationalspieler, der auch einen Wechsel in der Hoffnung auf persönliche Verbesserung vollzogen hat, ist Mario Götze.

Ich wünsche ihm einfach nur, dass er schnell wieder zu 100 Prozent gesund und fit wird. Weil er einer der besten Spieler ist, die wir in Deutschland jemals hatten. Und von diesem Satz bin ich wirklich ganz, ganz tief überzeugt. Ich muss ganz oft an seine Trainingseinheiten im Vorfeld seines ersten Länderspiels 2010 in Schweden denken. Ich habe damals nur gedacht: ‚Leck mich am Arsch, was ist das denn?‘ Wo kommt der denn her? Der hatte mit 18 Jahren eine Selbstverständlichkeit in seinem Spiel, bei der ich mir dachte: ‚Hut ab. Da haben wir einen!‘

Im Basketball haben wir mit Dirk Nowitzki ebenfalls einen. Wie eng sind Sie wirklich mit ihm befreundet?

Freundschaft würde ich es nicht nennen, denn ich habe ihn erst einmal getroffen. Wir haben denselben Sponsor. Aus diesem Grund hatten wir 2015 auch das Champions-League-Finale zusammen gesehen, hatten ein tolles Wochenende in Berlin. Dirk ist ein lustiger, aufgeschlossener Typ. Er ist wahnsinnig interessiert an allem im Fußball, hat Miro Klose und mich während des Finales mit Fragen gelöchert. Manchmal saß ich da, habe ihn einfach nur angeschaut und musste schmunzeln. Dirk ist ein Unikat. Eine Erscheinung. Alle sagen über ihn, er sei so bodenständig. Und wenn man ihn dann erlebt, sagt man sich: Der ist wirklich so bodenständig. So normal, als ob er noch kein einziges NBA-Spiel gemacht hätte. Beeindruckend und ein Vorbild für jeden Sportler.

Und wer beendet als erster seine Karriere: Dirk Nowitzki oder Mario Gómez?

Ich weiß nicht, was der Lange vorhat. Lassen wir uns überraschen. Anscheinend wird er nie älter. Aber gefühlt mache ich noch länger.

Felix Seidel / Fatih Demireli